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Fr, 11:31 Uhr
15.06.2001

Geburtstagsparty als Spielelbild?

Nordhausen (nnz). Das Tourismus-Informationszentrum im Harzquerbahnhof feierte heute seinen 5. Geburtstag. Bei der Anzahl der Gäste, die der Einladung der EGN gefolgt waren, sollte man annehmen, daß Tourismus eine Angelegenheit vieler verantwortlicher Menschen ist. Gut zu wissen, daß der Tourismus manchen „Entscheidern“ ans Herz gewachsen ist. Die Vergangenheit und Gegenwart beweist jedoch ein völlig anderes Bild. nnz führte im Vorfeld der heutigen Geburtstagsparty ein Interview mit Landrat Joachim Claus (CDU).

Herr Claus, in einer Pressemeldung des neuen Vorstandes ist von Neuformierung die Rede. Weshalb ist die notwendig?

Joachim Claus: Der Tourismusverband hat in den letzten Jahren auf Kreisebene keine Akzeptanz mehr gefunden. Die Ursachen dafür waren vielschichtig. Es ist aber wichtig, daß sich die Region gemeinsam nach außen darstellt, um Tourismusaktivitäten zu organisieren. Das ist aber nur dann möglich, wenn die Kräfte gebündelt werden. Um das zu erreichen, ist eine Neuformierung des Verbandes notwendig.

Worauf ist die fehlende Akzeptanz zurückzuführen?

Joachim Claus: In erster Linie haben viele Befindlichkeiten die Arbeit des Verbandes belastet. Diese haben dazu geführt, daß sich der eine zurückgezogen hat, der andere hat dagegen „geschossen“ und der Dritte hat sich dazu in Schweigen gehüllt. Das war keine Basis für eine effiziente Arbeit im Verband. Ich möchte deshalb verbindend wirken und die Akteure wieder zusammenbringen. Natürlich braucht man dazu auch finanzielle Mittel. Aber Geld ist nicht alles. Ich denke, wenn der Tourismusverband wieder eine gute Arbeit leistet und greifbare Ergebnisse erzielt, wird es auch wieder Geld für diese Arbeit geben.

Welche Zielstellung hat sich der neue Vorstandes auf die Fahne geschrieben?

Joachim Claus: Unsere Zielstellung ist die touristische Vermarktung der Region als Ganzes sowie eine bessere Zusammenarbeit mit den Akteuren und Partnern. Die erste Aufgabe des neuen Vorstandes ist klar definiert. Über eine neu Beitragsordnung wollen wir dafür sorgen, daß die Mitgliederzahl konstant bleibt, beziehungsweise wieder ansteigt. Lieber fünf Leute mehr, die einen geringeren Beitrag zahlen, als wenige Mitglieder, die mehr berappen müssen.

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, daß der Tourismusverband nicht ehrenamtlich geführt werden kann, sondern Professionalität ist erforderlich. Wie seht es damit aus?

Joachim Claus: Sicher, das Amt des Vorsitzenden kann nur eine gewisse Zeit ehrenamtlich wahrgenommen werden. Man muß sich die Frage stellen, ob Tourismusarbeit auf Dauer nur mit dem 2. Arbeitsmarkt realisiert werden kann, oder ob man nicht ein Fundament schafft, das man als Basis für die Arbeit des Verbandes nutzen kann.

In der Pressemitteilung hieß es, daß der Verband als Arbeitgeber fungiert und ein Zweckbetrieb aufgebaut werden will. Was heißt das im Klartext?

Joachim Claus: Der Verband will nicht nur aus der Not heraus, weil die EGN abgewickelt wird, sondern auch vor dem Hintergrund, daß die Tourismusinformationzentrale im Harzquerbahnhof der Dreh- und Angelpunkt der Tourismusarbeit ist, sich wieder der Aufgabe stellen, Arbeitgeber und Träger der Tourismusinformationzentrale zu sein, in der Hoffnung, daß auch die Stadt Nordhausen in der Diskussion um die Mobilitätszentrale auch erkennt, daß eine Ansprechstelle im Bahnhofsgelände wichtig und richtig ist. Ich verspreche mir von der Trägerschaft der Tourismusinformationszentrale außerdem auch die Möglichkeit, daß von dort aus Verbandsarbeit koordiniert und gesteuert werden kann.

Woher sollen die finanziellen Mittel herkommen?

Joachim Claus: Die Grundfinanzierung der Tourismusinformationszentrale ist gesichert. Wenn wir Tourismus in der Region ernst meinen, und das sage ich im Hinblick auf den Haushalt 2002, müssen es mehr als 60000 Mark sein, die dafür bereitgestellt werden. Ich hoffe aber auch daß es aus dem Dienstleistungs- und dem Wirtschaftsbereich sowie aus den Bereichen, die Interesse an touristischer Entwicklung haben, Unterstützung geben wird. Gespräche dazu habe ich schon geführt. Ganz konkret werde ich mit der Sparkasse über eine bestimmte Summe sprechen, die sie uns als Anschubfinanzierung zur Verfügung stellt.

Sie haben fünf Fachausschüsse gebildet, die die Arbeit des Verbandes steuern sollen. Besteht nicht die Gefahr, daß „viele Köche den Brei verderben“, indem der Tourismus wieder zerredet wird?

Joachim Claus: Natürlich besteht immer die Gefahr, daß viele Köche den Brei verderben. Ich habe aber festgestellt, daß es viele Leute gibt, die Ideen haben, und daß sich zahlreiche Akteure im Verband einbringen wollen. Diese positiven Dinge sollen in den Ausschüssen aktiviert werden. Ob es bei fünf Ausschüssen bleibt, wird sich zeigen. Ich möchte die Fach- und Sachkompetenz bündeln und will noch in diesem Monat den Mitgliedern der Ausschüsse das veraltete Tourismusleitbild von 1995 als Arbeitsgrundlage übergeben, mit der Bitte, dieses Leitbild weiterzuentwickeln.

Wie wollen Sie die verschiedenen touristischen Vereine der Region und der Stadt Nordhausen wieder an einen Tisch bekommen und zur Mitarbeit bewegen?

Joachim Claus: Im Tourismusleitbild wird klar zum Ausdruck kommen, wie die regionalen Vereine und Aktivitäten in der Goldenen Aue, im Südharz, im Bleicheröder Raum und in Nordhausen sinnvoll mit einbezogen werden können. Jede Aktivität vor Ort muß genutzt werden, um die Region in Gänze nach außen zu vermarkten und touristisch interessant zu machen. Dazu ist es natürlich auch wichtig, daß wir uns mit den anderen Akteuren im Harz verständigen, beispielsweise mit dem Regionalverband - da ist es relativ einfach, weil ich derzeit in diesem Verband noch Vorsitzender bin - sowie mit dem Harzer Verkehrsverband und mit dem Harzer Förderkreis. Die Gespräche werden noch vor der Sommerpause beginnen. Außerdem hoffe ich, daß ich demnächst einen Termin beim Ministerium und bei der Tourismus GmbH bekomme, um auch dort Sand aus dem Getriebe zu nehmen und zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit zu kommen.

Die Landesgartenschau 2004 wirft ihre Schatten voraus. Welche touristischen Aktivitäten gibt es, damit die gesamte Region davon profitieren kann?

Joachim Claus: Damit sprechen Sie einen konkreten Punkt an, der mich auch bewogen hat, den Vorsitz des Verbandes zu übernehmen. Die Landesgartenschau 2004 muß schon jetzt Dreh- und Angelpunkt aller Marketingaktivitäten der Region sein. Die Landesgartenschau LSG 2004 ist nur dann sinnvoll, wenn sie über die Stadt hinausstrahlt, wenn sie dafür sorgt, daß sich die ganze Region mit diesem Event identifiziert und das Event auch nach außen hin vertritt. In den nächsten Tagen werde ich mit der Oberbürgermeisterin Frau Rinke ein Gespräch führen, wie wir in Bezug auf Mobilitätszentrale, Vermarktung Landesgartenschau und der Entwicklung der Stadt Nordhausen zum Oberzentrum in die gemeinsame Richtung am Strick ziehen.
Herr Claus, wir bedanken uns für dieses Gespräch.
Autor: rh

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