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Di, 11:34 Uhr
02.06.2015

Bus, Bagger und Brummi - Fahr doch selbst!

Die Nachrichten vom Arbeitsmarkt bleiben auch im Mai positiv. Sorgen bereitet aber die Nachwuchsfrage. Besonders betroffen ist schon jetzt der Logistikbereich. Um für die eigene Branche zu werben geht man in Nordthüringen seit einiger Zeit neue Wege. Demnächst steht mit dem Berufsaktionstag wieder ein Höhepunkt an...

Rund sechs Millionen Arbeitnehmer werden laut Prognosen in den kommenden zehn Jahren in Deutschland in den Ruhestand gehen und Platz für den Nachwuchs machen. Nur der fehlt leider. Aus den Schulen werden nicht genug junge Leute nachrücken um den Bedarf an Arbeitskräften zu decken, so die Befürchtung.

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Die "demographische Falle", vor der schon vor Jahren gewarnt wurde, habe die Gesellschaft nunmehr erreicht, hieß es zum Pressegespräch in der Nordhäuser Arbeitsagentur. Ein weiteres Problem sei ein verändertes Bewerberverhalten, also die Tendenz unter jungen Leuten nach höheren Abschlüssen zu streben. In Einzelfällen sei das nicht immer sinnvoll, sagte Karsten Froböse, Leiter der Nordhäuser Arbeitsagentur. In der derzeitigen Lage habe man in vielen Bereichen die Chance auch ohne Studium in den Unternehmen in höhere Positionen zu kommen.

Ein Bereich, der den Mangel an Fachkräften schon jetzt zu spüren bekommt, ist die Transport- und Logistikbranche. Über 35% der Angestellten in den Unternehmen sind über 55 Jahre alt und allein in Nordthüringen geht in den kommenden zehn Jahren jeder sechste Kraftfahrer in den Ruhestand, 161 freie Stellen wurden der Arbeitsagentur schon jetzt gemeldet.

Um dem Trend entgegenzusteuern übt sich die Nordthüringer Transportbranche seit einigen Jahren in vermehrter Zusammenarbeit. Mit der Kampagne "Deine Zukunft" versucht man abseits von Berufsmessen und dem verteilen von Flyern frischen Nachwuchs zu gewinnen. So besuchen "Promotionsteams" regelmäßig die Schulen der Region, um bei den Schülerinnen und Schülern das Image der Branche "auf die Füße zu stellen", sagte Ralph Böttcher, Niederlassungsleiter der Spedition Kielholz & Rybicki in Nordhausen.

Denn im Transport- und Logistikbereich arbeiten bei weitem nicht nur Fernfahrer. "Wir haben vier größere Ausbildungskategorien", erklärte Marcel Kübler vom Bildungszentrum Straßenverkehr, "dazu gehören kaufmännische Berufe, der Lager- und Logistikbereich, Instandhaltung und natürlich die Fahrberufe". Darunter fallen nicht allein Lkw-Fahrer, sondern auch Baugeräteführer, Busfahrer oder Servicekraftfahrer.

Als jährliches Highlight wird man auch in diesem Jahr wieder den Berufsaktionstag "Fahr doch selbst" organisieren. Auf dem Nordhäuser Autodrom wird am 27. Juni also wieder einiges los sein, schließlich will man die Vielfalt der Branche zeigen und 12 Berufsfelder vorstellen. Potentielle Azubis können sich am Lenkrad von Lkw und Bus oder hinter dem Steuer von Bagger, Radlader und Stapler ausprobieren. Hinzu kommen verschieden Simulatoren und vier Wettbewerbe: Radwechsel auf Zeit, rangieren, Staplerparcours und Wissenstest.

v.l.: die Spediteure Ralf Böttcher und Dieter Redemann, Agenturleiter Karsten Froböse und Marcel Kübler vom Berufsbildungszentrum Verkehr (Foto: Angelo Glashagel) v.l.: die Spediteure Ralf Böttcher und Dieter Redemann, Agenturleiter Karsten Froböse und Marcel Kübler vom Berufsbildungszentrum Verkehr (Foto: Angelo Glashagel)

Zur Vorstellung der Arbeitsmarktzahlen war auch die Nordthüringer Logistikbranche vertreten um für ihren Berufsaktionstag am 27. Juni zu werben: (v.l.) die Spediteure Ralf Böttcher und Dieter Redemann, Agenturleiter Karsten Froböse und Marcel Kübler vom Berufsbildungszentrum für den Straßenverkehr

Seit 2011 wird der Aktionstag mit zunehmenden Erfolg durchgeführt und auch die Veranstalter haben dazugelernt und das Programm erweitert. "Inzwischen ist es fast schon ein Familienfest", sagte Kübler, "da viele der jungen Leute ihre Eltern und Geschwister mitbringen". Wer schon einen Beruf hat oder noch zu jung ist, um sich Gedanken über die spätere Berufswahl zu machen, wird auch Interessantes vorfinden. Ein altes Pferdefuhrwerk sowie eine historische Fahrzeugschau beleuchten die Geschichte der Branche, auf der Hüpfburg und dem Fahrradparcours können sich die jüngeren austoben.

Insgesamt wirbt man über die Grenzen Thüringens hinaus in sieben Landkreisen um Nachwuchs und vermittelt auch untereinander. Die Fachkräftegewinnung im Ausland stecke aber noch in den Kinderschuhen, sagte Dieter Redemann, ebenfalls Spediteur.

Aber hier wird in der Zukunft ein Lösungsweg für das Fachkräfteproblem liegen müssen, meinte Agenturchef Froböse. Schon jetzt gibt es in Nordthüringen Flüchtlinge, die zwar bereits Arbeitslos gemeldet sind, aber noch nicht arbeiten können oder dürfen. "Wir werden diese Arbeitskräfte brauchen und darauf arbeiten wir hin", erklärte Froböse.

Daran müssten auch die Menschen ein Interesse haben, die derzeit in Beschäftigung sind. "Viele der hiesigen Unternehmen sind Zulieferer für andere Betriebe", erklärte Froböse die Situation. Würden diese wegen Personalmangel die Produktion nicht mehr wie bisher aufrecht erhalten können, drohten sie aus dem Markt zu fallen und das gefährde dann auch die vorhandenen Arbeitsplätze. "Wir haben zehn Jahre Zeit gegenzusteuern", sagte Froböse, "und das müssen wir tun, sonst sägen wir den Ast ab auf dem wir sitzen".
Angelo Glashagel
Autor: red

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