Mo, 15:10 Uhr
24.05.2004
Naturnaher Müll-Berg
Nordhausen (nnz). Feierlich übergeben wurde heute vormittag ein Berg, ein Müllberg allerdings, auch wenn man ihm das nicht mehr ansieht. Gemeinsam mit den Bauherren durfte nnz heute einen Blick von diesem Berg über Nordhausen werfen.
Naturnaher Müll-Berg (Foto: nnz)
Eigentlich sollte die feierliche Übergabe der gesicherten und rekultivierten Altdeponie in Nentzelsrode draußen stattfinden, am Ort des Geschehens sozusagen. Das Wetter machte einen Strich durch die Rechnung, deshalb gab es die Informationen im trockenen Verwaltungsgebäude. Hinterher folgte ein Rundgang über den neuen Müll- Berg, der sich bald durch Installation einer Photovoltaikanlage nützlich machen wird.
Landrat Joachim Claus (CDU) als "Bauherr" zeigte sich erfreut über die Beendigung der Arbeiten und wünschte sich, daß so ein innovatives Abfallwirtschaftszentrum den Müll in der Region halten wird. Viele haben mitgeholfen, wenn es um die Beschaffung von Fördermitteln für die Rekultivierung des Altstandortes ging, lobte der Landrat. Ebenso gut gefallen hat ihm die Zusammenarbeit mit den Firmen in der Arbeitsgemeinschaft Deponiesanierung. Am 7. Juni erfolge nun die Vergabe für die Solarstromanlage.
Wie viel mehr Müll wir seit der Wende erzeugen, zeigte ein einfaches Beispiel. Vom 1. 6. 1969, wo die Deponie ihren Betrieb als ungeordnete Ablagestätte aufnahm, bis 1. 3. 1990, wo die Bergsicherung Ilfeld als Betreiber der Anlage vom Landkreis eingesetzt wurde, landeten 605.000 m³ Bauschutt und Hausmüll in Nentzelsrode. Zwischen 1990 und 1993 kamen noch einmal fast genauso viel dazu, nämlich 560.000 m³.
1,5 Millionen Tonnen Müll lagerten an diesem Altstadtort, für den eine kostenmäßig akzeptable Lösung gefunden werden mußte. Zwischen 25 Millionen Euro und nur 3,5 Millionen hätte man ausgeben können.
Die teuerste Variante wäre eine Umlagerung der Altdeponie mit Teilrecycling und partieller Wiedereinlagerung in die neuen Polder 5 und 6 gewesen. Viel preiswerter ließ sich die Sanierung mit der alternativen Oberflächenabdeckung lösen. Dazu wurde ein standortbezogenes Entwässerungssystem entwickelt. Offene Gräben leiten unverseuchtes Oberflächenwasser mittels Gerinne in ein Retentionsfilterbecken. Von dort verdampft es und wird so dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt.
Besonders preisgünstig wurde die Maßnahme, da sich Dichtungsmaterialien wie der Buntsandstein direkt am Standort fanden. Sie waren als Aushub der Polder 5 und 6 zwischengelagert worden. Natürliche Ressourcen wie das Grauwackegestein aus dem Harz konnten geschont und Transporte vermieden werden.
Da der Landkreis Mitglied im Zweckverband Abfallwirtschaft Nordthüringen (ZAN) ist, kam er in den Genuß einer großzügigen Förderung des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt. 60 Prozent der Kosten von 2.352.000 Euro Gesamtvolumen in den Jahren von 2002 bis 2004 wurden gefördert.
Die Planung und Bauleitung hatte die ARGE Deponiesanierung inne, die Bauausführung wurde von der Firma TS-Bau aus Jena übernommen. 250.000 m³ Material habe man bewegt, berichtet Geschäftsführer Roland Stelzig. Auch er war angetan von der guten Zusammenarbeit mit den Planern und Bauherren. Für seine Firma, die rund 200 Mitarbeiter beschäftigt, seien solche großen Aufträge sehr wichtig.
Das Ziel, den ehemaligen Müllberg wieder in die Landschaft einzugliedern und mit einer Erstbegrünung zum natürlichen Wiederbewuchs anzuregen, scheint gelungen. Matthias Gässner, Referatsleiter der kommunalen Abfallwirtschaft sagte, daß man etwas Altes hinter sich lassen müsse, dann könne Neues beginnen. Das Neue wird das Abfallwirtschaftszentrum in Zusammenarbeit mit der Firma Rethmann sein.
Autor: wf
Naturnaher Müll-Berg (Foto: nnz)
Eigentlich sollte die feierliche Übergabe der gesicherten und rekultivierten Altdeponie in Nentzelsrode draußen stattfinden, am Ort des Geschehens sozusagen. Das Wetter machte einen Strich durch die Rechnung, deshalb gab es die Informationen im trockenen Verwaltungsgebäude. Hinterher folgte ein Rundgang über den neuen Müll- Berg, der sich bald durch Installation einer Photovoltaikanlage nützlich machen wird.
Landrat Joachim Claus (CDU) als "Bauherr" zeigte sich erfreut über die Beendigung der Arbeiten und wünschte sich, daß so ein innovatives Abfallwirtschaftszentrum den Müll in der Region halten wird. Viele haben mitgeholfen, wenn es um die Beschaffung von Fördermitteln für die Rekultivierung des Altstandortes ging, lobte der Landrat. Ebenso gut gefallen hat ihm die Zusammenarbeit mit den Firmen in der Arbeitsgemeinschaft Deponiesanierung. Am 7. Juni erfolge nun die Vergabe für die Solarstromanlage.
Wie viel mehr Müll wir seit der Wende erzeugen, zeigte ein einfaches Beispiel. Vom 1. 6. 1969, wo die Deponie ihren Betrieb als ungeordnete Ablagestätte aufnahm, bis 1. 3. 1990, wo die Bergsicherung Ilfeld als Betreiber der Anlage vom Landkreis eingesetzt wurde, landeten 605.000 m³ Bauschutt und Hausmüll in Nentzelsrode. Zwischen 1990 und 1993 kamen noch einmal fast genauso viel dazu, nämlich 560.000 m³.
1,5 Millionen Tonnen Müll lagerten an diesem Altstadtort, für den eine kostenmäßig akzeptable Lösung gefunden werden mußte. Zwischen 25 Millionen Euro und nur 3,5 Millionen hätte man ausgeben können.
Die teuerste Variante wäre eine Umlagerung der Altdeponie mit Teilrecycling und partieller Wiedereinlagerung in die neuen Polder 5 und 6 gewesen. Viel preiswerter ließ sich die Sanierung mit der alternativen Oberflächenabdeckung lösen. Dazu wurde ein standortbezogenes Entwässerungssystem entwickelt. Offene Gräben leiten unverseuchtes Oberflächenwasser mittels Gerinne in ein Retentionsfilterbecken. Von dort verdampft es und wird so dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt.
Besonders preisgünstig wurde die Maßnahme, da sich Dichtungsmaterialien wie der Buntsandstein direkt am Standort fanden. Sie waren als Aushub der Polder 5 und 6 zwischengelagert worden. Natürliche Ressourcen wie das Grauwackegestein aus dem Harz konnten geschont und Transporte vermieden werden.
Da der Landkreis Mitglied im Zweckverband Abfallwirtschaft Nordthüringen (ZAN) ist, kam er in den Genuß einer großzügigen Förderung des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt. 60 Prozent der Kosten von 2.352.000 Euro Gesamtvolumen in den Jahren von 2002 bis 2004 wurden gefördert.
Die Planung und Bauleitung hatte die ARGE Deponiesanierung inne, die Bauausführung wurde von der Firma TS-Bau aus Jena übernommen. 250.000 m³ Material habe man bewegt, berichtet Geschäftsführer Roland Stelzig. Auch er war angetan von der guten Zusammenarbeit mit den Planern und Bauherren. Für seine Firma, die rund 200 Mitarbeiter beschäftigt, seien solche großen Aufträge sehr wichtig.
Das Ziel, den ehemaligen Müllberg wieder in die Landschaft einzugliedern und mit einer Erstbegrünung zum natürlichen Wiederbewuchs anzuregen, scheint gelungen. Matthias Gässner, Referatsleiter der kommunalen Abfallwirtschaft sagte, daß man etwas Altes hinter sich lassen müsse, dann könne Neues beginnen. Das Neue wird das Abfallwirtschaftszentrum in Zusammenarbeit mit der Firma Rethmann sein.


