Di, 11:01 Uhr
28.04.2015
Mehr Thüringer von Armut bedroht
Langzeitarbeitslose, Kinder in einkommensschwachen Haushalten, Alleinerziehende und arme ältere Menschen sind die Verlierer der sozialen Entwicklung in Deutschland und Thüringen. Das zeigt ein Gutachten des PARITÄTISCHEN zur sozialen Lage...
Die Ergebnisse des Gutachtens sind alarmierend, so der Paritätische: Alle volkwirtschaftlichen Erfolgsmeldungen können nicht über die fortschreitende Spaltung der Gesellschaft hinwegtäuschen, bilanzierte Dr. Joachim Rock, der Verfasser des Gutachtens. Reinhard Müller, Landesgeschäftsführer des Paritätischen weist auf das steigende Armutsrisiko, auch in Thüringen, und die Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit hin. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer tiefer – und das trotz der guten Konjunktur und einem sich positiv entwickelnden Arbeitsmarkt auch in Thüringen, so Müller.
18 Prozent der Thüringer sind nach der Armutsstudie des Paritätischen vom Februar aktuell von Armut bedroht. Bei der Berechnung der relativen Armutsquoten werden, wie in der EU üblich, Personen in Haushalten gezählt, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen bedarfsgewichteten Einkommens in Deutschland beträgt. Umgerechnet sind das fast 400 000 Thüringer, die wegen ihres geringen Einkommens als armutsgefährdet gelten.
Die Quote hat sich von 16,8 Prozent im Jahr 2012 auf 18 Prozent 2013 erhöht. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich in Thüringen ebenfalls verfestigt. 10,8 Prozent der Thüringer beziehen unterstützende Leistungen wie Hartz IV oder Sozialhilfe, ergab die Armutsstudie.
Der Paritätische fordert insbesondere für die besonders betroffenen Gruppen mehr Unterstützung und durchgreifende Reformen. Dazu zählt beispielsweise eine bedarfsgerechte Anhebung der Regelsätze in Hartz IV, eine durchgreifende Reform der Altersgrundsicherung und Maßnahmen gegen die Langzeitarbeitslosigkeit. Das neue Landesprogramm in Thüringen wird vom Paritätischen zwar grundsätzlich begrüßt, sollte aber stärker als bisher geplant auf die Integration der Betroffenen in den ersten Arbeitsmarkt abzielen. Außerdem ist nach Meinung von Müller auch ein steuerpolitischer Kurswechsel angebracht.
Der Paritätische plädiert für eine angemessene Besteuerung sehr hoher Einkommen, Vermögen und Erbschaften.
Kritik übt das Gutachten auch an der Bundesregierung. Die im vergangenen Jahr umgesetzten Gesetzesvorhaben der Großen Koalition seien in der Gesamtheit nicht geeignet gewesen, der tiefer werdenden Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken. Sie habe die falschen Prioritäten gesetzt, kritisiert das Gutachten. Durch Maßnahmen wie die umstrittene Rentenreform sei die Spaltung der Gesellschaft sogar noch vertieft worden.
Autor: redDie Ergebnisse des Gutachtens sind alarmierend, so der Paritätische: Alle volkwirtschaftlichen Erfolgsmeldungen können nicht über die fortschreitende Spaltung der Gesellschaft hinwegtäuschen, bilanzierte Dr. Joachim Rock, der Verfasser des Gutachtens. Reinhard Müller, Landesgeschäftsführer des Paritätischen weist auf das steigende Armutsrisiko, auch in Thüringen, und die Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit hin. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer tiefer – und das trotz der guten Konjunktur und einem sich positiv entwickelnden Arbeitsmarkt auch in Thüringen, so Müller.
18 Prozent der Thüringer sind nach der Armutsstudie des Paritätischen vom Februar aktuell von Armut bedroht. Bei der Berechnung der relativen Armutsquoten werden, wie in der EU üblich, Personen in Haushalten gezählt, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen bedarfsgewichteten Einkommens in Deutschland beträgt. Umgerechnet sind das fast 400 000 Thüringer, die wegen ihres geringen Einkommens als armutsgefährdet gelten.
Die Quote hat sich von 16,8 Prozent im Jahr 2012 auf 18 Prozent 2013 erhöht. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich in Thüringen ebenfalls verfestigt. 10,8 Prozent der Thüringer beziehen unterstützende Leistungen wie Hartz IV oder Sozialhilfe, ergab die Armutsstudie.
Der Paritätische fordert insbesondere für die besonders betroffenen Gruppen mehr Unterstützung und durchgreifende Reformen. Dazu zählt beispielsweise eine bedarfsgerechte Anhebung der Regelsätze in Hartz IV, eine durchgreifende Reform der Altersgrundsicherung und Maßnahmen gegen die Langzeitarbeitslosigkeit. Das neue Landesprogramm in Thüringen wird vom Paritätischen zwar grundsätzlich begrüßt, sollte aber stärker als bisher geplant auf die Integration der Betroffenen in den ersten Arbeitsmarkt abzielen. Außerdem ist nach Meinung von Müller auch ein steuerpolitischer Kurswechsel angebracht.
Der Paritätische plädiert für eine angemessene Besteuerung sehr hoher Einkommen, Vermögen und Erbschaften.
Kritik übt das Gutachten auch an der Bundesregierung. Die im vergangenen Jahr umgesetzten Gesetzesvorhaben der Großen Koalition seien in der Gesamtheit nicht geeignet gewesen, der tiefer werdenden Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken. Sie habe die falschen Prioritäten gesetzt, kritisiert das Gutachten. Durch Maßnahmen wie die umstrittene Rentenreform sei die Spaltung der Gesellschaft sogar noch vertieft worden.

