Do, 06:43 Uhr
12.02.2015
Haudegen-Sänger liest in der Wiedigsburg
Er hatte schon viele Leben, nannte sich Razia oder auch Joe Rilla, war Sprayer, Rapper, Türsteher und auch Kleinganove. Er stellt sich seiner Vergangenheit und erzählt offen und schonungslos sein bewegtes Leben. Er ist Frontmann der Deutschrockband HAUDEGEN und bringt autobiographische Texte aus seinem rauen Leben zu Gehör. Er – das ist Hagen Stoll...
Der erfolgreiche Sänger und Songschreiber erreicht mit den Alben seiner Band HAUDEGEN regelmäßig Top-Ten-Platzierungen und die Konzerte sind regelmäßig ausverkauft. In Liedermacher-Tradition nimmt HAUDEGEN kein Blatt vor den Mund, erweist sich als sozialkritisch und verantwortungsbewusst. Auch den Nordhäuser Altstadtfest-Besuchern ist das Deutschrock-Duo nicht unbekannt.
Diese Erfolgskarriere wurde dem großflächig tätowierten und stiernackigen Frontmann Stoll nicht in die Wiege gelegt. Und in dieses bewegte und nicht unbedingt geradlinige Leben, in seine Kindheit, seine Jugend sowie seine Ab- und Umwege gibt er nun einen Einblick: lesend und musikalisch – in Form von Lesekonzerten, auch in Nordhausen.
Der Mauerfall hob demnach das Leben des Berliner Jungen Hagen aus den Angeln. Orientierungslosigkeit, Wut und Frustration suchten sich verschiedene Ventile, in diversen Jobs, kleineren Gaunereien, auch Schlägereien, aber vor allem im Sprayen und Rap.
Das Wendekind Stoll stammt aus dem Ostteil Berlins. Er kam in Friedrichshain zur Welt und lebte, als die Mauer fiel, mit 14 in Marzahn, DER Plattensiedlung. Seine ostdeutsche Herkunft wird in vielen seiner Musikstücke thematisiert. Der Sohn eines Grenzbeamten und einer Krankenschwester trat bereits mit sechs Jahren in einen Leistungssportverein ein und wurde als 15Jähriger der letzte Landesmeister der DDR im Tischtennis seiner Altersklasse.
Cover (Foto: Heyne Verlag)
Das aufgeweckte Zonenkind entdeckte die Malereien an der Westseite der Mauer. Davon inspiriert arbeitete er an einem eigenen Stil und gestaltete unter seinem Künstlernamen Razia schwungvolle Graffiti entlang der S-Bahnlinie zwischen Alexanderplatz und Ahrensfelde. Nach einer Lehre auf dem Bau und Gelegenheitsjobs wandte sich Stoll dem Hip-Hop zu, wurde Produzent, unter anderem von Sido, und Autor in den legendären Hansa-Studios im Westen, rappte als Joe Rilla, bildete die Hip-Hop-Formation Analphabeten und produzierte Beats.
In den 90er Jahren erwies sich der HipHop als Sammelbecken orientierungsloser Jugendlicher in ostdeutschen Großstädten und schuf eine Gemeinschaft, die Halt und Hilfe in der gesellschafts-politischen Zeit des Umbruchs bot. Die Musikrichtung versteht sich als Jugendkultur, als eine Kultur, die auf der Straße gelebt wird und einen eigenen Jargon entwickelt hat. Gangsta-Rap gilt dabei als gewaltverherrlichend.
Offen und schonungslos beschreibt Hagen Scholl nun in seinem Buch So fühlt sich Leben an die schockierenden Veränderungen seines einstigen Zuhauses – vom Plattenneubaukomfort zur rechtsfreien Zone, den Zusammenbruch der DDR. Den Kopf voller Träume machten Stoll und seine Kumpels sich auf, die Welt neu zu entdecken. Wegen seiner Vorliebe für »Negermusik« wird Hagen Stoll verprügelt, gerät ein anderes Mal ins Visier einer Motorradgang und fürchtet um sein Leben. Auch der kräfte-zehrende Kampf im Musikbusiness hält an. Doch Hagen Stoll spürt immer eine deutliche Zugkraft geradeaus. Beharrlich, unbestechlich und bereit zur Veränderung, macht er sich auf den Weg zum Erfolg – und zu sich selbst.
Die Organisatoren der Veranstaltungsreihe Herder liest freuen sich, wieder einmal ein Extra, ein Lesekonzert der besonderen Art, anbieten zu können und laden alle Interessierten recht herzlich in die Aula des Herder-Gymnasiums ein. Die Lesung beginnt um 19.00 Uhr und wird mit Songs aus dem Soloalbum Hagen Stolls untermalt. (Eintritt: 10 Euro; Schüler, Studenten und Ehemalige zahlen 5 Euro).
Heike Roeder
Autor: redDer erfolgreiche Sänger und Songschreiber erreicht mit den Alben seiner Band HAUDEGEN regelmäßig Top-Ten-Platzierungen und die Konzerte sind regelmäßig ausverkauft. In Liedermacher-Tradition nimmt HAUDEGEN kein Blatt vor den Mund, erweist sich als sozialkritisch und verantwortungsbewusst. Auch den Nordhäuser Altstadtfest-Besuchern ist das Deutschrock-Duo nicht unbekannt.
Diese Erfolgskarriere wurde dem großflächig tätowierten und stiernackigen Frontmann Stoll nicht in die Wiege gelegt. Und in dieses bewegte und nicht unbedingt geradlinige Leben, in seine Kindheit, seine Jugend sowie seine Ab- und Umwege gibt er nun einen Einblick: lesend und musikalisch – in Form von Lesekonzerten, auch in Nordhausen.
Der Mauerfall hob demnach das Leben des Berliner Jungen Hagen aus den Angeln. Orientierungslosigkeit, Wut und Frustration suchten sich verschiedene Ventile, in diversen Jobs, kleineren Gaunereien, auch Schlägereien, aber vor allem im Sprayen und Rap.
Das Wendekind Stoll stammt aus dem Ostteil Berlins. Er kam in Friedrichshain zur Welt und lebte, als die Mauer fiel, mit 14 in Marzahn, DER Plattensiedlung. Seine ostdeutsche Herkunft wird in vielen seiner Musikstücke thematisiert. Der Sohn eines Grenzbeamten und einer Krankenschwester trat bereits mit sechs Jahren in einen Leistungssportverein ein und wurde als 15Jähriger der letzte Landesmeister der DDR im Tischtennis seiner Altersklasse.
Cover (Foto: Heyne Verlag)
Das aufgeweckte Zonenkind entdeckte die Malereien an der Westseite der Mauer. Davon inspiriert arbeitete er an einem eigenen Stil und gestaltete unter seinem Künstlernamen Razia schwungvolle Graffiti entlang der S-Bahnlinie zwischen Alexanderplatz und Ahrensfelde. Nach einer Lehre auf dem Bau und Gelegenheitsjobs wandte sich Stoll dem Hip-Hop zu, wurde Produzent, unter anderem von Sido, und Autor in den legendären Hansa-Studios im Westen, rappte als Joe Rilla, bildete die Hip-Hop-Formation Analphabeten und produzierte Beats. In den 90er Jahren erwies sich der HipHop als Sammelbecken orientierungsloser Jugendlicher in ostdeutschen Großstädten und schuf eine Gemeinschaft, die Halt und Hilfe in der gesellschafts-politischen Zeit des Umbruchs bot. Die Musikrichtung versteht sich als Jugendkultur, als eine Kultur, die auf der Straße gelebt wird und einen eigenen Jargon entwickelt hat. Gangsta-Rap gilt dabei als gewaltverherrlichend.
Offen und schonungslos beschreibt Hagen Scholl nun in seinem Buch So fühlt sich Leben an die schockierenden Veränderungen seines einstigen Zuhauses – vom Plattenneubaukomfort zur rechtsfreien Zone, den Zusammenbruch der DDR. Den Kopf voller Träume machten Stoll und seine Kumpels sich auf, die Welt neu zu entdecken. Wegen seiner Vorliebe für »Negermusik« wird Hagen Stoll verprügelt, gerät ein anderes Mal ins Visier einer Motorradgang und fürchtet um sein Leben. Auch der kräfte-zehrende Kampf im Musikbusiness hält an. Doch Hagen Stoll spürt immer eine deutliche Zugkraft geradeaus. Beharrlich, unbestechlich und bereit zur Veränderung, macht er sich auf den Weg zum Erfolg – und zu sich selbst.
Die Organisatoren der Veranstaltungsreihe Herder liest freuen sich, wieder einmal ein Extra, ein Lesekonzert der besonderen Art, anbieten zu können und laden alle Interessierten recht herzlich in die Aula des Herder-Gymnasiums ein. Die Lesung beginnt um 19.00 Uhr und wird mit Songs aus dem Soloalbum Hagen Stolls untermalt. (Eintritt: 10 Euro; Schüler, Studenten und Ehemalige zahlen 5 Euro).
Heike Roeder



