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So, 17:46 Uhr
04.01.2015

Markstein gegen den Gipsabbau

Ja, die Sternwanderung vieler Menschen aus mehreren umliegenden Ortschaften nach Rüdigsdorf kann als Erfolg gewertet werden. Dr. Christian Marx, Chef der veranstaltenden Bürgerinitiative schätzte rund 300 Teilnehmer, die mit ihrer Anwesenheit ein weiteres Zeichen gegen die Zerstörung unserer Gipskarstlandschaft setzen wollten...

Protest gegen Probebohrungen (Foto: Bodo Schwarzberg) Protest gegen Probebohrungen (Foto: Bodo Schwarzberg)
Marx verstand es in seiner aufrüttelnden Rede, den Menschen zu verdeutlichen, was droht, wenn sie sich nicht wehren sollten: Eine Landschaft mit vielen neuen Steinbrüchen, mit breiten Gipsstraßen durch Naturschutzgebiete, mit Lärm unweit des eigenen Häuschens, mit Staub und Zerstörung einer einmaligen Biodiversität.

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Er beklagte die Unverfrorenheit der Konzerne, deren „Respektlosigkeit“, beispielsweise gegen die jüngste Ausweisung des Naturschutzgebietes Harzfelder Holz zu klagen und er verurteilte den Verkauf von gipshaltigen Grundstücken durch Privatleute, denen Geld wichtiger, als unsere Landschaft ist. Marx forderte die Bevölkerung zugleich zu einer neuen Bewusstheit gegenüber dieser Landschaft auf, da sie die Grundlage schlechthin bildet, um wirksamen Widerstand zu leisten.

Seine Rede hatte etwas von übergreifendem Denken, etwa, wenn er das am Fuhrbach zwischen Rothesütte und Appenrode von einigen favorisierte Pumpspeicherwerk sinngemäß als Apokalypse brandmarkte und in eine Reihe mit dem Gipsdesaster stellte, und wenn er die Südharzer Widerständler in einem Atemzug mit jenen aus der Lausitz nannte, die vorrückende Braunkohlenbagger bekämpfen.

Als Kritik bleiben für mich drei Dinge: Erstens: Marx und auch die anderen Redner, zum Beispiel der Neustädter Bürgermeister Erfurt, sprachen sich nicht deutlich genug für ein neues Bergrecht, also gegen das bisherige als eine der Wurzeln allen Übels aus. Warum, frage ich mich, hat niemand die erfreulicherweise zahlreich anwesende Politprominenz zum Druck auf dazu bereits laufenden Initiativen aufgefordert?

Warum nutzte niemand die Gelegenheit, die CDU an den Pranger zu stellen, unter deren Regide das industriefreundliche DDR-Bergrecht in die Einheit übernommen wurde? Man hätte Dr. Zeh auffordern können, gerade wegen dieser damaligen Fehlentscheidung alles daran zu setzen, diese nun auszumerzen. Dass die Zeit hierzu überreif ist, können wir z.B. am Winkelberg oder am Himmelsberg gut beobachten.

Und schließlich: Im 25. Jahr nach der Wende hätte ich mir gewünscht, dass jemand den Mut aufgebracht hätte, zu sagen, dass wir anstelle der untergegangenen SED-Diktatur eine weltweit alles zerstörende Diktatur der Wirtschaft und des Profits bekommen haben, die in dieser Form kein Bürgerrechtler in der ehemaligen DDR wollte und die in anderen Ländern durchaus bereit ist, über Leichen zu gehen. Auf das Primat des Geldes in den Köpfen der Wendemenschen und dessen Ursächlichkeit für die zerstörerischen Phänomene wiesen Bürgerrechtler erst jüngst in einer Wortmeldung im Zusammenhang mit der Pegida-Bewegung sehr deutlich hin.

Kaum eine Zeitung druckte dies – trotz Pressefreiheit. Auf der Rüdigsdorfer Demo hätten einige Zitate daraus die eigentlichen Ursachen für die drohende Zerstörung unserer Landschaft besser, als jedes andere Wort verdeutlicht.

Dennoch kann man die heutige Demonstration als einen Markstein verbuchen, von dem eine klare Botschaft ausgeht: an die Politik ebenso, wie an den manchmal sehr verschlafenen Bürger. Wir machen weiter, wir kommen wieder. Dr. Marx sagte sogar, wohin, vor Rathäuser und Landtage nämlich. Leider sagte er nicht, wann die nächste Demo stattfindet. Pegida ist da schon weiter.
Bodo Schwarzberg
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Autor: red

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Kommentare
alexa
04.01.2015, 19:04 Uhr
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