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Mi, 10:21 Uhr
10.12.2014

Symbol gegen Gipsabbau

Das der Konflikt zwischen Naturschutz und Wirtschatsinteressen in Sachen Gipsabbau nichts neues ist, zeigt Leser Bodo Schwarzberg in seinem Beitrag zum Schicksal der Alpen-Gänsekresse, die schon in den 80er Jahren als Symbol gegen den Gipsabbau getaugt hätte...

„Naturdenkmal Alpen-Gänsekresse zerstört!“, überschrieb der damalige Kreisnaturschutzbeauftragte Dr. Walter Elmer im Jahre 1980 einen Beitrag in der Zeitschrift „Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen.“ (Jahrgang 17, Heft 3, Seite 80).

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Das damals einzige bekannte natürliche Vorkommen dieses Eiszeitrelikts in der DDR bei Ellrich war vom VEB Harzer Gipswerke Rottleberode (heute Knauf) am 24. April 1979 mit Abraum überschüttet worden.
Dem zuständigen Leiter wurde daraufhin vom Rat des Kreises Nordhausen eine Strafzahlung von 100 Mark auferlegt. Damit jedoch konnte man keinen neuen Standort kaufen.

Schon bald nach der Entdeckung der Art durch Friedrich Wilhelm Wallroth im Jahre 1840 am später zerstörten Standort hatte die Angst um dessen Fortexistenz vor dem Hintergrund des fortschreitenden Gipsabbaus zugenommen. „Die Ellricher Wohnstätte von Arabis alpina ist außerordentlich gefährdet“, schrieb beispielsweise der Botaniker August Schulz schon 1912.

Die Geschichte der Alpen-Gänsekresse sollte allen Verantwortlichen Motivation sein, weitere Verluste unserer einmaligen Südharzer Gipskarstlandschaft niemals zuzulassen. (Foto: Bodo Schwarzberg) Die Geschichte der Alpen-Gänsekresse sollte allen Verantwortlichen Motivation sein, weitere Verluste unserer einmaligen Südharzer Gipskarstlandschaft niemals zuzulassen. (Foto: Bodo Schwarzberg)

Genützt haben diese Warnungen und das große Interesse der Botaniker mehrerer Generationen nichts. Nach der besagten Überschüttung durch den Vorgänger der Firma Knauf galt die Art in der DDR kurzzeitig als ausgestorben. Einigen Enthusiasten und etwas Forscherglück ist es schließlich zu verdanken, dass der außerhalb der Alpen so seltene Gipsschuttbewohner bis heute am Südrand des Harzes heimisch ist. Direkt oder indirekt aber leiden beide heute bekannten Standorte mehr oder weniger unter den Folgen des Gipsabbaus und müssen aufwändig beobachtet und betreut werden.

Vor dem Hintergrund der jahrzehntelangen Bemühungen von Botanikern und Naturschützern um dieses Eiszeitrelikt und der fast dramatisch anmutenden Erhaltungsgeschichte, kann die Alpen-Gänsekresse als Symbol für die hemmungslose Vernichtungsmaschinerie der Gipsindustrie bezeichnet werden.

Im jüngst erschienen Heft der Zeitschrift Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen werden die Entdeckung, die Irrungen und Wirrungen um die Standorte der Art im Landkreis, deren Vernichtung, Gefährdung sowie die Versuche zu ihrer Rettung ausführlich beschrieben.
Die Geschichte der Alpen-Gänsekresse sollte allen Verantwortlichen Motivation sein, weitere Verluste unserer einmaligen Südharzer Gipskarstlandschaft niemals zuzulassen.

Die Zeitschrift kann über die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie in Jena bezogen werden.
SCHWARZBERG, B. & K.-J. BARTHEL† (2014): Die Alpen-Gänsekresse Arabis alpina am Südrand des Harzes – Ein Glazialrelikt und die Bemühungen um seine Erhaltung. – Landschaftspflege Naturschutz Thüringen 51 (3): 111-120.
Autor: red

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