Do, 07:04 Uhr
11.09.2014
Regionales Management (6)
Im vorigen Teil wurde das Biosphärenreservat oder -gebiet als Modellprojekt für nachhaltiges Regionalmanagment vorgestellt. Welche Chancen bestünden für die Regionalentwicklung im Südharz? Dieser Frage geht Gastautor Dr. Christian im sechsten Teil seiner Beitragsfolge nach...
Ziel eines BR ist die auf das Miteinander von Mensch und Natur ausgerichtete einheitliche Entwicklung einer Region mit ihren landschaftlichen, kulturellen, sozialen und ökonomischen Werten. Es bietet neue Perspektiven für die regionale und touristische Entwicklung und geht damit weit über Naturschutz hinaus. Dies gelingt nur durch die Identifikation mit der Idee des BR und dem Nachhaltigkeitsgedanken sowie der Einbeziehung und Vernetzung aller Akteure.
Die unterschiedlichen Zielstellungen löst ein BR durch eine Zonierung in Kernzonen (Naturschutz im Vordergrund), Pflegezonen (zum Erhalt der biologischen Vielfalt, die aber verantwortungsvoll und nachhaltig genutzt werden können) und Entwicklungszonen (Siedlungen, Wirtschaft etc.).
Für das BR muss eine Verordnung sowie eine Verwaltung, an die hohe Anforderungen zu stellen sind, geschaffen werden. Sie muss sowohl naturschutzfachlich als auch in wirtschaftlichen und sozialen Themen sowie Fragen der Bildung und Wissenschaft kompetent sein. Das Management muss mit administrativen Kompetenzen ausgestattet sein, die die Mitwirkung bei Planungsprozessen, die Steuerung und Vergabe von Fördermitteln, die Entwicklung und Begleitung innovativer Konzepte insbesondere zur Lösung der mit der demographischen Entwicklung verbundenen Probleme umfassen (Saller G, UNESCO heute, 2007 S. 8-9). Außerdem müssen Voraussetzungen für Evaluierung und Monitoring bestehen.
Die Basis für die politische Diskussion eines Biosphärenreservates im Südharz besteht in der sog. "Südharzstudie" des Umweltbundesamtes von 1997. Über diese Studie ist die (ausschließlich politisch geführte) Diskussion in Thüringen NIE hinausgekommen, obwohl sie lediglich die naturschutzfachliche Grundlage darstellt (generelle Eignung als BR) und von einer schützenswerten Gesamtkulisse ausgeht, die weit über das Mindestmaß für ein BR hinausgeht. Sämtliche Gebietskulissen müßten in einem zu erarbeitendem Konzept jedoch neu diskutiert werden.
Der Prozess der Bildung eines BR müsste durch die Landesregierung eingeleitet werden. Hierzu ist ein Trägerverein notwendig und ein moderierter Diskussionsprozess. Die Internetseite www.zukunft-vessertal-thüringer-wald.de beschreibt anschaulich, wie ein moderierter Diskussionsprozess durch zahlreiche genau strukturierte Treffen von unterschiedlichen Expertengruppen (Land- und Forstwirtschaft, Wirtschaft, Kommunen, Naturschutz, Tourismus) unter Leitung eines renommierten Regionalberatungsbüros zu einer Verordnung über ein BR führt, der alle zustimmen können.
Welche konkreten Vorteile bestünden durch ein BR gerade für UNSERE Region?
Siedlungsentwicklung, Daseinsvorsorge, Kultur
Hinsichtlich des demographischen Wandels wäre die Integration verschiedenster Projekte denkbar (Zusammenschluss öffentlicher Verwaltungen und damit Bürokratieabbau, Kooperationen von Bildungs-, Gesundheits-, Kultur- und Pflegeeinrichtungen).
Wirtschaft
Wirtschaftsförderung kann in ein BR-Konzept integriert werden. Nachhaltige Energiegewinnung und -nutzung, innovative Wertschöpfungsketten (Holz, Gips, Kies, Stein), Verkehrs- oder Recyclingkonzepte können Teil des Modellcharakters BR sein. Ebenso Projekte der Ausbildungsförderung. Dadurch kann die Attraktivität der Region in Konkurrenz um Fachkräfte steigen. In einem BR bestünde Bestandsschutz für bereits genehmigte Rahmenbetriebspläne für Gipsabbau. Unter Umständen wäre auch der Tausch oder Erweiterung von Flächen prüfbar, sofern dies mit anderen Entwicklungszielen kompatibel wäre. Recyclingprojekte für Gipsabfälle können zusammen der Fachhochschule entwickelt werden. Renaturierung von ehemaligen Tagebauen kann wissenschaftlich durch das BR begleitet werden.
Land- und Forstwirtschaft, Jagd
Vielerorts wird nachhaltige Bewirtschaftung privater Land- und Waldflächen bereits praktiziert! Gute land- oder forstwirtschaftliche Praxis (DAS entscheidende Stichwort in vielen BR-Verordnungen) kann festgeschrieben werden. Die Regulation von Wildbeständen durch die Jagd ist in allen bestehenden BR-Verordnungen verankert. Eine Bildung von lokalen Erzeuger- und Verbrauchernetzwerken fördert gleichzeitig die touristische Vermarktung.
Verkehrsinfrastruktur
Bestehende Vernetzungen von öffentlichem Nahverkehr und Regionalverkehr (z.B. HSB) können ausgebaut werden. Potential besteht hinsichtlich der Eisenbahnverbindung Richtung Northeim, die Taktung des Busverkehrs oder den Ausbau des Rad- und Wanderwegenetzes. Selbst der Bau von Umgehungsstrassen (Beispiel Harztor) wäre denkbar, wenn eine nachhaltige Stärkung von Lebensqualität und Infrastruktur resultiert und die Pläne (wie ohnehin erforderlich) unter Fragestellungen des Naturschutzes geprüft werden.
Tourismus
Das internationale Label "UNESCO-Biosphärenreservat" stützt die gemeinsame touristische Vermarktung. Ein Kurkonzept in einem heilklimatischen Kurort Neustadt erhielte ein internationales Gütesiegel. Es bestehen Chancen für Kleinunternehmer (Ferienwohnungen etc.). Touristische Infrastruktur fördert die Attraktivät für Einheimische bzw. auswärtige Fachkräfte. Strukturen wie der gemeinsame Karstwanderweg können über die existierenden Trägervereine und Tourismusverbände integriert werden, ebenso die Strukturen des Naturpark Südharz.
Bildung, Wissenschaft
Regionale Bildungseinrichtungen können von Kindertagesstätten über Schulen bis zur Fachhochschule diesen Prozess mit ihrem Bildungs- bzw. wissenschaftlichen Auftrag begleiten. So stellt das BR in Sachsen-Anhalt z.B. Mittel und Personal für die Umweltbildung in Vorschule und Schule zur Verfügung. Die FH könnte Umwelt-, Naturschutz- und Regionalmanager, Consulting- oder Marketingleiter praxisnah ausbilden. Denkbar wäre eine Einbindung des Fachbereiches Abfall- und Recyclingwirtschaft.
In einem BR wären all diese auf den ersten Blick völlig unterschiedlichen Handlungsfelder integrierbar. Im 7. und letzten Teil werden häufige Fragen zu Biosphärenreservaten diskutiert.
Dr. Christian Marx
Autor: redZiel eines BR ist die auf das Miteinander von Mensch und Natur ausgerichtete einheitliche Entwicklung einer Region mit ihren landschaftlichen, kulturellen, sozialen und ökonomischen Werten. Es bietet neue Perspektiven für die regionale und touristische Entwicklung und geht damit weit über Naturschutz hinaus. Dies gelingt nur durch die Identifikation mit der Idee des BR und dem Nachhaltigkeitsgedanken sowie der Einbeziehung und Vernetzung aller Akteure.
Die unterschiedlichen Zielstellungen löst ein BR durch eine Zonierung in Kernzonen (Naturschutz im Vordergrund), Pflegezonen (zum Erhalt der biologischen Vielfalt, die aber verantwortungsvoll und nachhaltig genutzt werden können) und Entwicklungszonen (Siedlungen, Wirtschaft etc.).
Für das BR muss eine Verordnung sowie eine Verwaltung, an die hohe Anforderungen zu stellen sind, geschaffen werden. Sie muss sowohl naturschutzfachlich als auch in wirtschaftlichen und sozialen Themen sowie Fragen der Bildung und Wissenschaft kompetent sein. Das Management muss mit administrativen Kompetenzen ausgestattet sein, die die Mitwirkung bei Planungsprozessen, die Steuerung und Vergabe von Fördermitteln, die Entwicklung und Begleitung innovativer Konzepte insbesondere zur Lösung der mit der demographischen Entwicklung verbundenen Probleme umfassen (Saller G, UNESCO heute, 2007 S. 8-9). Außerdem müssen Voraussetzungen für Evaluierung und Monitoring bestehen.
Die Basis für die politische Diskussion eines Biosphärenreservates im Südharz besteht in der sog. "Südharzstudie" des Umweltbundesamtes von 1997. Über diese Studie ist die (ausschließlich politisch geführte) Diskussion in Thüringen NIE hinausgekommen, obwohl sie lediglich die naturschutzfachliche Grundlage darstellt (generelle Eignung als BR) und von einer schützenswerten Gesamtkulisse ausgeht, die weit über das Mindestmaß für ein BR hinausgeht. Sämtliche Gebietskulissen müßten in einem zu erarbeitendem Konzept jedoch neu diskutiert werden.
Der Prozess der Bildung eines BR müsste durch die Landesregierung eingeleitet werden. Hierzu ist ein Trägerverein notwendig und ein moderierter Diskussionsprozess. Die Internetseite www.zukunft-vessertal-thüringer-wald.de beschreibt anschaulich, wie ein moderierter Diskussionsprozess durch zahlreiche genau strukturierte Treffen von unterschiedlichen Expertengruppen (Land- und Forstwirtschaft, Wirtschaft, Kommunen, Naturschutz, Tourismus) unter Leitung eines renommierten Regionalberatungsbüros zu einer Verordnung über ein BR führt, der alle zustimmen können.
Welche konkreten Vorteile bestünden durch ein BR gerade für UNSERE Region?
Siedlungsentwicklung, Daseinsvorsorge, Kultur
Hinsichtlich des demographischen Wandels wäre die Integration verschiedenster Projekte denkbar (Zusammenschluss öffentlicher Verwaltungen und damit Bürokratieabbau, Kooperationen von Bildungs-, Gesundheits-, Kultur- und Pflegeeinrichtungen).
Wirtschaft
Wirtschaftsförderung kann in ein BR-Konzept integriert werden. Nachhaltige Energiegewinnung und -nutzung, innovative Wertschöpfungsketten (Holz, Gips, Kies, Stein), Verkehrs- oder Recyclingkonzepte können Teil des Modellcharakters BR sein. Ebenso Projekte der Ausbildungsförderung. Dadurch kann die Attraktivität der Region in Konkurrenz um Fachkräfte steigen. In einem BR bestünde Bestandsschutz für bereits genehmigte Rahmenbetriebspläne für Gipsabbau. Unter Umständen wäre auch der Tausch oder Erweiterung von Flächen prüfbar, sofern dies mit anderen Entwicklungszielen kompatibel wäre. Recyclingprojekte für Gipsabfälle können zusammen der Fachhochschule entwickelt werden. Renaturierung von ehemaligen Tagebauen kann wissenschaftlich durch das BR begleitet werden.
Land- und Forstwirtschaft, Jagd
Vielerorts wird nachhaltige Bewirtschaftung privater Land- und Waldflächen bereits praktiziert! Gute land- oder forstwirtschaftliche Praxis (DAS entscheidende Stichwort in vielen BR-Verordnungen) kann festgeschrieben werden. Die Regulation von Wildbeständen durch die Jagd ist in allen bestehenden BR-Verordnungen verankert. Eine Bildung von lokalen Erzeuger- und Verbrauchernetzwerken fördert gleichzeitig die touristische Vermarktung.
Verkehrsinfrastruktur
Bestehende Vernetzungen von öffentlichem Nahverkehr und Regionalverkehr (z.B. HSB) können ausgebaut werden. Potential besteht hinsichtlich der Eisenbahnverbindung Richtung Northeim, die Taktung des Busverkehrs oder den Ausbau des Rad- und Wanderwegenetzes. Selbst der Bau von Umgehungsstrassen (Beispiel Harztor) wäre denkbar, wenn eine nachhaltige Stärkung von Lebensqualität und Infrastruktur resultiert und die Pläne (wie ohnehin erforderlich) unter Fragestellungen des Naturschutzes geprüft werden.
Tourismus
Das internationale Label "UNESCO-Biosphärenreservat" stützt die gemeinsame touristische Vermarktung. Ein Kurkonzept in einem heilklimatischen Kurort Neustadt erhielte ein internationales Gütesiegel. Es bestehen Chancen für Kleinunternehmer (Ferienwohnungen etc.). Touristische Infrastruktur fördert die Attraktivät für Einheimische bzw. auswärtige Fachkräfte. Strukturen wie der gemeinsame Karstwanderweg können über die existierenden Trägervereine und Tourismusverbände integriert werden, ebenso die Strukturen des Naturpark Südharz.
Bildung, Wissenschaft
Regionale Bildungseinrichtungen können von Kindertagesstätten über Schulen bis zur Fachhochschule diesen Prozess mit ihrem Bildungs- bzw. wissenschaftlichen Auftrag begleiten. So stellt das BR in Sachsen-Anhalt z.B. Mittel und Personal für die Umweltbildung in Vorschule und Schule zur Verfügung. Die FH könnte Umwelt-, Naturschutz- und Regionalmanager, Consulting- oder Marketingleiter praxisnah ausbilden. Denkbar wäre eine Einbindung des Fachbereiches Abfall- und Recyclingwirtschaft.
In einem BR wären all diese auf den ersten Blick völlig unterschiedlichen Handlungsfelder integrierbar. Im 7. und letzten Teil werden häufige Fragen zu Biosphärenreservaten diskutiert.
Dr. Christian Marx

