Di, 17:47 Uhr
26.08.2014
Nicht aus den Augen verlieren
Die Arbeitsmarktzahlen der letzten Wochen und Monate sehen, nicht nur in Nordhausen, gut aus. Die Maßnahmen, die vielfach zum Erfolg geführt haben, laufen jedoch langsam aus und werden zurückgefahren. Auf die Problematik wollte heute der Horizont Verein aufmerksam machen, der Besuch aus Berlin empfing...
Die Zahlen vom Arbeitsmarkt sind auf Bundes- und Landesebene sowie vor Ort, vorischtig ausgedrückt, nicht schlecht. Die Worte "Vollbeschäftigung" und "Fach- und Arbeitskräftemangel" machen gelegentlich die Runde. Doch der Horizont Verein, der sich seit Jahren in der sozialen Arbeit engagiert, mahnt an, dass man sich nicht auf dem erreichten ausruhen könne.
Um einmal ganz oben auf die Probleme aufmerksam zu machen, die nicht allein den Horizont sondern die sozialen Träger allgemein betreffen, bot sich der Besuch von Carsten Schneider an. Der Erfurter ist Mitglied des Bundestages und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD Bundestagsfraktion in Sachen Finanzen und Haushalt. Zusammen mit Geschäftsführer René Kübler, selber SPD Mitglied, Bürgermeister und Parteifreund Matthias Jendricke und dem Landtagskandidat der Nordhäuser SPD, Andreas Wieninger, hörte sich Schneider an, was die Fachbereichs- und Projektleiter zu berichten hatten.
Besondere Sorgen bereitet dem Verein, das einige Maßnahmen bald auslaufen oder langsam zurückgefahren werden, wie etwa die sogenannten "Arbeitsgelegenheiten" (AGH), die einst als Ein-Euro-Jobs bekannt waren. Der Horizont hatte einmal fast eintausend solcher Stellen, mit denen Menschen beschäftigt wurden, die auf dem Arbeitsmarkt nicht Fuß fassen konnten. Heute sind es 130, die sich auf die fünf Werkstätten des Vereins im Landkreis verteilen. Zudem wurde die Fördermöglichkeit für die betreffenden Personen von ehemals drei auf nunmehr zwei Jahre gekürzt.
Das es in Nordhausen überhaupt noch so viele Stellen gibt, sei allerdings eine "Ausnahmesituation". Dies verdanke man dem "guten Draht" zur Verwaltung und ihren Institutionen, erläuterte Geschäftsführer René Kübler. "Wir haben über viele Jahre hinweg gute Strukturen aufgebaut", sagte Kübler, "und den Erfolg verdanken wir auch der wohlwollenden Unterstützung durch das Jobcenter und die Agentur für Arbeit in Person von Herrn Röder und Herrn Froböse".
Die Projekte des Vereins arbeiten vor allem mit Menschen, die von sich aus nicht für den ersten Arbeitsmarkt bereit sind und oft mit einer ganzen Reihe an Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Das betrifft nicht nur junge Leute, sondern alle Altersklassen. Mit Einzelfallbetreuung, Beratung, Hilfe beim Übergang von der Schule in den Beruf (oder auch in die Rente) und den diversen Beschäftigungsmöglichkeiten im Verein oder bei Partnern, wird versucht, die Menschen (wieder) an einen geregelten Tagesablauf zu gewöhnen, ihr Selbstwertgefühl zu steigern und sie wieder fit für den Arbeitsmarkt zu machen.
Carsten Schneider (rechts) ist im Bundestag, Andreas Wieninger würde für die SPD gerne in den Thüringer Landtag (Foto: Angelo Glashagel)
"Der Rücklauf aus diesen Maßnahmen ist nicht unerheblich", sagte Fachbereichsleiter Jörg Wolf. Man gebe den Menschen die Möglichkeit, wieder etwas von gesellschaftlichem Wert zu schaffen. Sie hingegen in die Sozialhilfe zurückfallen zu lassen, anstatt sich weiterhin um sie zu bemühen, komme am Ende noch teurer. Zudem sollte man die Vorbildfunktion für den Nachwuchs nicht aus dem Blick verlieren, wenn wenigstens ein Elternteil einer geregelten Beschäftigung nachgeht, ergänzte Kübler.
Ein weiteres Problem sieht der Verein in den kurzen Zeitintervallen, in denen die Beschäftigung bisher möglich ist. Oft ist ein halbes Jahr das Maximum. "Sechs Wochen oder sechs Monate Aktivierungsmaßnahme reichen bei vielen unseren Klienten aber meistens nicht", sagte Wolf, der seit über 20 Jahren Sozialarbeiter ist. "Wenn diese Menschen ein Jahr lang wieder die Regelmäßigkeit der Beschäftigung erfahren haben, dann kann man sie vermitteln, dann kann ich dem Kleinunternehmer oder dem Handwerker sagen: der ist gut, den kannst du nehmen." Die Erfolgsquote, also die in Arbeit oder Ausbildung vermittelten Teilnehmer, könne man, auf 25% steigern, ist sich Wolf sicher.
Die guten Arbeitsmarktzahlen ließen das Thema an den Rand rücken, bemerkte Landtagskandidat Wieninger. Bundestagsmitglied Schneider versicherte dem Verein, das er, wie auch seine Partei, an einer aktiven Arbeitsmarktpolitik interessiert sei. Nachdem die Gelder hierfür unter Schwarz-Gelb fast halbiert worden seien, habe die SPD eine Erhöhung um 1,2 Milliarden durchgesetzt, erläuterte der Finanzpolitiker. Bürgermeister Jendricke meinte, in dieser Frage solle sich die SPD auch innerhalb der Koalition ruhig von der CDU absetzen.
Es ist nicht so sehr die fachliche Expertise Schneiders, die der Verein nutzen will, sondern die Verbindungen die der Politiker in Berlin hat. Etwa zum Sozialministerium unter Andrea Nahles. Nur wenn man Bundes- und Landespolitiker auf die lokale Ebene bekomme, könne man auf Probleme aufmerksam machen, meinte auf Wieninger.
Wieviel von solchen Besuchen am Ende übrig bleibt und wieviel sich am Ende davon tatsächlich auf die Berliner Politik auswirkt, sei schwer zu sagen, meinte Schneider. Die regionalen Schwerpunkte, die in den Wahlkreisen der Abgeordneten auf der Tagesordnung stehen, würden aber durchaus ihren Weg nach Berlin finden und die Prioritätenfrage beeinflussen.
Angelo Glashagel
Autor: redDie Zahlen vom Arbeitsmarkt sind auf Bundes- und Landesebene sowie vor Ort, vorischtig ausgedrückt, nicht schlecht. Die Worte "Vollbeschäftigung" und "Fach- und Arbeitskräftemangel" machen gelegentlich die Runde. Doch der Horizont Verein, der sich seit Jahren in der sozialen Arbeit engagiert, mahnt an, dass man sich nicht auf dem erreichten ausruhen könne.
Um einmal ganz oben auf die Probleme aufmerksam zu machen, die nicht allein den Horizont sondern die sozialen Träger allgemein betreffen, bot sich der Besuch von Carsten Schneider an. Der Erfurter ist Mitglied des Bundestages und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD Bundestagsfraktion in Sachen Finanzen und Haushalt. Zusammen mit Geschäftsführer René Kübler, selber SPD Mitglied, Bürgermeister und Parteifreund Matthias Jendricke und dem Landtagskandidat der Nordhäuser SPD, Andreas Wieninger, hörte sich Schneider an, was die Fachbereichs- und Projektleiter zu berichten hatten.
Besondere Sorgen bereitet dem Verein, das einige Maßnahmen bald auslaufen oder langsam zurückgefahren werden, wie etwa die sogenannten "Arbeitsgelegenheiten" (AGH), die einst als Ein-Euro-Jobs bekannt waren. Der Horizont hatte einmal fast eintausend solcher Stellen, mit denen Menschen beschäftigt wurden, die auf dem Arbeitsmarkt nicht Fuß fassen konnten. Heute sind es 130, die sich auf die fünf Werkstätten des Vereins im Landkreis verteilen. Zudem wurde die Fördermöglichkeit für die betreffenden Personen von ehemals drei auf nunmehr zwei Jahre gekürzt.
Das es in Nordhausen überhaupt noch so viele Stellen gibt, sei allerdings eine "Ausnahmesituation". Dies verdanke man dem "guten Draht" zur Verwaltung und ihren Institutionen, erläuterte Geschäftsführer René Kübler. "Wir haben über viele Jahre hinweg gute Strukturen aufgebaut", sagte Kübler, "und den Erfolg verdanken wir auch der wohlwollenden Unterstützung durch das Jobcenter und die Agentur für Arbeit in Person von Herrn Röder und Herrn Froböse".
Die Projekte des Vereins arbeiten vor allem mit Menschen, die von sich aus nicht für den ersten Arbeitsmarkt bereit sind und oft mit einer ganzen Reihe an Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Das betrifft nicht nur junge Leute, sondern alle Altersklassen. Mit Einzelfallbetreuung, Beratung, Hilfe beim Übergang von der Schule in den Beruf (oder auch in die Rente) und den diversen Beschäftigungsmöglichkeiten im Verein oder bei Partnern, wird versucht, die Menschen (wieder) an einen geregelten Tagesablauf zu gewöhnen, ihr Selbstwertgefühl zu steigern und sie wieder fit für den Arbeitsmarkt zu machen.
Carsten Schneider (rechts) ist im Bundestag, Andreas Wieninger würde für die SPD gerne in den Thüringer Landtag (Foto: Angelo Glashagel)
"Der Rücklauf aus diesen Maßnahmen ist nicht unerheblich", sagte Fachbereichsleiter Jörg Wolf. Man gebe den Menschen die Möglichkeit, wieder etwas von gesellschaftlichem Wert zu schaffen. Sie hingegen in die Sozialhilfe zurückfallen zu lassen, anstatt sich weiterhin um sie zu bemühen, komme am Ende noch teurer. Zudem sollte man die Vorbildfunktion für den Nachwuchs nicht aus dem Blick verlieren, wenn wenigstens ein Elternteil einer geregelten Beschäftigung nachgeht, ergänzte Kübler.
Ein weiteres Problem sieht der Verein in den kurzen Zeitintervallen, in denen die Beschäftigung bisher möglich ist. Oft ist ein halbes Jahr das Maximum. "Sechs Wochen oder sechs Monate Aktivierungsmaßnahme reichen bei vielen unseren Klienten aber meistens nicht", sagte Wolf, der seit über 20 Jahren Sozialarbeiter ist. "Wenn diese Menschen ein Jahr lang wieder die Regelmäßigkeit der Beschäftigung erfahren haben, dann kann man sie vermitteln, dann kann ich dem Kleinunternehmer oder dem Handwerker sagen: der ist gut, den kannst du nehmen." Die Erfolgsquote, also die in Arbeit oder Ausbildung vermittelten Teilnehmer, könne man, auf 25% steigern, ist sich Wolf sicher.
Die guten Arbeitsmarktzahlen ließen das Thema an den Rand rücken, bemerkte Landtagskandidat Wieninger. Bundestagsmitglied Schneider versicherte dem Verein, das er, wie auch seine Partei, an einer aktiven Arbeitsmarktpolitik interessiert sei. Nachdem die Gelder hierfür unter Schwarz-Gelb fast halbiert worden seien, habe die SPD eine Erhöhung um 1,2 Milliarden durchgesetzt, erläuterte der Finanzpolitiker. Bürgermeister Jendricke meinte, in dieser Frage solle sich die SPD auch innerhalb der Koalition ruhig von der CDU absetzen.
Es ist nicht so sehr die fachliche Expertise Schneiders, die der Verein nutzen will, sondern die Verbindungen die der Politiker in Berlin hat. Etwa zum Sozialministerium unter Andrea Nahles. Nur wenn man Bundes- und Landespolitiker auf die lokale Ebene bekomme, könne man auf Probleme aufmerksam machen, meinte auf Wieninger.
Wieviel von solchen Besuchen am Ende übrig bleibt und wieviel sich am Ende davon tatsächlich auf die Berliner Politik auswirkt, sei schwer zu sagen, meinte Schneider. Die regionalen Schwerpunkte, die in den Wahlkreisen der Abgeordneten auf der Tagesordnung stehen, würden aber durchaus ihren Weg nach Berlin finden und die Prioritätenfrage beeinflussen.
Angelo Glashagel



