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Di, 11:11 Uhr
12.08.2014

Eigenheime statt Sozialwohnungen

Eine Milliarde Euro steckt der Staat jedes Jahr in die Wohnraumförderung. Doch nur die Hälfte des Geldes kommt im sogenannten sozialen Wohnungsbau an. Statt in günstigen Wohnraum für Arbeitslose und Geringverdiener fließen rund 450 Millionen Euro in die Taschen privater Bauherren...


60 Prozent der mit Förderung gebauten oder gekauften Wohnungen gehen direkt in Privatbesitz über. Die staatliche Wohnraumförderung greift demnach vor allem jungen Familien mit mittlerem Einkommen unter die Arme. Wer die nötigen Voraussetzungen nicht erfüllt und das erforderliche Eigenkapital nicht aufbringen kann, geht hingegen leer aus. Der soziale Wohnungsbau bleibt auf der Strecke.

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Mit dramatischen Folgen: Besonders in Regionen mit angespanntem Wohnungsmarkt wird es für Arbeitslose und Geringverdiener immer schwieriger, günstigen Wohnraum zu finden. Von den einst 4 Millionen Sozialwohnungen sind nur noch 1,5 Millionen übrig – 2,5 Millionen sind also schon verschwunden. Und es werden immer weniger: Nach Berechnungen von immowelt.de verlieren jährlich rund 100.000 Sozialwohnungen ihren Status.

Geförderte Wohnungen sind meist nur für 15 bis 20 Jahre an den niedrigen Mietpreis gebunden. „Da in den nächsten Jahren viele Sozialwohnungen aus der Bindung fallen, wird sich das Problem verschärfen“, prophezeit Städtetagspräsident Ulrich Maly.

Wie hoch der Bedarf an Sozialwohnungen in Deutschland insgesamt ist, ist nicht bekannt. Der Bund erhebt dazu keine Daten, die meisten Bundesländer legten auf Anfrage von immowelt.de keine Zahlen vor. Laut einer Untersuchung des ISP Eduard Pestel Instituts für Systemforschung liegt der Bedarf bei rund 7 Millionen Wohneinheiten.

Besonders in Großstädten wie München oder Berlin ist die Nachfrage größer als das Angebot. Aus diesem Grund hat immowelt.de bereits im Dezember 2013 die Initiative „Verändere Deine Stadt“ ins Leben gerufen. Sie unterstützt Menschen in Not und soziale Initiativen bei der Suche nach geeigneten und bezahlbaren Unterkünften.

„Wir brauchen Mietwohnungen für unter 6 Euro pro Quadratmeter“, fordert Andrej Holm, Soziologe an der Berliner Humboldt-Universität. „Die größte Aufgabe der Politik muss es sein, den Bestand an Sozialwohnungen dauerhaft zu sichern“, sagt Holm. Weiter fordert der Soziologe, dass Sozialwohnungen nach Ablauf ihrer Förderung nicht mehr an private Investoren oder Konsortien verkauft werden – sondern ausschließlich an kommunale Wohnungsbaugesellschaften oder gemeinnützige Stiftungen.

Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Immobilienökonomik am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, fordert hingegen die Abschaffung des sozialen Wohnungsbaus. „Wer sich nur eine Wohnung am Stadtrand leisten kann, muss längere Wege ins Zentrum hinnehmen“, schlägt Voigtländer vor. Der Wirtschaftsexperte setzt vielmehr auf eine Erhöhung des Wohngelds.

„Die soziale Durchmischung lässt sich so besser erreichen, weil ein Wohngeldempfänger nicht auf bestimmte Wohnungen beschränkt ist.“
Autor: red

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