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Mo, 07:26 Uhr
04.08.2014

Hohbergs Gedanken: Neun IM

25 Jahre ist es her, da in der damaligen DDR der politische Umbruch begann. Mittendrin war Jürgen Hohberg: als Bergmann, als Wende-Aktiver, Gründer einer Bürgerinitiative, später als Bürgermeister und Mitglied des Kreistages. In der nnz macht sich der 68jährige Gedanken zu verschiedenen Themen...


Ja es sind nun schon 25 Jahre vergangen, aber zu solch bedeutenden Jubiläen blicken sicher viele Menschen auch mal zurück. Unser aller Leben - nicht nur das der DDR Bürger- änderte sich radikal.

Viele Ereignisse von 1989 sind verblasst. Aber diese Zeit ist für mich auch eine Zäsur des Lebens. Für mich persönlich waren die Bittgottesdienste in der Nordhäuser Altendorfer Kirche und die dann folgenden Demos auf dem August-Bebel-Platz aufregend und aufwühlend zugleich.

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Es war wohl ein letztes Signal zum Aufbruch! Als ich selbst die Möglichkeit hatte, vor so vielen Menschen dort frei zu sprechen, verflog langsam die Angst vor den Regierenden und ihrer Stasi! Mit den Mitgliedern der schon existierenden kirchlichen Umweltgruppe in Sollstedt gründeten im September einige Kalikumpel die Bürgerinitiative Sollstedt (BIS) als politische Vereinigung.

Ja, in diesen Jahren 89/90 überschlugen sich die Ereignisse förmlich! Nicht Jahr für Jahr, sondern Tag für Tag gab es Weiterentwicklungen oder neue Situationen, auf die es sofort zu reagieren galt.

Als Kumpel aus dem Kaliwerk Sollstedt war mir mit vielen Gleichgesinnten schon im Mai 1989 klar, dass es so nicht weitergehen konnte! So viele DDR Bürger verließen unser Land, es musste etwas geschehen. Ich verfasste deshalb - noch sehr gutgläubig - einen Brief/Aufruf, der von allen 24 Brigaden des Werkes unterzeichnet war, an den Vorsitzenden unserer Gewerkschaft, Harry Tisch. Darin wurden, eigentlich nur moderat, dringende Reformen eingefordert.

Die "Antwort" war ein Besuch von FDGB-Funktionären, gemischt mit Stasimitarbeitern. Wir (ich) war nun noch fester ins Visier genommen und meine Kollegen dringendst aufgefordert sich von Hohbergs Machwerk zu distanzieren. Als Reaktion der Kalikumpel wurde dann die gesamte Gewerkschaftsführung des Kaliwerkes (streng nach geltendem Statut) abgewählt. Es gab im Oktober 89 die ersten Freien Gewerkschaftswahlen im Kaliwerk Sollstedt.

Und dann kam mit der Öffnung der Grenze überquellende Freude, ja teilweise Euphorie bei den Menschen auf! Als dann die ersten Freien Wahlen für die Volkskammer (22.5.) und für den 6.5. der Kommunalen Körperschaften angekündigt wurden, war es für die BIS klar, "wir wollen mitgestalten". Wir erhielten auch von den Bürgern in Sollstedt mit über 50% das Vertrauen und waren ebenfalls im Nordhäuser Kreistag vertreten.

Als ich 1992 in meiner 100 Seiten umfassenden Stasi-Akte las, ich sei ein Verbrecher wie Walesa, war ich nicht sehr verwundert. Aber über neun inoffizielle Mitarbeiter der Stasi aus meinem persönlichen Umfeld war ich doch erschrocken. Nach (von mir vertraulich gehaltener) Aufdeckung der Klarnamen, konnte ich im persönlich-vertraulichen Gespräch mit den .IMs sowohl über die fiesen Stasi- Methoden zur Anwerbung als auch die Motivation dieser Stasispitzel Klarheit bekommen. Es war mir aber persönlich viel wichtiger dadurch auch Abstand und Befriedung zu finden. Rachegedanken waren für mich zu keiner Zeit ein Gefühl.

Für 20 Jahre (in vier Wahlen) konnte die Bürgerinitiative (BIS) auch den Bürgermeister stellen. Die BIS Mitglieder - scheinbar zufrieden "mit dem Erreichten" in Sollstedt- zogen sich nach und nach ins Private zurück. Für mich persönlich kam als Bürgermeister nach 20 Amtsjahren die Versetzung in den Ruhestand.

Gesundheitlich und persönlich wieder "gut drauf", sah und sehe ich in einer neuen politischen Heimat - der Volkspartei CDU - durchaus noch Chancen und Möglichkeiten, im Kreistag unsere Gegenwart und Zukunft mitzugestalten. Gerade die sehr klammen Kassen - sowohl im Landkreis ais auch in den Gemeinden - verlangen meines Erachtens Klarheit, Ehrlichkeit, Offenheit und Augenmaß bei den dringendst erforderlichen Umstrukturierungen und Einsparungen in allen kommunalen Ebenen.
Jürgen Hohberg

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Autor: red

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