Di, 10:42 Uhr
15.07.2014
Das Knie sagt einem, wann es soweit ist
Die Zeit des Leidens ist vorbei: Sieben Monate hat sich Lydia Jakubisova in Geduld geübt, sieben Monate stand die Spielerin des mehrfachen Deutschen Handballmeisters Thüringer HC ihrem Verein verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Nun kehrt die 32-jährige Rechtsaußen zurück. Vor der ersten Trainingseinheit sprach Sandra Arm mit Jakubisova über ihr Wohlbefinden, eine ungewohnte Rolle und die Vorbereitung...
Beim Südharz-Cup (Feldhandball-Turnier) in Nohra, wo Lydia Jakubisova den Ehrenanwurf ausführen durfte. (Foto: Sandra Arm)
nnz: Frau Jakubisova, Es war eine der Hiobsbotschaften in der abgelaufenen Saison. Beim Auswärtsspiel bei der HSG Blomberg-Lippe (20. November 2013) mussten Sie verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Diagnose: Kreuzbandriss. Wie fühlen Sie sich sieben Monate nach der OP?
Lydia Jakubisova: Ich fühle mich gut. Ich befinde mich noch in der Reha, parallel dazu findet seit einigen Wochen mit den Verletzten ein spezielles Training mit Trainer Herbert Müller in der Halle statt. Das betrifft unter anderem Kerstin Wohlbold und mich. Wir machen alles in Richtung Handball also zum Beispiel Sprungwürfe, damit wir nicht unvorbereitet in die Vorbereitung starten.
nnz: Ein Kreuzbandriss ist keine leichte Verletzung und wird von den Betroffenen oftmals nicht so leicht weggesteckt. Wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt?
Jakubisova: Ich bin erfahren, was Kreuzbandrisse betrifft. Ich habe mir vor zwei Jahren schon einmal das Kreuzband im linken Knie gerissen. Nach einem halben Jahr war alles wieder gut. Nun ist es fast genauso. Nur dieses Mal war das rechte Knie betroffen - und es war ein bisschen mehr kaputt. Ich habe mir zusätzlich noch die Außenbänder gerissen. Sieben Monate war ich nicht einsatzfähig. Schmerzen habe ich fast keine mehr. Nun freue ich mich, dass ich in der Vorbereitung wieder mit dabei bin.
nnz: Was empfanden Sie als das Schlimmste in der Zeit?
Jakubisova: Das Schlimmste für mich war, dass ich nach der Diagnose noch einen Monat warten musste, ehe ich operiert werden konnte.
nnz: Wie fühlte sich für Sie die Rolle des Zuschauers an?
Jakubisova: Nicht so toll, aber man gewöhnt sich irgendwie daran. Und man freut sich schon über Kleinigkeiten wie über die ersten Schritte. Nach drei Monaten in der Reha fing ich langsam wieder mit dem Laufen an. Es ging nur Schritt für Schritt voran. Für mich zählte in dem Moment nur das Gesundwerden.
nnz: Inwieweit hat die Mannschaft mit ihren Erfolgen in der Meisterschaft und auch in der Champions League etwas zum Genesungsprozess beigetragen?
Jakubisova: Im Kopf will man natürlich früher fit sein, um wieder bei der Mannschaft zu sein und um ihr zu helfen. Das geht aber nicht. Ich habe es bei meinem ersten Kreuzbandriss gemerkt, dass ich ein halbes Jahr gebraucht habe, um wieder voll einsatzfähig zu sein. Das Knie sagt einem, wann es soweit ist. Auch wenn man vom Kopf denkt, ich bin bereit. Man ist es einfach nicht, weil man mindestens ein halbes Jahr braucht, um gesund zu werden.
nnz: Nach ihrem zweiten Kreuzbandriss innerhalb der vergangenen zwei Jahre gehen sie die Spiele nun vorsichtiger an?
Jakubisova: Ich denke, am Anfang wird es noch so sein, bis ich merke, dass es geht. Bei meinem ersten Kreuzbandriss war ich etwas vorsichtiger. Auch im Training. Im Spiel selbst vergisst du dann alles und gehst auf 100 Prozent. Bei mir ist es jedenfalls so. Ich kann nicht in die Partie gehen und vorsichtig sein. Wenn, dann gebe ich alles.
nnz: Sind Sie eigentlich ein geduldiger Mensch?
Jakubisova: Ja, ich habe viel Geduld. Ich brauche aber auch immer wieder die Abwechslung. So bin ich nach zwei Monaten Reha für eine Woche in die Heimat gefahren, um abzuschalten. Das war ganz gut. Ganz besonders für das Knie, dem ich so Ruhe von den Krafteinheiten gönnen konnte. Das hat ihm sehr geholfen.
nnz: Wann werden Sie wieder zur Mannschaft stoßen?
Jakubisova: Schon in der Vorbereitung. Ich bin von Anfang an dabei. Trainer Herbert Müller kann für die neue Saison wieder mit mir planen.
nnz: Mit Alexandrina Barbosa und Anja Althaus haben zwei Publikumslieblinge den Verein verlassen. Wie sehr schmerzen die Abgänge?
Jakubisova: Alexandrina ist schon besonders. Sie ist einfach wunderbar – als Mensch und als Spielerin. Ebenso wie Anja, die sich sehr engagiert hat. Und das nicht nur beim Handball, sondern auch außerhalb der Halle wie bei Sponsorenterminen. Sie war einfach mit Herz dabei. Die zwei Abgänge sind schon herbe Verluste. Das ist aber jedes Jahr so. Eine geht, die andere kommt. Damit muss man leben. Was jetzt zu uns kommt, damit müssen wir arbeiten.
nnz: Sie haben sicherlich mit Interesse die Auslosung der Gruppenphase in der Champions League verfolgt. Hat der Thüringer HC bei den Mannschaften überhaupt eine Chance?
Jakubisova: Die Mannschaften, die wir zugelost bekommen haben, sind eigentlich das Schlimmste, was uns passieren konnte. Auf der anderen Seite trafen wir im vergangenen Jahr auf Vardar Skopje, davor das Jahr war es Buducnost Podgorica. Wir wissen, dass wir daheim in der Wiedigsburghalle in Nordhausen stark sind. Auswärts kann man einen guten Tag erwischen, die anderen einen schlechten - und dann ist vielleicht was möglich. Wir sind in der Champions League in den letzten beiden Jahren gereift, auch von der Erfahrung. Alles ist möglich, auch wenn es eine schwierige Gruppe ist.
nnz: Wie viel Anteil hat das Publikum in Nordhausen an den Erfolgen insbesondere in der Königsklasse?
Jakubisova: Das Publikum ist einfach der Wahnsinn. Für uns ist es der achte Spieler. Das ist so schön, dass wir in Nordhausen spielen können. Von der Stimmung über die Trainingsmöglichkeiten bis zum Hotel passt einfach alles. Kommt man vom Hotel in die Halle zum Spiel, die schon mit Zuschauern voll besetzt ist, dann bekommt man richtig Gänsehaut.
nnz: Spüren Sie die Stimmung auch während des Spiels?
Jakubsisova: Am Anfang, bei der Erwärmung und der Vorstellung der Spielerinnen, bekommt man die gute Stimmung noch mit. Sobald der Anpfiff ertönt, ist die Konzentration auf das Spiel gerichtet. Dennoch hört man die Zuschauer, wie sie hinter uns stehen, egal ob man mit neun Toren zurückliegt oder ob man führt. Sie sind immer für uns da.
nnz: Wie verbringen Sie die spielfreie Zeit?
Jakubisova: Normalerweise, wenn ich das ganze Jahr spiele, dann schalte ich in der spielfreien Zeit komplett ab und genieße auch mal die Ruhe. Einige Wochen bevor es wieder losgeht, beginne ich langsam wieder zu laufen, um zu Beginn der Vorbereitung die zwölf Kilometer gut zu absolvieren. Durch die Verletzung steht jetzt natürlich die Reha und das Training mit Herbert Müller in der Halle auf dem Plan.
nnz: Die zwölf Kilometer gehören mittlerweile fest zum Vorbereitungsprogramm.
Jakubisova: Ja, wir sind dann etwa eine Stunde im Park unterwegs. Gut ist, dass die Strecke nur geradeaus verläuft. Wie wichtig die Ausdauer ist, zeigt sich in den spielbestimmenden Szenen in den letzten zehn Minuten. Geht es knapp vom Ergebnis zu, dann haben wir immer noch Kraft.
nnz: Wie ist Herbert Müller als Trainer?
Jakubisova: Er ist sehr ehrgeizig. Er will, dass wir immer alle 190 Prozent geben und er kann unheimlich gut motivieren. Er kennt sich mit den Gegnern aus und bereitet uns gut auf die jeweilige Aufgabe vor. Zudem ist er sehr abergläubisch. In der Vorbereitung setzt er immer auf Altbewährtes. Beispielsweise laufen wir immer zwölf Kilometer und in den Einheiten kommen Medizinbälle zum Einsatz.
Autor: red
Beim Südharz-Cup (Feldhandball-Turnier) in Nohra, wo Lydia Jakubisova den Ehrenanwurf ausführen durfte. (Foto: Sandra Arm)
nnz: Frau Jakubisova, Es war eine der Hiobsbotschaften in der abgelaufenen Saison. Beim Auswärtsspiel bei der HSG Blomberg-Lippe (20. November 2013) mussten Sie verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Diagnose: Kreuzbandriss. Wie fühlen Sie sich sieben Monate nach der OP?
Lydia Jakubisova: Ich fühle mich gut. Ich befinde mich noch in der Reha, parallel dazu findet seit einigen Wochen mit den Verletzten ein spezielles Training mit Trainer Herbert Müller in der Halle statt. Das betrifft unter anderem Kerstin Wohlbold und mich. Wir machen alles in Richtung Handball also zum Beispiel Sprungwürfe, damit wir nicht unvorbereitet in die Vorbereitung starten.
nnz: Ein Kreuzbandriss ist keine leichte Verletzung und wird von den Betroffenen oftmals nicht so leicht weggesteckt. Wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt?
Jakubisova: Ich bin erfahren, was Kreuzbandrisse betrifft. Ich habe mir vor zwei Jahren schon einmal das Kreuzband im linken Knie gerissen. Nach einem halben Jahr war alles wieder gut. Nun ist es fast genauso. Nur dieses Mal war das rechte Knie betroffen - und es war ein bisschen mehr kaputt. Ich habe mir zusätzlich noch die Außenbänder gerissen. Sieben Monate war ich nicht einsatzfähig. Schmerzen habe ich fast keine mehr. Nun freue ich mich, dass ich in der Vorbereitung wieder mit dabei bin.
nnz: Was empfanden Sie als das Schlimmste in der Zeit?
Jakubisova: Das Schlimmste für mich war, dass ich nach der Diagnose noch einen Monat warten musste, ehe ich operiert werden konnte.
nnz: Wie fühlte sich für Sie die Rolle des Zuschauers an?
Jakubisova: Nicht so toll, aber man gewöhnt sich irgendwie daran. Und man freut sich schon über Kleinigkeiten wie über die ersten Schritte. Nach drei Monaten in der Reha fing ich langsam wieder mit dem Laufen an. Es ging nur Schritt für Schritt voran. Für mich zählte in dem Moment nur das Gesundwerden.
nnz: Inwieweit hat die Mannschaft mit ihren Erfolgen in der Meisterschaft und auch in der Champions League etwas zum Genesungsprozess beigetragen?
Jakubisova: Im Kopf will man natürlich früher fit sein, um wieder bei der Mannschaft zu sein und um ihr zu helfen. Das geht aber nicht. Ich habe es bei meinem ersten Kreuzbandriss gemerkt, dass ich ein halbes Jahr gebraucht habe, um wieder voll einsatzfähig zu sein. Das Knie sagt einem, wann es soweit ist. Auch wenn man vom Kopf denkt, ich bin bereit. Man ist es einfach nicht, weil man mindestens ein halbes Jahr braucht, um gesund zu werden.
nnz: Nach ihrem zweiten Kreuzbandriss innerhalb der vergangenen zwei Jahre gehen sie die Spiele nun vorsichtiger an?
Jakubisova: Ich denke, am Anfang wird es noch so sein, bis ich merke, dass es geht. Bei meinem ersten Kreuzbandriss war ich etwas vorsichtiger. Auch im Training. Im Spiel selbst vergisst du dann alles und gehst auf 100 Prozent. Bei mir ist es jedenfalls so. Ich kann nicht in die Partie gehen und vorsichtig sein. Wenn, dann gebe ich alles.
nnz: Sind Sie eigentlich ein geduldiger Mensch?
Jakubisova: Ja, ich habe viel Geduld. Ich brauche aber auch immer wieder die Abwechslung. So bin ich nach zwei Monaten Reha für eine Woche in die Heimat gefahren, um abzuschalten. Das war ganz gut. Ganz besonders für das Knie, dem ich so Ruhe von den Krafteinheiten gönnen konnte. Das hat ihm sehr geholfen.
nnz: Wann werden Sie wieder zur Mannschaft stoßen?
Jakubisova: Schon in der Vorbereitung. Ich bin von Anfang an dabei. Trainer Herbert Müller kann für die neue Saison wieder mit mir planen.
nnz: Mit Alexandrina Barbosa und Anja Althaus haben zwei Publikumslieblinge den Verein verlassen. Wie sehr schmerzen die Abgänge?
Jakubisova: Alexandrina ist schon besonders. Sie ist einfach wunderbar – als Mensch und als Spielerin. Ebenso wie Anja, die sich sehr engagiert hat. Und das nicht nur beim Handball, sondern auch außerhalb der Halle wie bei Sponsorenterminen. Sie war einfach mit Herz dabei. Die zwei Abgänge sind schon herbe Verluste. Das ist aber jedes Jahr so. Eine geht, die andere kommt. Damit muss man leben. Was jetzt zu uns kommt, damit müssen wir arbeiten.
nnz: Sie haben sicherlich mit Interesse die Auslosung der Gruppenphase in der Champions League verfolgt. Hat der Thüringer HC bei den Mannschaften überhaupt eine Chance?
Jakubisova: Die Mannschaften, die wir zugelost bekommen haben, sind eigentlich das Schlimmste, was uns passieren konnte. Auf der anderen Seite trafen wir im vergangenen Jahr auf Vardar Skopje, davor das Jahr war es Buducnost Podgorica. Wir wissen, dass wir daheim in der Wiedigsburghalle in Nordhausen stark sind. Auswärts kann man einen guten Tag erwischen, die anderen einen schlechten - und dann ist vielleicht was möglich. Wir sind in der Champions League in den letzten beiden Jahren gereift, auch von der Erfahrung. Alles ist möglich, auch wenn es eine schwierige Gruppe ist.
nnz: Wie viel Anteil hat das Publikum in Nordhausen an den Erfolgen insbesondere in der Königsklasse?
Jakubisova: Das Publikum ist einfach der Wahnsinn. Für uns ist es der achte Spieler. Das ist so schön, dass wir in Nordhausen spielen können. Von der Stimmung über die Trainingsmöglichkeiten bis zum Hotel passt einfach alles. Kommt man vom Hotel in die Halle zum Spiel, die schon mit Zuschauern voll besetzt ist, dann bekommt man richtig Gänsehaut.
nnz: Spüren Sie die Stimmung auch während des Spiels?
Jakubsisova: Am Anfang, bei der Erwärmung und der Vorstellung der Spielerinnen, bekommt man die gute Stimmung noch mit. Sobald der Anpfiff ertönt, ist die Konzentration auf das Spiel gerichtet. Dennoch hört man die Zuschauer, wie sie hinter uns stehen, egal ob man mit neun Toren zurückliegt oder ob man führt. Sie sind immer für uns da.
nnz: Wie verbringen Sie die spielfreie Zeit?
Jakubisova: Normalerweise, wenn ich das ganze Jahr spiele, dann schalte ich in der spielfreien Zeit komplett ab und genieße auch mal die Ruhe. Einige Wochen bevor es wieder losgeht, beginne ich langsam wieder zu laufen, um zu Beginn der Vorbereitung die zwölf Kilometer gut zu absolvieren. Durch die Verletzung steht jetzt natürlich die Reha und das Training mit Herbert Müller in der Halle auf dem Plan.
nnz: Die zwölf Kilometer gehören mittlerweile fest zum Vorbereitungsprogramm.
Jakubisova: Ja, wir sind dann etwa eine Stunde im Park unterwegs. Gut ist, dass die Strecke nur geradeaus verläuft. Wie wichtig die Ausdauer ist, zeigt sich in den spielbestimmenden Szenen in den letzten zehn Minuten. Geht es knapp vom Ergebnis zu, dann haben wir immer noch Kraft.
nnz: Wie ist Herbert Müller als Trainer?
Jakubisova: Er ist sehr ehrgeizig. Er will, dass wir immer alle 190 Prozent geben und er kann unheimlich gut motivieren. Er kennt sich mit den Gegnern aus und bereitet uns gut auf die jeweilige Aufgabe vor. Zudem ist er sehr abergläubisch. In der Vorbereitung setzt er immer auf Altbewährtes. Beispielsweise laufen wir immer zwölf Kilometer und in den Einheiten kommen Medizinbälle zum Einsatz.

