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Fr, 06:42 Uhr
11.04.2014

BUND-Bundesspitze in Nordhausen

Das war gewiss kein alltäglicher Besuch für unsere von wirtschaftlicher Ausplünderung bedrohte Region. Praktisch der gesamte Bundesvorstand des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Mitarbeiter der Bundesgeschäftsstelle sowie Vertreter des Landesverbandes Thüringen weilten...


... auf Einladung von Dagmar Becker, selbst Mitglied im Bundesvorstand, zu einem zweitägigen Arbeitsbesuch in Nordhausen, um sich persönlich ein Bild von unserer weltweit einmaligen Gipskarstlandschaft zu machen.

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Der Vorsitzende Professor Dr. Hubert Weiger, unter anderem seit 2002 ordentliches Mitglied des Obersten Naturschutzbeirates beim Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz und Gastprofessor Naturschutz im Fachbereich Stadt- und Landschaftsplanung an der Gesamthochschule Kassel, zeigte sich während seines gesamten Besuchs in vielerlei Hinsicht beeindruckt: Von der Gipskarstlandschaft ebenso wie vom Engagement und von der Kompetenz der BUND-Kreisgruppe.

Kein weiterer Gipsabbau

In einer mehrere Stunden andauernden Gesprächsrunde standen zunächst der Gipsabbau und die nicht enden wollenden Bestrebungen der Wirtschaft im Vordergrund, bestehende Steinbrüche zu erweitern und neue zu eröffnen. Als wesentliches Ergebnis des Abends kann gelten, dass es zwingend notwendig ist, das in der Bundesrepublik bestehende Bergrecht zu ändern. Unter anderem dürfen die von Abbaumaßnahmen betroffene Bevölkerung, Kommunen und auch die Verbände, von den damit verbundenen Entscheidungsprozessen nicht weiterhin ausgesperrt bleiben.

Eine entsprechende Gesetzesinitiative auf Bundesebene werde vom BUND massiv unterstützt, sagte Hubert Weiger, um eine nachhaltige und zeitgemäße Reform zu erreichen. Er, Weiger, mache die Verhinderung weiterer Abbaufelder zur Chefsache. All dies fand auch die ungeteilte Zustimmung von Dr. Christian Marx, der der Veranstaltung als Sprecher der Initiative Südharzer Gipskarstlandschaft beiwohnte.

Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang von mehreren Beteiligten die Thüringer Landespolitik. Seit mehreren Legislaturperioden habe sich diese gegen neue Abbaupläne ausgesprochen, ihren Worten jedoch nie Taten folgen lassen.

Naturschutzgerechte Landschaftspflege

Weiterhin kam das Problem der weithin unbefriedigenden Umsetzung von Naturschutz- und Landschaftspflegeregelungen im Landkreis und darüber hinaus zur Sprache. Die vielerorts unübersehbaren Widersprüche zwischen den Inhalten der Thüringer Biodiversitätsstrategie, der FFH-Richtlinie und den Pflegerichtlinien für unsere Schutzgenbiete einerseits und der mitunter nachlässigen und dem Artenschutz nicht dienlichen Umsetzung von Pflegeprogrammen wie KULAP müssten auch in der Politik endlich Berücksichtigung finden.

So, wie die Pflegeprogramme derzeit umgesetzt werden, dienen sie vielfach nicht dem proklamierten Ziel, die Rote Listen zu verkürzen und das Artensterben bis 2020 anzuhalten. Insbesondere müsste die Schafbeweidung zugunsten der auf Magerrasen expandierenden Rinderweide endlich wieder der Rang eingeräumt werden, der ihr in Bezug auf die Erhaltung unserer Kulturlandschaft und ihres Artenreichtums zukommen sollte.

Für ein Biosphärenreservat

Hubert Weiger sprach sich vehement für einen Neubeginn im Diskussionsprozess zur Schaffung eines länderübergreifenden Biosphärenreservates im Gebiet des Südharzer Zechsteinrandes aus. Diese Symbiose von Natur- und Kulturlandschaft sei geradezu prädestiniert dafür. Ehemals traditionelle Landnutzungsformen könnten langfristig nur mittels tragfähiger und zeitgerechter, von und mit den Menschen in der Region entwickelter Vermarktungsstrategien und -projekte aufrechterhalten werden. Zugleich könne damit das Alleinstellungsmerkmal des Südharzes deutlicher heraus gearbeitet werden, um gegen andere Mittelgebirgsregionen wirtschaftlich im Werben um den Fremdenverkehr bestehen zu können. Ein sachlicher und fachlich gut moderierter Diskussionsprozess wäre ein wichtiges politisches Signal an die Region.

Als gelungenes Beispiel führte er das länderübergreifende Biosphärenreservat Rhön ins Feld, das von der Politik, der Wirtschaft und den Menschen gleichermaßen gewollt wurde und heute ein nicht mehr wegzudenkender Wirtschafts- und Werbefaktor dieser Region ist. Wie dort ebenso verwirklicht, brauche es Protagonisten, die sich einen solchen Prozess mit Leben erfüllen und Überzeugungsarbeit leisten.

Kein Pumpspeicherwerk im Südharz

Die BUND-Spitze sprach sich mit deutlichen Worten gegen ein Pumpspeicherwerk im Südharz aus. Der wünschenswerte Einsatz erneuerbarer Energien dürfe keinesfalls zu neuen derart gravierenden Eingriffen in eine praktisch kaum berührte Landschaft führen, die auf Grund ihrer Rot- Buchenwälder noch dazu international bedeutsam ist. Der BUND werde die Bewegung gegen diese unglaublichen Pläne mit angesehenen Fachleuten unterstützen.

Weitere Exkursionen

Am Dienstag stand zunächst eine von Elke Blanke fachlich kompetent und engagiert moderierte Busexkursion mit Erläuterungen zur Zechsteinlandschaft und den unterschiedlichen Nutzungsansprüchen auf dem Programm. Die Landrätin Frau Keller als auch die 1. Beigeordnete der Landkreisverwaltung Frau Krauth, ließen es sich nicht nehmen, an der Tour etappenweise teilzunehmen.
Anschließend folgte eine Wanderung unter Leitung von Heinke und Rolf Richter aus Neustadt sowie dem Autor dieses Beitrages.

Die rund 20-köpfigen Teilnehmergruppe erhielt umfangreiche Informationen zu zahlreichen botanischen Besonderheiten und den Alleinstellungsmerkmalen des Naturschutzgebietes Rüdigsdorfer Schweiz. Vor der in der Entfernung stets gut zu sehenden Kulisse des Kohnsteins waren sich alle Beteiligten wiederum einig: In der Rüdigsdorfer Schweiz und auch nirgends sonst in unserem Gipskarst darf es neue Steinbrüche geben.
Der Autor des Beitrages machte die Anwesenden anhand von Beispielen mit der Pflegesituation im Gebiet vertraut und stellte über das Programm ELER finanzierte Projekte des Landschaftspflegeverbandes Südharz-Kyffhäuser vor, das sich konkreten Standorten bedrohter Pflanzenarten zuwendet.

Im anschließenden Erfahrungsaustausch mit Vertretern der Bürgerinitiative Stempeda wurden die bisherigen Erfolge gegen die geplante Erweiterung des Steinbruches im „Alten Stolberg“ über das Bergwerksfeld hinaus in das gleichnamige Naturschutzgebiet thematisiert. Die Bürger aus Stempeda verdeutlichten, dass sie mit kreativen Ideen und Konzepten den Fremdenverkehr in der Kommune ankurbeln wollen und sich mit dem Gedanken eines nahenden Abbaus keineswegs zufrieden geben werden.

Sichtlich eingenommen von der Schönheit und Vielfalt unserer Landschaft bekräftigten Hubert Weiger und seine Vorstandskollegen abschließend noch einmal, dass sie sich persönlich für eine Verhinderung einer weiteren Ausplünderung unserer Region stark machen werden. Sie zollten den Naturschützern und Mitstreitern des Landkreises Nordhausen ihren Respekt.
BUND-Kreisgruppe Nordhausen
BUND-spitze besuchte Südharz (Foto: Kerwitz)
BUND-spitze besuchte Südharz (Foto: Kerwitz)
BUND-spitze besuchte Südharz (Foto: Kerwitz)
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BUND-spitze besuchte Südharz (Foto: Kerwitz)
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BUND-spitze besuchte Südharz (Foto: Kerwitz)
BUND-spitze besuchte Südharz (Foto: Kerwitz)
Autor: red

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