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Sa, 09:28 Uhr
25.01.2014

Heimatgeschichte: Die Wipper (4)

Liebe Leser der Nordthüringer Online-Zeitungen, lassen sie sich doch bitte einmal von Horst Rasemann entführen auf eine interessante Wanderung entlang der Wipper in vier Teilen, von der Quelle im Eichsfeld in Worbis bis zur Mündung in die Unstrut bei Sachsenburg an der berühmten Porta Thuringiaca (Thüringer Pforte)...

Von Göllingen nach Sachsenburg

Lieber freundlicher Leser, lass uns nun im letzten Teil unserer Wipperwanderung von Göllingen bis nach Sachsenburg in die Unstrut, den Schilderungen,von Horst Rasemann folgen.

Eine bedeutende Historische Wasserbauanlage ist die Kleine Wipper im Bereich Göllingen. Bei der Kleinen Wipper, die sich an der Wipperschere, eine Teilungsstelle der Großen und der Kleinen Wipper vor dem Michelberg bei Göllingen, abzweigt und sich wie ein natürlicher Bach am Rande der Diamantenen Aue entlang schlängelt, handelt es sich um einen im 14. Jahrhundert wahrscheinlich von den Benediktiner Mönchen des Klosters in Göllingen angelegten künstlichen ca. 12 km langen Wasserlauf.

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Die Kleine Wipper diente zur Wasserversorgung der Saline der Stadt Frankenhausen sowie zur Bewässerung der Stadtgräben und zum Antrieb von Öl- und Getreidemühlen. Sie ist ein wichtiges Kulturdenkmal und das älteste künstliche Gewässer in Thüringen. Nach der Unterführung durch die Stadt Frankenhausen fließt die Kleine Wipper als Solgraben in östlicher Richtung durch das Esperstedter Ried weiter bis zu ihrer Mündung in die Unstrut bei Artern.

Insgesamt hat die Kleine Wipper eine Länge von ca. 25 km. Eine bautechnische Meisterleistung und Kernstück der Anlage ist der 540 m lange Mönchstunnel, der von Göllingen nach Bendeleben durch den Hanfenberg führt. Er ist am Eingang 1,44 m hoch und 0,60 bis 1,00 m breit. Der ursprüngliche Holzausbau des Tunnels wurde 1800 durch dauerhafte Steinabdeckung ersetzt. Die zum Bau dazu verwendeten Sandsteinblöcke stammen aus der Windleite.

Als Lohn bekamen die Mönche für den Bau dieses künstlichen Wasserlaufes Salz. Nun umfließt die Wipper von drei Seiten den Michelberg, den sogenannten Umlaufberg, und wendet sich nach Süden. Der markante romanische Westturm der Klosterkirche des ehemaligen Benediktiner Klosters St. Wigbert, prägt die Silhouette des im malerischen Wippertal gelegenen Göllingen.

Der romanische Westturm der Klosterkirche St. Wigbert in Göllingen (Foto: Archiv Rasemann) Der romanische Westturm der Klosterkirche St. Wigbert in Göllingen (Foto: Archiv Rasemann) Fast 24 m hoch erhebt er sich auf quadratischem Grundriss, um oberhalb des zweiten Geschosses in ein Oktagon (Achteck) überzugehen. Wunderschön ist auch die Krypta des 1170 begonnenen Turmbaues. Nun durchbricht die Wipper in einem großartigen Canyon die Muschelkalkschichten zwischen Seega und Günzerode am Kohnstein. Hier befinden sich die im Volksmund genannten „Schwedenschanzen“. In Wahrheit sind dies aber bronzezeitliche Wallanlagen einer Fliehburg.

Die Schlingen des Flusses sind in die steilen Berghänge eingebettet. Die schroffen Wellenkalkbänke erreichen eine relative Höhe von 180 m. Es handelt sich hier um Ablagerungen aus dem Triasmeer mit einem Alter von rund 200 Millionen Jahren. Der ganze Höhenzug der Hainleite, der sich von der Eichsfelder Pforte oberhalb von Ober- und Niedergebra bis zu den Sachsenburgen erstreckt, ist vorwiegend aus Röt und Muschelkalk aufgebaut. An manchen freien Stellen sieht man oft deutlich, wie die Muschelkalkplatte der Hainleite auf dem Buntsandstein ruht.

Die ursprünglich waagrecht abgelagerten Schichten wurden durch Gebirgsverschiebungen in eine Schräglage gebracht, so dass der gesamte Schichtkomplex eine Neigung nach Südwesten erhalten hat. Im Muschelkalk finden wir stellenweise einen großen Fossilienreichtum. Es handelt sich vorwiegend um Tierreste aus dem Muschelkalkmeer. Dieser Wipperdurchbruch gilt als eine der ältesten Eintrittspforten nach Thüringen. Die Asphaltstraße, die sich neben der Wipper durch diesen Einschnitt zieht, war schon immer ein Weg. In längst vergangenen Zeiten transportierte man hier Salz, das im Raum Frankenhausen und Kelbra aus Solequellen gewonnen wurde.

Mittelalterliche Ruine der Arensburg bei Seega (Foto: Archiv Rasemann) Mittelalterliche Ruine der Arensburg bei Seega (Foto: Archiv Rasemann)

Auf einem Vorsprung des Schlossberges steht unmittelbar über den Durchbruchstal die mittelalterliche Ruine der Arensburg. Sie beherrschte einst diesen Pass zwischen Kohnstein und Schlossberg. Drei mächtige Spitzbögen und zwei große Kellergewölbe sind alles, was von der Burg erhalten ist. Im Westteil lassen Trümmer den Ort des Bergfriedes erkennen, auf der Südseite mag das Hauptgebäude gestanden haben. Von der Burg geht die Mär, dass sie einen Brunnen besaß, der so tief war, dass das Wasser eher von einem Esel aus dem Tal heraufgetragen war, als der Schöpfeimer es emporbrachte. Auch soll ein großer Goldschatz in ihm verborgen sein.

Blick ins Wipperdurchbruchstal von der Arensburg aus (Foto: Archiv Rasemann) Blick ins Wipperdurchbruchstal von der Arensburg aus (Foto: Archiv Rasemann)

Lassen wir noch einmal den schönen Blick von hier oben ins Wippertal auf uns wirken! (siehe Foto) Gegenüber leuchtet die weiße Kalkwand des Kohnstein uns entgegen und im Rücken der Burgruine erhebt sich der Schlossberg.

Lieber Wanderer, der Anblick dieser Landschaft wirft die Frage auf, wieso eigentlich die Wipper, hier durch den Rücken der Hainleite „durchgebrochen“ ist. Warum floss sie nicht von Göllingen an im Frankenhäuser Tal, von dem sie bei Göllingen nur ein etwa 12 m (über dem Meeresspiegel) hoher Sandsteinhügel trennt? Die Erklärung ist folgende: In der Mitte der Braunkohlezeit breitete sich hier eine weite Ebene bis zum Harz aus, in der sich der Fluss schlängelte. Spätere Hebungen des Landes zwangen ihn, sich mit seinen Schlingen einzutiefen. Unten im Wippertal, wenig über der heutigen Talaue erhöht, finden wir Reste von Flussterrassen, die von eiszeitlichen Schottern aufgebaut wurden. Diese Terrassenstücke bezeugen, dass der Vorgang der Eintiefung des Wipperlaufes in der Eiszeit fast beendet war.

Doch zurück zu unserer Wipper. Nach Günserode fließt sie an Bilzingsleben und Kindelbrück vorbei. Hier in Bilzingsleben lebten unsere Vorfahren! An der Ausgrabungsstätte „Steinrinne“ fand man den Beweis der Existenz der ausgestorbenen Menschenart „Homo erectus“(Der aufgerichtete Mensch). Am Rathausturm in Kindelbrück ist eine besondere Uhr angebracht: Punkt 11 und 23 Uhr erscheint über der Uhr der Sensenmann zeigt und schlägt die letzte Stunde an. Eine Mondkugel verkündet zudem die Stellung des Mondes. Weiterhin umgibt diese Kleinstadt eine fast 3 km lange Stadtmauer, die ursprünglich etwa 4 m hoch war. Sie ist eine der wenigen fast vollständig erhaltenen Stadtmauern Deutschlands.

An dieser Stelle bei Sachsenburg mündet die Wipper in die Unstrut (Foto: Archiv Rasemann) An dieser Stelle bei Sachsenburg mündet die Wipper in die Unstrut (Foto: Archiv Rasemann)

Bei Sachsenburg an der berühmten Porta Thuringiaca (Thüringer Pforte oder Sachsenburger Pforte genannt), die den Höhenzug Hainleite von der Schmücke(Ostseite der Pforte) trennt, nimmt die Unstrut unsere Wipper auf. (siehe Foto) Das Unstrutwasser, in dem nun die Wipper integriert ist, fließt in die Saale, diese wiederum in die Elbe und schließlich ergießt sich alles in die Nordsee. Oberhalb von Sachsenburg befinden sich zwei weitere Zeitzeugen längst vergangener Epochen, die Ruinen der beiden Sachsenburgen. Von der Oberburg hat man einen schönen Ausblick hinüber zur Schmücke und zur Schrecke. Die Unterburg, auch Hakenburg genannt, liegt unmittelbar am Abhang.
Horst Rasemann
Autor: red

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