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Mo, 06:34 Uhr
23.12.2013

Karstwanderweg teilweise zerstört

Nachdem Bodo Schwarzberg von einem Nordhäuser auf die massive Beeinträchtigung des Karstwanderweges zwischen der Straße Woffleben-Hörningen und dem Igelsumpf durch forstliche Maßnahmen aufmerksam gemacht worden war, machte er sich gestern selbst ein Bild...


Das was ich vorfand, war deutlich schlimmer, als erwartet: Auf schätzungsweise mindestens 700 Metern Länge wurde der seit 2011 zertifizierte „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ faktisch zerstört.

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Zum einen erfolgte dessen Befahrung mit bulldozerähnlichen, schweren Fahrzeugen, die einen Radstand von mehr als zwei Metern auswiesen, zweitens lagern auf relativ weiten Strecken direkt auf und unmittelbar am Weg, sauber gestapelt, große Mengen Stammholz und zum dritten ist der Weg durch bei Rodungsmaßnahmen angefallene, nicht weggeräumte Zweige unbenutzbar.

Wer den Karstwanderweg hier gegenwärtig nutzen will, der kann dies nicht tun, weil er faktisch nicht mehr existiert bzw. nicht mehr sichtbar ist: Missbraucht als Holzlagerplatz und Bulldozerfahrstrecke. Ausweichmöglichkeiten gibt es nur auf die an das Waldgebiet nördlich angrenzende Wiesen der Wiedaaue, die randlich jedoch ebenfalls von Forstfahrzeugen aufgewühlt wurde. Die Färbung des lagernden Holzes beweist, dass der Forst hier schon vor mehreren Wochen tätig war.

Zerstörung rechtens?

Befremden tut die gegenwärtige Situation aus mehreren Gründen: Der besagte Abschnitt des Wanderweges befindet sich im Naturschutzgebiet Sattelköpfe: § 12 des Thüringer Naturschutzgesetzes sagt eindeutig im Absatz 2: „Alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturschutzgebietes oder seiner Bestandteile oder zu einer erheblichen oder nachhaltigen Störung führen können, sind nach Maßgabe näherer Bestimmungen in der nach Absatz 1 zu erlassenden Rechtsverordnung verboten.“

Und im Absatz 4: „Ausgenommen von den Verboten des Absatzes 2 bleiben Maßnahmen, die von der zuständigen Behörde zum Schutz, zur Wiederherstellung, zur Entwicklung oder zur Erforschung des Naturschutzgebietes angeordnet oder zugelassen worden sind.“

Die Ränder des Karstwanderweges beherbergen im hier diskutierten beeinträchtigten Abschnitt ein reiches Artenmosaik, im zeitigen Frühjahr stellenweise u.a. mit dem besonders geschützten Märzenbecher, dem Hohlen Lerchensporn und später mit dem Gelben Eisenhut. Dieser naturnahe Geophytensaum hatte sich über viele Jahre ungestört entwickeln können.

Nun dürfte er teilweise zerstört oder stark beeinträchtigt sein: Mit den Bestimmungen den genannten Absätzen des § 12 Thüringer Naturschutzgesetz dürften die gegenwärtigen Holzlager und Bulldozerspuren nichts gemein haben.

Zertifizierung des Weges noch tragbar?

Nach den Kriterien des Gütesiegels „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ gilt (wikipedia): „Höchstens 300 m schlecht begehbare Wege, z. B. aufgeschüttete Bruchsteindecke (Korngröße über 15 mm)“. – Dass ein Weg überhaupt nicht begehbar ist, eben wie gegenwärtig der Karstwanderweg bei Hörningen, ist bei den Kriterien nicht vorgesehen.

Von daher wäre es eine Überlegung wert, den Antrag auf Aberkennung des Qualitätssiegels zu stellen, sollte der Wegabschnitt nicht sehr zeitnahe wieder in den Ursprungszustand versetzt werden. Der Stadt Dresden wurde zum Beispiel der Status „UNESCO-Weltkulturerbe“ wegen des Baus der Waldschlösschenbrücke aberkannt.

Zudem bitte ich die zuständigen Behörden darum, sich für eine Beseitigung des unhaltbaren Zustandes einzusetzen. Auch der Tourismusverband, der den Karstwanderweg bei jeder Gelegenheit lobpreist, sollte sich entsprechend stark machen und dabei nicht ängstlich sein.

Scheinheilige Diskussion

Noch vor wenigen Tagen wurde in einem hier nicht näher benannten Gremium, in dem ich zugegen war, über den schlechten Zustand der Wanderwege im Naturpark diskutiert. Dabei forderten maßgebliche Amtspersonen gemeinsame Anstrengungen auf dieser Strecke. Einigen von ihnen dürfte der gegenwärtige Zustand des Karstwanderweges dabei bekannt gewesen sein.
Ob sich die Zerstörung des „Qualitätsweges“ westlich des Igelsumpfes fortsetzt, werde ich in den kommenden Tagen prüfen.

Der Schaden im Internet

Diesen Beitrag werde ich mit Verweis auf die nnz auch auf die Seite des Karstwanderweges stellen. Zudem ist seit längerem eine Facebookseite geplant, auf der derartige Schäden dokumentiert werden. Ich werde ihr voraussichtlich den Namen: „Südharz-Naturschäden“ geben. Jeder soll sehen, wie mit unserer Landschaft im Landkreis Nordhausen umgegangen wird: angefangen beim Industriegebiet, über den Gipsabbau, fehlende Landschaftspflege, Ablagerungen und mehr. Auch Planungen, wie die eines Pumpspeicherwerkes kommen zu Wort.

Anbei einige aktuelle Aufnahmen vom Karstwanderweg. Betonen möchte ich, dass sich, stets in Blickrichtung der Kamera tatsächlich der Weg befand. Auf zwei Aufnahmen ist dies durch das Wegzeichen, den roten Strich, auch noch nachvollziehbar.
Bodo Schwarzberg
Das war einmal der Karstwanderweg (Foto: B. Schwarzberg)
Das war einmal der Karstwanderweg (Foto: B. Schwarzberg)
Das war einmal der Karstwanderweg (Foto: B. Schwarzberg)
Das war einmal der Karstwanderweg (Foto: B. Schwarzberg)
Das war einmal der Karstwanderweg (Foto: B. Schwarzberg)
Das war einmal der Karstwanderweg (Foto: B. Schwarzberg)
Das war einmal der Karstwanderweg (Foto: B. Schwarzberg)
Karstwanderweg teils zerpflügt, teils mit Ästen und Stammstücken zugelegt (Foto: B. Schwarzberg)
Karstwandweg wäre ging als Pfad geradeaus (Foto: B. Schwarzberg)
Autor: red

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Kommentare
Dorakind
23.12.2013, 17:03 Uhr
Karstwanderwegzerstörung
Hallo Herr Schwarzberg,das ist nichts Neues,wenn Geld die Welt regiert,was interessiert da schon die Natur,ein paar seltene Blumen...im Naturpark Harz hat man ja auch eine große Fläche am Wurmberg dem Big Money geopfert.Weiß nicht,ob Ihnen die Sache mit der Burgruine Rothenburg bekannt ist.Irgendein s.gut betuchter Herr hat hier zugeschlagen und das Anwesen und mehr gekauft.Vor allem_sehr massive Absperrungen angebracht..die das Passieren des Hauptwanderweges Wernigerode-Zittau im Bereich fast unmögl.machen.D.h.daß abenteuerliche Umwege nötig werden..Nä.Beispiel-Treuer Nachbarteich.,Noch mehr gefällig?Es ist leider zu erwarten,daß o.a.nicht der letzte Frevel gegen die Natur sein wird.
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