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Mi, 17:12 Uhr
18.12.2013

nnz-Forum: Aus für Biomethan-Anlage?

Die neue Regierung steht, der Koalitionsvertrag gilt! Ökologisch, ökonomisch und ethisch bedeutet das das Aus für die geplante Biomethangasanlage (BMA) in Bielen. Meint ein Leser der nnz...


Ökologisch: Zitat aus dem Koalitionsvertrag „Der Zubau von Biomasse wird überwiegend auf Abfall und Reststoffe begrenzt. Dies dient dem Schutz der Natur, vermeidet die „Vermaisung“ der Landschaft und entschärft Nutzungskonkurrenzen.“

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Die Vermaisung der Landwirtschaft durch Felder für Biogaskraftwerke soll gestoppt und Maismonokulturen zurückgedrängt werden. Monokulturen, wie Mais-Einöden, die langfristig mehr umweltschädliche Pestizide und Dünger benötigen, tragen auch dazu bei, dass immer mehr Tier- und Pflanzenarten aussterben. Die wegen ihrer Bestäubungsfunktion volkswirtschaftlich und ökologisch sehr wichtigen Bienen können mit der Pflanze sehr wenig anfangen.

Union und SPD erkennen und schreiben es in ihrem Vertragstext, den Maisanbau zu begrenzen, “dient dem Schutz der Natur“. Zudem erwähnen sie das Problem, dass Pflanzen, aus denen Energie gewonnen wird, zur Ernährung von Menschen fehlen.

Die geplant BMA widerspricht diesen Zielen vollkommen!

Um die berechneten Biomethanerträge und damit die Effektivität der BMA der EVN sicherzustellen, benötigt sie 23. 000 t Mais, 4.500 t Zuckerrüben sowie 11.000 t Getreideschlempe jährlich. Das sind 71,4 % Lebensmittel (Mai und Zuckerrüben) und nur 28,6 Abfälle (Schlempe).

Ökonomisch: Es steigen mit fallenden Energiepreisen auf dem freien Markt, z.B, wenn viel
Windenergie im Netz ist, die Subventionen durch das EEG und damit die Energiepreise für private Haushalte und weite Teile der Wirtschaft. Das ist die Folge der Zusage der bisherigen Regierung auf die 20jährige Preisgarantie für die Erneuerbaren, inzwischen in Höhe von 23 Milliarden Euro jährlich – Absurdistan lässt grüßen!

Die neue Regierung hat in Folge dieser Entwicklung im Koalitionsvertrag vereinbart, Zitat:
  • „Kostendynamik entschärfen und begrenzen,
  • Kosteneffizienz durch Abbau von Überförderung, die wir schnell und konsequent bei Neuanlagen abbauen,
  • eine stärkere marktwirtschaftlich orientierte Förderung,
  • Degression von Einspeisevergütungen,
  • Bonusregelungen überprüfen und weitgehend streichen,
  • teuren Grünstromprivileg streichen,
  • erneuerbare Energien sollen perspektivisch ohne Förderungen am Markt bestehen“
Mit der Umsetzung dieser Ziele ist die BMA auch ökonomisch tot!

Des Weiteren tritt bei der „Veredelung“ von Biogas in Biomethangas und bei der Verstromung von Biomethangas ein Verlust von etwa 25 % der Primärenergie des Biogases ein, schreibt Prof. Dr. Herms aus Nordhausen in einem Leserbrief, veröffentlicht in der TA im März 2013. Trotz dieser Verluste soll ein positives ökonomisches Ergebnis der BMA erreicht werden?!

Ethisch: Der eigentliche Skandal jedoch ist die Verwendung von Lebensmitteln für die Energieerzeugung. Das ist zwar technisch machbar, doch es muss auch zu verantworten sein. Der ‚Direktor für Umweltprogramme der Vereinten Nationen, Dr. Klaus Töpfer (CDU) erklärt dazu, Zitat: „Überall dort, wo die Erzeugung von Energie aus Biomasse auch nur im Entferntesten in Konkurrenz steht zur Nutzung von Biomasse zur menschlichen Ernährung, kann dies nicht verantwortet werden. Das ist ethisch nicht vertretbar, das ist eine Todsünde.“

Es ist nicht selbstverständlich, dass wir genug zu essen haben. Deshalb beten Christen ja auch „Unser täglich Brot (auch aus Mai, aus Getreide) gib uns heute“, nicht „Unser täglich Brot vergär uns heute“. Die „Komplettverfeuerung unseres Planeten“ (Jürgen Kolbe in der FAZ vom 17.März 2011) wird unser Leben nicht sicherer und reicher machen, solange wir damit unsere Lebensgrundlagen zerstören. Wenn politische Entscheidungen zur Energieversorgung getroffen werden, müssen sie deshalb immer auf der Grundlage von existenziellen Werten erfolgen und nicht nach kurzfristig angelegten wirtschaftlichen Interessen.

Wir Bürger freuen uns natürlich über diese Entwicklung und wünschen unserer Regierung viel Erfolg auf diesem richtigen Weg der Novellierung des EEG.

Die von der Bürgerinitiative gesammelten ca. 4400 Unterschriften gegen diese BMA zeugen von der Weitsicht und Klugheit dieser mündigen Bürger.

Sollte wider Erwarten die BMA noch nach den alten gesetzlichen Regelungen genehmigt werden, werden wir im Rahmen des BimSch-Verfahrens unsere Wider- und Einsprüche geltend machen und ggf. durch Klagen die Genehmigung zur Errichtung der BMA so lange verzögern bis das neue novellierte EEG Rechtskraft erlangt.

Neuanlagen, wie die BMA in Bielen, die den fundamentalen Zielen des Koalitionsvertrages widersprechen, dürfen nach meinem Rechtsempfinden vor Inkrafttreten des neuen EEG, das im April 2014 vorliegen soll, nicht mehr genehmigt werden.
Manfred Hildebrandt, Nordhaussen
Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
W.Roßmell
18.12.2013, 18:26 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Verstoß gegen AGB
W.Roßmell
19.12.2013, 10:59 Uhr
2.Versuch der Prüfung....
Tja, manchmal versteht man so manches nicht, aber manchmal will man es auch nicht verstehen...! Zeitung ist eben ein Organ, welches sich an der Seite derjenigen stellt, wo man sich keine Feinde macht.

Ich als Bürger dieser Stadt kann nur hoffen, dass es wirklich so wäre, dass diese Biomethananlage nicht gebaut wird und die Regierung ihre Vorhaben und Äußerungen zum EEG schnell in die Tat umsetzt und viele Punkte ändert. Davon wäre auch dieses Vorhaben betroffen und man kann sich sehr gut vorstellen, dass die Verantowrtlichen nicht mehr diese unsinnigen Fördergewinne mehr einstreichen, wie bisher erhofft und vom Bau Abstand nehmen werden. Doch ob es so kommt oder ob der Kampf gegen diesen Bau weitergehen wird, das entscheiden leider andere Personen.

Ich wünsche jedenfalls den direkt betroffenen Bielener Bürgern viel viel Erfolg im Kampf gegen den Bau dieser Wahnsinnsanlage, zerstört sie in erster Linie die Lebensqualität fast aller Bielener Bürger, mal von den anderen ökologischen, ökonomischen und auch ethischen Gesichtspunkten mal ganz abgesehen!

Wer heute noch immer mit dem Bau dieser Anlage plant und sie in die Tat umsetzen will, dem sind menschliche Schicksale in dieser Gesellschaft egal, weil die Profitgier über ALLEM steht!
__________________________________________
Zum Verständnis: In dem gestern gesperrten Kommentar war von "geldgierigen Stadträten" die Rede. Das entspricht erstens nicht der Wahrheit und zweitens ein Verstoß gegen die AGB. Die Redaktion.
Retupmoc
19.12.2013, 12:04 Uhr
Irrtum
Die Wirtschaftsbosse sind geldgierig und deshalb wird diese Stinke-Anlage schon noch durchgewunken. Ich wünsche der BI die notwendige Geduld und den Rückhalt der Bevölkerung.
lumpi22
22.12.2013, 18:19 Uhr
Das wäre ein Grund zum Feiern!
Ja, wenn man die Politik verfolgt und auch deren Vorhaben, dann wird es wohl hoffentlich auch das endgültige Aus für diese Anlage werden! Ich würde mich innerlich auch sehr darüber freuen, hätten doch "unsere Stadtväter" dann endlich die Quittung dafür, die sie mit Ihrer Entscheidung zum Bau dieser Anlage benötigen und dass sie mir diesem Standort voll daneben lagen, erhalten! Mann kann in der Zukunft nur mit den Bürgern regieren und nicht weiter gegen sie! Und ich bin gespannt, ob sich dann ein Politiker finden wird, der aufgrund seiner falschen Haltung seinen Hut freiwillig nimmt, denn eigentlich müßten alle Befürworter dieser Anlage das tun!
Im nächsten Jahr sind ja Kommunalwahlen und da sollten spätestens die Bürger mit ihrer Stimme diese abwählen, dann wäre letztendlich auch das Ergebnis ein voller Erfolg!
Hoffentlich, hoffentlich gewinnt hier die Vernunft und der Verstand, denn eine solche Anlage gehört niemals in die Nähe von Wohnhäusern! Und da fragen sie mal die Bürger dieser Stadt, was sie dazu sagen, denn allein über 4.400 Unterschriften haben ja nicht gereicht!
Cato
22.12.2013, 20:44 Uhr
gääähn
geht das schon wieder los?
Im Koalitionsvertrag steht auch, dass es schön wäre, wenn mehr Fahradfahrer einen Helm tragen würden... Mach ich trotzdem nicht. Und die Biogasanlage wurde auf Gesetzeslage 2013 beantragt und wird so auch beschieden.
Ist doch wirklich witzig, wie die Gegner "Vernunft" und "Verstand" für sich allein beanspruchen und das auch noch im Bunde mit retupmoc, hahaha...
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