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Fr, 06:53 Uhr
29.11.2013

Tempo 30 in der Bochumer Straße

Die Stadtverwaltung Nordhausen hat vorgeschlagen, den Anwohnern in der Bochumer Straße mit Verkehrsschildern für 5.000 Euro mehr Ruhe zu bescheren. Es müsste nur Tempo 30 auf den Schildern stehen und schon wäre der Lärm um 2 (in Worten: zwei) Dezibel gesenkt. Dazu Anmerkungen von Jürgen Wiethoff...


Zwei hin oder her bringt gar nichts mehr. So lautete schon vor mehr als 50 Jahren der Merksatz für Rundfunkmechanikerlehrlinge, wenn es um Zimmerlautstärke, exakte Anpassung von Lautsprechern an Endstufen und ähnliche Probleme ging. 3 dB (Dezibel) Unterschied im Schalldruckpegel hört angeblich ein geschultes Ohr. Erst 6 dB Unterschied kann jeder sicher wahrnehmen und als lauter oder leiser erkennen.

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Dazu nun noch ein paar ausgewählte, hoffentlich allgemein verständliche Zeilen aus Wikipedia: „Der Schalldruckpegel ist eine technische und keine psychoakustische Größe. Ein Rückschluss von Schalldruckpegel auf die wahrgenommene Empfindung ist nur sehr eingeschränkt möglich. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass eine Erhöhung bzw. Senkung des Schalldruckpegels tendenziell auch ein lauter bzw. leiser wahrgenommenes Schallereignis hervorruft. Als Faustformel gilt, dass 10 dB Unterschied etwa als doppelte bzw. halbe Lautstärke wahrgenommen wird. Die Erkennbarkeit von Schalldruckpegeländerungen ist vom Ausgangspegel abhängig.“

Wer das am heimischen Notebook mit Windows 7 mal schnell testen möchte, sollte so vorgehen: An den Mikrofon/Line-In-Eingang steckt man ein Radio oder MP3-Player mit Musikwiedergabe, an den Ausgang einen Kopfhörer. Dann ein Rechtsklick auf den Lautsprecher in der Taskleiste und weiter mit „Wiedergabegeräte“, dann mit Links auf „Lautsprecher/Kopfhörer“ und in der Registerkarte „Pegel“ diesen auf 50 (Mittelstellung) stellen. Mit „OK“ beenden. Dann ein Klick auf die Registerkarte „Aufnahme“ und Doppelklick auf „Mikrofon/Line-In“ und die Registerkarte „Pegel“. Jetzt sieht man einen Regler (auch auf 50 stellen) und einen 3-stufigen Schalter „Mikrofonverstärkung“, den man in Mittelstellung bringt, „+10 dB“ werden angezeigt.

Nun regelt man den Ausgangspegel des angeschlossenen Gerätes so ein, das ein gut wahrnehmbares, aber völlig unverzerrtes Signal aus dem Kopfhörer kommt. Nun kann man an dem 3stufigen Schalter anfangen, 10 dB lauter und leiser zu machen und an dem „Mikrofon/Line-In“ Schieberegler kann man Erfahrungen zu niedrigeren Pegeländerungen sammeln. Da sind ein paar Ungenauigkeiten drin, die von Soundkarte zu Soundkarte sicher unterschiedlich ausgeprägt sind, aber der alte Merksatz kann schon als tendenziell richtig erkannt werden.

Nun noch ein paar Sätze Theorie aus Wikipedia:
„Die Abhängigkeit von wahrgenommener Lautstärke und Schalldruckpegel ist stark frequenzabhängig. Diese Frequenzabhängigkeit ist selbst wiederum schalldruckpegelabhängig, was bedeutet, dass für unterschiedliche Pegel unterschiedliche Frequenzabhängigkeiten bestehen. Sollen Aussagen über die Wahrnehmung eines Schallereignisses gemacht werden, muss daher die Frequenzzusammensetzung (Spektrum) des Schalls betrachtet werden. Darüber hinaus haben zeitlicher Verlauf sowie die Eigenschaft, sich über mehrere Frequenzgruppen zu erstrecken, einen Einfluss.“

Das bedeutet: Ein Auto, was eine bestimmte Strecke mit 50 km/h fährt, erzeugt – weil beim PKW zumeist mit 4. Gang und niedrigen Drehzahlen gefahren – andere Frequenzen, als das gleiche Auto, das die gleiche Strecke im 2. oder 3. Gang und deutlich höheren Drehzahlen fährt. Von diesem Frequenzspektrum hat man – weil längere Fahrzeit – auch deutlich länger etwas. Nun muss man einen Langzeitversuch mit den Bürgern der Bochumer Straße mit beiden Geschwindigkeiten machen und dann eine Volksbefragung, damit man weiß, wer welche Frequenzen und Zeitintervalle als angenehmer empfindet. Anschließend weiß man, ob man 5000 Euro richtig oder falsch eingesetzt hat. Es sei denn, das Abstimmungsergebnis ist erwartungsgemäß 50:50%.

Fazit: Zumindest das Geld kann man sparen und in die „Grüne-Welle-Aktion“ für die Grimmelallee einfließen lassen. Alles andere wäre purer Aktionismus und so zu bewerten, wie eine Tempo 30-Zone wegen Immissionschutz. Ein Blick in die technischen Daten jeden Autotyps lässt erkennen, dass der CO2-Ausstoß in Gramm/Kilometer gemessen wird und nicht in Gramm/kmh.

Das „Akzeptanzproblem“ unter den Autofahrern für Geschwindigkeitsbeschränkungen ergibt sich nicht aus der Beschränkung selbst, sondern weil viele Beschränkungen schlicht und ergreifend unsinnig sind. Zum Beispiel Beschränkungen, welche verfügt wurden, weil ein paar betrunkene oder unter Drogen stehende Autofahrer an markanten Punkten immer wieder Verkehrsunfälle verursachten. Oder weil man in Nordhausen annimmt, dass man Bürger mit ein paar unverstandenen Messwerten beruhigen kann.
Jürgen Wiethoff
Autor: red

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Kommentare
maus590
29.11.2013, 07:14 Uhr
Volle Zustimmung
Dem Artikel kann man in vollem Umfang nur zustimmen. Da fragt man sich doch wirklich, wer auf solche sinnfreien Ideen kommt.
funeddi
29.11.2013, 07:34 Uhr
Absoluter Blödsinn
Wie bereits erwähnt-langsameres Fahren=kleinere Gänge-höhere Drehzahl und höheren Geräuschpegel und weiterhin 5000 EUR verschwendete Steuergelder.
Genau so unsinnig wie die neuen Ortseingangs Hindernisse(bremsen,schalten,Gas geben=Erhöhung des Geräuschpegels).Teuer,hässlich und nutzlos.
CardReader
29.11.2013, 07:39 Uhr
Meist eh nur 30
Dank der Bushaltestellen, Ampelschaltungen und des Bahnübergangs ergibt sich meist eh nur eine Geschwindigkeit von weit weniger als 50km/h in der Bochumer Straße.

Zum Thema "Grüne-Welle". Das ist wohl eher ein Problem im gesamten Stadtverkehr. Ich glaube ich spreche für jeden der die Strecke Nordhäuser Str. - Hallesche Str. - Arnoldstr. täglich fährt...da ist die "Grüne-Welle" nur mit 70km/h zu schaffen!
Retupmoc
29.11.2013, 08:00 Uhr
Neben der Mütze
Alles schon gesagt...bei Tempo 30 im zweiten oder dritten Gang wird es lauter als bei Tempo 50 im 4. oder 5. Gang. Wer das nicht weiß, kann entweder kein Auto fahren oder glaubt auch noch an den Klapperstorch. Das Tempo 30 dient nur der Abzocke und dem Auffüllen der Stadtkasse, damit unsere Parlamentarier weiter ihr Sitzungsgeld bekommen können.

Und was die Grünwelle betrifft... einfach lächerlich, das Thema steht schon seit Jahrzehnten. Für so einen Blödsinn haben unsere Stadträte Zeit.
KaRu
29.11.2013, 08:13 Uhr
Die Komune
An der Strasse müssten die Obersten der Komune leben damit die Feststellen das bei der 30ger Zone Länger und mehr Lärmbelästigung ist als wenn es 50 ist.
Die sollten sich erstmal selbst ein Bild machen bevor sie so glohreiche Ideen vorschlagen und umsetzten wollen.
Das soll mal einer Verstehen.
Und das ganze nur weil das ca. 55 von ca 1000 anwohner der Strasse haben wollen.
geloescht.otto
29.11.2013, 09:29 Uhr
hier geht es doch nicht
um die Anwohner!!!
Hier geht es doch darum in einer 30er Zone die Geschwindigkeit zu messen und zuschnelle Fahrer zu bestrafen! Das bringt Geld in die Kasse und davon kann man dann die Schilder bezahlen!!

Holzauge sei wachsam!!!!!!
Die Anwohner sind doch dabei nur nebensächlich oder wie seht ihr das????
hamster
29.11.2013, 10:05 Uhr
Hauptstraße!
Die Straße war schon immer da und wenn ich dort eine Wohnung miete, muß ich auch mit dem Verkehr leben oder weg ziehen.
dbeib03
29.11.2013, 10:28 Uhr
30-Ha, das ich nicht lache
Der Vorangegangene Text ist gut verfasst.
Das einzige was in der Bochumer Straße wirklich den Lärmpegel senkt, wäre ein LKW-Verbot (zur Erinnerung: gab es schon einmal).
Das sind die einzigen, die wirklich den Lärmpegel erhöhen!
Aber, o nein, da sind ja die vielen Firmen, naja, dann müssen wir ja wohl doch mit 30 Leben, vielleicht resultiert daraus ja noch ein fester Blitzer, der die Ausgaben wieder hereinholt...
Mir eigentlich egal, ich fahre sowieso mehr durch die Grimmelallee, mit 50km/h...
gotfried weise
29.11.2013, 10:28 Uhr
faszinierend
also ich finde diese Idee faszinierend. Tempo 30 in der Bochumer, das hat doch was. Ich stell mir schon die Blitzer vor, die unsere Stadtkasse füllen werden. In dieser Straße gibt es eine Menge hübsche Verstecke für die sicherlich erst einmal nur vorläufig installierten Blitzerstarkästen. Wenn man die Dinger dann auch noch festinstalliert, hat man ruck zuck die Scheine für die Investition wieder im Stadtsäckel.

Auch wie es uns Herr Wiethoff erläuterte sollte man die deutlichere Verbesserung des Lärmpegels nicht einfach so klein reden. Es ist schon sicherlich ein erheblicher Unterschied, ob ich dauerhaft zwei Dezibel mehr Lärm ertragen muss oder nicht. Sicherlich hört keiner den Unterschied von zwei Dezibel mehr oder weniger, aber es summiert sich, wenn sie bei jedem Automobil was dort lang fährt zwei Dezibel mehr am Ohr haben sind das bei 10 Autos schon mal 20 Dezibel bei Hundert Autos dann aber schon wieder 200 Dezibel. Also Herr Wiethoff Sie müssen das addieren, dann kommen sie auch zu dem selben Ergebnis wie unsere Stadtverwaltung. Einfach nur so wie sie das schön reden - ja so geht das nicht.
Das ist übrigens ähnlich, wie mit der Rautenstraße, als die noch vierspurig war wurde sie auf zwei Spuren verkleinert, damit der Verkehr sich neue Wege suchen sollte, (so die Begründung der Stadtverwaltung) die Straße wurde eingeengt und mit fröhlichen Stau organisierenden Hindernissen an jedem Ende ausgerüstet. Der Autofahrer blieb stur und fährt trotzdem diese Straße, eben nun mit Stau oben und unten. Ans Ende von den neu organisierten Verkehrswegen baute man nun ein Einkaufszentrum, weil ja keiner diese Verkehrswege mehr nutzen sollte?
So sind die Denker unserer Verwaltung, Tempo 30 oder engere Straßen ... solche Dinge verstehen wir nicht, wir sind nämlich keine Experten für Verkehrsorganisation, wir sind nur die Bürger die mit solchen wirklich tollen Ideen leben lernen müssen.
Es ist aber trotz allem sehr Unterhaltsam.
Harzer_Wolf
29.11.2013, 11:48 Uhr
Neuerervorschlag
Ich bin dafür, das man auf allen Straßen der Stadt Tempo 20 einführt. Und dann bltzen wir ohne Ende. Fürs Stadtsäckle.
Flitzpiepe
29.11.2013, 12:05 Uhr
Fast alle Entscheidungen und Vorschläge
die in letzter Zeit in dieser Stadt getroffen werden oder zum Test veröffentlicht werden, sind an Lächerlichkeit nicht zu überbieten.
Aber eigentlich ist es nur traurig, was die Herren und Damen der Verwaltungen so an Output produzieren.
Ich erkenne die Eingeschränktheit durch Geldmangel an, das entschuldigt aber nicht alles.
Paulinchen
29.11.2013, 12:10 Uhr
Die Motoren drosseln deshalb nicht alle ihre Drehzahlen.
Mir stellt sich die Frage was ist vorteilhafter, angeblich ein geringerer Geräuschpegel, oder ein höherer Abgaswert. Die Fahrzeuge werden sicher nicht weniger, aber sie befahren die Straße zeitlich gesehen länger. Dadurch werden die Hinterlassenschaften (Abgase) nicht weniger, bzw. eher zunehmen. Dazu wurden ja schon mal teure Studien (ADAC) gemacht, weil die GRÜNEN das für die Städte/Ortschaften generell einführen wollten.
Opa Hardrock
29.11.2013, 14:46 Uhr
Dafür mehr Dreck in der Luft
Gut nachgedacht @ paulinchen.
Die 30- oder 50 KM/h fährt man mit aufeinanderfolgenden Gängen. Die Drehzahl (also die Anzahl der Kolbenhübe, die für die Menge der Abgase verantwortlich sind) ist dabei in etwa die gleiche.
Dafür braucht man länger, um diese Strecke zurückzulegen, nämlich ca. 1,7 mal länger.
Zurück bleibt also mehr "blauer Dunst", 1,7 mal mehr, bei jedem Auto.
Wie können wir denn erwarten, dass die Veantwortlichen für diesen Gehirnwirsing (für 2 Dezibel) die einfache Arithmetik beherrschen. Wirklich gut scheinen sie nur bei der "Euroabzockmetik" zu sein, und auch dann nur, wenn es darum geht, die Autofahrer abzuzocken.
Harzer_jung
29.11.2013, 15:24 Uhr
Schalten lernen
Was die 50 oder die 30 laut und hörbar macht sind Straßen und Ampeln. Meistens hört man das beschleunigen. Was den Verbrauch und Abgase angeht: mit ein klein wenig weiter Rechnerei bemerkt man das die 30 nicht lauter und abgasfördernder ist als die 50. passendes Schalten natürlich vorausgesetzt.
wer natürlich, immer alle gänge lang und voll ausnutzt, der macht lärm und verbraucht viel.

Eine andere Sache sind die allseitsbeliebten Fahrzeuge Marke Nürburgring/rollende Disco.
Das ist wirklich unnötiger Lärm.

Und Zum Thema CO2 Ausstoß,
Ein Motor der richtig gut verbrennt, erzeugt aus der selben Menge Treibstoff höchstwahrscheinlich mehr C02 als einer der schlechter arbeitet.
Paulinchen
29.11.2013, 15:55 Uhr
Nicht jedes Auto hat ein "Rührwerk"
Das Automatkgetriebe schaltet bei Tempo 30 schlichtweg nach unten. Und wenn ich auf den Drehzahlmesser schaue, dann hebt sich dessen Zeiger. Schalte ich dazwischen, so regelt das Getriebe Sekunden später wieder zurück in einen der unteren Gänge. Ist halt so und somit kommt mehr 4711 hinten raus.
geloescht.20220913
29.11.2013, 16:49 Uhr
Schuß ins Knie
Ich kenne Leute, die fahren zum Schure im 1.Gang durch die Tempo 30-Zone in Osterhagen. Gleiches dürfte wohl demnächst auch in der Bochumer Straße passieren.
Harzer_jung
29.11.2013, 17:49 Uhr
Automatikgetriebe
also die Automatikgetriebe mit nur 3 Gängen oder welche die nur stumpf nach drehzahl schalten sind langsam aber sicher am aussterben.

Und wer den ersten gang bis 30 hochzieht? hmm das kann jetzt schon finanziell geahndet werden. es ist ja auch sinnlos, der 3. oder 4 kann das problemlos auch, und billiger weil weniger Treibstoff isses auch.

Und nebenbei: die Schalteigenschaften eines Automatikgetriebes lassen sich wenns sein muss auch ändern.
Retupmoc
02.12.2013, 09:33 Uhr
Gute Idee
So sei es...dann eben mit ersten Gang mit 25 durch die Bochumer ! Wenn Ihr es so wollt. Aber erstmal ist ja die Straße schön aufgeruppt, clevererweise auch die Ampel am Bahnhof Altentor aus und so staut es sich auch in alle Richtungen ohne Tempo 30. Wir sind ja so clever in dieser Stadt.
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