Di, 20:07 Uhr
05.11.2013
Pilot ging dann nicht mehr...
Der Mann sitzt seit 47 Lebensjahren in einem Rollstuhl. Der Tag, als er mit seinem Auto verunglückte, veränderte sein Leben. Er ist seitdem vom fünften Brustwirbel ab gelähmt. Allerdings wäre Udo Reiter dann nicht Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks geworden und hätte nicht am Abend in der Kreissparkasse gelesen...
Udo Reiter signiert ein Buch
Heute Abend las Reiter in der Galerie der Nordhäuser Kreissparkasse aus seiner in diesem Jahr erschienenen Autobiographie Gestatten, dass ich sitzen bleibe. Mein Leben.. Stehen, gehen, springen, rennen – all das kann der Mann seit diesem 5. Dezember 1966 nicht mehr. Seit diesem Tag ist er querschnittsgelähmt. Er, der er so gern Pilot der Lufthansa geworden wäre, ist gefesselt. In oder an einen Rollstuhl.
In einem Vorabgespräch mit der nnz, das die Kreissparkasse Nordhausen ermöglichte, gab Udo Reiter klitzekleine Einblicke in sein Biographie.
Er ist einer der wenigen Wessis, die ihre Wurzeln nach der Wende tief im ostdeutschen Boden neu verankerten. Für einen Urbayer ist das schon ein Lebenswerk und Fahnenflucht gleichermaßen. Reiter kam hier an und blieb. Sein Vorstellungsgespräch zum Intendanten des zu gründenden MDR dauerte inklusive der Zeit zum Überlegen, ob der den Job annehme, 20 Minuten.
Der studierte und promovierte Germanist kannte zu diesem Zeitpunkt die Medienbranche aus dem EffEff, war im BR-Hörfunk groß geworden und schließlich aus dessen Direktor. Rundfunk, das ist die harte Schule der elektronischen Medien, das hat Reiter nicht nur geformt, hier hat er auch die Typen kennengelernt. Gottschalk, Jauch. Mit dem ersten pflegt er immer noch eine Freundschaft, dem zweitem wird er immer noch aus dem Weg gehen. Das ist jetzt leicht, denn Reiter wohnt mit seiner Frau im Gebäude einer ehemaligen Dorfschule in einem kleinen Ort nahe Leipzig. Warum aber muss jetzt auch er, der Intellektuelle, auch noch eine Autobiographie schreiben? Das alles begann mit der Bitte der BILD-Zeitung, einen Artikel über das Leben im Rollstuhl zu schreiben. Die Resonanz darauf war unglaublich. Und ehrlich, es machte mir Spaß, all das aufzuschreiben. Das habe ich dann einfach weitergemacht. Und so blättert Udo Reiter sein Leben auf, ohne zu sehr ins Private abzuschweifen, obgleich der Mann viel zu erzählen hätte.
Auch über das Sterben als Teil des Lebens schreibt Reiter. Über Suizid-Gedanken und über urkomische Situationen, die nur ein Mensch durchleben kann, der im Rollstuhl sitzen muss.
Er wird bald 70, der Udo Reiter und findet das unglaublich schlimm und furchtbar. 70! - das geht doch überhaupt nicht. Doch die Übergangsschmerzen vom Job in den Ruhestand, die waren von kurzer Dauer. Es ist doch herrlich, wenn man am Montagmorgen aufwacht und nicht um 10 Uhr die Konferenz der Direktoren leiten muss, sondern einfach ausschlafen kann.
Er hat seit seinem Ruhestand den MDR in Leipzig nicht wieder betreten und nach Bayern? Meine Heimat ist Mitteldeutschland und wenn es im Dorf mal wieder zu ruhig ist, dann fahren wir nach Berlin. Dann rollt Udo Reiter mit seinem Rollstuhl als dem Vorstandszimmer der Kreissparkasse hinunter in die Galerie. Dort ist kein Platz mehr leer, Udo Reiter wird vermutlich sagen: Gestatten, dass ich sitzen bleibe.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redUdo Reiter signiert ein Buch
Heute Abend las Reiter in der Galerie der Nordhäuser Kreissparkasse aus seiner in diesem Jahr erschienenen Autobiographie Gestatten, dass ich sitzen bleibe. Mein Leben.. Stehen, gehen, springen, rennen – all das kann der Mann seit diesem 5. Dezember 1966 nicht mehr. Seit diesem Tag ist er querschnittsgelähmt. Er, der er so gern Pilot der Lufthansa geworden wäre, ist gefesselt. In oder an einen Rollstuhl.
In einem Vorabgespräch mit der nnz, das die Kreissparkasse Nordhausen ermöglichte, gab Udo Reiter klitzekleine Einblicke in sein Biographie.
Er ist einer der wenigen Wessis, die ihre Wurzeln nach der Wende tief im ostdeutschen Boden neu verankerten. Für einen Urbayer ist das schon ein Lebenswerk und Fahnenflucht gleichermaßen. Reiter kam hier an und blieb. Sein Vorstellungsgespräch zum Intendanten des zu gründenden MDR dauerte inklusive der Zeit zum Überlegen, ob der den Job annehme, 20 Minuten.
Der studierte und promovierte Germanist kannte zu diesem Zeitpunkt die Medienbranche aus dem EffEff, war im BR-Hörfunk groß geworden und schließlich aus dessen Direktor. Rundfunk, das ist die harte Schule der elektronischen Medien, das hat Reiter nicht nur geformt, hier hat er auch die Typen kennengelernt. Gottschalk, Jauch. Mit dem ersten pflegt er immer noch eine Freundschaft, dem zweitem wird er immer noch aus dem Weg gehen. Das ist jetzt leicht, denn Reiter wohnt mit seiner Frau im Gebäude einer ehemaligen Dorfschule in einem kleinen Ort nahe Leipzig. Warum aber muss jetzt auch er, der Intellektuelle, auch noch eine Autobiographie schreiben? Das alles begann mit der Bitte der BILD-Zeitung, einen Artikel über das Leben im Rollstuhl zu schreiben. Die Resonanz darauf war unglaublich. Und ehrlich, es machte mir Spaß, all das aufzuschreiben. Das habe ich dann einfach weitergemacht. Und so blättert Udo Reiter sein Leben auf, ohne zu sehr ins Private abzuschweifen, obgleich der Mann viel zu erzählen hätte.
Auch über das Sterben als Teil des Lebens schreibt Reiter. Über Suizid-Gedanken und über urkomische Situationen, die nur ein Mensch durchleben kann, der im Rollstuhl sitzen muss.
Er wird bald 70, der Udo Reiter und findet das unglaublich schlimm und furchtbar. 70! - das geht doch überhaupt nicht. Doch die Übergangsschmerzen vom Job in den Ruhestand, die waren von kurzer Dauer. Es ist doch herrlich, wenn man am Montagmorgen aufwacht und nicht um 10 Uhr die Konferenz der Direktoren leiten muss, sondern einfach ausschlafen kann.
Er hat seit seinem Ruhestand den MDR in Leipzig nicht wieder betreten und nach Bayern? Meine Heimat ist Mitteldeutschland und wenn es im Dorf mal wieder zu ruhig ist, dann fahren wir nach Berlin. Dann rollt Udo Reiter mit seinem Rollstuhl als dem Vorstandszimmer der Kreissparkasse hinunter in die Galerie. Dort ist kein Platz mehr leer, Udo Reiter wird vermutlich sagen: Gestatten, dass ich sitzen bleibe.
Peter-Stefan Greiner







