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Mo, 09:52 Uhr
14.10.2013

Geschenkter Tag(e)?

Brückentage sind doch etwas herrliches, oder nicht? Da kann man mal richtig ausspannen oder einen Kurzurlaub einrichten. Im Landratsamt Nordhausen soll Landrätin Birgit Keller allen Mitarbeitern gar einen Tag geschenkt haben. Wir sind dieser "Ungeheuerlichkeit" nachgegangen...


Am Wochenende erreichte die nnz-Redaktion eine Mail mit folgendem Inhalt: Am 04.10.2013 (Brückentag) haben alle Mitarbeiter des Landratsamtes einen Urlaubstag geschenkt bekommen. Angesichts der desolaten Haushaltslage ein unerträglicher Zustand. Die Ansage war übrigens klar: Ein freier Tag (8 Stunden), nicht Home-Office. Viele Mitarbeiter des Landratsamtes fühlten sich dem Landkreis verpflichtet und haben sich geschämt, dieses Geschenk anzunehmen und deshalb stattdessen Freizeitausgleich oder "echten" Urlaub genommen.

Soweit die Mail an die Redaktion. Wir konfrontierten daraufhin die Kreisverwaltung mit der aufgestellten Behauptung. Jessica Piper, die Pressesprecherin der Behörde verwies zunächst auf ein internes Schreiben von Landrätin Birgit Keller, das der nnz vorliegt. In dem heißt es es:

Ich beabsichtige, die Häuser der Kernverwaltung und aller nachgeordneten Einrichtungen an den Brückentagen des 04.10.2013 und des 01.11.2013 aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus zu schließen. Für Sie besteht die Möglichkeit, Ihre Arbeitsleistung in Homearbeit zu erbringen. Alternativ kann auch an diesen beiden Tagen Urlaub oder Freizeitausgleich in Anspruch genommen werden. Sollten Sie sich für die Homearbeit entscheiden und haben schon Urlaub oder Freizeitausgleich beantragt, kann dies im Rahmen eines Zeitkorrekturbeleges korrigiert werden. Alles Weitere klären Sie bitte mit Ihrem Vorgesetzten. Soweit durch die Homearbeit die Dienstbereitschaft der Behörde eingeschränkt wird, werden die entsprechenden Rufbereitschaftsregelungen auf diese Zeiträume ausgedehnt.

Diese Regelung, den Brückentag im Büro Zuhause zu verbringen, galt für alle Mitarbeiter. Wie jedoch die Heimarbeit für Berufsgruppen wie Hausmeister, Schulsekretärinnen oder andere Mitarbeiter realisiert werden kann, das leuchtet dem einen oder anderen Mitarbeiter im Landratsamt nicht ein. Können denn zum Beispiel alle Akten mit nach Hause genommen werden, um daran weiter zu arbeiten? Gibt es einen Zugriff auf Daten der Behörden-Server? Wohl kaum.

Inwieweit ist hier eine Übereinstimmung mit tariflichen
Bestimmungen realisiert worden? Hat eine Landrätin hier einfach mal so einen Arbeitstag in einen zusätzlichen Urlaubstag umgewandelt? Ist das der Umgang mit Steuergeldern? Auch wenn mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung schon mal vorsorglich Urlaub für den Brückentag angemeldet hatten, ist das keine Ausrede. Hier wird Arbeitszeit verschenkt und damit Steuergeld.

Auf Nachfrage teilt die Behörde weiter mit: Außerdem nehmen viele Urlaub am Brückentag, so dass Aufwand und Nutzen, die Verwaltungsgebäude für wenige Mitarbeiter zu öffnen, nicht in einem angemessenen Verhältnis stehen. Auch die Schulen hatten geschlossen, was wiederum auch unsere Schulsekretärinnen und Schulhausmeister betroffen hat. Auch in der Servicegesellschaft gab es die Regelung wie im Landratsamt.

Die Beschäftigten dieser Behörde haben es wirklich gut erwischt. Zwei zusätzliche Urlaubstage, als Heimarbeit versteckt, das findet man nicht überall, auch nicht in anderen Verwaltungen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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Kommentare
Zukunft
14.10.2013, 17:00 Uhr
Großzügig
Welch eine Großzügigkeit? Diese Entscheidung kann nur jemand treffen, der die Arbeitnehmer nicht von eigen erwirtschafteten Geld bezahlt. Diese Verfahrensweise der Landrätin widerspricht dem öffentlichen Tarifvertrag. Die Landrätin sollte die Kosten für zwei Urlaubstage für die Mitarbeiter aus eigener Tasche bezahlen.
Harzer00
14.10.2013, 17:02 Uhr
Landratsamt: wir haben es ja und bleiben einfach weg?
So macht das halt eine linke Landrätin? Warum eigentlich nur einen Tag Deutsche Einheit feiern, dies geht doch auch mal zwei Tage? Und die Reformation war doch auch bald vor 500 Jahren, da kann`s auch gern mal einen Tag mehr geben?

Aber ich hätte es fast übersehen, es war ja eine Maßnahme zur Kostensenkung. Also wenn der Verwaltungsbetrieb immer so teuer ist, vielleicht würde man ja am meisten sparen, wenn man immer einfach dicht macht?
Cato
14.10.2013, 20:38 Uhr
Die nächste Sau durchs Dorf: Zum Hallali auf den öffentlichen Dienst
Es gibt hier so ein paar Reizthemen wie H4, Geschwindigkeitskontrollen, die Politikerkaste, die ost-west-Debatte und Stadtfeste, die mehrere Eigenschaften teilen. Zum einen hat jeder eine Meinung dazu, man muss hiervon partout keine Ahnung haben und die Themen eignen sich hervorragend zum schwarz-weiss-malen. Das ist das Rezept, um die Kommentarspalten zum Überlaufen zu bringen.

Und was machen wir, wenn dies mal zwei Tage nicht funktioniert? Richtig! Wir schimpfen über den bösen öffentlichen Dienst. Die sind sowieso faul, sollten wegen ihrer vermeintlichen Unkündbarkeit im Büßergewand herumlaufen und Artikel 1 des Grundgesetzes (das ist der mit der unantastbaren Würde) gilt für diese Leute, wie es der Fall einer gewissen Gleichstellungsbeauftragten zeigt, auch nicht. Da werden gleich mal Forderungen nach Arbeitslagern laut und hier sogar freigeschaltet. Habe ich was vergessen?

Ach ja, da die Leute von „meinen“ Steuergeldern entlohnt werden, auch wenn ich vielleicht noch nie welche bezahlt habe, bin ich quasi deren Chef und habe absoluten Gehorsam zu erwarten, zumindest in der Kommentarspalte.

Ja es gibt faule Menschen im öffentlichen Dienst aber die soll es angeblich auch in der freien Wirtschaft geben. Dafür soll es auch Chefs in der freien Wirtschaft geben, die mal einen Tag frei geben oder sogar freiwillig Prämien auszahlen (letzteres gibt es im öffentlichen Dienst z. B. so gut wie gar nicht). Und warum soll dies nicht auch mal eine Landrätin dürfen?

Dabei gibt es vielleicht gute Argumente dafür? Vielleicht läuft eine arbeitsteilige Verwaltung ohnehin sehr schlecht, wenn ein großer Teil der Belegschaft frei hat. Oder wie viel Betriebs- oder besonders Heizkosten werden gespart, wenn das Landratsamt dank zweier Brückentage insgesamt acht Tage kaum geheizt werden muss? Außerdem wird dann ohnehin meist nur vier Stunden gearbeitet, da die Bediensteten Freitags bereits um 1 gehen dürfen.

Och nööö, jetzt nur nicht sachlich werden.

Dann lieber die nächste Sau durchs Dorf treiben: Los geht’s zum Hallali auf den öffentlichen Dienst und

Willkommen in der Neidgesellschaft!
katertiger
15.10.2013, 07:08 Uhr
eine tolle Ungeheuerlichkeit
Die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst machen eine 40 Stunden-Arbeitswoche und auch mehr. Geschenkt bekommt keiner etwas! Nur wer diese Stunden für den Brückentag eingearbeitet hat kann sie einsetzen, ansonsten ist ein Urlaubstag zu nehmen.
Es ist wirklich eine Neidaktion! Am Freitag haben die meisten öffentlichen Einrichtungen und andere Dienststellen nur bis Mittag geöffnet.
Da ist es doch aus wirtschaftlichen Gründen gerechtfertigt, an diesem Brückentag die Dienststellen geschlossen zu lassen.
In anderen Berufen können diese Freitagstunden doch auch eingearbeitet werden - oder?
Die dringend zu erledige Büroarbeit muss man trotzdem schaffen, aber der Tag hat doch 24 Stunden!
Retupmoc
15.10.2013, 09:10 Uhr
Pleite
Den Sachverhalt kann man so oder so sehen. Ich hätte allerdings einen besseren Vorschlag, allerdings gehen jetzt die Bananenrepublikfanatiker und die Kirchgänger auf die Palme:

Schaffen wir doch einfach diese Feiertage wie 3.10. oder Reformationstag/Allerheiligen ab. Wir haben genug Urlaub( in China gibt es zum Beispiel nur zwei Wochen , wer da feiern will, soll doch einen Tag Urlaub nehmen. Das erwirtschaftete Plus kommt den Kommunen zu Gute, die dann mit dem Geld ihre Finanz - oder Straßenlöcher stopfen können.
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