Di, 18:35 Uhr
03.09.2013
Wurden hier Grenzen überschritten?
Mehrere Anrufe erreichten die nnz.: In Bereichen des Südharz-Klinikums Nordhausen lägen Listen aus. Es handele sich um Austrittserklärungen, gerichtet an Mitglieder, die der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) angehören. Das sei ein ungeheuerlicher Vorfall, erbosten sich die Anrufer. Sie wollten ihren Namen nicht nennen, da sie Unannehmlichkeiten seitens der Geschäftsführung befürchteten. Kurt Frank ging für die nnz der Sache nach...
Falk Ludwig, Gewerkschaftssekretär der Verdi-Gewerkschaft Mittel-/Nordthüringen, Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen, bestätigte den Vorfall. Im Rahmen von Tarifverhandlungen, teilt er mit, gebe es auch streitige Auseinandersetzungen, bedingt durch unterschiedliche Interessen. Üblicherweise seien diese geprägt von Professionalität, gegenseitigen Respekt in die Personen und Rollen der handelnden Vertragspartner unter Beachtung rechtsstaatlicher Grundsätze, betont Ludwig. Überraschungen im Handeln der einzelnen Verhandlungspartner seien daher selten, kämen aber vor.
Die Leitung des Südharz-Klinikums Nordhausen sorgt derzeit für solche Überraschungen, die letztendlich zu erheblichen Verstimmungen unter den Verdi-Mitgliedern und Mitarbeitern des Südharz-Klinikums führen, schreibt Verdi-Verhandlungsführer Falk Ludwig und hebt hervor: Die Klinikleitung verteilt ein von ihr erstelltes Austrittsformular für alle Verdi-Mitarbeiter des Krankenhauses und fordert sie auf, ihren Austritt zu erklären.
Die hierzu führenden Gründe können wir aus Arbeitgebersicht durchaus verstehen, meint Ludwig. Allerdings, fügt er an, dürfe die Unzufriedenheit hinsichtlich Ablauf und Ergebnis der Tarifverhandlungen nicht dazu führen, dass hier ohne jegliches Augenmaß fundierte Grundsätze der Tarifarbeit völlig ignoriert würden. Wörtlich: Die Herren der Geschäftsleitung haben Grenzen überschritten.
Es gehöre zu den besonderen rechtsstaatlichen Grundsätzen dieser Republik, dass sich Beschäftigte in Gewerkschaften organisieren und durch diese ihre Interessen vertreten lassen. Mit Sicherheit, betont Falk Ludwig, sei es völlig überflüssig, diesen Menschen durch vorgefertigte Austrittserklärungen zu sagen, wie sie sich zu verhalten haben. Intelligente, selbstbewusste Bürger könnten dies für sich selbst entscheiden.
Den Gewerkschaftssekretär Falk Ludwig beschäftigt letztendlich die Frage: Hat die Geschäftsführung den ärztlichen Kolleginnen und Kollegen auch 'rein vorsorglich' den Austritt aus dem Marburger Bund empfohlen, denn diese, will man seinen Argumenten folgen, gefährden durch ihre Tarifverhandlungen schon seit 2009 sichere Arbeitsplätze? Sollte dies der Fall sein, sichern wir unseren ärztlichen Kolleginnen und Kollegen ausdrücklich unsere Solidarität zu.
Den überraschenden Vorfall sieht die Klinikleitung an einer anderen Stelle. "Am 28. Juni dieses Jahres wurde in der Tarifverhandlung zwischen Arbeitgeber und der Verhandlungskommission eine Einigung erzielt. In der darauffolgenden Tarifkommissionssitzung von verdi wurde das Angebot angenommen und auch den Gewerkschaftsmitgliedern zur Annahme empfohlen. In einer anschließenden Mitgliederbefragung stimmte die Mehrheit der verdi-mitglieder für die Annahme des Verhandlungsergebnisses", teilt die Klinikleitung mit und weiter: "Nach unserem Verständnis von Demokratie bedeutet dieses Abstimmungsergebnis ein eindeutiges Votum für einen Tarifabschluß." Völlig unerwartet wurde der Klinikleitung aber von verdi nach der Abstimmung mitgeteilt, dass die Gewerkschaft den Tarifkompromiss ablehnt und Streiks in Aussicht stellt.
In der Belegschaft mehrte sich aus Sicht der Geschäftsführung das Unverständnis über dieses Vorgehen der Gewerkschaft. Etliche Mitarbeiter fragten in verschiedensten Abteilungsbesprechungen Vorgesetzte und auch die Klinikleitung, wie man damit umgehen soll. "Hierbei wurde von Mitarbeitern berichtet, dass sie aus der Gewerkschaft ausgetreten sind, womit jedwede Aufforderung unsererseits unnötig ist", teilt die Geschäftsführung des Hauses der nnz mit.
Durch das Blockadeverhalten der Gewerkschaft kann es nun nicht zu der für September 2013 geplanten Tarifsteigerung für alle Mitarbeiter des Südharz Klinikums, als erster Teil einer für 2013 geplanten zweistufigen Tarifsteigerung kommen. "Weiterhin war die Gewährung einer Einmalzahlung für September verabredet, die durch die Verweigerungshaltung von verdi zum zuletzt gefundenen Kompromiss ebenfalls nicht ausgezahlt werden kann. Das gleiche trifft auf die verabredete Steigerung der Azubivergütung zu."
Kurt Frank
Kommentare bitte nur mit Klarnamen
Autor: redFalk Ludwig, Gewerkschaftssekretär der Verdi-Gewerkschaft Mittel-/Nordthüringen, Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen, bestätigte den Vorfall. Im Rahmen von Tarifverhandlungen, teilt er mit, gebe es auch streitige Auseinandersetzungen, bedingt durch unterschiedliche Interessen. Üblicherweise seien diese geprägt von Professionalität, gegenseitigen Respekt in die Personen und Rollen der handelnden Vertragspartner unter Beachtung rechtsstaatlicher Grundsätze, betont Ludwig. Überraschungen im Handeln der einzelnen Verhandlungspartner seien daher selten, kämen aber vor.
Die Leitung des Südharz-Klinikums Nordhausen sorgt derzeit für solche Überraschungen, die letztendlich zu erheblichen Verstimmungen unter den Verdi-Mitgliedern und Mitarbeitern des Südharz-Klinikums führen, schreibt Verdi-Verhandlungsführer Falk Ludwig und hebt hervor: Die Klinikleitung verteilt ein von ihr erstelltes Austrittsformular für alle Verdi-Mitarbeiter des Krankenhauses und fordert sie auf, ihren Austritt zu erklären.
Die hierzu führenden Gründe können wir aus Arbeitgebersicht durchaus verstehen, meint Ludwig. Allerdings, fügt er an, dürfe die Unzufriedenheit hinsichtlich Ablauf und Ergebnis der Tarifverhandlungen nicht dazu führen, dass hier ohne jegliches Augenmaß fundierte Grundsätze der Tarifarbeit völlig ignoriert würden. Wörtlich: Die Herren der Geschäftsleitung haben Grenzen überschritten.
Es gehöre zu den besonderen rechtsstaatlichen Grundsätzen dieser Republik, dass sich Beschäftigte in Gewerkschaften organisieren und durch diese ihre Interessen vertreten lassen. Mit Sicherheit, betont Falk Ludwig, sei es völlig überflüssig, diesen Menschen durch vorgefertigte Austrittserklärungen zu sagen, wie sie sich zu verhalten haben. Intelligente, selbstbewusste Bürger könnten dies für sich selbst entscheiden.
Den Gewerkschaftssekretär Falk Ludwig beschäftigt letztendlich die Frage: Hat die Geschäftsführung den ärztlichen Kolleginnen und Kollegen auch 'rein vorsorglich' den Austritt aus dem Marburger Bund empfohlen, denn diese, will man seinen Argumenten folgen, gefährden durch ihre Tarifverhandlungen schon seit 2009 sichere Arbeitsplätze? Sollte dies der Fall sein, sichern wir unseren ärztlichen Kolleginnen und Kollegen ausdrücklich unsere Solidarität zu.
Den überraschenden Vorfall sieht die Klinikleitung an einer anderen Stelle. "Am 28. Juni dieses Jahres wurde in der Tarifverhandlung zwischen Arbeitgeber und der Verhandlungskommission eine Einigung erzielt. In der darauffolgenden Tarifkommissionssitzung von verdi wurde das Angebot angenommen und auch den Gewerkschaftsmitgliedern zur Annahme empfohlen. In einer anschließenden Mitgliederbefragung stimmte die Mehrheit der verdi-mitglieder für die Annahme des Verhandlungsergebnisses", teilt die Klinikleitung mit und weiter: "Nach unserem Verständnis von Demokratie bedeutet dieses Abstimmungsergebnis ein eindeutiges Votum für einen Tarifabschluß." Völlig unerwartet wurde der Klinikleitung aber von verdi nach der Abstimmung mitgeteilt, dass die Gewerkschaft den Tarifkompromiss ablehnt und Streiks in Aussicht stellt.
In der Belegschaft mehrte sich aus Sicht der Geschäftsführung das Unverständnis über dieses Vorgehen der Gewerkschaft. Etliche Mitarbeiter fragten in verschiedensten Abteilungsbesprechungen Vorgesetzte und auch die Klinikleitung, wie man damit umgehen soll. "Hierbei wurde von Mitarbeitern berichtet, dass sie aus der Gewerkschaft ausgetreten sind, womit jedwede Aufforderung unsererseits unnötig ist", teilt die Geschäftsführung des Hauses der nnz mit.
Durch das Blockadeverhalten der Gewerkschaft kann es nun nicht zu der für September 2013 geplanten Tarifsteigerung für alle Mitarbeiter des Südharz Klinikums, als erster Teil einer für 2013 geplanten zweistufigen Tarifsteigerung kommen. "Weiterhin war die Gewährung einer Einmalzahlung für September verabredet, die durch die Verweigerungshaltung von verdi zum zuletzt gefundenen Kompromiss ebenfalls nicht ausgezahlt werden kann. Das gleiche trifft auf die verabredete Steigerung der Azubivergütung zu."
Kurt Frank
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