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Do, 20:58 Uhr
22.08.2013

Ignoranz pur

Haben Sie, liebe Leser der nnz, in den zurückliegenden Wochen und Monaten mal ein Fahrzeug in Nordhausen zulassen müssen? Wenn ja, dann kennen Sie die Zustände am Alten Tor. Eine Situationsbeschreibung...


Wartezeiten von mehreren Stunden sind in der Kfz-Zulassungsstelle keine Seltenheit. Das ist für den verwalteten Bürger schon nervig, für Unternehmen wie Autohäuser ist das die blanke Katastrophe. Von einem "organisierten Supergau" spricht der Obermeister der Nordhäuser Kfz-Innung, Frank Töpfer, gegenüber der nnz.

Die Mitarbeiter der Autohäuser müssten derzeit zwischen vier und fünf Stunden warten, ehe die Zulassung bearbeitet wird. "Die noch verbliebenen Mitarbeiter geben sich alle Mühe, sie können jedoch den personellen Ausfall nicht kompensieren. Das ist das Ergebnis einer verfehlten Personalplanung", so Töpfer.
Warten ist die erste Bürgerpflicht in der Verkehrsbehörde (Foto: nnz)
Derzeit keine gute Adresse (Foto: nnz)
Frank Töpfer: der programmierte Supergau (Foto: nnz)
"Die Kritik ist vollkommen berechtigt. Seit Monaten haben wir einen Krankenstand in der Zulassungsstelle, der nicht mehr zu verantworten ist gegenüber der Bevölkerung und den Unternehmen", weiß Landrätin Birgit Keller. Sie hat die 1. Beigeordnete beauftragt, sofort personelle Umsetzungen zu organisieren, um ein Mindestmaß an Sicherstellung der Aufgabenerfüllung zu gewährleisten.

Außerdem sei die Zulassungsstelle Teil des Konzepts des Bürgerservice, der im September in die konkrete Umsetzungsphase starte und Anfang des kommenden Jahres zur Verfügung stehen soll. Auch dies soll die Situation im Aufgabenbereich Zulassung entspannen. Außerdem wird die Landrätin noch einmal einen Vorstoß machen, die Zulassung mit dem weiteren Ausbau moderner Computertechnik zu unterstützen.

Bis zum nächsten Jahr wollen die Autohäuser nicht warten, für sie ist die Situation am Alten Tor 8 "Ignoranz pur". Zu leiden haben da vor allem die kleinen Unternehmen der Innung und die Privatleute. Betriebe, die Filialen in anderen Landkreisen haben, die weichen zum Beispiel bei Tageszulassungen oder sogenannten strategischen Zulassen in die jeweils anderen Landkreise aus.

"In keinem anderen Landkreis gibt es bei der Zulassung von Fahrzeugen derartige Probleme", weiß Helmut Peter, Geschäftsführer der gleichnamigen Gruppe zu erzählen. Und der muss sich auskennen, haben es seine Mitarbeiter immerhin mit zwölf Zulassungsstellen in drei Bundesländern zu tun.

Allein die Autohaus Peter Gruppe realisiert pro Jahr zwischen 500 und 700 An- und Abmeldungen von Fahrzeugen. "Wenn das Theater einer in diesem Fachbereich verfehlten Personalpolitik weiter so geht und unserem Unternehmen neben dem finanziellen Schaden auch ein Imageschaden bei den Kunden entsteht, dann lassen wir eben in Sondershausen zu."

Der Nordhäuser Kreisverwaltung würde dadurch auch ein immenser finanzieller Schaden entstehen, schließlich werden mit der Zulassungsstelle Einnahmen erwirtschaft, deren Ausbleiben sich ein notorisch klammer Landkreis einfach nicht leisten kann.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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Kommentare
Frank Tabatt
23.08.2013, 06:54 Uhr
Zulassung ohne Probleme
Ich habe im Mai mein Auto zugelassen und hatte maximal 30 Minuten gebraucht ( incl. Wartezeit)- da müßte sich personell was dramatisches geändert haben. Ich kann nur sagen die Damen waren nett und haben zügig gearbeitet
Frank Tabatt
nnz-leser
23.08.2013, 09:21 Uhr
Nichts Neues
Die Zustände in der Zulassungsstelle sind nicht neu. Auch ich habe im Mai ein Auto zugelassen, meine Ankunftszeit war 8.39 Uhr die Zulassung hat bis 10.10Uhr gedauert. In der Zeit von 9.00Uhr bis 9.30Uhr wurden keine Nummern aufgerufen.

Was die Mitarbeiter in dieser Zeit gemacht haben, kann man nur erahnen. Sicher müssen auch die Grundbedürfnisse der Mitarbeiter berücksichtigt werden, diese sollten jedoch nicht von allen Mitarbeitern gleichzeitig während der Öffnungszeiten wahrgenommen werden. Versetzte Zeiten für diese Bedürfnisse sollten bei den Arbeitszeiten (Gleitzeit) in der Zulassungsstelle sollten wohl möglich sein.

Die Ignoranz der Nordhäuser Zulassungsstelle ist schon seit Jahren bekannt, ich sage nur Wunschkennzeichen. Zahlen und Buchstabenkombinationen, die in unseren Nachbarlandkreisen möglich sind, verweigert die Zulassungsstelle Nordhausen. Oder werden nur an einen bestimmten Personenkreis ausgegeben. Regelmäßig parkt vor der Zulassungsstelle ein PKW wo nach der Trennung nur ein Buchstabe und eine Zahl zu finden ist.

Auf mein Nachfragen nach so einer Zahlenkombination wurde mir erläutert, dass diese Kombinationen den Motorrädern vorbehalten sei. Auch hier Ignoranz pur.
Meiner Meinung nach widerspiegelt diese Ignoranz das Verhältnis der Mitarbeiter zum „normalen Bürger“. Es wird Zeit, dass sich hier was ändert.

Wenn ich im Zusammenhang mit der Zulassungsstelle von einem Bürgerservice höre scheint dieses eine vernünftige Richtung zu sein, nur ist die Frage ob der Servicegedanke bei den Mitarbeitern im Landratsamt auch ankommt. Hier muss noch viel an der Einstellung der Mitarbeiter zum „normalen Bürger“ gearbeitet werde. Vielleicht können die Mitarbeiter des Landratsamts ja in der freien Wirtschaft geschult werden.

Die bereits im Artikel angesprochene Automobilbranche bietet hervorragende Möglichkeiten. Ich kann mir gut vorstellen, dass Herr Peter oder Herr Töpfer in Ihren Servicebetrieben die Mitarbeiter des Landratsamtes mal mit den Grundlagen des Services vertraut machen.

Also los geht’s, bei der Umsetzung des Bürgerservice ab September können einheimische Unternehmen und Behörde mal so richtig zusammenarbeiten. Guter Service funktioniert nicht nur mit moderner Computertechnik.
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