Kunstzensur im Rathaus?
In den vielen Kommentaren, die es zu einem Artikel auf Spiegel Online über die nnz gab, wurde gefragt, was denn die Gleichstellungsbeauftragte des Nordhäuser Rathaus zu tun habe. Eine mögliche Antwort: sie zensiert Kunst....
Hier die Vorgeschichte: Seit mehreren Jahrzehnten gibt es die Partnerschaft zwischen Nordhausen und Ostrow in Polen. Diese hat zahlreiche Facetten, zu denen auch der Austausch sowie die Begegnung zwischen Kunst und Künstlern beider Städte gehört. Eine exponierte Ostrower Künstlerin ist Agnieszka Lisiak, die unter anderem die
Kraniche an einer Hausfassade in der gleichnamigen Straße geschaffen hatte.
Kunst, die weggesperrt gehört (Foto: nnz)
Viele Jahre zuvor hatte die Stadt Nordhausen zwei Kunstwerke der jungen Frau angekauft. Eine Plastik und eine Fotografie. Letztere zeigt einen weiblichen Rücken, umhüllt von einer Lederkorasage. Dieses Foto hing mehrere Jahre in einem Zimmer des Rathauses, das auch von Ausschüssen des Stadtrates zu Sitzungen genutzt wird. Unter anderem vom Ausschuss für Kultur, Sport und Tourismus.
Diesem Gremium fiel vor einigen Monaten auf, dass die Fotografie der polnischen Künstlerin verschwunden ist. Die Gleichstellungsbeauftragte der Nordhäuser Stadtverwaltung, Stefanie Müller, habe angewiesen, das Bild zu entfernen. Auf Anfrage der nnz teilt Frau Müller über die Pressestelle der Nordhäuser Stadtverwaltung nun mit: "Da in diesem Sitzungsraum vielfältigste Gremien, Arbeitskreise und Ausschüsse tagen sowie Vorstellungsgespräche geführt werden, ist ein Kalender bedeutend passender und sachdienlicher, als die Rückansicht einer teilentblößten Frau.
Das erlaubt die Gleichstellungsbeauftragte (Foto: nnz)
Dieser schmucke Kalender ist völlig ungefährlich
Der Ausschuss wollte sich mit dieser eigenmächtigen Handlung der Frau Müller nicht abfinden, ein Ausschussmitglied stellte den Antrag, das Bild sofort wieder aufhängen zu lassen, alle anderen sollen zustimmend genickt haben. Doch was ist schon ein Stadtratsausschuss gegen die künstlerischen Ansichten einer Gleichstellungsbeauftragten? Nichts. Das Bild hängt dort nicht mehr, statt dessen der "sachdienliche Kalender".
Als die Recherche der nnz nach dem verschwundenen Bild Ende vergangener Woche begann, wurde es schnell ins Nordhäuser Kunsthaus gebracht. Wo es die Monate zuvor verborgen wurde, ist nicht klar, wurde zumindest nicht beantwortet.
Vielleicht kommt es nun in den Fundus des Kunsthauses, denn für thematische Ausstellungen wird es vermutlich nicht mehr verwendet werden dürfen. Statt dessen dürfen es sich die Mitarbeiter der Verwaltung als Wandschmuck für ihre Büros ausleihen.
Eine abschließende Frage wollten wir nun noch an Susanne Hinsching, die Leiterin des Kunsthauses Meyenburg, stellen: Ist das ein Foto oder ist das ein Kunstwerk? Antwort: "Das ist Kunst!" Und eine einzige Mitarbeiterin der Verwaltung bestimmt scheinbar darüber, welche Kunst zum Beispiel die Stadträte zu Gesicht bekommen können und welche vor der Öffentlichkeit verborgen werden soll.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red
Kommentare
Big Boy
20.08.2013, 14:51 Uhr
Wegsperren
Kunst wegsperren - soweit ist es in Nordhausen schon (wieder?) gekommen?
Albert
20.08.2013, 16:23 Uhr
Sexismus im Museum
In der Galerie "Alte Meister" in Dresden soll ein übelst sexistisches Gemälde namens "schlummernde Venus" hängen (Inventarnummer 185). Ich fordere die resolute Gleichstellungsbeauftragte Frau Müller ultimativ auf, bis spätestens 31.8.2013 das Verhängen, besser die Entfernung, dieses Machwerks zweier sexgeilen alter Böcke namens Giorgione und Tizian zu veranlassen!
Schnell
20.08.2013, 17:51 Uhr
Das ist Realsatire!
Das ist Realsatire. Mich würde mal interessieren, was die Künstlerin zu dieser Abhängaktion sagt. Mir scheint das sehr unhöflich zu sein. Und ich wiederhole: Gibt es einen Arbeitsbericht der Gleichstellungsbeauftragten?
NDHler
20.08.2013, 19:11 Uhr
Kann ja wohl nicht war sein!
Das ist ja wohl eine unglaubliche Frechheit. Wie verbohrt ist diese Frau denn?! Diese Gleichstellungsbeauftragte ist völlig fehl am Platze und gehört in die Schranken gewiesen! War das mit der NNZ – Werbung ja noch witzig, ist das jetzt hier ein mittlerer Skandal!
So etwas macht man nicht und der OB Zeh sollte hier langsam mal die Reißleine ziehen, bevor diese Frau sich und unsere Stadt noch komplett lächerlich macht! Als kommende(n) Gleichstellungsbeauftragte(n) wünsche ich mir einen Mann!
von hier
20.08.2013, 19:23 Uhr
bittere wahrheit
was dabei viel trauriger ist, ist die tatsache das die stadträte nicht nur einzelne sondern ein ganzer ausschuss diesbezüglich ignoriert wurde. selbst weibliche stadträte bedauerten das entfernen der sehr geschmackvollen Fotografie! dieser bitte der stadträte, es doch wieder aufzuhängen wurde weder beantwortet, noch wurde dem wunsch entsprochen.
ich hoffe den bürgern wird an dieser stelle einmal klar was die stadträte eigentlich zu sagen haben
;-( nicht viel ???? eine gleichstellungbeauftragte erringt mit dieser art von einflußnahme zumindest aufmerksamkeit, genau so viel, wie sie ihre glaubwürdigkeit verliert. was solls es is halt nordhausen...
Bodo Bagger
20.08.2013, 19:27 Uhr
das wäre doch mal was für den spiegel online...
oder? lasst uns mal überlegen, wo noch in ndh kunst in form von entblößten frauenkörpern etc. hängt oder steht oder soll man besser sagen hing oder stand?
es ist schon erschreckend wieweit die gleichstellung oder nach belieben auch feminisierung unserer gesellschaft fortgeschritten ist.
amlika
20.08.2013, 20:18 Uhr
Frau Müller stopft das Sommerloch in der NNZ??
Also bitte, so langsam wird es lächerlich, dass gerade die NNZ dafür bekannt ist, sich auf einige Personen einzuschiessen, ist ja hinlänglich bekannt, aber das nun Frau Müller plötzlich das Sommerloch stopfen soll, was die Redakteure der NNZ scheinbar ohne solche Artikel nicht sinnvoll schaffen, grenzt schon an eine gewisse Frechheit.
Für all die, die nicht selbst in der Lage sind herauszufinden, was Frau Stefani Müller in den ganzen Jahren ihrer Tätigkeit geleistet hat, tun mir leid, da sollen aber in der Tat gängige Suchmaschinen hilfreich sein.
Dieses Bild mag Kunst sein, ich mag es sogar, trotzdem ist es meiner Ansicht nach auch in einem Kunsthaus besser aufgehoben,neutralere Kunst in einem öffentlichen Gebäude sind durchaus sinnvoller, wobei ich auch einräumen muss, dass mir der Kalender als Alternative in der Tat ein schlechter Tausch ist, darüber kann man in der Tat mal nachdenken und ggf. nacharbeiten.
Bitte...Wem es nach so langer Zeit "erst" auffällt, dass wir eine Gleichstellungsbeauftragte haben und nicht weiß, was sie für alle hier in Nordhausen geleistet hat und soviel angeschoben hat, sollte mal darüber nachdenken, warum er/sie sich jetzt plötzlich dafür interessiert.
Reine Sensationsgier nenne ich sowas in Zeiten des Sommerloch´s.
Und ehe wieder Fragen aufkommen, nein, ich werde nicht vom Rathaus zu so einer Aussage gezwungen oder arbeite dort, ich schaue nur mal etwas mehr über den Tellerrand, etwas was vielen hier gut tun würde.
Einen langweiligen Abend den eifrigen Schreiberlingen, denen heute mit diesem Artikel wieder etwas "Futter" zur Verfügung gestellt wurde.
Rainer H.
20.08.2013, 22:37 Uhr
Sinn und Sinnlosigkeit
Langsam hat man den Verdacht, dass die Gleichstellungsbeauftragte unter Frau Rinke nicht viel eingriff wagte und nun bei einen Mann als Oberbürgermeister einen Widerspruch nicht erwartet.
Ich hoffe, dass den Stadträten gefolgt wird und dieses Bild wieder in das Sitzungszimmer kommt.
Am Südharzklinikum direkt am Eingang steht eine nakte schöne Frau, die ihren Fuß im Wasser badet. Tausende Menschen und Kinder gehen daran täglich vorbei.
In der Baltzerstraße am Brunnen werden glaube ich Brüste gezeigt. Muß man jetzt mit dem Verhängen rechnen?
Ich glaube die Aufgabengebiete und Zuständigkeiten dieser Gleichstellungsbeauftragten sollte man einmal überdenken und gegebenenfalls neu festlegen.
Eine Gleichstellungsbeauftragte (auch: Frauenbeauftragte, Beauftragte für Chancengleichheit, Frauenbüro, Gleichstellungsamt, Gleichstellungsstelle oder Frauenvertreterin) ist in der Bundesrepublik Deutschland eine Person oder eine Stelle innerhalb einer Behörde, einer sozialen Einrichtung, einer Gemeinde oder eines Unternehmens, die sich mit der Förderung und Durchsetzung der Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern befasst und für die jeweilige Institution oder das jeweilige Unternehmen interne Aufgaben wahrnimmt.
Man kann sämtliche amtliche Seiten studieren, auf denen die Arbeitsgebiete der Gleichstellungsbeauftragten dargestellt werden, eine Einmischung in Werbung, Kunst oder sonstige Gebiete ist dabei nicht erfasst.
BGE- Pirat
21.08.2013, 00:53 Uhr
was noch alles
das ist doch wie im mittelalter bei der hexenverbrennung.
wohin soll das führen ............
zigeunersauce darf man auch nicht mehr essen.
ich hätte als gleichstellungsbeauftragte einfach ein kunstwerk mit einem mann daneben
gehängt und schon hätten wir eine einfache gleichstellung.
mfg heiko
Schnell
21.08.2013, 07:23 Uhr
@amlika: Dann soll doch Frau Müller mal sagen, was sie macht
Jetzt ist die böse Presse Schuld ... Das ist nicht sachgerecht. Frau Müller soll doch endlich mal sagen, was genau ihre Aufgaben sind als Gleichstellungsbeauftragte und wie konkret sie diese im Rathaus umsetzt. Darum geht es.
Die Sache mit dem Bild ist und war einfach lächerlich und ist Zeugnis nicht nur von mangelndem Kunstverständnis, mangelnder Toleranz und Bildung, sondern auch von erschreckender Provinzialität. Und im Übrigen eine Beleidigung für die Künstlerin. Wie gesagt, mich würde mal interessieren, was diese dazu sagt.
katertiger
21.08.2013, 08:03 Uhr
Kunst hin und Kunst her
Hier ist es doch sicher eine Geschmacksfrage, ob man dieses Foto im Raum des Rathauses aufhängen sollte, oder hätte es da nicht ein anderes der Künstlerin gegeben? Ich finde es jedenfalls für eine öffentliche Einrichtung unpassend!
->EchterNordhäuser<-
21.08.2013, 09:51 Uhr
Einfach mal die Künstlerin fragen
Ich finde man sollte einfach mal die Künstlerin fragen, wie sie darüber denkt, dass man ihr Bild abgehängt hat. Es wäre ja möglich, dass sie den jetzigen "Aufbewahrugsort" sogar für besser geeignet findet?! Also liebe NNZ --> fragt doch mal bei der Künstlerin nach!
Psychoanalytiker
21.08.2013, 13:06 Uhr
Klärung erbeten
Sehr geehrte Frau Müller,
leider kann ich nicht erkennen, ob Sie einen Kalender oder eine Kalenderin aufhängen ließen. Könnten Sie dies bitte mal aufklären!
H.Buntfuß
21.08.2013, 13:21 Uhr
Kunst oder Gunst
ich hoffe den bürgern wird an dieser stelle einmal klar was die stadträte eigentlich zu sagen haben ;-( nicht viel ????
Das sind die Worte von denk-mal, und diese Person muss ja schließlich wissen wovon sie spricht, denn Sie hat jahrelange Erfahrung, wenn man das so nennen will, oder? Dem habe ich auch nicht viel hinzuzufügen. Eine Frage habe ich doch, wozu haben wir überhaupt einen Stadtrat?
Ich könnte mir vorstellen, dass der Stadtrat nur als Alibifunktion dient, der für den Pfusch und die Steuerverschwendung hinhalten muss. Denn das Gesetz verbietet ja die Bestrafung des gesamten Stadtrats und somit hat man immer ein schönes ALIBI, es war ja der Stadtrat:
Somit kommt sehr schnell der Verdacht auf, das der Stadtrat nur zum abnicken bestimmter Vorhaben benötigt wird, oder?
Wolfi65
21.08.2013, 13:38 Uhr
Im Eingang aufhängen
Vielleicht sollte man solche Kunst mit entkleideten Hintern und so, im Eingang der oder den Finanzämtern aufhängen, damit jeder Steuerzahler weis, dass er der gear... ist.
Pe_rle
21.08.2013, 13:56 Uhr
Gleichstellung
wird es nicht langsam Zeit ,das der OB der Stadt Nordhausen Dr.Zeh ,die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten neu besetzt????
Ich glaub die Frau ist für diese Arbeit ungeeignet. Wer in die Arbeit von Künstlern eingreift ist nicht tragbar ,man stelle sich vor ,die Gemäldegalerie in Dresden würde geschlossen, weil Leute wie Frau Müller ,Kunst nicht einschätzen können.
Harzer_Wolf
21.08.2013, 15:09 Uhr
Sparmodus
Für diese "Machwerke" hat die Stadt Nordhausen Geld ausgegeben? Jeder Euro dafür ist ein Euro zuviel. Gleichstellung hin oder her - diese Kunst ist einfach nur unnötig wie ein Kropf!
Mister X
21.08.2013, 15:35 Uhr
Herr Buntfuß
Sie untertreiben meiner meinung nach. ich persönlich vertrete den standpunkt, dass man den gemeinderat, den stadtrat, den kreistag, den landrat, den senat und den bundestag ohne große probleme abschaffen kann. das würde der staatskasse einen enormen verlust ersparen.
Ich vertrete auch die meinung, dass diese instrumente nur geschaffen wurden um gewissen personen straffreiheit zu garantieren, gäbe es diese institutionen nicht, würden sich so manche leute umsehen, oder nicht?
natürlich gibt es auch personen, die für recht und ordnung stehen, aber die werden in den meisten fällen untergebuttert, oder?
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