Kunstzensur im Rathaus?
Dienstag, 20. August 2013, 14:00 Uhr
In den vielen Kommentaren, die es zu einem Artikel auf Spiegel Online über die nnz gab, wurde gefragt, was denn die Gleichstellungsbeauftragte des Nordhäuser Rathaus zu tun habe. Eine mögliche Antwort: sie zensiert Kunst....
Hier die Vorgeschichte: Seit mehreren Jahrzehnten gibt es die Partnerschaft zwischen Nordhausen und Ostrow in Polen. Diese hat zahlreiche Facetten, zu denen auch der Austausch sowie die Begegnung zwischen Kunst und Künstlern beider Städte gehört. Eine exponierte Ostrower Künstlerin ist Agnieszka Lisiak, die unter anderem die Kraniche an einer Hausfassade in der gleichnamigen Straße geschaffen hatte.
Viele Jahre zuvor hatte die Stadt Nordhausen zwei Kunstwerke der jungen Frau angekauft. Eine Plastik und eine Fotografie. Letztere zeigt einen weiblichen Rücken, umhüllt von einer Lederkorasage. Dieses Foto hing mehrere Jahre in einem Zimmer des Rathauses, das auch von Ausschüssen des Stadtrates zu Sitzungen genutzt wird. Unter anderem vom Ausschuss für Kultur, Sport und Tourismus.
Diesem Gremium fiel vor einigen Monaten auf, dass die Fotografie der polnischen Künstlerin verschwunden ist. Die Gleichstellungsbeauftragte der Nordhäuser Stadtverwaltung, Stefanie Müller, habe angewiesen, das Bild zu entfernen. Auf Anfrage der nnz teilt Frau Müller über die Pressestelle der Nordhäuser Stadtverwaltung nun mit: "Da in diesem Sitzungsraum vielfältigste Gremien, Arbeitskreise und Ausschüsse tagen sowie Vorstellungsgespräche geführt werden, ist ein Kalender bedeutend passender und sachdienlicher, als die Rückansicht einer teilentblößten Frau.
Dieser schmucke Kalender ist völlig ungefährlich
Der Ausschuss wollte sich mit dieser eigenmächtigen Handlung der Frau Müller nicht abfinden, ein Ausschussmitglied stellte den Antrag, das Bild sofort wieder aufhängen zu lassen, alle anderen sollen zustimmend genickt haben. Doch was ist schon ein Stadtratsausschuss gegen die künstlerischen Ansichten einer Gleichstellungsbeauftragten? Nichts. Das Bild hängt dort nicht mehr, statt dessen der "sachdienliche Kalender".
Als die Recherche der nnz nach dem verschwundenen Bild Ende vergangener Woche begann, wurde es schnell ins Nordhäuser Kunsthaus gebracht. Wo es die Monate zuvor verborgen wurde, ist nicht klar, wurde zumindest nicht beantwortet.
Vielleicht kommt es nun in den Fundus des Kunsthauses, denn für thematische Ausstellungen wird es vermutlich nicht mehr verwendet werden dürfen. Statt dessen dürfen es sich die Mitarbeiter der Verwaltung als Wandschmuck für ihre Büros ausleihen.
Eine abschließende Frage wollten wir nun noch an Susanne Hinsching, die Leiterin des Kunsthauses Meyenburg, stellen: Ist das ein Foto oder ist das ein Kunstwerk? Antwort: "Das ist Kunst!" Und eine einzige Mitarbeiterin der Verwaltung bestimmt scheinbar darüber, welche Kunst zum Beispiel die Stadträte zu Gesicht bekommen können und welche vor der Öffentlichkeit verborgen werden soll.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redHier die Vorgeschichte: Seit mehreren Jahrzehnten gibt es die Partnerschaft zwischen Nordhausen und Ostrow in Polen. Diese hat zahlreiche Facetten, zu denen auch der Austausch sowie die Begegnung zwischen Kunst und Künstlern beider Städte gehört. Eine exponierte Ostrower Künstlerin ist Agnieszka Lisiak, die unter anderem die Kraniche an einer Hausfassade in der gleichnamigen Straße geschaffen hatte.
Viele Jahre zuvor hatte die Stadt Nordhausen zwei Kunstwerke der jungen Frau angekauft. Eine Plastik und eine Fotografie. Letztere zeigt einen weiblichen Rücken, umhüllt von einer Lederkorasage. Dieses Foto hing mehrere Jahre in einem Zimmer des Rathauses, das auch von Ausschüssen des Stadtrates zu Sitzungen genutzt wird. Unter anderem vom Ausschuss für Kultur, Sport und Tourismus.
Diesem Gremium fiel vor einigen Monaten auf, dass die Fotografie der polnischen Künstlerin verschwunden ist. Die Gleichstellungsbeauftragte der Nordhäuser Stadtverwaltung, Stefanie Müller, habe angewiesen, das Bild zu entfernen. Auf Anfrage der nnz teilt Frau Müller über die Pressestelle der Nordhäuser Stadtverwaltung nun mit: "Da in diesem Sitzungsraum vielfältigste Gremien, Arbeitskreise und Ausschüsse tagen sowie Vorstellungsgespräche geführt werden, ist ein Kalender bedeutend passender und sachdienlicher, als die Rückansicht einer teilentblößten Frau.
Dieser schmucke Kalender ist völlig ungefährlich
Der Ausschuss wollte sich mit dieser eigenmächtigen Handlung der Frau Müller nicht abfinden, ein Ausschussmitglied stellte den Antrag, das Bild sofort wieder aufhängen zu lassen, alle anderen sollen zustimmend genickt haben. Doch was ist schon ein Stadtratsausschuss gegen die künstlerischen Ansichten einer Gleichstellungsbeauftragten? Nichts. Das Bild hängt dort nicht mehr, statt dessen der "sachdienliche Kalender".
Als die Recherche der nnz nach dem verschwundenen Bild Ende vergangener Woche begann, wurde es schnell ins Nordhäuser Kunsthaus gebracht. Wo es die Monate zuvor verborgen wurde, ist nicht klar, wurde zumindest nicht beantwortet.
Vielleicht kommt es nun in den Fundus des Kunsthauses, denn für thematische Ausstellungen wird es vermutlich nicht mehr verwendet werden dürfen. Statt dessen dürfen es sich die Mitarbeiter der Verwaltung als Wandschmuck für ihre Büros ausleihen.
Eine abschließende Frage wollten wir nun noch an Susanne Hinsching, die Leiterin des Kunsthauses Meyenburg, stellen: Ist das ein Foto oder ist das ein Kunstwerk? Antwort: "Das ist Kunst!" Und eine einzige Mitarbeiterin der Verwaltung bestimmt scheinbar darüber, welche Kunst zum Beispiel die Stadträte zu Gesicht bekommen können und welche vor der Öffentlichkeit verborgen werden soll.
Peter-Stefan Greiner


