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Do, 12:59 Uhr
18.07.2013

Elende feiert seine Geschichte

Vom 30.8. - 1.9. feiert die Gemeinde Elende ein großes Fest. Und sie hat allen Grund dazu, wie uns das Festkomitee im nachfolgenden Beitrag verrät.

Helwicus de Enelende - der Gute hat 800 Jahre nach seiner Erwähnung in einem Dokument unser kleines Dorf Elende ganz schön in Aufregung versetzt. Erst Ende letzten Sommers fanden wir diesen Elender-Urahn auf einem Schriftstück von 1212.
1212 - sollte dies der Anfang der Elender Geschichte sein? Nein.

elende (Foto: elende) elende (Foto: elende)


Wie hat wohl alles begonnen? Zunächst die Fakten: Bereits im Mittelalter war die größte unserer drei Elender Straßen, die Halle-Kasseler, eine wichtige Handelsstraße für Reisende aus ganz Europa. Elende lag sogar an einer Wegekreuzung zweier Straßen. In Ost-West-Richtung (Nordhausen-Heiligenstadt) verband die Straße Leipzig mit Köln und in Nord-Süd-Richtung ein Weg das Thüringer Becken (Mühlhausen) mit dem an Krongut reichen Harzraum (Richtung Kloster Walkenried). Da es zu dieser Zeit keine Hotels im heutigen Sinne gab, übernachtete man in Klöstern oder Herbergen. Am Ortseingang wo heute der große Fachwerkbau steht - unser „Spettel“(1767), gab es einst solch eine Unterkunft.

Aufzeichnungen bestätigen, dass es einen Vorgängerbau des heutigen Spettels gegeben hat. Wann genau das erste Haus errichtet wurde und wer dies tat, wissen wir bislang nicht. Dieser Vorgängerbau beherbergte zunächst die oben erwähnten Handelsreisenden sowie später zu Wallfahrtszeiten (zwischen 1419 und 1517) auch Pilger.

Dem „Spettel“ gegenüber liegt eines der ältesten Gebäude des Landkreises Nordhausen – die Wegekapelle, die zur Herberge gehörte. Das heute durch den Straßenbau so tief liegende Gebäude könnte einmal etwas anders ausgesehen haben. Und damit verlassen wir vorläufig alles Bewiesene. Friedrich Wilhelm Blaschke glaubt bauhistorische Hinweise gefunden zu haben, dass die Kapelle einst ein zweigeschossiges Bauwerk war. Mit einem ebenerdigen gemauerten Sakralraum und einem Fachwerkaufbau darüber, der als Herberge diente. So könnte also allein die Kapelle als Rastplatz den Anfang unseres Dorfes begründet haben und das „Spettel“ erst später dazugekommen sein. Wie gut, dass es den Konjunktiv gibt!

Aber gibt es vielleicht noch ältere Hinweise auf Elende? Laut Blaschke könnte es anfänglich aus zwei Siedlungen entstanden sein. Ein Teil davon soll Ypanenhuson, der Dorfbereich an der Wegekapelle, gewesen sein. Im Volksmund heißt dieser Teil Elendes heute „Japan“, munter spekuliert liegen Ypanen und Japan recht nah beieinander. Der Teil unseres Dorfes Richtung Nordhausen wird später als Melengen bezeichnet. Melengen ist laut Ortschronik ein mundartlicher Zusammenzug der Worte Maria im Elenge. Maria im Elende – dies ist die wundertätige Statue, der unsere St. Marien-Kirche ihren offiziellen Namen verdankt. Thyle Pferch aus Wipperdorf stiftete diese Statue 1414. Bald geschahen Wunder, die der Maria zugesprochen wurden, und Menschen aus ganz Europa pilgerten in unser kleines Dorf. Die über der Statue erbaute hölzerne Schutzhütte wurde bald für die vielen Opfergaben der Gläubigen zu klein. Anlass für die beiden Bleicheröder Brüder Hans und Heinrich Küchenthal, die heutige Rosenkirche zu stiften. So zumindest besagt die Dorfchronik.

Merkwürdig ist, dass die Brüder nicht im Wohltäterbuch der Kirche verzeichnet sind. Und da hätten sie doch wohl hingehört? Doch wie dem auch sei, unsere Kirche muss einmal sehr prachtvoll gewesen sein. Rund 42m lang aus mächtigen Natursteinen erbaut muss sie zu Wallfahrtszeiten üppig mit Reliquien und Gemälden ausgeschmückt gewesen sein. Doch mit der Reformation 1517 endete der Pilgerstrom und damit die weit über die Grenzen unserer Region erlangte Bekanntheit Elendes. Im Dreißig Jährigen Krieg, beendete ein französischer Obrist die Ära der Maria in Elende endgültig. Er brachte sie und das Mirakelbuch, in dem 465 Marienwunder verzeichnet sind, ins katholische Heiligenstadt. Viele spannende Sagen ranken sich um diese Zeit.

Was wir heute noch von der Rosenkirche sehen ist übrigens nur der Rest, der nach dem Teilabriss 1804 übrig blieb. Erhalten ist der einstige Altarraum und ein Teil des früheren Kirchenschiffes. Dies zählt zu den Fakten, auch, wenn immer wieder andere Darstellungen auftauchen.
Ach, es gibt noch so viel zu erzählen. Fachmännisch übernehmen wird dies für uns während des Festwochenendes (30.8.-1.9.) der Historiker und Archäologe Hans-Jürgen Grönke aus Nordhausen mit seinem Vortrag (1.9.13). Er wird sicherlich noch viel Spannendes ans Tageslicht bringen. Wir freuen uns auf seinen und Ihren Besuch!
Das Fest-Komitee
Autor: nnz

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