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Mo, 06:59 Uhr
03.06.2013

nnz-Forum: Ist das Wetter Schuld?

Gibt es in Deutschland wieder ein Jahrhunderthochwasser? In vielen Teilen, vor allem in Ostdeutschland und Bayern deutet sich das an. Dazu einige Bemerkungen eines nnz-Lesers...

Saale-Hochwasser bei Halle (Foto: B. Schwarzberg) Saale-Hochwasser bei Halle (Foto: B. Schwarzberg)

Das Saalehochwasser vom 12. Januar 2012, aufgenommen südlich von Wettin im Saalekreis. Dass sich die Wetterextreme laut Klimaforschung häufen, finden wir zunehmend auch bei uns bestätigt.

Zwei Jahrhunderthochwässer?

Nun haben wir in einigen Orten schon wieder ein Jahrhunderthochwasser! Erinnern Sie sich, liebe Leser? Das Hochwasser 2002, bei dem der Dresdner Hauptbahnhof und die Semperoper überflutet wurden, wurde uns von den Medien auch schon als ein solches verkauft. Niemand, oder sagen wir besser, fast niemand, konnte sich damals vorstellen, dass es in den kommenden 98 Jahren noch einmal so etwas oder gar noch Schlimmeres geben könnte. Und nun waren es doch nur ganze elf Jahre bis zu neuen Rekordpegeln in Passau und anderswo.

In Passau sind die Leute wütend, weil sich die Behörden von den Wassermassen "überrascht" gezeigt hätten. Auch hier also Verdrängung auf ganzer Linie. Dabei haben es uns die Klimaforscher doch ganz klipp und klar gesagt: Die Wetterextreme werden, bedingt durch den von uns Wohlstandsgenießern verursachten Klimawandel, zunehmen.

Mit solchen kurzsichtigen Begriffen wie "Jahrhunderthochwasser" sollten wir also vorsichtig sein. Die Frage, ob es noch schlimmer als beim letzten Mal kommen wird, erübrigt sich. Nur die Frage nach dem Wann ist noch berechtigt.

Da haben wir nun nach vielen Jahren endlich mal wieder ein kühleres Frühjahr ohne einen Monat mit Rekordhitze und Rekordtrockenheit wie z. B. im April 2007 und im März 2012, ohne verdorrende Gräser und Blumen also. Aber trotzdem schon wieder Rekorde: Der nasseste Mai und das kühlste Frühjahr seit 25 Jahren. Rekorde sind trendy, so eben, wie es uns die Klimaforscher prophezeit haben.

Das Wetter ist schuld!

Dass sich der viele Regen so drastisch auswirken kann, hat seine Ursache aber nicht nur in den hartnäckigen Tiefs über Mitteleuropa. Schauen sie sich z.B. die Weiße Elster, die Donau oder den Rhein an: Künstliche, gerade Flußbetten hier, Verbauung, Eindeichung und landwirtschaftliche Nutzung der Auen anderswo. Nehmen wir den Flüssen den Platz zur Überflutung, müssen wir andernorts mit den Konsequenzen, sprich mit noch höheren Pegeln, als ohnehin schon, leben. 40 Hektar Boden werden in Deutschland täglich versiegelt: mit Straßen, Industriegebieten, Supermärkten.

Das Niederschlagswasser gelangt so in jedem Jahr noch ein wenig schneller in unsere Flüsse. Und vergessen wir bitte auch nicht, dass Deutschland ohne den Menschen zu 99% mit Wald bedeckt wäre, der als natürlicher "Schwamm" eine Menge Wasser speichern kann.

Doch wahrscheinlich könnte der Mensch trotz alle der genannten Veränderungen mit den Hochwasserereignissen umgehen, wenn nun nicht auch noch der schwer zu kalkulierende Klimawandel hinzukäme:

400 ppm und wenig Schlagzeilen

Dass der neue Rekordwert des CO2-Gehalts in der Erdathmosphäre von 400 ppm den meisten Zeitungen vor wenigen Tagen nur wenige Zeilen wert war, spricht Bände. Immerhin hat es der Mensch in nur rund 150 Jahren geschafft, einen seit Jahrtausenden habwegs konstanten Wert um rund 30 Pozent zu erhöhen. Solange jedoch derartige Zahlen keinen Katastrophenalarm auf der Erde auslösen, dafür lediglich Elb-, Donau- oder Elster-Hochwässer, haben wir nichts gelernt und werden für die Folgen dieser Ignoranz weltweit einen hohen Preis bezahlen müssen. Der so genannte "Jahrhundertsommer" 2003 und die so genannten "Jahrhunderthochwässer" 2002 und 2013 dürften, so sagen es uns die Klimaforscher, nur der Anfang sein.

Unökonomisch gedacht

Fragwürdig erscheint mir auch das zutiefst unwirtschaftliche Denken der Menschheit bezogen auf die eigene Umweltfrevelei: Der Versicherungskonzern Munich Re rechnet es uns doch alljährlich vor, wie stark die Kosten durch menschgemachte Naturkatastrophen mal wieder gestiegen sind. Und Umfragen zeigen, dass sich immer mehr Unternehmen von den bisher schon eingetretenen Folgen des Klimawandels ökonomisch beeinträchtigt fühlen. Und trotzdem wird nach wie vor auf blindes und international weitesghend kritikloses Wachstum in seiner bisherigen, ressourcenverschleudernden Form gesetzt.

Damit aber erweisen wir der Marktwirtschaft einen Bärendienst und gefährden unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sollten unkalkulierbar steigende Kosten in einer gesunden Wirtschaft nicht möglichst von vornherein unterbunden, also an der Wurzel gepackt werden? - Immer wieder müssen sich Ökologen aber mit dem Vorwurf herumschlagen, wirtschaftsfeindlich zu sein.

Albert Einstein konnte die Haltung, aus der letztere Behauptung resultiert, noch weiter fassen und viel besser ausdrücken als ich: "Die menschliche Dummheit und das Weltall sind unendlich. Bei letzterem aber bin ich mir nicht so sicher."
Bodo Schwarzberg

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Autor: red

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Retupmoc
03.06.2013, 08:42 Uhr
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