Sa, 08:09 Uhr
01.06.2013
nnz-Forum: Zu viel Jammerei
Das derzeitige Wetter scheint einfach "nicht enden" zu wollen. Tagtäglich lesen oder sehen wir Berichte und Sequenzen, die von Schäden und Behinderungen berichten. Wir jammern einfach zu viel, meint Bodo Schwarzberg...
Das Foto zeigt ein trockenheitsgeschädigtes, missgebildtes Exemplar der Orchidee Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) an einem vom Autor des Beitrages gepflegten Standort bei Nordhausen vom Mai 2007. Noch nie zuvor habe ich solche durch Regenmangel geschädigte Exemplare der Art gesehen. Die Zahl extrem trockener oder warmer Frühjahrsmonate war in den vergangenen Jahren hoch und nimmt, nach einer mir vorliegenden Publikation (Dissertation von I. Fabig 2007 an der Uni Halle),in Mitteldeutschland tendenziell zu.
Offenbar haben viele Menschen schon wieder vergessen, dass mit Ausnahme des Jahres 2010 die meisten Frühjahre seit 2007 einen mehr oder weniger extrem warmen oder trockenen März, April oder Mai aufwiesen. Der März 2012 war einer der trockensten oder wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen, 2007 betraf dies den April. Im Mai 2007 blieben viele Orchideen einfach stecken oder bildeten auf Grund der Trockenheit missgestaltete oder gar keine Stängel aus.
Auch 2012 waren manche Orchideenarten an der Grenze des Krüppelwuchses. Will sagen: Ein regenreiches Frühjahr gab es tendenziell in unseren Breiten zuletzt immere seltener. Forschungen zeigen, dass diese Tendenz anhält. Immer wieder vergessen die Menschen, dass zwischen Klima und Wetter gravierende Unterschiede bestehen. Ein übernasses Frühjahr sagt also überhaupt nichts über Klima-Tendenzen aus, die enge Folge trockener und überhitzter Frühjahre und Sommer aber schon. Vergessen wir nicht, dass die Mitteltemperatur auf dem Planeten jahrzehntelang deutlicher anstieg, als Jahrzehntausende zuvor und gegenwärtig lediglich auf hohem Niveau stagniert.
Vielen Lesern ist gewiss auch aufgefallen, dass die Wetterextreme in den letzten Jahren bei uns und weltweit zunahmen: schwerste Monsunschäden mit zehntausenden Toten in Pakistan und Indien, Feuersbrünste in Russland, die schlimmste Dürre, ich glaube 2012, seit 1930 in den USA, Hitzesommer in Europa 2003 mit tausenden von Toten, Elbeflut 2002 usw.
Vielleicht müssen wir den derzeitigen Regen auch in diese Reihe einordnen. Klimaforscher haben schon lange angekündigt, dass der auch von uns verursachte Klimawandel zu Extremen in jeder Richtung führen kann, auch übrigens zu eventuell kalten Wintern.
Leider zeigt die Diskussion über das "schlechte Wetter" wieder einmal, wie schwer es dem Menschen fällt, über GEGENWÄRTIGE Erscheinungen seiner Umwelt hinaus, also in größeren Zeiträumen zu denken. Das wird von der Wirtschaft und ihren Werbestrategen ebenso ausgenutzt, wie von der Politk, die international zu wenig gegen Regenwaldabholzung und gegen die Verbrennung fossiler Naturstoffe tut.
Wollen wir wetten, liebe nnz-Leser? Haben wir fünf Tage hintereinander 25 Grad im Schatten, stöhnen die ersten Menschen unter der Hitze. Außerdem: Kreislaufkranke und kreislaufschwache Zeitgenossen werden das derzeitige Wetter mehr begrüßen, als warme und heiße Sommertage. Auch Notaufnahmen und Rettungsdienste werden nicht unbedingt unglücklich über die kühlen Tage sein, auch übrigens, weil die Motorradunfälle zurückgehen. In warmen Sommern steigt die Zahl der "Hillfsbedürftigen", bis hin zu "Biergartenleichen" deutlich an, nicht aber bei kühlem Sommerwetter.
Und ich persönlich beobachte, dass manche seltene Wildpflanzenarten erstmals seit Jahren wieder blühen und fruchten können. Im übrigen sind wir von Zuständen wie 2002 an der Elbe oder vom wirklich "apokalyptischen" Magdalenenhochwasser des Jahres 1342 noch ein ganzes Stück entfernt. Und auch ein Bangladeshi, ein Pakistaner oder ein Inder dürfte uns verwöhnte Mitteleuropäer wegen unserer so genannten "Unwetter" "mitleidig" belächeln.
Bodo Schwarzberg
Kommentare bitte nur mit Klarnamen
Autor: redDas Foto zeigt ein trockenheitsgeschädigtes, missgebildtes Exemplar der Orchidee Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) an einem vom Autor des Beitrages gepflegten Standort bei Nordhausen vom Mai 2007. Noch nie zuvor habe ich solche durch Regenmangel geschädigte Exemplare der Art gesehen. Die Zahl extrem trockener oder warmer Frühjahrsmonate war in den vergangenen Jahren hoch und nimmt, nach einer mir vorliegenden Publikation (Dissertation von I. Fabig 2007 an der Uni Halle),in Mitteldeutschland tendenziell zu.
Offenbar haben viele Menschen schon wieder vergessen, dass mit Ausnahme des Jahres 2010 die meisten Frühjahre seit 2007 einen mehr oder weniger extrem warmen oder trockenen März, April oder Mai aufwiesen. Der März 2012 war einer der trockensten oder wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen, 2007 betraf dies den April. Im Mai 2007 blieben viele Orchideen einfach stecken oder bildeten auf Grund der Trockenheit missgestaltete oder gar keine Stängel aus.
Auch 2012 waren manche Orchideenarten an der Grenze des Krüppelwuchses. Will sagen: Ein regenreiches Frühjahr gab es tendenziell in unseren Breiten zuletzt immere seltener. Forschungen zeigen, dass diese Tendenz anhält. Immer wieder vergessen die Menschen, dass zwischen Klima und Wetter gravierende Unterschiede bestehen. Ein übernasses Frühjahr sagt also überhaupt nichts über Klima-Tendenzen aus, die enge Folge trockener und überhitzter Frühjahre und Sommer aber schon. Vergessen wir nicht, dass die Mitteltemperatur auf dem Planeten jahrzehntelang deutlicher anstieg, als Jahrzehntausende zuvor und gegenwärtig lediglich auf hohem Niveau stagniert.
Vielen Lesern ist gewiss auch aufgefallen, dass die Wetterextreme in den letzten Jahren bei uns und weltweit zunahmen: schwerste Monsunschäden mit zehntausenden Toten in Pakistan und Indien, Feuersbrünste in Russland, die schlimmste Dürre, ich glaube 2012, seit 1930 in den USA, Hitzesommer in Europa 2003 mit tausenden von Toten, Elbeflut 2002 usw.
Vielleicht müssen wir den derzeitigen Regen auch in diese Reihe einordnen. Klimaforscher haben schon lange angekündigt, dass der auch von uns verursachte Klimawandel zu Extremen in jeder Richtung führen kann, auch übrigens zu eventuell kalten Wintern.
Leider zeigt die Diskussion über das "schlechte Wetter" wieder einmal, wie schwer es dem Menschen fällt, über GEGENWÄRTIGE Erscheinungen seiner Umwelt hinaus, also in größeren Zeiträumen zu denken. Das wird von der Wirtschaft und ihren Werbestrategen ebenso ausgenutzt, wie von der Politk, die international zu wenig gegen Regenwaldabholzung und gegen die Verbrennung fossiler Naturstoffe tut.
Wollen wir wetten, liebe nnz-Leser? Haben wir fünf Tage hintereinander 25 Grad im Schatten, stöhnen die ersten Menschen unter der Hitze. Außerdem: Kreislaufkranke und kreislaufschwache Zeitgenossen werden das derzeitige Wetter mehr begrüßen, als warme und heiße Sommertage. Auch Notaufnahmen und Rettungsdienste werden nicht unbedingt unglücklich über die kühlen Tage sein, auch übrigens, weil die Motorradunfälle zurückgehen. In warmen Sommern steigt die Zahl der "Hillfsbedürftigen", bis hin zu "Biergartenleichen" deutlich an, nicht aber bei kühlem Sommerwetter.
Und ich persönlich beobachte, dass manche seltene Wildpflanzenarten erstmals seit Jahren wieder blühen und fruchten können. Im übrigen sind wir von Zuständen wie 2002 an der Elbe oder vom wirklich "apokalyptischen" Magdalenenhochwasser des Jahres 1342 noch ein ganzes Stück entfernt. Und auch ein Bangladeshi, ein Pakistaner oder ein Inder dürfte uns verwöhnte Mitteleuropäer wegen unserer so genannten "Unwetter" "mitleidig" belächeln.
Bodo Schwarzberg
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Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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