Sa, 06:58 Uhr
01.06.2013
Millionenfacher Vogelmord
Unterm Dachfirst im Bochumer Hof nistete in den Vorjahren eine der größten Mehlschwalben-Kolonie in Nordhausen. In diesem Frühjahr kehrten viel weniger Schwälbchen aus dem Süden zurück, haben Anwohner beobachtet. Es ist kein Geheimnis: Bis auf wenige Ausnahmen schwindet die Zahl der Singvögel...
Manche Menschen haben auch schon die Übeltäter ausgemacht: Waschbären, wildernde Katzen und Elstern. Ist dem so? Ein Erklärungsversuch von Kurt Frank.
Der Waschbär, aus Nordamerika stammend und 1930 bei Kassel und Berlin ausgesetzt, ist heute auf dem Lande, in Wäldern und in Städten gleichermaßen heimisch und unbestritten ein Räuber. Verwilderte Katzen? Etwa 80 Stubentiger streunen derzeit im Nordhäuser Stadtgebiet herum, schätzt Katja Kolbe vom Tierschutz Nordhausen, den sie leitet. Katzen sind Raubtiere, die auch Vögel fangen. Elstern? Zweifellos plündern sie Vogelnester, dennoch sind sie besser als ihr Ruf. Das sagen Rolf Schiffler von der Naturschutzbehörde des Landkreise und der bekannte Ornithologe und Buchautor Wilhelm Roth aus Heiligenstadt.
Hauptverantwortlich für den Rückgang der Vogelarten sei der Mensch selbst, belegt der Naturschutzbund Deutschland (NABU). Eine Meinung, die die Wissenschaft und heimische Vogelkundler teilen. Rolf Schiffler macht auf ein besonders schwerwiegendes Problem aufmerksam: In vielen Ländern Südeuropas und Nordafrikas stehen Zug- und Singvögel auf der Speisekarte. Seit Jahrhunderten. Neu seien seit zwei Jahren aber die Dimensionen der Fanganlagen.
Ägypten ist Durchzugsgebiet für viele Zugvögel. Erst kürzlich dokumentierte ein Filmteam des Bayerischen Rundfunks- und Fernsehens die größte Vogelfanganlage der Welt. Sie erstreckt sich über 700 Kilometer von der Grenze zu Libyen im Westen bis zum Gaza-Streifen im Osten. Was die Dokumentation offenbarte und im Internet nachzulesen und zu sehen ist, lässt das Herz bluten: Die gefangenen Vögel – etwa zehn Millionen sind es pro Fangsaison - werden auf den Märkten des Landes und als Delikatesse in Restaurants angeboten
Mit einer Petition, die der NABU der ägyptischen Botschaft und der Bundesregierung übergibt, wird versucht, Druck auf die verantwortlichen Stellen in Ägypten auszuüben, dem illegalen Vogelfang endlich Einhalt zu gebieten und effektive Beschränkungen für legale Jagd einschließlich dem blindwütigen Vogelabschuss auf Malta während der Zugzeit festzuschreiben.
Der millionenfache Vogelmord in neuen Dimensionen, sind Wissenschaftler wie Lars Lachmann, der Vogelexperte des Naturschutzbundes Deutschlands, und Ornithologen wie Rolf Schiffler und Wilhelm Roth überzeugt, habe Auswirkungen auf die Brutbestände bei uns. Wenn in diesem Frühjahr nur noch etwa 40 Prozent der Mehl- und Rauchschwalben gegenüber vergangenen Jahren in den Südharz zurückkehrten, ist das nicht nur dem langen Winter zuzuschreiben.
Und hierzulande? Hecken, die den Singvögeln Schutz und Nahrung bieten, wurden und werden beseitigt, Grünland umgepflügt, Wegraine und damit Feldkräuter totgespritzt. Die heutige Landwirtschaft, belegen Biologen, sei nicht nur für Rebhühner, Lerchen und Kiebitze eine einzige Katastrophe. So zog sich auch die Elster aus der Feldflur in Parks und Anlagen der Städte zurück, wo sie zum häufigen Brutvogel wurde.
Vogelmord (Foto: NABU)
Wir sollten selbst, sind Schiffler, Roth, Naturschützer und Förster überzeugt, mehr für den Schutz der Vogelwelt hierzulande tun: Gehölze anpflanzen, wofür sich auch die Jägerschaft verstärkt einbringen könnte, Wildkräuter an Wegen und Feldrainen belassen, Schutzzonen, sogenannte Nischen in der Feldflur, und Nisthilfen schaffen.
Bilder des Naturschutzbundes belegen Grausamkeiten: So wie das Neuntöter-Weibchen werden auf der größten Fanganlage der Welt in Ägypten etwa zehn Millionen Vögel während ihrer Zugzeit gefangen und getötet. Ein Vogelhändler hat auf dem Markt in El Rasheed einem Bienenfresser die Flügelfedern ausgerissen. Der bunte Vogel endete wie der Neuntöter und Millionen weiterer Sänger aufgespießt als Schaschlik in einem Feinschmecker-Restaurant.
Kurt Frank
Autor: redManche Menschen haben auch schon die Übeltäter ausgemacht: Waschbären, wildernde Katzen und Elstern. Ist dem so? Ein Erklärungsversuch von Kurt Frank.
Der Waschbär, aus Nordamerika stammend und 1930 bei Kassel und Berlin ausgesetzt, ist heute auf dem Lande, in Wäldern und in Städten gleichermaßen heimisch und unbestritten ein Räuber. Verwilderte Katzen? Etwa 80 Stubentiger streunen derzeit im Nordhäuser Stadtgebiet herum, schätzt Katja Kolbe vom Tierschutz Nordhausen, den sie leitet. Katzen sind Raubtiere, die auch Vögel fangen. Elstern? Zweifellos plündern sie Vogelnester, dennoch sind sie besser als ihr Ruf. Das sagen Rolf Schiffler von der Naturschutzbehörde des Landkreise und der bekannte Ornithologe und Buchautor Wilhelm Roth aus Heiligenstadt.
Hauptverantwortlich für den Rückgang der Vogelarten sei der Mensch selbst, belegt der Naturschutzbund Deutschland (NABU). Eine Meinung, die die Wissenschaft und heimische Vogelkundler teilen. Rolf Schiffler macht auf ein besonders schwerwiegendes Problem aufmerksam: In vielen Ländern Südeuropas und Nordafrikas stehen Zug- und Singvögel auf der Speisekarte. Seit Jahrhunderten. Neu seien seit zwei Jahren aber die Dimensionen der Fanganlagen.
Ägypten ist Durchzugsgebiet für viele Zugvögel. Erst kürzlich dokumentierte ein Filmteam des Bayerischen Rundfunks- und Fernsehens die größte Vogelfanganlage der Welt. Sie erstreckt sich über 700 Kilometer von der Grenze zu Libyen im Westen bis zum Gaza-Streifen im Osten. Was die Dokumentation offenbarte und im Internet nachzulesen und zu sehen ist, lässt das Herz bluten: Die gefangenen Vögel – etwa zehn Millionen sind es pro Fangsaison - werden auf den Märkten des Landes und als Delikatesse in Restaurants angeboten
Mit einer Petition, die der NABU der ägyptischen Botschaft und der Bundesregierung übergibt, wird versucht, Druck auf die verantwortlichen Stellen in Ägypten auszuüben, dem illegalen Vogelfang endlich Einhalt zu gebieten und effektive Beschränkungen für legale Jagd einschließlich dem blindwütigen Vogelabschuss auf Malta während der Zugzeit festzuschreiben.
Der millionenfache Vogelmord in neuen Dimensionen, sind Wissenschaftler wie Lars Lachmann, der Vogelexperte des Naturschutzbundes Deutschlands, und Ornithologen wie Rolf Schiffler und Wilhelm Roth überzeugt, habe Auswirkungen auf die Brutbestände bei uns. Wenn in diesem Frühjahr nur noch etwa 40 Prozent der Mehl- und Rauchschwalben gegenüber vergangenen Jahren in den Südharz zurückkehrten, ist das nicht nur dem langen Winter zuzuschreiben.
Und hierzulande? Hecken, die den Singvögeln Schutz und Nahrung bieten, wurden und werden beseitigt, Grünland umgepflügt, Wegraine und damit Feldkräuter totgespritzt. Die heutige Landwirtschaft, belegen Biologen, sei nicht nur für Rebhühner, Lerchen und Kiebitze eine einzige Katastrophe. So zog sich auch die Elster aus der Feldflur in Parks und Anlagen der Städte zurück, wo sie zum häufigen Brutvogel wurde.
Vogelmord (Foto: NABU)
Wir sollten selbst, sind Schiffler, Roth, Naturschützer und Förster überzeugt, mehr für den Schutz der Vogelwelt hierzulande tun: Gehölze anpflanzen, wofür sich auch die Jägerschaft verstärkt einbringen könnte, Wildkräuter an Wegen und Feldrainen belassen, Schutzzonen, sogenannte Nischen in der Feldflur, und Nisthilfen schaffen.Bilder des Naturschutzbundes belegen Grausamkeiten: So wie das Neuntöter-Weibchen werden auf der größten Fanganlage der Welt in Ägypten etwa zehn Millionen Vögel während ihrer Zugzeit gefangen und getötet. Ein Vogelhändler hat auf dem Markt in El Rasheed einem Bienenfresser die Flügelfedern ausgerissen. Der bunte Vogel endete wie der Neuntöter und Millionen weiterer Sänger aufgespießt als Schaschlik in einem Feinschmecker-Restaurant.
Kurt Frank



