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Mi, 12:06 Uhr
01.05.2013

Wie soll es weitergehen?

Der 1. Mai 2013, 10 Uhr, Nordhausen, Rathausplatz: Die Welt wird erklärt, Verbesserungsvorschläge gibt es nicht. Die sind auch nicht notwendig. Die wenigen, die sich zum Tag der Arbeit hier treffen, kennen sich und wissen, dass es keine Veränderung geben wird...


Denkt man sich als Beobachter der Szenerie all die Frauen und Männer weg, die von Gewerkschafts- oder Parteiwegen den Platz zwischen den beiden Nordhäuser Rathäusern bevölkern, dann bleiben da nicht mehr viele Menschen übrig, denen es ein Bedürfnis ist, sich an diesem Tag eine rote Nelke anzuklammern und mit ihrem Erscheinen für die Ziele derer kämpfen, die einst den 1. Mai begründeten.

Der 1. Mai in Nordhausen verkommt mittlerweile zur Schablone, die Szenerie ist auswechselbar, nur die Akteure werden ein Jahr älter. LINKE und CDU in trauter Gemeinsamkeit nebeneinander, die SPD und die Grünen gegenüber auf der anderen Seite. Alle Parteien umrahmt von Gewerkschaftsständen.

Wie immer begrüßt Andreas Wieninger die Zuhörer, nach dem schon Mal "Less People" aus Bleicherode traditionell die Veranstaltung musikalisch eröffneten. Für Abwechslung sorgt dann immer der jeweilige Hauptredner, in diesem Jahr Matthias Altmann, Gewerkschaftssekretär der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

Altmann erinnerte daran, das Rechtsextremisten mit Aufzügen, unter anderen in Erfurt, diesen Tag missbrauchen würden, doch "Das ist unser Tag", sagte der Gewerkschafter. Der Mann zeichnete dann eine typisch Nordhäuser Familie nach, so, wie sie zum Abendbrot am Küchentisch sitzt. Der Vater - wie kann es anders sein - arbeitet bei der HSB seit 25 Jahren im Schichtdienst und muss zusehen, wie er seit 25 Jahren unter Tarif bezahlt werde und nun ein Gesellschafter aus der GmbH austreten wolle. Die Mutter, einst arbeitend in einer Schleckerfiliale, weiß nicht mehr ein noch aus. Der Sohn, der gerade sein Studium an der Fachhochschule absolviert hat, muss ein befristetes Arbeitsangebot annehmen, möchte aber lieber eine Familie gründen, die Tochter, in einem Pflegeheim arbeitend, wird mit einem Hungerlohn abgespeist.

Und zu allem Überdruss kommt auch der Opa zum Abendbrot. Der hat natürlich Tränen in den Augen, weil er just an diesem Tag seinen Rentenbescheid im Briefkasten vorfand. Nach 20 Minuten war Herr Altmann mit dem Kapital Arbeit fertig und die Rente war dran - also der Opa...

Hier verabschieden wir uns vom Rathausplatz, denn EVG-Mann Altmann brüllte noch zwei andere Kapitel ins Mikrofon.

Ja, Herr Altmann, sie mögen ja so sehr Recht haben mit dem, was sie da fordern. Das soziale Gleichgewicht in diesem Land ist längst nicht mehr vorhanden. Na und? Was macht man dagegen und vor allem: Wer?

Von den Gewerkschaften kommt kein Aufbäumen, wo sind die machtvollen Streiks, an denen sich auch die imaginäre Familie beteiligen würde? Sitzen die Gewerkschaftsbosse nicht in den Aufsichtsräten der größten Unternehmen dieses Landes? Warum wird nicht zu Streiks aufgerufen, wenn es so furchtbar um dieses Land und dessen Gesellschaft bestellt ist?

Lösungen brüllte der Mann nicht ins Mikro - ist war in diesem Jahr eben wie in all den anderen Jahren.
Peter-Stefan Greiner
1. Mai 2013 (Foto: nnz)
1. Mai 2013 (Foto: nnz)
1. Mai 2013 (Foto: nnz)
1. Mai 2013 (Foto: nnz)
1. Mai 2013 (Foto: nnz)
1. Mai 2013 (Foto: nnz)
1. Mai 2013 (Foto: nnz)
1. Mai 2013 (Foto: nnz)
1. Mai 2013: Andreas Wieninger (Foto: nnz)
1. Mai 2013 (Foto: nnz)
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1. Mai 2013 (Foto: nnz)
1. Mai 2013 (Foto: nnz)
1. Mai 2013 (Foto: nnz)
1. Mai 2013 (Foto: nnz)
1. Mai 2013 (Foto: nnz)
1. Mai 2013 (Foto: nnz)
1. Mai 2013 (Foto: nnz)
1. Mai 2013 (Foto: nnz)
1. Mai 2013: Matthias Altmann (Foto: nnz)
Autor: red

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Kommentare
Zorro
01.05.2013, 17:24 Uhr
Überlebt
Der Sinn dieses Tages scheint überlebt. Trotz sozialer Ungerechtigkeit werden an diesem Tag keine tausenden von Menschen mehr auf die Straße gehen, weil fast jeder versorgt ist. Dieser Tag ist genauso überlebt wie das gedruckte Wort.
Boris Weißtal
01.05.2013, 19:48 Uhr
Vereinigungsparteitag in Vorbereitung
Man betrachte Bild 19, das erinnert ja an alte "Rat des Kreises"-Tage. Dann kann man ja endlich den lokalen Vereinigungsparteitag mal anders vorbereiten. Lasst es nur die Angi nicht erfahren...
Eckenblitz
01.05.2013, 20:29 Uhr
Bild 18
Liebe Leser, schauen sie sich einmal genau das Bild Nr. 18 an. Daran können sie sehen, wie eng die Parteien im Stadtrat zusammen ARBEITEN. Ich hoffe ich muss ihnen nicht erst erklären wer da mit einen Ballon der „LINKEN“ Reklame macht.

So eng wie hier zum 1. Mai arbeitet man ja auch im Stadtrat zusammen, ich erinnere da nur an die Wahl von Frau Haase. Ein Schelm, wer dabei schlechtes denkt.
Alex Gösel
01.05.2013, 20:43 Uhr
Man beachte...
nur mal Bild 18 UND Bild 19! Diese beiden Bilder sagen doch alles über die "Kumpanei" aus, oder?

Man denke nur an die Wahl von Frau Haase (LINKE). Ich bin gespannt auf die Wahl des ersten Beigeordneten des Kreistages, für die Herr Nüßle (CDU) bereitsteht!
Max Freiheit
01.05.2013, 20:57 Uhr
Euer Tag liebe Gewerkschaften?
Ja, das ist wahr!

Wie war das eigentlich 1933 noch mal genau, als Hitler Euch diesen gesetzlichen Feiertag zugestand, dafür daß ihr ihn unterstützt hattet und Eure Mitglieder dazu angehalten hatte für ihn zu stimmen?
Und was war eigentlich dann am 2. Mai 1933?

Ihr habt Euch wahrlich in Eurer Geschichte nicht mit Ruhm bekleckert - selbst wenn man nur die stillschweigende Billigung der Hartz4-Gesetze und den Schulterschluss mit dem Kanzler bzw. Genossen der Bosse mit seiner Agenda 2010 betrachtet.

Aber jetzt auf dicke Hose und so machen?

Dafür das so ein hauptamtlicher Gewerkschaftsmitarbeiter wie Alexander Scharff Kreisvorsitzender der Linken ist, würden sich echte Linke, im Sinne Thälmanns und Co., übrigens schämen!

Wer hat uns verraten? - Gewerkschaften und Sozialdemokraten!
-----7
02.05.2013, 00:19 Uhr
Ehrlich gesagt...
...ist der 1.Mai für mich schon fast mit einem Trauma verbunden.

In meinen ersten beiden Schuljahren ist man noch stolz mitmarschiert mit der selbst gebastelten Mainelke aus rosa Krepp. Ich war stolz wie Oskar, als es dann von der Tribüne hieß: "Und nun kommen die Jungpioniere der Klasse 1a und 1b von der Leninoberschule Worbis".

Aber in den folgenden Klassen ließ der Stolz immer mehr nach. Nach der Maikundgebung auf dem Stadion zogen wir uns aus der Masse zurück und warteten, bis alle losmarschiert waren. Dann sammelten wir die Pfandflaschen auf dem Stadion ein. Man brauchte doch Geld für den Rummel anschließend. Den Tribut mussten wir dann danach in der Schule zahlen, weil es ja aufgefallen ist, dass Jens und ein paar andere beim Marsch fehlten.

Noch ein paar Klassen später - immer noch das gleiche Gedöns. Ich wäre ehrlich gesagt lieber in die Schule gegangen.

Dann gab es einige Jahre später plötzlich doch Interesse an Demonstrationen. Im katholischen Eichsfeld gab es ja die Montagsdemonstrationen. Obwohl ich mit der Kirche nichts am Hut hatte, war ich erstaunt, dass man mir ein Buch in die Hand drückte und dann stand eine Zahl an der Wand - der Gesang ging los. Ich tat so, als würde ich mitsingen, wartete nur die anschließenden Sprecher ab. Das war dann interessanter. Noch besser war dann das Loch in einem Senfbecher, eine Kerze durchgesteckt und durch die Straßen von Worbis marschiert - mit den bekannten Parolen. Aber das war nicht am 1. Mai.

Nach der Wende fand ich zur Schulzeit und in der Berufsausbildung den 1. Mai ganz gut. Man hatte doch einen freien Tag.

Doch dann im Berufsleben kam ein neues Trauma hinzu. Ich war in Hamburg auf Montage - der 1. Mai war ein Donnerstag. Wir durften aber an diesem Tag NICHT arbeiten. Also mussten wir den Tag der Arbeit nutzlos in unserer kleinen Unterkunft verbringen. Okay, einige Kollegen schauten sich....ach das gehört hier nicht her.

Noch später im Berufsleben fand ich den Tag der Arbeit wieder toll - ich durfte arbeiten und bekam sogar Feiertagszuschlag - manchmal sogar Nachtzuschlag, wenn man in den Feiertag hinein arbeitete.

Gestern bin ich seit Jahren auch wieder am Tag der Arbeit einer zwar geringfügigen Beschäftigung nachgangen, aber ich konnte wieder arbeiten. Also konnte ich mir die Reden gewisser Partei-Funktionäre nicht anhören - hätte ich wg. der o.g. Traumen auch gar nicht gewollt. Einen Teil von dem Erlös meiner Arbeit werde ich der jungen Familie spenden, die beim Brand in der Altstadt ihr Hab und Gut verloren hat. Es ist zwar nicht viel, aber als ich gestern arbeitete, hatte ich ein gutes Gefühl dabei!

Auf dem Marktplatz schaue ich mich erst dann wieder um, wenn die Parteien vor dem Wahlkampf wieder ihre Märchenbücher aufschlagen.
Retupmoc
02.05.2013, 08:22 Uhr
Wenn der 1. Mai auf einen Freitag fällt
"Altmann erinnerte daran, das Rechtsextremisten mit Aufzügen, unter anderen in Erfurt, diesen Tag missbrauchen würden, doch "Das ist unser Tag", sagte der Gewerkschafter."


Könnte man vielleicht am 1.5. beim Thema Arbeit bleiben? Bei der ungleichen Bezahlung in Ost und West, bei der ungleichen Bezahlung von Mann und Frau. Bei Dumpinglöhnen? Bei der Ausbeutung und Versklaverei von Arbeitskräften wie in Bangladesh - damit deutsche Unternehmer sich ihren Porsche leisten können? Und so weiter ... die Gewerkschaft hätte viel zu tun. Doch man schwätzt nur.

Was das mit dem 1. Mai am Freitag zu tun hat? Weil dann vll. auch in Nordhausen ein Hassprediger am Tag der Arbeit zu Terror aufruft, wie ja in Nordhausen nun bekannt wurde. Áber schön auf die " Rechten " gucken , auf dem anderen Auge darf man ja blind sein. Und was die Gewerkschaft eigentlich angeht, lassen wir mal gleich LINKS liegen. ( Wortspiel und Hervorhebung waren beabsichtigt )
Bodo Schwarzberg
02.05.2013, 09:02 Uhr
1. Mai-wirklich schlecht geht es niemandem...
und deswegen demonstriert auch keiner. Wenn ich mir die vielen unnötigen und immer größer werdenden SUVS in NDH so anschaue, dann weiß ich, dass wir in Deutschland auf höchstem Niveau jammern. Ein Bolivianer würde sich im siebten Himmel wähnen, wenn er, wie ein Arbeitsloser bei uns, einfach mal so über 600 Euro vom Staat vor die Füße geworfen bekommt. Und man muss sich in Deutschland schon ganz schön dämlich anstellen, um obdachlos zu werden.

Die Leute, vom Millionär bis zum Hartzer, sind viel zu satt, als dass sie ihren Allerwertesten zum Demonstrieren auf die Straße tragen. Und die anderen haben damit zu tun, Kohle zum einlullenden Shoppen zu verdienen. Da bleibt, systemgewollt, und Demofreiheit hin oder her, kein Platz im Kopf für wirkliche Kritik. Und diese müsste sich auf die Wurzeln des Systems und nicht vordergründig auf Dumpinglöhne beziehen.

Auf die Profit- und Plattmacher in den multinationalen Konzernzentralen, die Bonibanker und die von ihnen programmierten Marionetten in den Regierungen. Daran wagt sich aber auch kein gut bezahlter Gewerkschaftsboss. Weiß auch er doch nur zu gut, dass er vom Ist-Zustand ganz gut leben kann. Er profitiert ebenso wie alle anderen vom behäbigen Deutschen, der am 1. Mai lieber grillt und chillt.
Retupmoc
02.05.2013, 09:34 Uhr
Widerspruch
Ich widerspreche Ihnen sehr ungern Herr Schwarzberg, weil Sie meistens den Nagel auf den Kopf treffen. Hier sicher nur bedingt.

Ich persönliche kenne eine Reihe von Menschen, die demosntrieren würden. Sie tun es nicht, weil Sie - zu Recht - Repressalien befürchten. Deshalb gehe ich auch nicht öffentlich zu einer Demo gegen Unternehmer und Staat. Die Chance daraufhin seinen Arbeitsplatz zu verlieren, ist doch relativ hoch. Oder denken Sie nicht? Außerdem sind sich die Menschen nicht einig, weil Sie von der Regierung gegeneinander ausgespielt werden. Arbeitnehmer mit Niedriglohn hetzten auf ALG-Empfänger. Die ALG - Empfänger die arbeiten wollen, hetzen auf die Ausländer usw.

Und was macht die Gewerkschaft? Anstatt das Volk hinter sich zu bringen, verzettelt man sich in sinnfreien Diskussionen über andere Demos. Die Gewerkschaften kann man eigentlich abschaffen.
Harzer00
02.05.2013, 13:27 Uhr
CDU macht jetzt sogar Werbung für die Linken
Das Bild 18 gibt es nur in Nordhausen - da läuft der CDU-Fraktionsvorsitzende für die Linken am 1. Mai rum und macht für die Linken Werbung!

Irgendwie peinlich für beide Parteien! Eigentlich müssten die Linken gerade am 1. Mai deutlich zeigen, dass sie für die kleinen Leute da sind. Aber Frau Schenke von den Linken kuschelt lieber mit der CDU wie auf dem Bild 19. Warum treten eigentlich die Funktionäre der Nordhäuser Linken nicht gleich bei der CDU ein?
Eckenblitz
02.05.2013, 13:58 Uhr
Ja, Ja „DIE LINKEN“
Sie behaupten von sich, sozial zu sein und sich für die Belange der Sozialschwachen einzusetzen, stimmt das? Für die Nordhäuser „LINKEN“ trifft das nicht zu, sage ich. Ich habe die „LINKE-Garde „ erlebt, sei es bei Hartz-IV wo sie sich nach der Wahl sehr schnell zurückgezogen haben.

Erinnert sei auch an den „ROT-Roten-Deal“ und nun das klüngeln mit der „CDU“. Das sind für mich eindeutig ZEICHEN, dass sich die Nordhäuser Parteispitze nur um ihre eigene Karriere und MACHTGELÜSTE kümmert. Wenn es dafür nötig ist geht man eben mit jedem ins Bett, wie es so schön heißt, nicht wahr?

Schauen wir uns doch einmal die Nordhäuser Parteispitzen an, ich glaube dazu muss ich nichts mehr sagen?
Retupmoc
02.05.2013, 14:09 Uhr
Zukunft
Wenn wir unser Schicksal in das der diversen Politiker legen ... dann geht es uns wie auf Bild 20 !

Es reicht, wenn das Land einen König hat und jedes Bundesland einen Prinzen.
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