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Do, 11:02 Uhr
25.04.2013

Ausbauen statt Ausbremsen

Auch in Nordhausen wird die Ankündigung der Telekom, in Zukunft auf drosselbare Internetzugänge zu setzen, mit deutlichen Worten abgelehnt. Zudem geht der Blick aber auch in Richtung der Stadtverwaltung, die das Thema Breitband nun endlich auf die Tagesordnung setzen muss...


„Hier wird mit Bandbreiten wie in den 90er Jahren gedroht, während in anderen Staaten bereits Gigabit-Leitungen angeboten werden. Das ist lächerlich und wird so hoffentlich nicht umgesetzt. Es wird eine Strategie erkennbar: Offenbar verdient die Telekom zu wenig – zumindest nach ihrer eigenen Meinung.“ Für Darr ist dies nicht hinnehmbar. Er erinnert daran, dass die Bundesnetzagentur der Telekom vor Ostern eine Erhöhung der Miete für die Teilnehmeranschlussleitung (TAL), die so genannte „letzte Meile“, genehmigt hatte.

Zudem versuche die Telekom mit diesem Vorstoß die Neutralität der verschiedenen Datenströme nunmehr offen in Frage zu stellen. Das Unternehmen hatte angekündigt die eigenen Telefonie- und Fernsehangebote über das Internet von der angekündigten Begrenzung auszuklammern.

Darr fordert nunmehr das Thema Internetzugang auch in Nordhausen endlich auf die Tagesordnung zu setzen: „Die Anforderungen werden weiter steigen, soviel ist sicher. Während in einigen Teilen der Republik für Geschwindigkeiten von 50 MBit/s und mehr ausgebaut wird gibt es in manchen Gegenden nur niedrige einstellige Übertragungsraten – ohne Aussicht auf Besserung.“

Besonders in der Nordhäuser Altstadt ist bereits erkennbar welche Auswirkungen der fehlende Ausbau hat. „Im Gespräch mit Unternehmern wird klar dass der Internet-Handel sich oftmals zum Haupterwerb entwickelt hat, während das klassische Ladengeschäft zum zweiten Standbein geworden ist.“ Der Breitbandausbau ist daher auch ein effektives Instrument zur Wirtschaftsförderung: „Wenn nicht gehandelt wird“, ist sich Darr sicher, „werden bald auch die letzten Geschäfte die Altstadt verlassen müssen.“

Auch Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt sind dann zu befürchten: „Viele Interessenten fragen ihre Vermieter bereits vor dem Einzug nach den Möglichkeiten eines Internetzugangs. In Gesprächen mit den Wohnungsunternehmen wurde deutlich, dass diese die Tragweite verstanden haben und bereits handeln“, sagt Darr und verweist beispielhaft auf die Aktivitäten der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (SWG). Er fordert nun die Stadtverwaltung auf, sich des Themas anzunehmen.

„Wenn in der Altstadt neue Gebäude entstehen, muss auch das Thema Breitband auf den Tisch. Auch beim Neubau der Kanalisation in Steigerthal muss über die Versorgung mit Breitbandanschlüssen nachgedacht und entschieden werden.“

Dabei kritisiert er die zurückhaltende Haltung der Stadt gegenüber den Versorgern. Mehrfach hatte man erklärt, dass man besonders die Telekom „nicht an den Tisch bekommt“. „Damit kann sich die Stadt doch nicht zufrieden geben!“ sagt Darr. Er schlägt daher vor, den Ausbau nun selbst in die Hand zu nehmen. „Wir dürfen nicht länger warten. Die Stadt muss sich selbst helfen, da mit einem Ausbau durch große Unternehmen offenbar weder mittel- noch langfristig zu rechnen ist.“ Dazu verweist er auf die städtischen Unternehmen, welche nach seinem Standpunkt ideale Voraussetzungen bieten, um den Ausbau in eigener Regie voranzutreiben. „Um nur einige zu nennen: Der Bauhof, die Stadtbeleuchtung oder auch die Energieversorgung verlegen oder erneuern im gesamten Stadtgebiet ihre Leitungen. Da wäre der schrittweise Aufbau eines Netzes oder zumindest die Verlegung von Leerrohren durchaus möglich.“

Doch dafür fehle offenbar die Bereitschaft. „Jeder Unternehmer ist bestrebt seine Angebotspalette seinen Fähigkeiten entsprechend auszubauen. Für die Stadt und ihre Unternehmen gilt das offenbar nicht, obwohl für Kommunen und kommunale Unternehmen oftmals sogar Fördermittel bereitgestellt werden.“

Der Ausbau innerhalb des Stadtgebiets sei dabei der wichtigste Teil: „Auf den Leitungen, welche die Stadt mit Elektrizität versorgen liegen Glasfaserkabel. Damit sollten die notwendigen Bandbreiten in den kommenden Jahren ermöglicht werden. Auch hier ist also eine Alternative zur Telekom vorhanden.“

Zum Hintergrund:Für das Telefonnetz existieren in Nordhausen zwei so genannte Hauptverteiler (HVT), nämlich im Stadtteil Ost sowie am Kommunikationsweg. Dies kann man sich auch grafisch bei Google Maps ansehen. Dazu muss lediglich folgender Link in die Suchleiste kopiert werden: http://selke.de/data/uploads/DSL-Hauptverteiler.kml

Für die Übertragungsgeschwindigkeit ist die Länge und Beschaffenheit der Leitung vom HVT bis zum Netzabschluss (Router) der Nutzer ausschlaggebend. Je kürzer die Leitung, je größer die Querschnitte und je geringer die Anzahl möglicher Fehlerquellen (schlechte Verlegung etc.) desto größer die mögliche Übertragungsgeschwindigkeit.

Neben dem Telefonnetz bieten auch die Betreiber von Kabel-TV-Netzen Internetzugänge an. Diese erreichen oftmals bereits deutlich höhere Übertragungsraten, sind jedoch nicht in allen Stadtteilen verfügbar.

Zudem werden in den letzten Jahren die Funknetze weiter ausgebaut. Diese verfügen oftmals auch über zahlreiche Nachteile wie Volumentarife, Empfangsstörungen und -lücken, zunehmende Belastungen durch elektromagnetische Felder sowie zum Teil deutlich höhere Energiebedarfe gegenüber kabelgebundenen Lösungen.

Die Thüringer Netkom GmbH, eine Tochter des Energieversorgers E.ON Thüringer Energie AG, bietet ebenfalls Breitbandzugänge an. Diese werden über Glasfaserkabel, welche auf den Freileitungstrassen der TEN Thüringer Energienetze GmbH mitgeführt werden, realisiert.
Autor: red

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Kommentare
Retupmoc
25.04.2013, 11:35 Uhr
Telekom
In bestimmten Stadtteilen von Nordhausen schlafen Sie am PC ein, wenn Sie versuchen ein normales Video zu öffnen. Das dauert ewig. Bei komplizierteren Programmen ... reden wir nicht mehr davon.

Die Telekom scheint nicht genug Geld zu verdienen. Vielleicht sollte man den Damen (sind noch keine 40 % ) und Herren der Geschäftsleitung empfehlen, nicht so viel Geld in Vereine wie Bayern München zu stecken. Dann klappt es auch mit einem schönen Firmengewinn. So wie ich das sehe hat Uli H. in der Schweiz soviel Geld auf dem Konto, das er sich die Spieler privat leisten kann.

Oder hat sich die Telekom mit ihren eigenen Aktien verzockt? Alles ist möglich - nur kein schnelles Internet für alle.
Huschke
25.04.2013, 12:56 Uhr
doch auch schnelles Breitband ist möglich
Wenn die Leute einsehen das Investitionen Geld kosten welches auch wieder verdient werden muss. Auch die Kommunen und speziel das Land Thüringen muss bereit sein einen Teil der Investitionen mit zu tragen. Hier liegt nähmlich genau das Problem. Das Land thüringen engagiert sich von allen Bundesländern am wenigsten beim Breitbandausbau. Unsere Landesväter verweisen auf den doch bald flächedeckenden Ausbau mit LTE. Dies ist aber nur eine Notlösung und nicht zukunftsweisend. Unsere Nachbarländer zeigen uns wies geht. Schaut nach Sachsen, sachsen Anhalt und Bayern. Hier haben die Regierungen verstanden wie wichtig Breitband ist und sind auch bereit in ganz anderen größenordnungen als Thüringen Fördermitel bereit zu stellen. Glauben Sie mir ich weiß wovon ich rede.
andreas66
25.04.2013, 13:12 Uhr
Warum...
soll die Telekom für schnelleres Internet sorgen? Die Grundversorgung ist abgeschlossen, jeder hat einen Telefonanschluss oder er bekommt einen Neuen nach erteiltem Auftrag. Dazu ist die Telekom verpflichtet. Die neuen Bundesländer wurden nach der Wende neu ausgebaut zum damaligen herrschenden Standard. Da gab es 56K-Modems. ISDN kam dann nach Jahren als Neuerung. Dafür waren die Kupfernetze (Länge und Querschnitt) vollkommen ausreichend. Keiner konnte damals ahnen, welchen Internetboom es in 10-15 Jahren geben würde. Die Regulierungsbehörde zerschlug das Monopol der Telekom und gab den Markt frei. Viele Anbieter setzten sich ins gemachte Nest und verklingelten dann Anschlüsse mit hohen Bandbreiten. Die aber das ausgebaute Netz nicht hergeben konnte. Jetzt handelt die Telekom auch nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten, Aufwand und Nutzen. Wer will den Nordhausen neu verkabeln mit Kupferkabeln größeren Querschnittes oder Glasfaserkabeln. In manchen Stadtbereichen ist dies schon 3x geschehen. Natürlich gibt es einige "Insellösungen" mit Funk oder über Kabelanschluss.
-----7
25.04.2013, 13:27 Uhr
SWG als Vorreiter
Also der SWG muss ich in dieser Sache mal ein Lob aussprechen. Nicht nur, dass hier in OST schnelles Internet möglich ist, sondern auch die Modernisierung des Kabel-TV-Anschlusses. Mit dem Kabelanbieter www.tv-bleicherode-gmbh.de hat sich die SWG einen guten Lieferanten ins Boot geholt. Der Service ist sehr gut. Jedenfalls beurteile ich das im TV-Bereich, denn Internet habe ich über die Telefonleitung.

Als ich noch in Baden Württemberg wohnte, hatte ich eine 16.000 Leitung. Mein Anbieter sagte mir, dass ich damit umziehen könnte, denn 16.000 sind hier auch möglich. Möglich war es schon, aber die Telekom hat bei der Portierung nur eine 6.000er Leitung freigegeben. Meinem Anbieter waren die Hände gebunden und ich musste meinen Vertrag downgraden. Doch vor kurzem wurde an den Leitungen gebastelt und dann bekam ich von der Telekom einen Brief, dass nun 50.000 in meiner Wohnung möglich wären. Ich würde, wenn ich zur Telekom wechsele auch ein paar Monate lang nichts bezahlen. Mein Anbieter bestätigte mir, dass die 50.000 jetzt tatsächlich möglich sind. Also werde ich bei meinem Anbieter bleiben und bei Vertragsverlängerung wieder upgraden und ich bekomme dazu einen kostenlosen Router, den man sich ja bei der Telekom nur mieten kann. Bei diesem Anbieter bin ich nun schon fast 10 Jahre. Früher war ich mal Kunde der Telekom, aber wurde von denen abgezockt, als ich plötzlich 2 DSL-Verträge auf einer Leitung hatte. Erst das Gericht konnte die Telekom bremsen und ich bekam doppelt gezahlte Gebühren erstattet.

Witzig fand ich, als ich hier eingezogen bin. Da kam jemand von der Telekom im Auftrag meines Anbieters und musste die DSL-Leitung prüfen. Also müssen andere Anbieter doch gut verdienen, um sich die Handlanger (Techniker) der Telekom leisten zu können, damit diese die Leitungen freischalten.

Ach ja - im Artikel steht ja auch, dass manche Mieter bei der Wohnungssuche schon nach dem Internetanschluss beim Vermieter anfragen. Auch hier hat die SWG wieder die Nase vorn, denn bei anderen Vermietern bekam ich da keine Auskunft, als ich selbst danach fragte. WBG sagte mir sogar, dass Breitband in den Wohnungen, für die ich mich interessierte, noch nicht möglich ist.

Das Funknetz ist hier in OST auch bescheiden. Vodafone wirbt ja mit dem angeblich besten Netz, aber hier in meiner Wohnung reicht es noch nicht einmal zum Telefonieren. Bei anderen Funknetzen habe ich fast vollen Empfang. Internet über Vodafone wäre mir hier fast unmöglich. Aber ich brauche es ja nicht, hab doch meinen Anbieter!
andreas66
25.04.2013, 18:33 Uhr
Leute...
zieht nach Nordhausen-Ost oder an den Darrweg. Dort sind in unmittelbarer Nähe die besagten Knotenpunkte der Telekom. Auf Grund der Nähe des zu versorgenden Haushaltes zur Vermittlungsstelle ist eine hohe Bandbreite technisch möglich. Ich kann @Huschke nur beipflichten bei seiner Meinung zu LTE und Notlösung. Die stabilste und sicherste Datenübertragung ist nun mal über Kabel. Sei es Kupfer- oder Glasfaser.
Frankledig
25.04.2013, 21:14 Uhr
schnelles internet..
Ich kann nur sagen, ich wohne in Salza und hab ne 6000 Leitung. Da ist damals der Telekom scheinbar ein Lapsus unterlaufen als sie die Leitung nach einigem Wirrwar für meinen Anbieter freischaltete.Dann nach versuchtem Wechsel zu anderen Anbietern bekam ich immer die Aussage: nicht mal ne 1000 Leitung möglich! Selbst die Telekom als Leitungsinhaber sagte mir das.Seltsam....
Thomas Fichtner
25.04.2013, 21:43 Uhr
Nicht absehbarer Datennetzboom...
lieber andreas66 - wenn das vor 10-15 Jahren (und mehr) für die Verantwortlichen nicht absehbar war, dann hatten und haben sie den falschen Job und sind ihr Geld nicht wert!

1999 hatte ich konkret 10 MBit via BNC (das war dort schon seit 2-3 Jahren verbaut) auf der Bude, 2 Jahre drauf (2001) 100 MBit und dann um 2008 warens 1 Gbit - was aber mit all den Nachbarn und damals beschränkten 10GBit Switchen und Routern, sowie den damals nur erhältlichen (halbwegs bezahlbaren) Cat5 Kabel das Limit darstellte (haben die ja damals selbst mit verlegt).

Die Werte waren zwar nicht immer symmetrisch nutzbar - allein schon weil Datenraten von Festplatten oder ähnlichem Flaschenhals darstelltem, aber das war eher kein Problem.

Klar, war nicht via Telekom, sondern DFN - aber nutzte letztlich die selbe Infrastruktur - manchmal auch etwas weiter weg vom Knoten als wünschenswert, ging trotzdem.

Das waren natürlich damals schon extrem gute Werte und sind immer noch weit abseits dessen was Normalsurfer - incl. mir - heute hat, aber im Bezug auf Netzausbau ist Deutschland eben echt auf Niveau eines Entwicklungslandes!
Und das obwohl die Telekom AG von allen Seiten Geld in den Arsch geblasen bekommt.

Und ja, ein Großteil von deren Infrastruktur wird und wurde aus Steuergeldern bezahlt!
Huschke
26.04.2013, 08:17 Uhr
Breitbandausbau Pflicht der Telekom?
Ich muß mich hier schon über mache Kommentatoren sehr wundern. Sie schreiben das sie kein Kunde der Telekom sind aber diese wird allein für den Ausbau verantwortlich gemacht. Es gibt doch durch die Marktöffnung genügend andere Mitbewerber warum bauen die denn nicht aus?

Warum werden die nicht durch Ihren Kakao @Herr Fichtner gezogen. Genau das ist das Problem. Alle brüllen nach Wettbewerb und schnellen Netzten aber keiner ist bereit dafür Geld auszugeben. Deshalb baut auch Vodafon ect. in unserer Region nicht aus. Wie ich schon im vorigen Kommentar schrieb ist hier die Politik gefordert.
Razorstorm
26.04.2013, 09:25 Uhr
Schnelles Internet auch in Randgebieten
In weiten teilen von Nordhausen und Umgebung ist schnelles Internet über Funk (kein Handynetz) möglich!

Dies bietet die Firma Schuller an. www.it-schuller.de
Thomas Fichtner
26.04.2013, 12:16 Uhr
Die gute Telekom...
ist aber dadurch das sie einst Staatskonzern war durch diverse Gesetze und Regelungen, sowie ihre schiere Größe bevorteilt.

Die Kabel des letzte Kilometer - sprich der eigentliche Hausanschluss - gehören also fast immer der Telekom. Und der wurde in den meisten Fällen vom Steuerzahler - also Bürger - bezahlt. Incl. dem Glasfaserausbau.

Und dann kommen wir zum Konzessionsrecht und der dortigen Vergabepraktiken.
Es wäre halt Unsinn jeden Anbieter die Straße aufgraben zu lassen um seine Kabel auch verlegen zu dürfen.

Hier genießt eben der magentafarbene Riese auch massive Vorrechte. Das wurde zwar mit Durchleitungsverpflichtung gesetzlich teilweise versucht zu entschärfen, aber als Quasi-Monopolanbieter für die letzte Meile, läßt sich die Telekom das ordentlich bezahlen und oder zwingt andere Anbieter mit allerlei seltsamen Geschäftspraktiken zu unmöglichsten technischen Aufwendungen.

Wie man also sieht, ist größtenteils gar kein fairer Wettbewerb oder das tätigen von Investitionen durch andere Anbieter möglich! Die Telekom verdient sogar immer mit, AUCH WENN ich einen anderen Anbieter habe.
Dazu kommen noch etliche gut dotierte Verträge mit Bund und Ländern über Betrieb und Wartung der Netze.

Ist also die Telekom zu verpflichten den Netzausbau voranzutreiben? Ja, definitiv!

Und wenn es das dünn besiedelte Finnland hinbekommt, einen GESETZLICHEN Anspruch auf Breitbandversorgung im letzten Kaff zu garantieren, wo die Leitungskosten dort durch abgelegene Gebiete viel höher sind, wieso dann nicht das tolle Industrieland BRD?
andreas66
26.04.2013, 13:29 Uhr
Herr @Thomas Fichtner...
da ich von Ihnen persönlich angesprochen worden bin, antworte ich auch persönlich. Für mich galten sie immer als Biogasanlagen-Spezialist. Sehe noch ihre feurigen Kommentare vor mir, als es um die geplante Biogasanlage bei Bielen ging. Nun zählt auch der Kommunikationsbereich zu ihren Steckenpferden. Vieles das von Ihnen Geschriebene hört sich höchst wissenschaftlich an, für viele Leser klug. Für mich verwirrend. Das von ihnen verwendete BNC ist eine ganz normale Steckverbindung für Hochfrequenzen, schlicht Bajonett-Verschluß. DFN scheint Deutsches Forschungsnetz zu bedeuten. Was hat das alles mit Breitbandausbau zu tun. Hört sich aber schlau an. Ich habe von 1991-2008 bei der Telekom beim Kabelmeßdienst gearbeitet. Ein wenig Kenntnis von Telekommunikation müssen sie mir zugestehen. Ich könnte schreiben und schreiben. 1990 nach der Wende kamen Postbeamte vom damaligen noch existierenden Post- und Fernmeldedienst der DBP (Deutsche Bundespost) in die Neuen Länder und planten den Neuaufbau. Dabei wurde nach den damaligen Gesichtspunkten geplant. Der Netzausbau zog sich bis 19965-96 hin. Da war der aufkommende ISDN-Anschluß das Modernste. Von DSL hatte keiner ne Ahnung oder einen Schimmer. Auch rate ich Ihnen, Herr Fichtner, sich in Betriebswirtschaft noch ein wenig zu belesen. Der Telekom sitzen seit der Regulierung Ihre Aktionäre im Nacken. Die Telekom muß wie jedes andere Unternehmen Geld verdienen. Die Aktionäre wollen eine Dividende auf ihre Aktien ausgeschüttet bekommen. Wo bekommt die Telekom Geld in den Arsch geblasen?
Thomas Fichtner
26.04.2013, 23:38 Uhr
Wuss ich jetzt sehr weit ausholen?
Natürlich haben Sie Recht. BNC war (und ist in manchen Bereichen) eine Anschlußlösung von Koaxialkabeln für hochfrequente Signale.
Ich habe es hier als Illustrationsbeispiel für die damals häufig verwendeten 10BASE2 und auch 10BASE5 LAN-Lösungen gewählt, da sie einfach zu der Zeit für die Anwendungen gebräuchlich waren und schon vor über 15 Jahren mit ihren 10MBit einen bekannten Flaschenhals darstellten, aber dafür bezahlbare und recht effektive Lösung waren (incl. all ihrer Probleme bezüglich gescheiter Terminierung, rel. kurzen Kabellängen etc.)

Sie haben auch DFN korrekt interpretiert - und ich kann nur immer empfehlen die Geschichte dieses e.V. zu lesen - denn er gründete sich bereits 1984, als Vernetzung auch außerhalb des Militärs aufkam und die vorhandenen Netze schon da kaum reichten oder utopische Nutzungsendgelte aufwiesen.
Auch BITNET (Because It's Time NETwork) wurde eben aus dieser Not heraus geboren.
(Und ja, ich war bis 2009 etwa 10 Jahre lang mal mehr, mal weniger aktives Mitglied in einem dem DFN angeschlossenen Forschungsvereine und hab da manche Kleinigkeit - vom Kabelziehen über Dosen aufklemmen, Betriebsräume umbauen, Switche tauschen, Unternetze bauen, Testprojekte für Lastmanagment und optimierte Topografien überlegen, Licht- und Richtfunkstrecken eingemessen und anderes, mitgemacht - auch weil wir nicht noch 10 Jahre warten wollten bis das die Telekom oder so das mal für uns tut und man bis dahin im Mittelalter verharren muß - für mich wurden aber irgendwann lokale WiFi-Netze, Datensicherheit, Physical-Computing und Energieversorgung von Inselsystemen interessanter, wodurch ich am Ende ja bei regenerativen Energien gelandet bin.)

Jedenfalls, spätestens mit (ER)WiN (Anfang der 90er ca. 2Mbit) war klar wohin die Reise geht und dass das damalige DATEX-P-Netz der Deutschen Bundespost bei weitem nicht ausreicht und daher wurden parallele Netze, mit Schnittstellen, aufgebaut.

Betrieben wurden dieses DFN-Netz letztlich von der Deutschen Telekom (genauer DeTeSystem) und mit allerhand Fördermitteln aus Wissenschaft und Forschung ausgebaut und verbessert.
Das heißt also, dass sowohl Know-how als auch Steuergelder an die Telekom gingen, die diese gut zu nutzen wusste.

Das auch heute noch erhebliche Steuergelder an die Telekom gehen, ist kein Geheimnis, auch nicht das die Telekom gern andere Anbieter durch ihre Marktmacht massiv gängelt und eigentlich immer gut mitverdient.

Meine Grundaussage, dass die Notwendigkeit eines echten Breitbandnetzes auch weit in die Breite der Fläche notwendig werden wird, war also bereits Anfang der 90er Jahre jedem Nichtblinden in der Branche klar.

Das die Bundespost nicht gerade hoch innovativ war, gern auf betagte Standards setzt, ist bekannt, ebenso das die Modernisierung des Telefonnetz in der DDR nicht ohne war.

ISDN, als Zusammenführung der bisherigen Netzdienste Ende der 70er entworfen, war zwar gut gemeint, aber nicht gut macht. Und die Anfangs aus der Not geborene Lösung DSL, stellte sich aber als leistungsfähiger heraus - die strategischen Entscheidungsgründe kann man hier gern bei der Telekom suchen (die Entscheidung als weltweit EINZIGER Netzbetreiber bei der flächendeckenden Einführung der ADSL-Technik sich für das nachteilige ADSL-over-ISDN zu entscheiden war halt...doof).

Zum Thema Aktiengang der Telekom, Dividendenausschüttung und wer da denn welche Großanteile an dem Konzern hält, deren Geschäftspraktiken und Modelle etc. wurde wo anders mehr als genug geschrieben.
Ebenso, dass Traffickosten eben nicht wirklich der Grund sind.

Insgesamt hält sich mein Mitgefühl bei 18 Mrd. Betriebsergebnis für 2012 jedenfalls relativ in Grenzen. (Nein, das ist natürlich nicht der ausgeschüttete Reingewinn nach Steuern)
Jürgen Wiethoff
27.04.2013, 09:03 Uhr
Telekom und ihr Ruf
Einiges des hier hoch wissenschaftlich Dargestellten verstehe ich auch nicht. Aber dass die Telekom, vielleicht speziell in NDH, ihr mieses Image selbst verschuldet hat, kann ich leider beweisen. Mein Provider (bei dem ich seit 1994 Kunde bin) hatte mir DSL 16000 zugesichert, aber das konnte technisch angeblich nicht verwirklicht werden. Daher krankte mein dann zugesichertes DSL 6000 jahrelang bei gemessenen 2000 bis 3000 herum. Wie war ich erstaunt, als mein Nachbar plötzlich einen Entertain-Anschluss (mit IP-TV) der Telekom bekam und auch noch damit sehr zufrieden war. Kurze Rückfrage bei meinem Provider, der sich natürlich wieder bei der Telekom schlau machen musste: Der Nachbar hat eine kürzere Leitung und höheren Leitungsquerschnitt. Kompletter Quatsch: Die Nachbarleitung ist etwa 7 m länger und es wird das gleiche Leitungsvielfach benutzt. Mein Provider versprach, diesen Auskünften nachzugehen und Abhilfe. Nach 2 Wochen bekam ich die Auskunft, dass man sich mit der Telekom leider nicht verständigen könne. Sie beharre auf ihrer ersten Auskunft – mit ein paar Beleidigungen in meine Richtung.

Etwa 2 Wochen danach erhielt ich dann einen der damals noch üblichen Werbeanrufe der Telekom. Man wollte mir DSL 16000 anbieten. „Technische Probleme? Aber doch nicht bei Ihnen.“ Jetzt gibt es zum Glück nur noch Werbemails mit dem gleichen oder ähnlichen Inhalt. Deren Übermittlung kostet zwar auch Bandbreite, dafür sind sie aber immer blitzschnell gelöscht.

Seit einigen Monaten habe ich nun wenigstens fast immer gemessene DSL 6000. Ohne Änderungen an der Anschlußleitung.

Weitere Ausführungen zu Pleiten, Pech und Pannen der Telekom mit meinem (also einem einzigen) Anschluss seit 1992 würden viel zu lange Beiträge erfordern. Es war schon fast alles da: Standleitung zum Nachbarn, Erdschluss an a/b (dann geht nicht mal mehr ein 56 k-Modem) und als Krönung hatte ich einen normalen 600 Ohm Anschluss einer jungen Frau aus NDH-Nord auf meinem voll auf Internet-Telefonie umgestellten DSL-Anschluss. Das war wenigstens ein paar Tage ganz lustig. Man lernt ja diese netten Menschen sonst gar nicht kennen.
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