Do, 10:05 Uhr
11.04.2013
Einst bekannt, jetzt fast vergessen
Der Vortragsabend des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins widmete sich. nachdem sich alle Anwesenden im Gedenken an das am 25.3.2013 verstorbenen Vorstandsmitglied des Verein Rainer Hellberg von den Plätzen erhoben hatten, einer einst sehr bekannten Persönlichkeit...
Diese Persönlichkeit stammt aus dem Nordthüringer Raum und hatte ein Leben lang vielfältige Beziehungen hierher. Es ist der Universalgelehrte Johann Gottfried Gregorii, besser unter dem Pseudonym Melissantes bekannt. Als Referent konnte dafür der Erfurter Carsten Berndt gewonnen werden, der unlängst eine erste umfassende Biographie zu dieser Persönlichkeit publizierte.
Er stellte in seinem mit Lichtbildern illustrierten Vortrag Leben und Werk des Universalgelehrten vor. Der 1685 in Toba bei Ebeleben geborene Gregorii studierte an der thüringischen Landesuniversität in Jena Theologie. Nach erfolgreichem Abschluss seiner Studien war er als Hauslehrer, Privatgelehrter und Schriftsteller tätig, ehe er 1720 eine Festanstellung als Pfarrer in Siegelbach und Dosdorf und dann in Dornheim an der Traukirche von Johann Sebastian Bach erhielt.
Berndt stellte das umfangreiche publizistische Wirken Melissantes vor, das auch unsere nähere Heimat nicht aussparte und unter anderen so die Burgen Kyffhausen, Straußberg und Hohnstein beschrieb. In seinem 1711 erschienenen Buch Das jetzt florirende Thüringen, eine Art Reiseführer, stellte er auch die Reichsstadt Nordhausen vor. Diesen Teil trug Berndt wörtlich vor. Besonderen Schwerpunkt legte er bei seinen Ausführungen auf sein bis dato völlig unterschätztes Wirken als Geograph. Er hat nicht nur im Offizin Homann, Nürnberg, die bis dahin genaueste Thüringen-Karte herausgegeben, die übrigen 1738 in einer von Friedrich Christian Lesser überarbeiteten Auflage erneut erschien und weiter Verbreitung erlangte. Besondere Verdienste hat er sich in der Entwicklung und Herausgabe von Schulatlanten erworben, um die Geographie als selbstständiges Unterrichtsfach an den Schulen zu etablieren und preisgünstige Atlasausgaben für die Schuljugend zur Verfügung zu stellen.
Großes Interesse erregten seine Ausführungen zu den Beziehungen und Kontakten zu Nordhäuser und Nordthüringer Persönlichkeiten. Er ging auf die Kontakte Melissantes zu den aus Heringen stammenden Johann Georg Leukfeld, zu dem Nordhäuser Johann Heinrich Kindervater, in dessen 1715 erschienener NORDHUSA ILLUSTRIS er ein Widmungsgedicht veröffentlichte, und anderen ein.
Dann widmete er sich auch den Berufsbeschreibungen, die Melissantes in einer Art Berufelexikon publizierte, und anderen Wirkungsgebieten.
Berndt zeichnete ein lebendiges Bild dieses Gelehrten und erhielt dafür den verdienten Beifall seiner etwa 35 Zuhörer. Mit dem Vortrag von Carsten Berndt gelang es dem Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein ein bisher kaum bekanntes Thema Thüringer Geschichte einer interessierten Öffentlichkeit vorzustellen.
Paul Lauerwald
Autor: redDiese Persönlichkeit stammt aus dem Nordthüringer Raum und hatte ein Leben lang vielfältige Beziehungen hierher. Es ist der Universalgelehrte Johann Gottfried Gregorii, besser unter dem Pseudonym Melissantes bekannt. Als Referent konnte dafür der Erfurter Carsten Berndt gewonnen werden, der unlängst eine erste umfassende Biographie zu dieser Persönlichkeit publizierte.
Er stellte in seinem mit Lichtbildern illustrierten Vortrag Leben und Werk des Universalgelehrten vor. Der 1685 in Toba bei Ebeleben geborene Gregorii studierte an der thüringischen Landesuniversität in Jena Theologie. Nach erfolgreichem Abschluss seiner Studien war er als Hauslehrer, Privatgelehrter und Schriftsteller tätig, ehe er 1720 eine Festanstellung als Pfarrer in Siegelbach und Dosdorf und dann in Dornheim an der Traukirche von Johann Sebastian Bach erhielt.
Berndt stellte das umfangreiche publizistische Wirken Melissantes vor, das auch unsere nähere Heimat nicht aussparte und unter anderen so die Burgen Kyffhausen, Straußberg und Hohnstein beschrieb. In seinem 1711 erschienenen Buch Das jetzt florirende Thüringen, eine Art Reiseführer, stellte er auch die Reichsstadt Nordhausen vor. Diesen Teil trug Berndt wörtlich vor. Besonderen Schwerpunkt legte er bei seinen Ausführungen auf sein bis dato völlig unterschätztes Wirken als Geograph. Er hat nicht nur im Offizin Homann, Nürnberg, die bis dahin genaueste Thüringen-Karte herausgegeben, die übrigen 1738 in einer von Friedrich Christian Lesser überarbeiteten Auflage erneut erschien und weiter Verbreitung erlangte. Besondere Verdienste hat er sich in der Entwicklung und Herausgabe von Schulatlanten erworben, um die Geographie als selbstständiges Unterrichtsfach an den Schulen zu etablieren und preisgünstige Atlasausgaben für die Schuljugend zur Verfügung zu stellen.
Großes Interesse erregten seine Ausführungen zu den Beziehungen und Kontakten zu Nordhäuser und Nordthüringer Persönlichkeiten. Er ging auf die Kontakte Melissantes zu den aus Heringen stammenden Johann Georg Leukfeld, zu dem Nordhäuser Johann Heinrich Kindervater, in dessen 1715 erschienener NORDHUSA ILLUSTRIS er ein Widmungsgedicht veröffentlichte, und anderen ein.
Dann widmete er sich auch den Berufsbeschreibungen, die Melissantes in einer Art Berufelexikon publizierte, und anderen Wirkungsgebieten.
Berndt zeichnete ein lebendiges Bild dieses Gelehrten und erhielt dafür den verdienten Beifall seiner etwa 35 Zuhörer. Mit dem Vortrag von Carsten Berndt gelang es dem Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein ein bisher kaum bekanntes Thema Thüringer Geschichte einer interessierten Öffentlichkeit vorzustellen.
Paul Lauerwald


