Fr, 06:41 Uhr
05.04.2013
Menschenbilder (62)
Im Spätherbst 2013 veröffentlicht der Nordhäuser Autor Bodo Schwarzberg den zweiten, reich bebilderten Band der Buchreihe "Menschenbilder aus der Harz- und Kyffhäuserregion" - wiederum mit rund 200 Texten über Zeitzeugen unserer jüngeren Geschichte...
ehemaliger Vorsitzender des Nordhäuser Sportvereins Schwarz Gold
99734 Nordhausen
Gemeinsam mit anderen Sportfreunden Sport zu treiben, das bedeutet Glück, Freude und Erleben. Das kann uns niemand ersetzen", sagt Klaus Meyer und schließt in diese Worte ausdrücklich seine Ehefrau Johanna mit ein, mit der er gemeinsam die Entwicklung zahlreicher Sportarten in Stadt und Kreis Nordhausen jahrzehntelang prägte und noch immer mit prägt. Vielen Menschen brachten sie insbesondere das Tennisspielen und das Skifahren sowie das Schwimmen nahe, und die Freizeit hunderter Familien würde sich gewiss bewegungsärmer gestalten, wenn sie nie auf die beiden Nordhäuser gestoßen wären.
Klaus Meyer (geb. am 04.03.1934 in Nordhausen) hat sowohl im hauptberuflichen, als auch im ehrenamtlich-privaten Bereich wesentlich zur Entwicklung des Sports in unserer Region beigetragen. Und er selbst fand schon als Kind eine ungebrochene Begeisterung darin, sich auszuprobieren und zusammen mit anderen sportbegeisterten Kindern das Trauma des Krieges durch körperliche Bewegung zu bewältigen.
Noch zum Zeitpunkt der Anwesenheit amerikanischer Besatzungstruppen öffnete das Nordhäuser Hallenbad erstmals wieder seine Pforten und Klaus Meyer und sein Cousin Rudolf Mayer nutzten dies, um im Schwimmverein des heutigen Badehauses aktiv zu werden. Mein Cousin zog mich gewissermaßen in diese Gruppe hinein. Ich wurde förmlich vom ‚Sportvirus‘ infiziert, sagt er. Aber beim Schwimmen blieb es nicht: Die Gruppe probierte eine Menge aus:
So spielte sie mit anderen Jugendlichen in der Wilhelm-Rabe- und in der Steinstraße Fuß- und Schlagball, in der damaligen Gießerei Mosebach (ebenfalls Steinstraße) traten sie einer dort trainierenden Turngruppe bei und kamen über das Nordhäuser Bad 1947 zum Wasserball. Aber damit war es noch nicht genug: In der Sporthochburg Salza fanden die Enthusiasten zum Handball und verliebten sich in das traditionell dort besonders gepflegte Ringen.
Bei dieser Sportart blieben einige von uns hängen. Wir hatten gute Leute an unserer Seite, die Ringergruppe vergrößerte und stabilisierte sich durch Kriegsheimkehrer zusehends und wir absolvierten ein intensives Training, denkt Klaus Meyer zurück. Und dies führte bei ihm zu ersten, größeren Erfolgen: Bis zu seinem Ausscheiden 1958 wurde er mehrfach Kreismeister und einmal sogar 6. bei den DDR-Meisterschaften, jeweils im griechisch-römischen Stil.
Eine ganz besondere, seit über 50 Jahren währende und bis heute andauernde Ära hatte für ihn jedoch bereits 1960 im Tennissport ihren Anfang genommen: Als Mitglied der damaligen BSG Motor-West. Seit 1963 ist er auf diesem Gebiet, ebenso wie Ehefrau Johanna, Übungsleiter für das Training von Menschen aller Altersgruppen. Parallel dazu brachte er bei Lok Nordhausen schon damals jungen Menschen auch das Schwimmen nahe und während der Wintermonate zusätzlich noch das Skifahren.
Seit 1963 war er Vorsitzender des Kreisfachausschusses Ski. Tennis, Schwimmen und Ski: Diese drei Sportarten sollten zu den Grundsäulen seines weiteren Lebens und für jenes seiner Ehefrau werden. Ohne meine Frau Johanna hätte ich mich alldem niemals so intensiv widmen können. Wir beide zogen stets an demselben Strang und brachten uns aktiv ein. Und: Die Gemeinschaften und Freundschaften, die während dieser Zeit vor allem im Tennis wuchsen, haben zum Teil bis heute Bestand. Das gemeinsame Erleben machte sie so stabil, sagt er.
Johanna Meyer ist ebenfalls studierte Sportlehrerin. Sie arbeitete 30 Jahre lang als Sporttherapeutin in der Nordhäuser Nervenklinik. Im Turnen und im Tennis war sie bei den Senioren mehrfache Landesmeisterin. Johanna und Klaus Meyer bildeten bis zur Wende auch zahlreiche Sportlehrer zu Skilehrern aus: Viele von ihnen denken noch heute sehr gern an die erlebnis- und schaffensreichen Tage im tschechischen Benecko (Riesengebirge) zurück. Bis heute führen die beiden übrigens eine Skischule. Auch Johanna Meyer ist zertifizierte Ski- und Tennislehrerin. Den Umfang des Trainings zu bewältigen, sei ohne sie nie möglich gewesen, wird Johanna Meyer von ihrem Mann gelobt.
Unser Anliegen ist es, das technische Können für Ski und Tennis auf eine freudvolle, entspannte und erlebnisreiche Art zu vermitteln, erklärt er. Viele ihrer früheren Schüler sind den beiden Sportarten bis ins Alter treu geblieben. Und das Paar ist stolz darauf, ganze Familien vom Ski- und vom Tennissport begeistert zu haben. Frühere Schüler wurden irgendwann Eltern und brachten ihre Kinder mit auf den Tennisplatz. Dort erfuhren sie solch wichtige Verhaltensweisen wie Fairness und Respekt. Sie lernten mit Sieg und Niederlage umzugehen, sagt mein Gesprächspartner. Um gerade letzteres ein wenig abzufedern, trainierten die Meyers ihre Schützlinge stets im Doppel: Geteiltes Leid ist halbes Leid und gemeinsame Freude ist doppelt so groß.
Auch beruflich dominierte der Sport das Leben meines Gesprächspartners immer mehr: So wandte er sich der Qualifikation zum Sportlehrer zu, als hierfür interessierte Jugendliche gesucht wurden, wofür ihn ebenso sein Cousin Rudolf motivierte. Zwischen 1952 und 1954 studierte er in Chemnitz für den Abschluss Sportlehrer Mittelstufe und später, von 1963 bis 1967, an der Philosophischen Fakultät der PH Potsdam für den Oberstufenabschluss.
Parallel dazu ließ er als junger Sportlehrer an der Nordhäuser Diesterweg-Schule zahlreiche Kinder an seiner Begeisterung für die körperliche Bewegung teilhaben. Ab 1966 war Klaus Meyer hauptberuflich Kreisturnrat beim Rat des Kreises und damit für die Organisation des Sportunterrichts im Kreis ebenso verantwortlich (Erfüllung der Lehrpläne und Schulsportbauten), wie für den außerunterrichtlichen Sport.
Hierzu zählten Wettkämpfe aller Art, insbesondere auch die bekannten Kinder- und Jugendspartakiaden. Während der Sommermonate wirkte er im damaligen Ferienobjekt des Rates des Kreises, Repente im damaligen Bezirk Potsdam, ebenso wie seine Frau als Rettungsschwimmer. Auch den dortigen Tennisplatz, ja das gesamte ‚Freizeitsystem‘ des beliebten Ferienobjektes baute er mit auf. Durch seine Position als Kreisturnrat war Klaus Meyer automatisch auch Mitglied des DTSB-Kreisvorstandes und wurde zum Vizepräsidenten des Kreissportbundes gewählt.
Auf Grund dieser Funktionen sei er auch um eine SED-Mitgliedschaft nicht herumgekommen. ‘Sonst kannst Du den Kreisturnrat vergessen‘, wurde mir gesagt. Ich wollte aber diese Position keinesfalls verlieren. Die Arbeit bereitete mir viel zu große Freude und die Sportlehrer wussten, dass ich hinter ihnen stand, bekräftigt er. Ein wichtiges Anliegen war ihm das Durchsetzen der Schulsportbauten beim Rat des Kreises. Und er beklagt rückblickend, dass es ihm nicht gelang, der damaligen EOS Wilhelm von Humboldt sowie der POS Ellrich eine ausreichend große Turnhalle zu ermöglichen.
Zu den Verdiensten von Klaus Meyer gehört übrigens auch der Aufbau des gesamten Schwimmunterrichts im Kreis Nordhausen während der DDR-Zeit.
Als einer der ganz wenigen Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes des sozialistischen Nordhausens, durfte er auch nach 1989 bleiben: Im Zuge der Umstrukturierungen wurde seine Position von Kreisturnrat in Schulsportkoordinator umgewidmet. Als Sportlehrer sei man in der DDR relativ unpolitisch gewesen, sagt er. Dass er jedoch bleiben durfte, stieß manchem Geschassten sauer auf: So habe ihn ein früherer Genosse als angeblich früheren Parteisekretär des Rates des Kreises denunziert. Diese Funktion jedoch habe er tatsächlich nie bekleidet. 1992 ging Klaus Meyer in den Vorruhestand. Aus der Zeitung erfuhr er, dass das MfS jahrelang sein Telefon abgehört hatte. Zudem waren zwei Informelle Mitarbeiter (IMs) auf ihn angesetzt gewesen. Dies lag gewiss mit daran, dass er ebenso wie seine Ehefrau über zahlreiche Verwandte in der damaligen BRD und sogar in den USA verfügte und dass die beiden zahlreiche Freunde hatten, die eher zur Ablehnung der DDR neigten.
Zudem übte ich, wenn nötig, offen Kritik, sofern ich etwas zugunsten des Sports erreichen wollte. In meiner Stasiakte steht, dass ich ‚alles kritisch hinterfragen‘ würde, sagt er.
In den 90er Jahren zeigte sich bald, dass Klaus Meyer den Begriff Ruhestand nicht wörtlich nahm: Für eine private Akademie übernahm er Kurse auf dem Gebiet der Bewegungslehre und des Sports im Auftrag des Behindertenverbandes im Zuge der Erwachsenenqualifizierung (bis 2005) und leitet noch heute gemeinsam mit seiner Frau bewegungstherapeutische Übungen für ältere Menschen im Bad Lauterberger Schwimmbad. Neben dem Reha-Sport widmen sich Johanna und Klaus Meyer auch weiterhin, und wie schon seit rund 50 Jahren, dem Ski- und Tennistraining. Mit 60 bis 80 Skiaspiranten fahren sie hierzu auch heute noch ins schneesichere Tirol: Nach zwei bis drei Tagen stehen unsere Schützlinge fast immer ihre erste Abfahrt, sagt mein Gesprächspartner.
Doch mit alledem nicht genug. Seit 27 Jahren organisiert das nimmermüde Paar den Silvesterlauf durch das Wilde Hölzchen, den sie aber ab 2014 wohl wegen der besseren Wegeverhältnisse in das Gehege verlegen möchten.
Rückblickend auf sein erfülltes sportliches Leben muss Klaus Meyer aber leider auch einige Wermutstropfen verlieren: So beklagt er die mutwillige Zerstörung der einst mit viel Enthusiasmus von ihm und vielen Mitstreitern initiierten Abfahrtsskianlage im heutigen Naturschutzgebiet Brandesbachtal nach der Wende. Sie wurde einst mit Hilfe der IFA, der NOBAS und des VEB Schachtbaus errichtet. Und er konstatiert eine bedenkliche Entwicklung: Viele Kinder sind heute zu dick, zu ungelenkig und zu bequem. Sie wollen alles vorgesetzt bekommen und ihnen fehlt der sportliche Kampfgeist.
Zudem beklagt Klaus Meyer die Folgen der antiautoritären Erziehung nach 1989 und den heutigen Stellenwert des Schulsports: Er hat eindeutig an Prägnanz und an Einfluss verloren. So wird mitunter zu wenig Wert auf die athletische Grundausbildung gelegt, sagt er: Klettern, Hangeln, Klimmzüge und anderes spiele kaum noch eine Rolle.
Die Tochter von Johanna und Klaus Meyer heißt Sabine Hoffmann und ist Diplomlehrerin für Sport, Mathematik und Englisch an einer Nordhäuser Schule. Die von ihren Eltern einst etablierte Skischule wird heute von ihr geführt. Der Enkel meiner Gesprächspartner, Oliver Hoffmann, erwarb einen Bachelor in Internationaler Wirtschaft und lebt gegenwärtig in Berlin.
Und was wünschen sich die beiden Nordhäuser Sportenthusiasten für die Zukunft? Wir möchten das von uns Aufgebaute möglichst erhalten und selbst noch viele schöne Stunden bei der sportlichen Betätigung in einer tollen Gemeinschaft erleben, sagt Klaus Meyer.
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Autor: redKlaus Meyer
ehemaliger Kreisturnratehemaliger Vorsitzender des Nordhäuser Sportvereins Schwarz Gold
99734 Nordhausen
Gemeinsam mit anderen Sportfreunden Sport zu treiben, das bedeutet Glück, Freude und Erleben. Das kann uns niemand ersetzen", sagt Klaus Meyer und schließt in diese Worte ausdrücklich seine Ehefrau Johanna mit ein, mit der er gemeinsam die Entwicklung zahlreicher Sportarten in Stadt und Kreis Nordhausen jahrzehntelang prägte und noch immer mit prägt. Vielen Menschen brachten sie insbesondere das Tennisspielen und das Skifahren sowie das Schwimmen nahe, und die Freizeit hunderter Familien würde sich gewiss bewegungsärmer gestalten, wenn sie nie auf die beiden Nordhäuser gestoßen wären.
Klaus Meyer (geb. am 04.03.1934 in Nordhausen) hat sowohl im hauptberuflichen, als auch im ehrenamtlich-privaten Bereich wesentlich zur Entwicklung des Sports in unserer Region beigetragen. Und er selbst fand schon als Kind eine ungebrochene Begeisterung darin, sich auszuprobieren und zusammen mit anderen sportbegeisterten Kindern das Trauma des Krieges durch körperliche Bewegung zu bewältigen.
Noch zum Zeitpunkt der Anwesenheit amerikanischer Besatzungstruppen öffnete das Nordhäuser Hallenbad erstmals wieder seine Pforten und Klaus Meyer und sein Cousin Rudolf Mayer nutzten dies, um im Schwimmverein des heutigen Badehauses aktiv zu werden. Mein Cousin zog mich gewissermaßen in diese Gruppe hinein. Ich wurde förmlich vom ‚Sportvirus‘ infiziert, sagt er. Aber beim Schwimmen blieb es nicht: Die Gruppe probierte eine Menge aus:
So spielte sie mit anderen Jugendlichen in der Wilhelm-Rabe- und in der Steinstraße Fuß- und Schlagball, in der damaligen Gießerei Mosebach (ebenfalls Steinstraße) traten sie einer dort trainierenden Turngruppe bei und kamen über das Nordhäuser Bad 1947 zum Wasserball. Aber damit war es noch nicht genug: In der Sporthochburg Salza fanden die Enthusiasten zum Handball und verliebten sich in das traditionell dort besonders gepflegte Ringen.
Bei dieser Sportart blieben einige von uns hängen. Wir hatten gute Leute an unserer Seite, die Ringergruppe vergrößerte und stabilisierte sich durch Kriegsheimkehrer zusehends und wir absolvierten ein intensives Training, denkt Klaus Meyer zurück. Und dies führte bei ihm zu ersten, größeren Erfolgen: Bis zu seinem Ausscheiden 1958 wurde er mehrfach Kreismeister und einmal sogar 6. bei den DDR-Meisterschaften, jeweils im griechisch-römischen Stil.
Eine ganz besondere, seit über 50 Jahren währende und bis heute andauernde Ära hatte für ihn jedoch bereits 1960 im Tennissport ihren Anfang genommen: Als Mitglied der damaligen BSG Motor-West. Seit 1963 ist er auf diesem Gebiet, ebenso wie Ehefrau Johanna, Übungsleiter für das Training von Menschen aller Altersgruppen. Parallel dazu brachte er bei Lok Nordhausen schon damals jungen Menschen auch das Schwimmen nahe und während der Wintermonate zusätzlich noch das Skifahren.
Seit 1963 war er Vorsitzender des Kreisfachausschusses Ski. Tennis, Schwimmen und Ski: Diese drei Sportarten sollten zu den Grundsäulen seines weiteren Lebens und für jenes seiner Ehefrau werden. Ohne meine Frau Johanna hätte ich mich alldem niemals so intensiv widmen können. Wir beide zogen stets an demselben Strang und brachten uns aktiv ein. Und: Die Gemeinschaften und Freundschaften, die während dieser Zeit vor allem im Tennis wuchsen, haben zum Teil bis heute Bestand. Das gemeinsame Erleben machte sie so stabil, sagt er.
Johanna Meyer ist ebenfalls studierte Sportlehrerin. Sie arbeitete 30 Jahre lang als Sporttherapeutin in der Nordhäuser Nervenklinik. Im Turnen und im Tennis war sie bei den Senioren mehrfache Landesmeisterin. Johanna und Klaus Meyer bildeten bis zur Wende auch zahlreiche Sportlehrer zu Skilehrern aus: Viele von ihnen denken noch heute sehr gern an die erlebnis- und schaffensreichen Tage im tschechischen Benecko (Riesengebirge) zurück. Bis heute führen die beiden übrigens eine Skischule. Auch Johanna Meyer ist zertifizierte Ski- und Tennislehrerin. Den Umfang des Trainings zu bewältigen, sei ohne sie nie möglich gewesen, wird Johanna Meyer von ihrem Mann gelobt.
Unser Anliegen ist es, das technische Können für Ski und Tennis auf eine freudvolle, entspannte und erlebnisreiche Art zu vermitteln, erklärt er. Viele ihrer früheren Schüler sind den beiden Sportarten bis ins Alter treu geblieben. Und das Paar ist stolz darauf, ganze Familien vom Ski- und vom Tennissport begeistert zu haben. Frühere Schüler wurden irgendwann Eltern und brachten ihre Kinder mit auf den Tennisplatz. Dort erfuhren sie solch wichtige Verhaltensweisen wie Fairness und Respekt. Sie lernten mit Sieg und Niederlage umzugehen, sagt mein Gesprächspartner. Um gerade letzteres ein wenig abzufedern, trainierten die Meyers ihre Schützlinge stets im Doppel: Geteiltes Leid ist halbes Leid und gemeinsame Freude ist doppelt so groß.
Auch beruflich dominierte der Sport das Leben meines Gesprächspartners immer mehr: So wandte er sich der Qualifikation zum Sportlehrer zu, als hierfür interessierte Jugendliche gesucht wurden, wofür ihn ebenso sein Cousin Rudolf motivierte. Zwischen 1952 und 1954 studierte er in Chemnitz für den Abschluss Sportlehrer Mittelstufe und später, von 1963 bis 1967, an der Philosophischen Fakultät der PH Potsdam für den Oberstufenabschluss.
Parallel dazu ließ er als junger Sportlehrer an der Nordhäuser Diesterweg-Schule zahlreiche Kinder an seiner Begeisterung für die körperliche Bewegung teilhaben. Ab 1966 war Klaus Meyer hauptberuflich Kreisturnrat beim Rat des Kreises und damit für die Organisation des Sportunterrichts im Kreis ebenso verantwortlich (Erfüllung der Lehrpläne und Schulsportbauten), wie für den außerunterrichtlichen Sport.
Hierzu zählten Wettkämpfe aller Art, insbesondere auch die bekannten Kinder- und Jugendspartakiaden. Während der Sommermonate wirkte er im damaligen Ferienobjekt des Rates des Kreises, Repente im damaligen Bezirk Potsdam, ebenso wie seine Frau als Rettungsschwimmer. Auch den dortigen Tennisplatz, ja das gesamte ‚Freizeitsystem‘ des beliebten Ferienobjektes baute er mit auf. Durch seine Position als Kreisturnrat war Klaus Meyer automatisch auch Mitglied des DTSB-Kreisvorstandes und wurde zum Vizepräsidenten des Kreissportbundes gewählt.
Auf Grund dieser Funktionen sei er auch um eine SED-Mitgliedschaft nicht herumgekommen. ‘Sonst kannst Du den Kreisturnrat vergessen‘, wurde mir gesagt. Ich wollte aber diese Position keinesfalls verlieren. Die Arbeit bereitete mir viel zu große Freude und die Sportlehrer wussten, dass ich hinter ihnen stand, bekräftigt er. Ein wichtiges Anliegen war ihm das Durchsetzen der Schulsportbauten beim Rat des Kreises. Und er beklagt rückblickend, dass es ihm nicht gelang, der damaligen EOS Wilhelm von Humboldt sowie der POS Ellrich eine ausreichend große Turnhalle zu ermöglichen.
Zu den Verdiensten von Klaus Meyer gehört übrigens auch der Aufbau des gesamten Schwimmunterrichts im Kreis Nordhausen während der DDR-Zeit.
Als einer der ganz wenigen Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes des sozialistischen Nordhausens, durfte er auch nach 1989 bleiben: Im Zuge der Umstrukturierungen wurde seine Position von Kreisturnrat in Schulsportkoordinator umgewidmet. Als Sportlehrer sei man in der DDR relativ unpolitisch gewesen, sagt er. Dass er jedoch bleiben durfte, stieß manchem Geschassten sauer auf: So habe ihn ein früherer Genosse als angeblich früheren Parteisekretär des Rates des Kreises denunziert. Diese Funktion jedoch habe er tatsächlich nie bekleidet. 1992 ging Klaus Meyer in den Vorruhestand. Aus der Zeitung erfuhr er, dass das MfS jahrelang sein Telefon abgehört hatte. Zudem waren zwei Informelle Mitarbeiter (IMs) auf ihn angesetzt gewesen. Dies lag gewiss mit daran, dass er ebenso wie seine Ehefrau über zahlreiche Verwandte in der damaligen BRD und sogar in den USA verfügte und dass die beiden zahlreiche Freunde hatten, die eher zur Ablehnung der DDR neigten.
Zudem übte ich, wenn nötig, offen Kritik, sofern ich etwas zugunsten des Sports erreichen wollte. In meiner Stasiakte steht, dass ich ‚alles kritisch hinterfragen‘ würde, sagt er.
In den 90er Jahren zeigte sich bald, dass Klaus Meyer den Begriff Ruhestand nicht wörtlich nahm: Für eine private Akademie übernahm er Kurse auf dem Gebiet der Bewegungslehre und des Sports im Auftrag des Behindertenverbandes im Zuge der Erwachsenenqualifizierung (bis 2005) und leitet noch heute gemeinsam mit seiner Frau bewegungstherapeutische Übungen für ältere Menschen im Bad Lauterberger Schwimmbad. Neben dem Reha-Sport widmen sich Johanna und Klaus Meyer auch weiterhin, und wie schon seit rund 50 Jahren, dem Ski- und Tennistraining. Mit 60 bis 80 Skiaspiranten fahren sie hierzu auch heute noch ins schneesichere Tirol: Nach zwei bis drei Tagen stehen unsere Schützlinge fast immer ihre erste Abfahrt, sagt mein Gesprächspartner.
Doch mit alledem nicht genug. Seit 27 Jahren organisiert das nimmermüde Paar den Silvesterlauf durch das Wilde Hölzchen, den sie aber ab 2014 wohl wegen der besseren Wegeverhältnisse in das Gehege verlegen möchten.
Rückblickend auf sein erfülltes sportliches Leben muss Klaus Meyer aber leider auch einige Wermutstropfen verlieren: So beklagt er die mutwillige Zerstörung der einst mit viel Enthusiasmus von ihm und vielen Mitstreitern initiierten Abfahrtsskianlage im heutigen Naturschutzgebiet Brandesbachtal nach der Wende. Sie wurde einst mit Hilfe der IFA, der NOBAS und des VEB Schachtbaus errichtet. Und er konstatiert eine bedenkliche Entwicklung: Viele Kinder sind heute zu dick, zu ungelenkig und zu bequem. Sie wollen alles vorgesetzt bekommen und ihnen fehlt der sportliche Kampfgeist.
Zudem beklagt Klaus Meyer die Folgen der antiautoritären Erziehung nach 1989 und den heutigen Stellenwert des Schulsports: Er hat eindeutig an Prägnanz und an Einfluss verloren. So wird mitunter zu wenig Wert auf die athletische Grundausbildung gelegt, sagt er: Klettern, Hangeln, Klimmzüge und anderes spiele kaum noch eine Rolle.
Die Tochter von Johanna und Klaus Meyer heißt Sabine Hoffmann und ist Diplomlehrerin für Sport, Mathematik und Englisch an einer Nordhäuser Schule. Die von ihren Eltern einst etablierte Skischule wird heute von ihr geführt. Der Enkel meiner Gesprächspartner, Oliver Hoffmann, erwarb einen Bachelor in Internationaler Wirtschaft und lebt gegenwärtig in Berlin.
Und was wünschen sich die beiden Nordhäuser Sportenthusiasten für die Zukunft? Wir möchten das von uns Aufgebaute möglichst erhalten und selbst noch viele schöne Stunden bei der sportlichen Betätigung in einer tollen Gemeinschaft erleben, sagt Klaus Meyer.
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