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Fr, 20:33 Uhr
23.11.2012

Kulturgeschichte vorgestellt

Der Nordhäuser Stadtarchivar Dr. Wolfram Theilemann hat Jahre in Rumäniens Archiven gearbeitet und ist daher ein profunder Kenner der Geschichte des Landes im Allgemeinen und der Siebenbürger Sachsen im Besonderen. Dies stellte er kürzlich im Vortrag Die siebenbürgischen „Saxones“ und ihr Kulturerbe heute“ im Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein eindrucksvoll unter Beweis.

Kirchenburg Großau (Foto: Marc P. Schroeder) Kirchenburg Großau (Foto: Marc P. Schroeder)
Siebenbürgen oder Transsilvanien, rumänischArdeal oder Transilvania nach lateinisch Transsilvania (etwa: „Gebiet jenseits der Wälder“), ungarisch Erdély, ist ein historisches und geografisches Gebiet im südlichen Karpatenraum mit einer wechselvollen Geschichte. Heute liegt Siebenbürgen im Zentrum Rumäniens. Die Herkunft des deutschen Siebenbürgen ist nicht abschließend geklärt. Vermutungen gehen dahin, ihn auf die sieben von deutschen Siedlern (den iebenbürger Sachsen zurückzuführen Kronstadt, Schäßburg, Mediasch, Hermannsstadt, Mühlbach, Bistritz und Klausenburg).

Die damit verbundenen Stühle (ung. szék, Einheiten der eigenen Gerichtsbarkeit – jeder Stuhl besaß einen Königsrichter, der alleine dem ungarischen König unterstellt war) sind möglicherweise Teil der Namensgebung. In deutscher Niederschrift heißt es Ende des 13. Jh. erstmals Siebenbürgen und bezeichnete damals nur den Bereich der Sieben Stühle als administrative Einheiten oder Gebietskörperschaften der Hermannstädter Provinz. Erst später hat sich der Begriff räumlich erweitert und umfasste schließlich denselben Raum wie Ardeal und Erdély.

Nach einen kurzen Exkurs auf die 30 Weltkulturerbestätten, die es derzeit in Rumänien gibt - darunter zahlreiche wohlbefestigte „Kirchenburgen” – beschrieb Dr. Theilemann zunächst die aktuelle Situation der Rumäniendeutschen, namentlich einer ihrer traditionell stärksten Formationen, der „Siebenbürger Sachsen”.

„Die heutige Situation der „Siebenbürger Sachsen“ ist ablesbar insbesondere an der Ev. Kirche A.B. in Rumänien, der traditionellen Kirche der deutschsprachigen Evangelisch-Lutherischen in Rumänien. Noch in den 1920er Jahren 365.000 Mitglieder in ganz Rumänien zählend, wurde sie durch die Schocks des Zweiten Weltkriegs und eine Massenauswanderung nach 1989/1990 - bereits schleichend vorher eingeleitet - auf heute knapp 13.000 Gemeindeglieder auf dem Territorium ganz Rumäniens reduziert. Trotz ihrer Kleinheit und allen damit verbundenen Nöten hat die Minderheit eine nicht unbedeutende politische Funktion, enorme kulturelle Verantwortung, ein reiches Kulturerbe und erregt im In- und Ausland nach wie vor viel Interesse und Engagement“, führte der Stadtarchivar aus und ging anschließend aus die wechselvolle Historie Siebenbürger „Saxones“ ein, die vor fast 900 Jahren begann.

Aus dem Westen des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation stammenden Siedler kamen ab 1150 ins damals ungarische Siebenbürgen. Nur die durch von eigenständiger Siedlerkirche, persönlicher Freiheit und Steuerprivilegien der Bauern und Stadtbürger, den ihnen verliehenen und selbstverwalteten „Königsboden” und immer wieder hereinbrechende Bedrohung von außen (Mongolen, Osmanen, Tataren) geprägte Geschichte lässt verstehen, wieso im inneren Hochland des Karpatenbogen eine solche Fülle von historischen Kulturdenkmalen der „Siebenbürger Sachsen” aus Mittelalter und früher Neuzeit, eine weltweit einzigartige Dichte von stark und wohlausgebauten „Kirchenburgen” und Zeugnisse vielfältigster Koexistenz mit der rumänischen Mehrheitsbevölkerung, aber auch Ungarn, Roma u. v. a. zustande kamen.

„Besonders in den über 140 klassischen Kirchenburgen der Ev. Kirche A.B. in Rumänien, aber auch dank ihren heute funktionierenden zentralen Kulturinstitutionen ist ein ungewöhnlich reichhaltiges Erbe dieser, dem deutschsprachig-lateinischen Kulturkreis eng verbundenen, Minderheitengruppe inmitten von ebenso faszinierender rumänisch-orthodoxer oder auch agiler auslandsungarischer Nachbarkulturen erhalten geblieben. Diese oft urwüchsig anmutende, tatsächlich multiethnisch trainierte Kulturlandschaft - vom Ersten und Zweiten Weltkrieg im Unterschied zu Mitteleuropa weitgehend verschont - ist derzeit massiv im Wandel.

Das Kulturerbe generell ist heute massiv bedroht, u. a. durch Auswanderung, Armut und Wirtschaftswachstum, Identitätsverluste und chronisch fehlende Mittel. Dennoch gibt es auch im Kulturerbesektor in Siebenbürgen wie auch bei den orthodoxen Moldauklöstern zahlreiche Initiativen, Hoffnungszeichen, beeindruckende Sicherungs- und Rettungsmaßnahmen und gelungene Präsentationslösungen. Ein Besuch in der Bukowina, Bukarest, Temeswar oder eben auch in Sibiu/Hermannstadt, Kronstadt, Viscri/Deutsch-Weißkirch oder Schässburg wird es erweisen“, so Wolfram G. Theilemann in seinem sehr interessanten und kurzweiligen Vortrag im überfüllten großen Saal des Vereinshauses „Thomas Mann“.
Rainer Hellberg
Autor: rh

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