Mi, 09:14 Uhr
14.01.2004
nnz-doku: Viel geschafft, viel zu tun
Nordhausen (nnz). Zum traditionellen Neujahrsempfang der Stadt Nordhausen hielt Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) ein von den Zuhörern viel beachtete Rede. Die nnz veröffentlicht den Wortlauf in ihrer doku-Reihe.
Vor zwei Wochen haben wir das Jahr 2004 mit einem großen Barockfeuerwerk begrüßt. Ich war unter den Feiernden auf dem Theaterplatz und da war es plötzlich zu spüren: Die Vorfreude auf dieses besondere Jahr, gespannte Erwartungen und eine freudige Stimmungslage. Im Getümmel der vielen Feiernden – es sollen 10.000 gewesen sein – wurden Glückwünsche ausgetauscht. Die Menschen fielen sich in die Arme. Auch Leute, die sich gar nicht kannten, sagten plötzlich Du zueinander und es kam das Gefühl eines großen Familienfestes auf. Gesundes neues Jahr, vor allem Gesundheit, alles andere kommt von selbst – so lauteten die freundlichen Wünsche. Auch ich wünsche Ihnen heute ein gutes neues Jahr, aber vor allem ein frohes, ein fröhliches Jahr, denn ich behaupte umgekehrt – nur wenn man fröhlich an sein Tagwerk geht, kommt vieles andere von selbst.
Meine sehr geehrten Herren und Damen,
die Bundesrepublik Deutschland ist immer noch eines der reichsten Länder dieser Erde. Daran ändern auch 4 Millionen Arbeitslose, 2,7 Millionen Sozialhilfeempfänger und ein geringes Wirtschaftswachstum nichts. Der Mehrheit der Deutschen geht es wirtschaftlich gut. Aber viele beginnen ihren Tag eben nicht fröhlich, sondern fühlen sich müde und ausgelaugt, empfinden ihren Alltag als ernorme Belastung, den man freudlos abspult. Was der amerikanische Psychologe Paul Pearsall mit Blick auf die amerikanische Gesellschaft formuliert, scheint auch auf uns Deutsche zuzutreffen: Viele Menschen kennen nur zwei Zustände – sie sind entweder müde und gelangweilt oder gestresst und kaputt.
Er stellt eine unbestimmte Traurigkeit inmitten des Wohlstandes fest. Eine Traurigkeit, die in der Regel nicht durch eine existenzielle Sorge ausgelöst wird, sondern durch einen tiefgreifenden Verlust an Lebensfreude. Wenn die Leichtigkeit des Seins abhanden gekommen ist, färbt sich der Alltag grau. Chronische Müdigkeit, Beklemmungen, Zeitstress, zwanghaftes Konsumieren, Gefühle der Orientierungslosigkeit und Überforderung, Konkurrenzdenken und Neid und eine zynische Einstellung anderen gegenüber sind die Hauptsymptome von Menschen, in deren Leben es zu wenig positive Momente gibt. Das Freude-Mangel-Syndrom nennt es inzwischen die Wissenschaft und bezeichnet diese anhaltende Unzufriedenheit als die neue Seuche der westlichen Gesellschaften.
Negative Gefühle schwächen auf Dauer das Immunsystem. Sie machen krank. Das ist inzwischen durch alle Statistiken belegbar. Und so wie das auf jeden einzelnen zutrifft, so trifft es eben auch für ein ganzes Land oder eine Gesellschaft zu. Ich frage mich schon, ob wir als Deutsche überhaupt noch fähig sind, uns an dem zu freuen, was wir erreicht haben und was uns zugefallen ist. Wir sehen von den zwei Seiten einer jeden Medaille derzeitig immer nur die dunkle, die Unsicherheit und Pessimismus verbreitet.
So freut sich z. B. Europa über den starken Euro, nur in Deutschland werden in erster Linie die bedenklichen Auswirkungen für den Außenhandel gesehen. Wir sind in der Gefahr, in einen Strudel der Freudlosigkeit hineinzugeraten. Im öffentlichen Leben prägen die Bedenkenträger, die Besserwisser, die Pessimisten und die Distanzierten die Meinung, wie man allsonntagabends bei Christiansen vorgeführt bekommt. Politik und Wirtschaft sind Teil des Showbusiness geworden. Das Leben in der westlichen Welt droht zum Varietee zu verkommen, wo aus Bürgern nur noch Zuschauer werden. Diesem Sog müssen wir etwas entgegensetzen. Aber nur mit einer positiven Grundhaltung lässt sich die Kraft aufbringen, etwas zu verändern, etwas neues zu schaffen.
Die Erfahrungen werden Sie, meine sehr geehrten Herrn und Damen, alle selbst in Ihren Unternehmen gemacht haben. Der Wunsch nach Veränderung ist groß und Veränderung ist dringend nötig. Das erwarten die 4 Millionen Arbeitslosen und die 2,7 Millionen Sozialhilfeempfänger von den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, in Bildung und Verwaltung. Aber spätestens dann, wenn es ans Eingemachte geht, erweisen sich die wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass-Vorschläge als Irrweg. Veränderung erfordert Energie, Anstrengung und Aufmerksamkeit. Veränderung erfordert Mut, Ausdauer und eine hohe Frustrationstoleranz. Und Veränderung fordert ein Ziel: Ein Wohin. Ich vermute die unbestimmte Traurigkeit rührt auch daher, dass dieses Wohin so verschwommen ist.
Die Vision - oder schlichter formuliert: Das Ziel - ist in Vergessenheit geraten. Dabei haben es unsere Mütter und Väter im Grundgesetz so eindrücklich formuliert. Wenn wir uns diese Werte wieder vor Augen halten, wird es uns leichter fallen, mit positivem Elan die Veränderungen anzupacken. Wer sich verändern will, lebt oft über längere Zeit in einem Niemandsland zwischen dem nicht mehr und dem noch nicht. Alt vertrautes muss losgelassen werden, das Neue hat noch keine festen Konturen angenommen. Vielleicht ist so der Zustand, in dem wir uns gegenwärtig befinden, am ehesten zu beschreiben. Dieser Zustand ist nicht leicht auszuhalten, wie schon der französische Schriftsteller Anatole France wusste: Allen Veränderungen, selbst jenen, die wir ersehnt haben, haftet etwas melancholisches an, denn wir lassen einen Teil von uns selbst zurück, ehe wir etwas neues gewinnen.
Das galt und gilt insbesondere auch für das lokale Handeln hier in Nordhausen. Das Jahr 2003 hat wie kein anderes in den letzten Jahrzehnten unser Stadtgesicht verändert und damit auch unsere Lebensgewohnheiten und unsere Sichtweisen. Wir - und damit meine ich alle, die an diesem Stadtumbau in irgendeiner Weise beteiligt waren, hatten ein gemeinsames Ziel – eine Vision. Im Jahre 2004 sollte sich unsere Stadt mit Hilfe des Leitprojektes Landesgartenschau liebenswerter und lebenswerter präsentieren und gut aufgestellt für die Zukunft sein. Die Bruchstücke aus altem im Krieg nicht zerstörten, zu DDR-Zeiten unter schwierigen Bedingungen wieder erbautem mit modernem zu verbinden und gleichzeitig die über tausendjährige Geschichte unserer Stadt wieder zum Leuchten zu bringen, war eine große Herausforderung, eine wunderbare Aufgabe, die wir mit Lust und Freude angegangen sind.
Die Mühen der Ebene verlangten Durchsetzungsvermögen und Standhaftigkeit sowie ein gewissen zähes Dranbleiben. Ich glaube heute können wir behaupten: Es ist uns gelungen! Kritik und Selbstzweifel machen Freude und auch einem gewissen Stolz Platz. Wir haben es geschafft. Wir haben es pünktlich geschafft und wir haben es in den schwierigen finanziellen Spielräumen geschafft. Nordhausen ist bereit, schöner und vitaler denn je können wir die vielen tausend Gäste empfangen, die Nordhausen erleben werden. Mit 4.850 verkauften Tickets hat der Dauerkartenverkauf schon jetzt unsere Erwartungen übertroffen. I
Im letzten Jahr sind nochmals 30 Millionen Euro vor allem in die städtische Infrastruktur geflossen. Auch 2003 haben wir trotz schwieriger Zeiten kräftig investiert. Wie immer waren es auch diesmal vor allem einheimische Firmen, die die anspruchsvollen Vorhaben umsetzten, unter denen ich den Bau der Zeppelinbrücke und der Bahnhofsbrücke angesichts der technologischen Herausforderung besonders erwähnen möchte. Schwerpunkte lagen aber auch in der Rautenstraße, der Uferstraße, entlang des Historischen Stadtrundganges, im Bereich der Altstadt sowie in Zusammenarbeit mit den Wohnungsbaugesellschaften in der Sanierung von Wohngebäuden und Wohnumfeld im Stadtzentrum. Dass wir dies mit Stolz verkünden können, ist auch das Verdienst vieler Menschen in der Stadt und Region, die außerhalb der lokalpolitischen Sphäre für das Projekt gearbeitet und es unterstützt haben.
Mein Dank gilt den mehr als 30 Unternehmen in Stadt und Region, die als Sponsoren oder Kooperationspartner rund 1,5 Millionen Euro an Sach- und Geldwerten zusammengebracht und sich damit zu ihrer Stadt bekannt haben: der Kreissparkasse, der Energieversorgung Nordhausen, dem Autohaus Peter, der Nordbrand Nordhausen GmbH, der Werbegemeinschaft der Südharzgalerie, dem Wasserverband und den Stadtwerken Nordhausen und der Kielholz und Rybicki GmbH. Regionale Unterstützung kam von der Zeitungsgruppe Thüringen und dem Mitteldeutschen Rundfunk, der Multicar Spezialfahrzeuge GmbH in Waltershausen, der Thüringer Tourismus GmbH, der Deutschen Bahn Regio AG in Erfurt, der Harzer Schmalspurbahnen GmbH und der Chrestensen Samen- und Pflanzenzucht GmbH aus Erfurt. Zu Dank verpflichtet sind wir auch den Ministerien des Freistaates Thüringen, die unser Großprojekt immer wohlwollend begleiten.
Nicht vergessen werden dürfen aber auch die vielen Nordhäuser Privatpersonen, Vereine, Interessengruppen, Verbände und Kirchen, die bei der Vorbereitung mitgearbeitet haben und sich bei der Gestaltung der Gartenschau noch einbringen werden. Sie haben uns immer wieder mit Ihren Ansprüchen und Hinweisen bedrängt, haben uns gefordert, kritisiert und begleitet und damit ihre Sichtweise und ihren Sachverstand als Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt eingebracht. Dabei haben sie ihren Teil geleistet, das Ereignis zu einem Erfolg werden zu lassen. Sie haben uns dabei geholfen, einzelne Aspekte unserer reichen Stadtgeschichte, die fast schon in Vergessenheit geraten schienen, wieder ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Dies schafft Identität mit der Stadt, dem unmittelbarsten Lebens- und Erlebnisraum der Menschen, und ist ein anderer Aspekt von Nachhaltigkeit, die bei allen Maßnahmen stets im Vordergrund stand.
Dass diese Identitätsstärkung gelungen ist, konnten wir eindrucksvoll im Frühling des vergangenen Jahres erleben: Die Einweihung des Rathausplatzes mit neuem Brunnen, an dem tausende Nordhäuser teil hatten, war für viele Menschen ein bewegender Moment. Das Heimatgefühl der Menschen hatte mitten in der Stadt wieder einen Ort gefunden, an dem es fassbar werden und gelebt werden kann.
Mein sehr geehrte Herren und Damen,
in den kommenden Wochen und Monaten ist es nun an uns, dafür Sorge zu tragen, dass für die vielen Gäste der Besuch tatsächlich zu einem Erlebnis wird. Wir werden uns als gute Gastgeber präsentieren. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sich die Menschen gern an uns erinnern und auch nach 2004 wiederkommen werden. Und wir werden uns auch als gastfreundliche Kulturregion präsentieren, denn die Landesgartenschau 2004 und die 2. Thüringer Landesausstellung ziehen alle Aufmerksamkeit auf den Norden Thüringens.
Neben der Landesgartenschau wird dieses Jahr hoffentlich einen weiteren Höhepunkt für uns bereithalten. Mit dem offiziellen Start der Kurbelwellen-Produktion der Firma feuer powertrain werden wir einen entscheidenden Schritt in die Zukunft tun. Nur mit der Neuansiedlung von Unternehmen wird es uns möglich sein, unser Profil als Industriestandort weiter zu stärken. Und so wird es möglich sein, dass Nordthüringen der Flucht von qualifizierten jungen Menschen etwas entgegenzusetzen hat. Wir wollen das in bewährter Weise auch weiterhin mit der Landesentwicklungsgesellschaft tun.
Wie in den Jahren zuvor sind auch 2003 wieder erhebliche Summen in die Schaffung eines ordentlichen Lern-Umfeldes für unsere Kinder geflossen: Es sind allein 2 Millionen Euro, die wir in einem Finanzierungsmodell mit unserer städtischen Wohnungsbaugesellschaft aus eigenen Kräften bereitgestellt haben. Hier würden wir uns für die Zukunft auch die Unterstützung des Landes Thüringen wünschen. Über Bildung darf nicht nur geredet werden. Die Ganztagsschulen müssen endlich kommen. Bei einem Bedarf von 4 Millionen Euro für eine Schule, wie die Käthe-Kollwitz-Schule, reichen eben 170.000 Euro nicht aus.
Sehr geehrte Herren und Damen – was kommt nach der Landesgartenschau?
Diese Frage beschäftigt uns nicht erst seit heute, sondern ist bereits in Teilen des Nachnutzungskonzeptes der Gartenschau mit angelegt. Darüber hinaus wird auch weiterhin gelten, was wir uns in der Vergangenheit auf die Fahnen geschrieben haben: Mit Freude und Elan die Zukunft gestalten. Natürlich muss es eine finanzielle Verschnaufpause geben, aber wir werden den starken Impuls, den Nordhausen in diesem Jahr erfahren wird, aufnehmen und fortführen. So werden wir mit dem Nordhäuser Kultursommer ein dauerhaftes Angebot schaffen.
Ein wesentliches Augenmerk wird auch weiterhin auf der Entwicklung des Industriegebiets in der Goldenen Aue liegen. In diesem Jahr werden sämtliche Planungen abgeschlossen sein. Die Forcierung des Industriegebietes steht dabei beispielhaft für die Konzentration aller Kräfte auf das Gelingen weiterer Wirtschaftsansiedlungen, für die Nordhausen mit seiner zentralen Lage, dem Arbeitskräfte- und Wissenspotential als Fachhochschul-Standort gute Voraussetzungen mitbringt. Die wirtschaftliche Basis in unserer Region muss breiter werden – das hat uns nicht zuletzt das vergangene Jahr gezeigt, als kurzzeitig die Gefahr bestand, mit Nordbrand oder der Nobas Betriebe zu verlieren, die zu den Stützpfeilern unserer Wirtschaft gehören.
Gerade auf diesem Gebiet müssen wir gewaltig Druck machen, dürfen nicht unnötig Zeit verstreichen lassen – denn bereits für 2006 deutet sich an , dass die Förderungsquoten für Ostdeutschland herunter gesetzt werden. Das bedeutet, dass die Verantwortlichen auf allen Ebenen und in allen Bereichen gemeinsam arbeiten müssen, um vernünftige Bedingungen für Investoren zu schaffen. So hat sich die Bearbeitungszeit im städtischen Bauordnungsamt durchschnittlich zu 2002 um 35 Tage verkürzt bei gleichzeitiger Reduzierung der Prüfingenieure.
Außerdem werden wir die Verwaltung weiter straffen, indem Ämter zusammengelegt werden. Im vor uns liegenden Jahr wird es für uns auch darum gehen, den Weg in Richtung Oberzentrum weiter zu verfolgen. In wenigen Tagen werden wir eine Kooperationsvereinbarung mit Sondershausen unterzeichnen, die beiden Kommunen mehr Gewicht verleihen wird. Dabei wird auch der weitere Ausbau der Verkehrsinfrastruktur eine wichtige Rolle spielen. In diesen Tagen sind erste Schritte für die Planung der West-Verkehrstangente eingeleitet worden. Wir werden mit Nachdruck den schnellen Ausbau der B4 in Richtung Erfurt einfordern.
Weiterhin ist es unser Ziel, die Planungen zum Flächennutzungsplan Ende des Jahres 2004 abzuschließen. Dabei bleibt es bei unserem bisherigen Weg. Eine Erweiterung unserer Stadt in die Fläche wird es über das bereits geplante nicht mehr geben. In diesem Zusammenhang stehen wir auch weiterhin einmütig für die Erhaltung und Bewahrung des Rüdigsdorfer Schweiz als europaweit einmaliges zu schützenden Naturgut. Auch in der Innenstadt wird es weitere Veränderungen geben: Wir werden den Bau der Unterführung in der Freiherr-vom-Stein-Straße vorbereiten, der noch einmal eine wesentliche Verkehrsentlastung für die Stadt bringen wird. Die SWG wird weiter in der Innenstadt sanieren. – Blöcke in der Rautenstraße, am Kornmarkt, eine Tiefgarage hinter dem Rathaus. Aktuelle Signale gibt es für den Bau des Einkaufszentrums am Pferdemarkt. Der Investor hat angedeutet, dass in nächster Zeit die ersten Verträge mit den Wohnungsbaugesellschaften geschlossen werden können und damit der Weg frei wird für den Abriss des unansehnlichen Polizeigebäudes.
Auch für die Beseitigung eines weiteren innerstädtischen Schandflecks sind die Aussichten gut. Die Entwicklung der Brachfläche an der Bäckerstraße wird ein Schwerpunkt der Altstadtsanierung in diesem Jahr. Wir werden die Flächen für einen Verkauf vorbereiten und dabei eine altstadtgerechte Bebauung und Nutzung zur Bedingung machen. Wir sind froh, dass sich auch weitere Teile der Stadt zum positiven gewandelt haben bzw. wandeln werden: Am Hohekreuzsportplatz z. B. sind inzwischen die unansehnlichen, leerstehenden Wohnhausruinen abgerissen worden. Auch unsere Stadteinfahrt an der B 80 aus Richtung Halle hat mit dem Rückbau der unattraktiven und leerstehenden Blocks dort optisch deutlich gewonnen.
Ebenfalls im Rahmen des Stadtumbau-Programms wird sich auch in Nordhausen Ost vieles verändern. Dort sind die ersten Wohnungssanierungen bereits im vollem Gange und voraussichtlich 2005 werden die ersten Neugestaltungen des Wohnumfeldes beginnen. Wir sind froh, dass wir bei diesem Prozess durch den Bürgerbeirat Nordhausen-Ost begleitet werden.
Einen deutlichen Impuls wird auch das Gebiet der Bielener Kiesteiche erfahren. Die Entwicklung eines Naherholungsgebietes dort steht ganz oben auf unserer Agenda. Z. Zt. Erarbeiten wir gemeinsam mit unseren Stadträten ein entsprechendes Konzept. Für den Bielener See sind die grundstücksmäßigen Voraussetzungen bereits geschaffen, da er sich in städtischem Eigentum befindet. Hier ist die Errichtung eines Campingplatzes in Vorbereitung.
Sehr geehrte Herren und Damen,
an vielen Stellen unserer Stadt ist in den letzten Jahren Neues entstanden. Dafür haben viele Menschen fleißig gearbeitet, ist viel Geld eingesetzt worden. Es ist nun an uns, das Geschaffene zu pflegen und mit Leben zu erfüllen. In wenigen Monaten stehen nicht nur Landtags- und Europa-, sondern auch die Wahlen für einen neuen Stadtrat an. Obwohl aufgrund der finanziellen Rahmenbedingungen die Spielräume eingeschränkt sind, macht gerade die Möglichkeit zum unmittelbaren Gestalten den Reiz kommunalpolitischen Engagements aus. Hier – relativ weit ab von parteipolitisch geprägten Auseinadersetzungen – kann man als Mandatsträger noch unmittelbar die Folgen einer Entscheidung sehen und muss für sie auch direkter als irgendwo im politischen Bereich gerade stehen.
Das ist ein besondere Herausforderung, für die auch gilt, was ich am Anfang gesagt habe: Das Ziel muss stimmen. Dazu sind Ausdauer, Kompromissfähigkeit und soziale Kompetenz gefragt – und mit dem notwendigen Schuss Fröhlichkeit lassen sich die Mühen des Sitzungsmarathons bewältigen.
Autor: nnzVor zwei Wochen haben wir das Jahr 2004 mit einem großen Barockfeuerwerk begrüßt. Ich war unter den Feiernden auf dem Theaterplatz und da war es plötzlich zu spüren: Die Vorfreude auf dieses besondere Jahr, gespannte Erwartungen und eine freudige Stimmungslage. Im Getümmel der vielen Feiernden – es sollen 10.000 gewesen sein – wurden Glückwünsche ausgetauscht. Die Menschen fielen sich in die Arme. Auch Leute, die sich gar nicht kannten, sagten plötzlich Du zueinander und es kam das Gefühl eines großen Familienfestes auf. Gesundes neues Jahr, vor allem Gesundheit, alles andere kommt von selbst – so lauteten die freundlichen Wünsche. Auch ich wünsche Ihnen heute ein gutes neues Jahr, aber vor allem ein frohes, ein fröhliches Jahr, denn ich behaupte umgekehrt – nur wenn man fröhlich an sein Tagwerk geht, kommt vieles andere von selbst.
Meine sehr geehrten Herren und Damen,
die Bundesrepublik Deutschland ist immer noch eines der reichsten Länder dieser Erde. Daran ändern auch 4 Millionen Arbeitslose, 2,7 Millionen Sozialhilfeempfänger und ein geringes Wirtschaftswachstum nichts. Der Mehrheit der Deutschen geht es wirtschaftlich gut. Aber viele beginnen ihren Tag eben nicht fröhlich, sondern fühlen sich müde und ausgelaugt, empfinden ihren Alltag als ernorme Belastung, den man freudlos abspult. Was der amerikanische Psychologe Paul Pearsall mit Blick auf die amerikanische Gesellschaft formuliert, scheint auch auf uns Deutsche zuzutreffen: Viele Menschen kennen nur zwei Zustände – sie sind entweder müde und gelangweilt oder gestresst und kaputt.
Er stellt eine unbestimmte Traurigkeit inmitten des Wohlstandes fest. Eine Traurigkeit, die in der Regel nicht durch eine existenzielle Sorge ausgelöst wird, sondern durch einen tiefgreifenden Verlust an Lebensfreude. Wenn die Leichtigkeit des Seins abhanden gekommen ist, färbt sich der Alltag grau. Chronische Müdigkeit, Beklemmungen, Zeitstress, zwanghaftes Konsumieren, Gefühle der Orientierungslosigkeit und Überforderung, Konkurrenzdenken und Neid und eine zynische Einstellung anderen gegenüber sind die Hauptsymptome von Menschen, in deren Leben es zu wenig positive Momente gibt. Das Freude-Mangel-Syndrom nennt es inzwischen die Wissenschaft und bezeichnet diese anhaltende Unzufriedenheit als die neue Seuche der westlichen Gesellschaften.
Negative Gefühle schwächen auf Dauer das Immunsystem. Sie machen krank. Das ist inzwischen durch alle Statistiken belegbar. Und so wie das auf jeden einzelnen zutrifft, so trifft es eben auch für ein ganzes Land oder eine Gesellschaft zu. Ich frage mich schon, ob wir als Deutsche überhaupt noch fähig sind, uns an dem zu freuen, was wir erreicht haben und was uns zugefallen ist. Wir sehen von den zwei Seiten einer jeden Medaille derzeitig immer nur die dunkle, die Unsicherheit und Pessimismus verbreitet.
So freut sich z. B. Europa über den starken Euro, nur in Deutschland werden in erster Linie die bedenklichen Auswirkungen für den Außenhandel gesehen. Wir sind in der Gefahr, in einen Strudel der Freudlosigkeit hineinzugeraten. Im öffentlichen Leben prägen die Bedenkenträger, die Besserwisser, die Pessimisten und die Distanzierten die Meinung, wie man allsonntagabends bei Christiansen vorgeführt bekommt. Politik und Wirtschaft sind Teil des Showbusiness geworden. Das Leben in der westlichen Welt droht zum Varietee zu verkommen, wo aus Bürgern nur noch Zuschauer werden. Diesem Sog müssen wir etwas entgegensetzen. Aber nur mit einer positiven Grundhaltung lässt sich die Kraft aufbringen, etwas zu verändern, etwas neues zu schaffen.
Die Erfahrungen werden Sie, meine sehr geehrten Herrn und Damen, alle selbst in Ihren Unternehmen gemacht haben. Der Wunsch nach Veränderung ist groß und Veränderung ist dringend nötig. Das erwarten die 4 Millionen Arbeitslosen und die 2,7 Millionen Sozialhilfeempfänger von den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, in Bildung und Verwaltung. Aber spätestens dann, wenn es ans Eingemachte geht, erweisen sich die wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass-Vorschläge als Irrweg. Veränderung erfordert Energie, Anstrengung und Aufmerksamkeit. Veränderung erfordert Mut, Ausdauer und eine hohe Frustrationstoleranz. Und Veränderung fordert ein Ziel: Ein Wohin. Ich vermute die unbestimmte Traurigkeit rührt auch daher, dass dieses Wohin so verschwommen ist.
Die Vision - oder schlichter formuliert: Das Ziel - ist in Vergessenheit geraten. Dabei haben es unsere Mütter und Väter im Grundgesetz so eindrücklich formuliert. Wenn wir uns diese Werte wieder vor Augen halten, wird es uns leichter fallen, mit positivem Elan die Veränderungen anzupacken. Wer sich verändern will, lebt oft über längere Zeit in einem Niemandsland zwischen dem nicht mehr und dem noch nicht. Alt vertrautes muss losgelassen werden, das Neue hat noch keine festen Konturen angenommen. Vielleicht ist so der Zustand, in dem wir uns gegenwärtig befinden, am ehesten zu beschreiben. Dieser Zustand ist nicht leicht auszuhalten, wie schon der französische Schriftsteller Anatole France wusste: Allen Veränderungen, selbst jenen, die wir ersehnt haben, haftet etwas melancholisches an, denn wir lassen einen Teil von uns selbst zurück, ehe wir etwas neues gewinnen.
Das galt und gilt insbesondere auch für das lokale Handeln hier in Nordhausen. Das Jahr 2003 hat wie kein anderes in den letzten Jahrzehnten unser Stadtgesicht verändert und damit auch unsere Lebensgewohnheiten und unsere Sichtweisen. Wir - und damit meine ich alle, die an diesem Stadtumbau in irgendeiner Weise beteiligt waren, hatten ein gemeinsames Ziel – eine Vision. Im Jahre 2004 sollte sich unsere Stadt mit Hilfe des Leitprojektes Landesgartenschau liebenswerter und lebenswerter präsentieren und gut aufgestellt für die Zukunft sein. Die Bruchstücke aus altem im Krieg nicht zerstörten, zu DDR-Zeiten unter schwierigen Bedingungen wieder erbautem mit modernem zu verbinden und gleichzeitig die über tausendjährige Geschichte unserer Stadt wieder zum Leuchten zu bringen, war eine große Herausforderung, eine wunderbare Aufgabe, die wir mit Lust und Freude angegangen sind.
Die Mühen der Ebene verlangten Durchsetzungsvermögen und Standhaftigkeit sowie ein gewissen zähes Dranbleiben. Ich glaube heute können wir behaupten: Es ist uns gelungen! Kritik und Selbstzweifel machen Freude und auch einem gewissen Stolz Platz. Wir haben es geschafft. Wir haben es pünktlich geschafft und wir haben es in den schwierigen finanziellen Spielräumen geschafft. Nordhausen ist bereit, schöner und vitaler denn je können wir die vielen tausend Gäste empfangen, die Nordhausen erleben werden. Mit 4.850 verkauften Tickets hat der Dauerkartenverkauf schon jetzt unsere Erwartungen übertroffen. I
Im letzten Jahr sind nochmals 30 Millionen Euro vor allem in die städtische Infrastruktur geflossen. Auch 2003 haben wir trotz schwieriger Zeiten kräftig investiert. Wie immer waren es auch diesmal vor allem einheimische Firmen, die die anspruchsvollen Vorhaben umsetzten, unter denen ich den Bau der Zeppelinbrücke und der Bahnhofsbrücke angesichts der technologischen Herausforderung besonders erwähnen möchte. Schwerpunkte lagen aber auch in der Rautenstraße, der Uferstraße, entlang des Historischen Stadtrundganges, im Bereich der Altstadt sowie in Zusammenarbeit mit den Wohnungsbaugesellschaften in der Sanierung von Wohngebäuden und Wohnumfeld im Stadtzentrum. Dass wir dies mit Stolz verkünden können, ist auch das Verdienst vieler Menschen in der Stadt und Region, die außerhalb der lokalpolitischen Sphäre für das Projekt gearbeitet und es unterstützt haben.
Mein Dank gilt den mehr als 30 Unternehmen in Stadt und Region, die als Sponsoren oder Kooperationspartner rund 1,5 Millionen Euro an Sach- und Geldwerten zusammengebracht und sich damit zu ihrer Stadt bekannt haben: der Kreissparkasse, der Energieversorgung Nordhausen, dem Autohaus Peter, der Nordbrand Nordhausen GmbH, der Werbegemeinschaft der Südharzgalerie, dem Wasserverband und den Stadtwerken Nordhausen und der Kielholz und Rybicki GmbH. Regionale Unterstützung kam von der Zeitungsgruppe Thüringen und dem Mitteldeutschen Rundfunk, der Multicar Spezialfahrzeuge GmbH in Waltershausen, der Thüringer Tourismus GmbH, der Deutschen Bahn Regio AG in Erfurt, der Harzer Schmalspurbahnen GmbH und der Chrestensen Samen- und Pflanzenzucht GmbH aus Erfurt. Zu Dank verpflichtet sind wir auch den Ministerien des Freistaates Thüringen, die unser Großprojekt immer wohlwollend begleiten.
Nicht vergessen werden dürfen aber auch die vielen Nordhäuser Privatpersonen, Vereine, Interessengruppen, Verbände und Kirchen, die bei der Vorbereitung mitgearbeitet haben und sich bei der Gestaltung der Gartenschau noch einbringen werden. Sie haben uns immer wieder mit Ihren Ansprüchen und Hinweisen bedrängt, haben uns gefordert, kritisiert und begleitet und damit ihre Sichtweise und ihren Sachverstand als Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt eingebracht. Dabei haben sie ihren Teil geleistet, das Ereignis zu einem Erfolg werden zu lassen. Sie haben uns dabei geholfen, einzelne Aspekte unserer reichen Stadtgeschichte, die fast schon in Vergessenheit geraten schienen, wieder ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Dies schafft Identität mit der Stadt, dem unmittelbarsten Lebens- und Erlebnisraum der Menschen, und ist ein anderer Aspekt von Nachhaltigkeit, die bei allen Maßnahmen stets im Vordergrund stand.
Dass diese Identitätsstärkung gelungen ist, konnten wir eindrucksvoll im Frühling des vergangenen Jahres erleben: Die Einweihung des Rathausplatzes mit neuem Brunnen, an dem tausende Nordhäuser teil hatten, war für viele Menschen ein bewegender Moment. Das Heimatgefühl der Menschen hatte mitten in der Stadt wieder einen Ort gefunden, an dem es fassbar werden und gelebt werden kann.
Mein sehr geehrte Herren und Damen,
in den kommenden Wochen und Monaten ist es nun an uns, dafür Sorge zu tragen, dass für die vielen Gäste der Besuch tatsächlich zu einem Erlebnis wird. Wir werden uns als gute Gastgeber präsentieren. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sich die Menschen gern an uns erinnern und auch nach 2004 wiederkommen werden. Und wir werden uns auch als gastfreundliche Kulturregion präsentieren, denn die Landesgartenschau 2004 und die 2. Thüringer Landesausstellung ziehen alle Aufmerksamkeit auf den Norden Thüringens.
Neben der Landesgartenschau wird dieses Jahr hoffentlich einen weiteren Höhepunkt für uns bereithalten. Mit dem offiziellen Start der Kurbelwellen-Produktion der Firma feuer powertrain werden wir einen entscheidenden Schritt in die Zukunft tun. Nur mit der Neuansiedlung von Unternehmen wird es uns möglich sein, unser Profil als Industriestandort weiter zu stärken. Und so wird es möglich sein, dass Nordthüringen der Flucht von qualifizierten jungen Menschen etwas entgegenzusetzen hat. Wir wollen das in bewährter Weise auch weiterhin mit der Landesentwicklungsgesellschaft tun.
Wie in den Jahren zuvor sind auch 2003 wieder erhebliche Summen in die Schaffung eines ordentlichen Lern-Umfeldes für unsere Kinder geflossen: Es sind allein 2 Millionen Euro, die wir in einem Finanzierungsmodell mit unserer städtischen Wohnungsbaugesellschaft aus eigenen Kräften bereitgestellt haben. Hier würden wir uns für die Zukunft auch die Unterstützung des Landes Thüringen wünschen. Über Bildung darf nicht nur geredet werden. Die Ganztagsschulen müssen endlich kommen. Bei einem Bedarf von 4 Millionen Euro für eine Schule, wie die Käthe-Kollwitz-Schule, reichen eben 170.000 Euro nicht aus.
Sehr geehrte Herren und Damen – was kommt nach der Landesgartenschau?
Diese Frage beschäftigt uns nicht erst seit heute, sondern ist bereits in Teilen des Nachnutzungskonzeptes der Gartenschau mit angelegt. Darüber hinaus wird auch weiterhin gelten, was wir uns in der Vergangenheit auf die Fahnen geschrieben haben: Mit Freude und Elan die Zukunft gestalten. Natürlich muss es eine finanzielle Verschnaufpause geben, aber wir werden den starken Impuls, den Nordhausen in diesem Jahr erfahren wird, aufnehmen und fortführen. So werden wir mit dem Nordhäuser Kultursommer ein dauerhaftes Angebot schaffen.
Ein wesentliches Augenmerk wird auch weiterhin auf der Entwicklung des Industriegebiets in der Goldenen Aue liegen. In diesem Jahr werden sämtliche Planungen abgeschlossen sein. Die Forcierung des Industriegebietes steht dabei beispielhaft für die Konzentration aller Kräfte auf das Gelingen weiterer Wirtschaftsansiedlungen, für die Nordhausen mit seiner zentralen Lage, dem Arbeitskräfte- und Wissenspotential als Fachhochschul-Standort gute Voraussetzungen mitbringt. Die wirtschaftliche Basis in unserer Region muss breiter werden – das hat uns nicht zuletzt das vergangene Jahr gezeigt, als kurzzeitig die Gefahr bestand, mit Nordbrand oder der Nobas Betriebe zu verlieren, die zu den Stützpfeilern unserer Wirtschaft gehören.
Gerade auf diesem Gebiet müssen wir gewaltig Druck machen, dürfen nicht unnötig Zeit verstreichen lassen – denn bereits für 2006 deutet sich an , dass die Förderungsquoten für Ostdeutschland herunter gesetzt werden. Das bedeutet, dass die Verantwortlichen auf allen Ebenen und in allen Bereichen gemeinsam arbeiten müssen, um vernünftige Bedingungen für Investoren zu schaffen. So hat sich die Bearbeitungszeit im städtischen Bauordnungsamt durchschnittlich zu 2002 um 35 Tage verkürzt bei gleichzeitiger Reduzierung der Prüfingenieure.
Außerdem werden wir die Verwaltung weiter straffen, indem Ämter zusammengelegt werden. Im vor uns liegenden Jahr wird es für uns auch darum gehen, den Weg in Richtung Oberzentrum weiter zu verfolgen. In wenigen Tagen werden wir eine Kooperationsvereinbarung mit Sondershausen unterzeichnen, die beiden Kommunen mehr Gewicht verleihen wird. Dabei wird auch der weitere Ausbau der Verkehrsinfrastruktur eine wichtige Rolle spielen. In diesen Tagen sind erste Schritte für die Planung der West-Verkehrstangente eingeleitet worden. Wir werden mit Nachdruck den schnellen Ausbau der B4 in Richtung Erfurt einfordern.
Weiterhin ist es unser Ziel, die Planungen zum Flächennutzungsplan Ende des Jahres 2004 abzuschließen. Dabei bleibt es bei unserem bisherigen Weg. Eine Erweiterung unserer Stadt in die Fläche wird es über das bereits geplante nicht mehr geben. In diesem Zusammenhang stehen wir auch weiterhin einmütig für die Erhaltung und Bewahrung des Rüdigsdorfer Schweiz als europaweit einmaliges zu schützenden Naturgut. Auch in der Innenstadt wird es weitere Veränderungen geben: Wir werden den Bau der Unterführung in der Freiherr-vom-Stein-Straße vorbereiten, der noch einmal eine wesentliche Verkehrsentlastung für die Stadt bringen wird. Die SWG wird weiter in der Innenstadt sanieren. – Blöcke in der Rautenstraße, am Kornmarkt, eine Tiefgarage hinter dem Rathaus. Aktuelle Signale gibt es für den Bau des Einkaufszentrums am Pferdemarkt. Der Investor hat angedeutet, dass in nächster Zeit die ersten Verträge mit den Wohnungsbaugesellschaften geschlossen werden können und damit der Weg frei wird für den Abriss des unansehnlichen Polizeigebäudes.
Auch für die Beseitigung eines weiteren innerstädtischen Schandflecks sind die Aussichten gut. Die Entwicklung der Brachfläche an der Bäckerstraße wird ein Schwerpunkt der Altstadtsanierung in diesem Jahr. Wir werden die Flächen für einen Verkauf vorbereiten und dabei eine altstadtgerechte Bebauung und Nutzung zur Bedingung machen. Wir sind froh, dass sich auch weitere Teile der Stadt zum positiven gewandelt haben bzw. wandeln werden: Am Hohekreuzsportplatz z. B. sind inzwischen die unansehnlichen, leerstehenden Wohnhausruinen abgerissen worden. Auch unsere Stadteinfahrt an der B 80 aus Richtung Halle hat mit dem Rückbau der unattraktiven und leerstehenden Blocks dort optisch deutlich gewonnen.
Ebenfalls im Rahmen des Stadtumbau-Programms wird sich auch in Nordhausen Ost vieles verändern. Dort sind die ersten Wohnungssanierungen bereits im vollem Gange und voraussichtlich 2005 werden die ersten Neugestaltungen des Wohnumfeldes beginnen. Wir sind froh, dass wir bei diesem Prozess durch den Bürgerbeirat Nordhausen-Ost begleitet werden.
Einen deutlichen Impuls wird auch das Gebiet der Bielener Kiesteiche erfahren. Die Entwicklung eines Naherholungsgebietes dort steht ganz oben auf unserer Agenda. Z. Zt. Erarbeiten wir gemeinsam mit unseren Stadträten ein entsprechendes Konzept. Für den Bielener See sind die grundstücksmäßigen Voraussetzungen bereits geschaffen, da er sich in städtischem Eigentum befindet. Hier ist die Errichtung eines Campingplatzes in Vorbereitung.
Sehr geehrte Herren und Damen,
an vielen Stellen unserer Stadt ist in den letzten Jahren Neues entstanden. Dafür haben viele Menschen fleißig gearbeitet, ist viel Geld eingesetzt worden. Es ist nun an uns, das Geschaffene zu pflegen und mit Leben zu erfüllen. In wenigen Monaten stehen nicht nur Landtags- und Europa-, sondern auch die Wahlen für einen neuen Stadtrat an. Obwohl aufgrund der finanziellen Rahmenbedingungen die Spielräume eingeschränkt sind, macht gerade die Möglichkeit zum unmittelbaren Gestalten den Reiz kommunalpolitischen Engagements aus. Hier – relativ weit ab von parteipolitisch geprägten Auseinadersetzungen – kann man als Mandatsträger noch unmittelbar die Folgen einer Entscheidung sehen und muss für sie auch direkter als irgendwo im politischen Bereich gerade stehen.
Das ist ein besondere Herausforderung, für die auch gilt, was ich am Anfang gesagt habe: Das Ziel muss stimmen. Dazu sind Ausdauer, Kompromissfähigkeit und soziale Kompetenz gefragt – und mit dem notwendigen Schuss Fröhlichkeit lassen sich die Mühen des Sitzungsmarathons bewältigen.

