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Fr, 08:04 Uhr
26.10.2012

Die Schneitelwirtschaft im Südharz

Auf dem gleichen Prinzip der wirtschaftlichen Nutzung des Wiederaustriebsvermögens auf den Stock gesetzter oder geköpfter Laubbaumarten beruhen die Niederwaldwirtschaft und die Schneitelung. Über die Schneitelwirtschaft im Südharz ein nnz-Gastbeitrag von Forstamtsleiter Klaus-Wilhelm Brüggemann...

Geschneitelte Weiden (Foto: Klaus-Wilhelm Brüggemann) Geschneitelte Weiden (Foto: Klaus-Wilhelm Brüggemann)

Der entscheidende Unterschied ist, der Niederwald, auch Stock-, Schlag- oder Ausschlagwald genannt, diente der Deckung des regelmäßigen Holzbedarfs in Form von Brenn- und Kohlholz, die Schneitelwirtschaft der Laubfuttergewinnung für das Vieh. Das Beschneiden der Waldbäume ist seit der Jungsteinzeit nachweisbar, es ist die Zeit des Übergangs von Jäger- und Sammlerkulturen zur Sesshaftigkeit mit domestizierten Nutztieren. Die erste Form der Laubgewinnung war das einfache Laubrupfen.

Bis ca. 1000 n.Chr. war eine Grasheuwirtschaft unbekannt. Die Holzung als Waldhude (Waldweide) war der Viehstall. Der Bestockungsgrad im Forst war gering, damit der Lichteinfall das Graswachstum begünstigt. Die locker verteilten Laubbäume auf der Fläche wurden in 2,00 bis 2,50 m Höhe geköpft. Der neue Austrieb von Kleinästen und Sommerlaub wurde in einem zwei- bis dreijährigen Turnus beschnitten, getrocknet und im Winter an die Tiere verfüttert.

Auf derselben Fläche wurde Sommer- und Winterfutter gewonnen. Diese forstliche Nebennutzung war bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland üblich. Im Südharz war im Schneitelwald vor allem die Hainbuche gebräuchlich, bei Einödhöfen, Einsiedeleien und im Alpenraum kamen u.a. die Gemeine Esche (Schafwelle) und die Ulme im Anbau hinzu. Die masttragenden Eichen und Buchen sind zum Schweineeintrieb (Eicheln- und Bucheckernfutter) geschont worden.

Ein Beispiel für die ehemals wichtige wirtschaftliche Nutzungsform ist ein Hainbuchen-schneitelhudewald des Stiftsforstes auf dem Dornberg bei Ilfeld. Dieser knapp eineinhalb Hektar große Bestand ist 1909 begründet worden und diente sehr wahrscheinlich der Domänenwirtschaft Königerode. Die zuständigen Stiftsförster ließen eine mehrmalige Köpfung in den 103 Jahren Bestandesalter durchführen, auch in der DDR-Zeit. Damit wurde ein kulturhistorisches Zeugnis heimischer Waldwirtschaft erhalten.

Die unnatürlich aussehenden Kopfbäume sind auch als Lach-, Mal-, Grenz- oder Zielbaum verwendet worden. Der Schneitelbaum stand neben einem Grenzstein oder einem Grenzgraben oder er markierte die Besitzgrenze selbst durch seine sichtbar andere Form. Ein Beispiel ist das Junkerholz unterhalb der Fischer-Antiquar-Eiche in der Gemarkung Krimderode. Besonders die Westgrenze des ehemaligen Gutswaldes kennzeichnen Hornlachbäume.

Das Foto zeigt die Grenzbäume vor dem längst überfälligen Abhieb der Äste (Foto: Klaus-Wilhelm Brüggemann)
Nichtgeschneitelte Kopfweiden bei Heringen (Foto: Klaus-Wilhelm Brüggemann)
Geschneitelte Kopfweiden bei Heringen (Foto: Klaus-Wilhelm Brüggemann)
Anders bei der Kopfweidenkultur, hier ist nicht die Laubnutzung, sondern die Holznutzung das Wirtschaftsziel. Die im Winter geschnittenen Weidenruten fanden auf Grund der Biegsamkeit als Binde- und Flechtmaterial Anwendung. Produkte, wie verschnürter Holzzaun, Körbe, Fachwerkfüllungen und Fischreusen sind kleinhandwerklich oder in bäuerlicher Selbstversorgung hergestellt worden. Ab dem Mittelalter sind die Kopfweiden vermehrt infolge des zunehmenden Holzhungers zur Brennholzgewinnung bewirtschaftet worden.

Holzordnungen begegneten dem Raubbau am Wald im sogenannten hölzernen Zeitalter. Teilweise wurden die forstlichen Sondernutzungen des Ausschlagwaldes in die Feldflur verlagert. Kopfweiden sind an Weihern, Bächen, Flüssen, Wegen und Weiden vereinzelt oder in Reihe kultiviert worden. Auch in der Goldenen Aue sind die Kopfweidenkulturen noch als prägendes Landschaftselement anzutreffen. Kopfweiden müssen regelmäßig geschneitelt und gepflegt werden. In der Gemarkung Heringen am Wirtschaftsweg in Richtung Eichental ist das durch die Landgemeinde vorbildlich geschehen.
Klaus-Wilhelm Brüggemann
Autor: psg

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