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So, 10:08 Uhr
21.10.2012

Armutsrisiko in Thüringen sinkt

Das Risiko für Kleinkinder, in Armut aufzuwachsen, ist im vergange­nen Jahr in Thüringen weiter gesunken. Das geht aus einer aktuellen Auswertung der Bertelsmann Stiftung hervor. Die absolute Zahl der Kinder unter drei Jahren in Bedarfsgemeinschaften verrin­gerte sich in diesem Zeitraum von 13.300 auf 11.700. Die Armutsquote in dieser Altersgruppe sank demnach im Vergleich zum Vorjahr von 25,5 auf 22,5 Prozent...


Thüringen ist damit nicht nur das ostdeutsche Bundesland mit der niedrigsten Armutsquote, es verzeichnet auch in den vergange­nen drei Jahren die stärkste Positiv-Entwicklung aller Bundesländer. Bundesweit liegt die Quote bei 18,2 Prozent.

Seit 2008 der Trend einsetzte, dass die Kinderarmutsquote bundesweit stetig sinkt, hat sich auch das Ost-West-Gefälle stark verringert. Im Osten hat sich die Kinderarmutsquote bei unter Dreijäh­rigen in diesem Zeitraum von 33,4 auf derzeit 25,5 Prozent reduziert. Im Westen verbesserte sie sich im selben Zeitraum von 18 auf aktuell 15,8 Prozent. Während Nordrhein-Westfalen als das westliche Flächenland mit der höchsten Armutsquote 2008 noch acht Prozentpunkte vor Thüringen als bestem östlichen Bundesland lag, ist der Abstand seitdem auf 1,1 Prozentpunkte geschrumpft.

Grafik (Foto: Bertelsmann Stiftung) Grafik (Foto: Bertelsmann Stiftung)

In Thüringen reduzierte sich seit 2008 das Armutsrisiko für Kleinkinder von 31 Prozent um mehr als ein Viertel. In keinem anderen Bundesland ist die Armutsquote anteilig so stark gesunken. Ebenfalls stark verringert hat sich die Quote auch in der Landeshauptstadt Erfurt – einer von 35 Städten mit mindestens 200.000 Einwohnern im Bundesgebiet, deren Zahlen die Stiftung geson­dert ausgewertet hat. In Erfurt wuchsen 2008 noch 40,9 Prozent der Kleinkinder in Bedarfsge­meinschaften auf, im vergangenen Jahr waren es 31,1 Prozent. Damit ist Erfurt eine von bundes­weit 14 Großstädten, in denen mehr als 30 Prozent der Kinder in Armut aufwachsen. Die Stadt mit der bundesweit höchsten Armutsquote bei Kleinkindern ist Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen). Dort wachsen 40,5 Prozent der unter Dreijährigen in Familien auf, die auf staatliche Grundsiche­rung angewiesen sind.

Innerhalb ein und derselben Stadt kann das Armutsgefälle durchaus erheblich höher sein als zwi­schen den Bundesländern und den Städten. Dies zeigt sich exemplarisch in den Städten Jena und Heilbronn (Baden-Württemberg), die den von der Bertelsmann Stiftung entwickelten Sozialraum­atlas KECK zur Betrachtung einzelner Stadtviertel nutzen. Die KECK-Analyse offenbart eklatante Unterschiede in den Lebensbedingungen der heranwachsenden Generation: In manchen Stadt­teilen liegt die Armutsquote von Kindern unter drei Jahren nur bei etwa 1,5 Prozent, in ande­ren bei über 35 Prozent. Die Auswertung des Sozialraumatlas soll in beiden Städten in ein Konzept münden, wie durch gezielte Angebote benachteiligte Stadtviertel gefördert werden können. Dabei wird Armut als einer von mehreren Faktoren betrachtet, die die Entwicklungschancen von Kindern stark beeinflussen.

Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, plädiert als Konsequenz aus den Ar­mutszahlen für eine bedarfsorientierte Verteilung der staatlichen Gelder: „Armut darf nicht in Chan­cenlosigkeit münden. Wo die Probleme größer sind, muss auch mehr Geld für gute Kitas und ge­zielte Förderung des Wohnumfeldes investiert werden. Gerade die frühkindliche Phase ist ent­scheidend für die Entwicklung eines Kindes.“

Die Bertelsmann Stiftung liefert in ihrem KECK-Atlas alle relevanten Daten zur Lebenswelt von Kindern, gebündelt und grafisch aufbereitet. Im Internet ist abrufbar, welche Entwicklungschancen Kinder in Deutschland haben. Der KECK-Atlas auf Sozialraumebene bietet allen Kommunen die Möglichkeit, kostenlos ihre eigene kleinräumige Sozialberichterstattung aufzubauen. Weitere In­formationen finden Sie unter www.keck-atlas.de.

Definition Kinderarmut: Grundlage der Analyse der Bertelsmann Stiftung ist die Definition, dass Kinder als arm gelten, die in Familien mit Bezug sozialstaatlicher Grundsicherungsleistungen (SGB-II-Bezug) aufwachsen. Alternativ ist Kinderarmut auf Basis des Nettoäquivalenzeinkommens von Familien quantifizierbar. Beide Ansätze treffen jedoch keine Aussage zu regionalen Unter­schieden aufgrund von Einkommensniveau und Mietkosten, dem größten Ausgabeposten privater Haushalte. Die Bertelsmann Stiftung arbeitet derzeit an einer Studie, die die Armutsgefährdung in Relation zur regionalen Einkommenssituation von Familien und zu lokal variierenden finanziellen Aufwendungen für das Wohnen untersucht.
Autor: red

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