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Fr, 12:25 Uhr
28.09.2012

nnz-Bücherkiste: Spaniers Himmelskarte

Nach der "Landkarte der Zeit" wurde der zweite Roman des Spaniers Felix J. Palma mit Spannung erwartet. Olaf Schulze hat ihn für die nnz gelesen.


buch (Foto: verlag) buch (Foto: verlag)
Die Landkarte des Himmels
Felix J. Palma
Kindler


Nach Felix Palmas fulminanten Romandebüt "Die Landkarte der Zeit" saß die Leserschaft wie auf glühenden Kohlen, um endlich den versprochenen zweiten Teil unter der Überschrift "Die Landkarte des Himmels" verschlingen zu können.
Nun ist das Werk bei Kindler erschienen und bietet knapp 900 Seiten Spannung, Bildung und vor allem Humor. Palma liebt es nicht nur, seine Leser auf verrückte Reisen durch Raum und Zeit mitzunehmen, sondern er weiß uns auch glänzend zu unterhalten und amüsieren. In einer zweiten Dimension des Buches, gleich unter der Abenteuergeschichte, untersucht Palma bspw. Fragen nach Realität und Glauben und lässt seine Figuren zu philosophischen Einsichten wie dieser kommen:

"Falls sich am Ende herausstellte, dass Gott ein Betrug war, würden die Folgen, an ihn geglaubt zu haben, jedenfalls weniger schrecklich sein, als jene, die zweifellos zu gewärtigen wären, wenn es ihn gäbe und er ein Leben als Atheist geführt hätte."

Aber Palma denkt auch über Heldentum und wahre Liebe nach, zeigt uns Eitelkeiten und allzu menschliche Fehler wie sie nicht nur der viktorianischen Zeit immanent waren, in der das Werk spielt. Jedenfalls spielt es meistens dort – und höchstwahrscheinlich.
Einen seiner Leitsprüchen beim Schreiben legt der spanische Bestsellerautor wie beiläufig einem seiner Helden in den Mund:

"Manchmal ist das, was wir für unmöglich halten, wirklich die einzig mögliche Lösung."

Obwohl ich den Eindruck hatte, der erste Band wäre noch rasanter, verblüffender und unglaublicher unterhaltend gewesen als "Die Landkarte des Himmels" kann ich die Lektüre nur empfehlen. Der schon angesprochene Bildungseffekt ist ebenfalls nicht zu unterschätzen, denn wir werden vom Schriftsteller Palma angeregt, uns wieder einmal mit den Klassikern Edgar Allan Poe oder eben dem Protagonisten dieses Romans, H.G. Wells zu beschäftigen.
Dessen Erfolgsbuch "Krieg der Wellten" bildet mit all seinen Marsmenschen einen der Ausgangspunkte für Palmas faszinierende Geschichte. Letztendlich ist es auch der überragende Witz und feinsinnige Humor des Autors der "Die Landkarte des Himmels" zu einem wirklich großen Roman mit literarischem und philosophischen Tiefgang macht.

OLAF SCHULZE
Autor: nnz

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