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Sa, 19:08 Uhr
08.09.2012

Zehn Mal Kunst in drei Tagen

In wenigen Stunden geht das traditionelle Festival für Musik und Kleinkunst in Nordhausen zu Ende und wir haben schon einmal ein kleines Zwischenfazit für Sie.

Ich will nicht in Frage stellen, ob die hohe Quantität der Veranstaltungen zu Lasten der Qualität ging, aber vier verschiedene Darbietungen allein am Donnerstagabend bereits ab 18 Uhr in Nordhausen anzubieten ist zumindest gewagt. Augenzeugen berichteten begeistert vom Auftritt der bayrischen Sängerin Claudia Koreck im Wasserwerk. Nur gab es deren nicht all zu viele.

poeton (Foto: eva) poeton (Foto: eva)
Daniela Heise und Steffi Böttger im neuen Lesecafé des Kunsthauses Meyenburg

Auch bei der freitäglichen Lesung mit der Leipziger Schauspielerin Steffi Böttger war das anwesende Publikum überschaubar. Vielleicht war auch die eher untypische Anfangszeit von 18.30Uhr nicht so sehr glücklich gewählt.

"Der Sommer an sich und andere Geschichten" hieß es da im Keller des Meyenburghauses, der nach seiner früheren Nutzung als Jugendkunstschule nun von den städtischen Besitzern am liebsten zum Café umgestaltet werden soll. Interessenten können sich melden und über eine Pacht oder anderweitige Nutzung mit der Kommune verhandeln. Seine akustischen Gegebenheiten wurden vom fast schon traditionell hervorragenden Gitarrenquintett der Nordhäuser Kreismusikschule begleitend zur Lesung geprüft und von der Leiterin Daniela Heise für sehr gut befunden. Als reiner Veranstaltungsort ist der Kellerraum aber noch ausbaufähig.

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Zwei Drittel Cobario. Mehr war für die meisten Zuschauer leider selten zu sehen

Zweiter Teil des Abends war ein hervorragend gutes Konzert der österreichischen Band Cobario. Als sangeskräftiger Supporter konnte Nordhausens Haus- und Hofliedermacher Ronald Gäßlein mit feinen und besinnlichen Liedern überzeugen. Die drei Wiener Jungs begeisterten anschließend das Publikum mit einer Mischung aus Wiener Kaffeehausmusik und vielen europäischen Einflüssen, wobei die Regionen Spanien und Südfrankreich besonders gewürdigt wurden.

Stellenweise erinnerte das perfekte Zusammenspiel der zwei Gitarren mit einer Geige an die legendären Aufnahmen von "Friday Night in San Francisco" der drei Gitarreros Mc Laughlin, Meola und de Lucia, wobei "Friday night in Nordhausen" wie erwähnt eine phantastsich gehandhabte Violine im Spiel war.

Der Reigen der Samstagsvorstellungen begann bereits um 14.30 Uhr (also nicht "Zwischen Frühstück und Gänsebraten" sondern eher zwischen Schnitzel und Kuchen), eine etwas abenteuerliche Anfangszeit für eine Lesung in der Dichterstätte "Sarah Kirsch" in Limlingerode, die seit dem letzten Jahr als Außenposten des poeTon im Landkreis gilt.

poeton (Foto: eva) poeton (Foto: eva)
André Schinkel: Mal versonnen, mal verschmitzt, immer aber sprachlich ausgefeilt

Der Hallenser Lyriker André Schinkel war der Einladung gefolgt, die auch auf das Betreiben der rührigen Dichterstättenchefin Heidelore Kneffel zustande gekommen war. Wiederum musikalisch begleitet von Musikschullehrerin Daniela Heise, die hierher ihre Schülerin Sophie Hake und als Sänger und Percussionisten Dete Blum mitgebracht hatte, bot der junge Lyriker ein reifes und äußerst unterhaltsames Programm, bei dem er geschickt zwischen ernsthafter Poesie und heiter-vergnüglichen Gedichten wechselte. Man mochte es ihm gar nicht so recht glauben, dass er die ernsthaften, eher traurigen Themen bevorzugt, so wie er mit einem verschmitzten Lächeln die heiteren Seiten der Welt beleuchtete.

Kurzzeitig fürchtete ich um die Gesundheit eines Limlingeröders, der auf die wahnsinnige Idee gekommen war, mitten in die Dichterlesung in Hörweite seinen Rasenmäher anzuwerfen. Frau Kneffel löste den Fall schnell und präzise und der Lärm draußen war verstummt, als sie wieder ins Auditorium trat und dort Platz nahm, als wäre nicht geschehen.

Mir drängte sich das Bild eines Hobbygärtners auf, der mit der Schnur seines elektrischen Rasenmähers am früchtebehangenen Apfelbaum gefesselt war. Fast erleichternd war dann das erneute Einsetzen des Rasenmähers wenig später. Zwei Stunden lang fesselte Schinkel die handverlesenen und sehr interessierten Besucher dieses literaturgeschichtlich bedeutenden Platzes, der so idyllisch und malerisch gelegen ist, dass einem zwangsläufig romantische Schauer über den Rücken laufen.

In Nordhausen fanden sich kurz danach im Eiscafé Murano eine große Anzahl Ostrock-Fans ein, die den Ausführungen der Musikexperten Thomas Natschinski und Christine Dähn zur Kultband Karat lauschten. Und wer dann schon eine Tageskarte für heute erworben hat, der kann sich in der Blasii-Kirche um 20 Uhr den Kling-Klang der "Keimzeit"- Unplugged-Version als Abschluss eines ereignisreichen Festivals anhören. Beginn ist dort in einer knappen Stunde. Also, bis gleich!

Olaf Schulze
Autor: nnz/kn

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