Fr, 11:49 Uhr
19.12.2003
nnz-Doku: Grußwort des Landrates
Nordhausen (nnz). Die Zeit kurz vor Weihnachten ist auch die Zeit der politischen Grußworte. In der Doku-Reihe veröffentlichen wir an dieser Stelle das Grußwort von Landrat Joachim Claus (CDU).
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger in den Städten und Gemeinden des Landkreises,
vielleicht geht es Ihnen wie mir, immer schneller scheint ein Jahr zu vergehen. Die vernetzte Welt überreizt uns mit so vielen Geschehnissen, dass man kaum Muße hat, bei dem einen oder anderen zu verweilen. Und zu oft sind es Negativmeldungen, die uns aus allen Teilen der Welt erreichen. Deshalb möchte ich ganz bewusst an den Anfang meines zur Tradition gewordenen Grußwortes zum Jahreswechsel damit beginnen, was es Erfreuliches, Ermutigendes aus unserer Region gibt.
Zahlreiche Dörfer in unserem Landkreis haben durch das Dorferneuerungsprogramm ihr Erscheinungsbild zum Positiven hin geändert, die Lebenskultur wurde entscheidend verbessert. Auch in den vier Städten verschwinden die unansehnlichen Teile mehr und mehr, dazu trug wesentlich das Städtebauprogramm bei. Vergessen wir nicht, wie unsere Städte und Dörfer 1990 aussahen. Mich beeindruckt immer wieder die Zahl der Menschen, die ehrenamtlich tätig sind. In Vereinen oder anderen Zusammenschlüssen ist man bestrebt, sich um etwas zu kümmern, was einem selbst gut tut, oft aber auch anderen. Das Engagement im Sozialen, im Kulturellen, im Sport, für die Umwelt und Natur, für die Pflege von Traditionen auf vielen Gebieten, für die Züchtung von Tieren und deren Schutz ist in vielen Gemeinden in unserer Region bemerkenswert. An dieser Stelle möchte ich mich bei jung und alt dafür bedanken.
Die Kreismusikschule besuchen Kinder und Jugendliche, die so manchem Bürger angenehme Stunden mit ihrem Können bereitet haben. In der Kreisvolkshochschule bietet das abwechslungsreiche Programm für Personen vieler Altersgruppen die Möglichkeit, sich fortzubilden, sei es für den Beruf, sei es für sich ganz privat. In den Schulen treten immer wieder Schülerinnen und Schüler positiv in der Öffentlichkeit auf, sie treiben Sport, sie veröffentlichen Texte in den Medien, sie spielen Theater, nehmen an den unterschiedlichsten Wettbewerben über unsere Region hinaus erfolgreich teil. Sicherlich sind es noch nicht genug Schülerinnen und Schüler, die Initiative beweisen. Deshalb muss leider immer wieder die Pisa-Studie zitiert werden.
Da das Sporttreiben Körper und Geist fit hält, haben wir im Landkreis wert darauf gelegt, für die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen Sporthallen zu erbauen, in denen die Bedingungen sehr gut sind. Auch kulturelle Veranstaltungen können darin stattfinden. Es begann mit der Wiedigsburghalle in Nordhausen, es folgte die Georgenberghalle in Bleicherode, noch zu vollenden ist die Halle in Heringen.
Dass wir ein Landkreis mit reicher Tradition sind, belegen auch die zahlreichen Veröffentlichungen, die die Region über unsere Grenzen hinaus bekannt machen. Ich bin mir bewusst, vieles, was es an Anerkennenswertem gibt, nicht erwähnt zu haben. Aber seien Sie versichert, dass ich davon durchaus Kenntnis besitze, aber nicht alles aufzählen kann. Leider muss ich einige Wermutstropfen in meiner Bilanz erwähnen, denn sonst würde ich unglaubwürdig sein.
Was bereitet mir Sorgen, was beunruhigt mich, ja, lässt mich manchmal ungehalten oder zornig werden? Besonders die nach wie vor viel zu hohe Arbeitslosigkeit, nicht nur in unserer Region, macht mich unzufriedener denn je, zumal sie alle Berufsgruppen betrifft. Ich sehe darin das Grundübel der wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten in der gesamten Bundesrepublik Deutschland. Bei über vier Millionen Arbeitslosen ist es geradezu zwingende Konsequenz, dass auf Bundesebene die Krankenkassen und besonders die Rentenkassen leer sind und die Steuereinnahmen der Kommunen drastisch gesunken sind.
Während wir auf kommunaler Ebene nur in geringfügigem Maße Möglichkeiten der positiven Einflussnahme haben, sieht dass, was wir von der Bundesregierung an strukturbestimmenden Steuerungsmaßnahmen tagtäglich zur Kenntnis nehmen müssen, nicht sehr konstruktiv aus. Ich bin der festen Überzeugung, dass es nicht ausreicht festzustellen, dass wieder und wieder tausende von Arbeitsplätzen wegbrechen, Wirtschaftsunternehmen der Bundesrepublik Deutschland ihre Produktionen in das Ausland verlagern. Im Gegenzug wird die Bundesanstalt für Arbeit für viel Geld umstrukturiert und mit einem neuen Namen oder neuem Outfit versehen. Das kostet Geld und bringt keinen Arbeitsplatz.
Um der momentan schwachen wirtschaftlichen Situation in unserem Land begegnen zu können, ist es sicher gut, dass sich nunmehr die im Bundestag vertretenen Parteien endlich auf ein Reformpaket eingestimmt haben. Entscheidend für mich ist, wie viel Arbeitsplätze dadurch entstehen und erhalten bleiben. Nur eine drastische Reduzierung der Arbeitslosenquote bringt eine Entlastung in den Kranken- und Rentenkassen und führt zur Senkung der derzeit extrem hohen Sozialausgaben, auch und besonders in den Kommunen.
Das Fazit für mich heißt, dass ich als Landrat und als Kommunalpolitiker alle mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen muss, um beim Bund und im Land die Dinge einzufordern, die zuallererst den Menschen und unserer Region zugute kommen. Dafür erhoffe ich mir, mehr noch, als das bisher der Fall war, die Unterstützung aller Parteien unseres Kreistages. Zugegeben, das alles, was ich hier aufgezeigt habe, klingt so, als würde meine Bilanz vorwiegend von Pessimismus und Missmut getragen werden. Dem ist nicht so, jedoch bin ich der Auffassung, dass man beim Blick in die Zukunft und bei der Definition der perspektivischen Aufgaben die aktuellen Dinge kritisch hinterfragen muss.
Jetzt möchte ich in meiner Bilanz, zusätzlich zu dem von mir eingangs Erwähnten, das Benennen, was wir mit Stolz als gelungen bezeichnen können. Als ein besonders positives Signal für unseren Landkreis verstehe ich die Ansiedlung des neuen Kurbelwellenwerkes "Power-Train" in Nordhausen – hier etabliert sich ein Unternehmen im Hochtechnologiebereich. Gemeinsam mit den Firmen "EATON", dem Forschungs- und Entwicklungsinstitut IMG, um nur einige der über 30 im Automobilzulieferbereich tätigen Firmen im Landkreis Nordhausen zu nennen, etabliert sich bei uns ein Netzwerk, welches einerseits von dem in unserer Region vorhandenen Motorenbauer Know-how und andererseits von den neuen Standorten der Firmen BMW und Porsche in Leipzig, Daimler-Chrysler in Kölleda und Opel in Eisenach profitieren kann. Eine sehr ermutigende Entwicklung.
Wer genau diese Entwicklung beobachtet und wer gleichzeitig dazu die Entwicklung der Arbeitslosenquote in Nordthüringen im Auge hat, der muss um die Schaffung und um die Notwendigkeit eines Industriegebietes in unserer Region nicht mehr herumdiskutieren. Es ist höchste Zeit, einen Schlussstrich unter die "Pro-und-Kontra-Diskussion" hinsichtlich des Industriegebietes zu ziehen. Das, was bislang durch eine interessengesteuerte Öffentlichkeitsarbeit an fachlichem "Porzellan zerschlagen" wurde, schadet unserer Region und hat mit Solidarität zu den arbeitslosen Mitbürgerinnen und Mitbürgern nichts mehr zu tun. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um alsbald Baurecht für das Industriegebiet zu erlangen. Meinen ausdrücklichen Dank möchte ich an dieser Stelle der Planungsgemeinschaft "Industriegebiet Goldene Aue" und der Stadtverwaltung Nordhausen aussprechen. Sie haben sich in respektvoller Weise für die Errichtung des Industriegebietes eingesetzt.
Danken möchte ich aber auch den Wirtschaftsunternehmen im Landkreis Nordhausen. Besonders hervorzuheben sind dabei der "Verband der Wirtschaft e. V.", der nicht nur mit seinem Sachverständigenausschuss eine zielstrebige Unterstützung des Vorhabens in der "Goldenen Aue" befürwortet, sondern, der sich in die Diskussion um Schaffung von Klarheit eingebracht hat. Auch dem "Industriellen Stammtisch e. V." gebührt mein herzlicher Dank. In vielen Veranstaltungen hat dieses Gremium in der Öffentlichkeit ein Meinungsbild geschaffen, welches der offenkundigen Entwicklung der Wirtschaft im Landkreis Nordhausen Rechnung trägt. Nicht zuletzt auch deshalb wünsche ich mir künftig eine gute Zusammenarbeit mit allen Wirtschaftsunternehmen, Verbänden und Kammern, denn, unser aller Wirken muss auf die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landkreises gerichtet sein.
Gleichwohl gibt es noch eine Menge zu tun. Viele Schulstandorte sind noch in einem Uraltzustand, der mit Sicherheit nicht zufrieden stellt. Hier heißt es für die Verwaltung, mit den wenigen Mitteln, die angesichts der Problemvielfalt jährlich zur Verfügung stehen, das Optimalste zu leisten. Dabei rechne ich auch weiterhin auf die finanzielle Unterstützung durch den Freistaat Thüringen. Sorge bereitet mir nach wie vor die Berufsschullandschaft in Nordthüringen. Der derzeitige dezentrale Berufsschulunterricht ist nicht nur unbefriedigend, sondern zum Teil auch unzumutbar. Trotzdem bin ich der Hoffnung, dass wir im Jahr 2004 die Fördermittel bewilligt bekommen, die wir für die Schaffung eines Berufsschulzentrums in Nordhausen an der Morgenröte benötigen. Die Chancen dafür stehen derzeit recht gut. Sollte es uns gelingen, dieses Zentrum im Jahr 2004 auf den Weg zu bringen, haben wir ein großes Problem für unsere Region gelöst. So bleibt mir in diesem Zusammenhang, all denen, die dieses Vorhaben mit unterstützt haben, herzlichen Dank zu sagen.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
das Jahr 2003 war also für mich ein Jahr, geprägt von Erfolgen, aber auch von Stagnation und sogar Misserfolgen. Der Zusammenbruch von Unternehmen, aber auch die zahlreichen Firmeninsolvenzen berühren mich schmerzlich. Aber diejenigen, die kommunalpolitische Verantwortung tragen, dürfen nicht nachlassen in den Bemühungen um die Region.
Gestatten Sie mir noch eine letzte Bemerkung zu wichtigen Terminen des Jahres 2004. Neben der "Landesgartenschau", deren Vorboten überall sichtbar sind, stehen Europa-, Landtags- und Kommunalwahlen an. Wir alle sind aufgerufen, die Mitglieder der neuen Parlamente zu wählen. Als Landrat des Landkreises Nordhausen bitte ich Sie herzlich, sich in das Wahlgeschehen einzubringen. Dabei sollten wir daran denken, dass es gerade etwas mehr als ein Jahrzehnt her ist, dass wir als ehemalige DDR-Bürger wählen gehen mussten. Heute dürfen wir ohne Zwang zur Wahlurne gehen. Deshalb bitte ich Sie, machen Sie von diesem Recht Gebrauch. Nur, wer einem Bewerber im Vertrauen seine Stimme gegeben hat, hat das Recht, dessen Arbeit zu kritisieren oder aber auch (was eher selten ist) sie anzuerkennen. Da gerade in den nächsten Wochen und Monaten die Kandidatenlisten aufgestellt werden, sollten die Mitbürgerinnen und Mitbürger, die mit vielen Dingen nicht einverstanden sind und das auch oft öffentlich kundgetan haben, darüber nachdenken, ob sie sich nicht doch intensiver einbringen und sich möglicherweise selbst zur Wahl als Kandidat dem Votum der Bürgerinnen und Bürger stellen.
Ich darf mich bei allen Menschen, die mir auch 2003 bei der Lösung meiner Aufgaben partnerschaftlich behilflich waren, bedanken. Ich wünsche allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern ein gesegnetes Weihnachtsfest, viel Gesundheit und ein erfolgreiches Jahr 2004.
Ihr Joachim Claus, Landrat des Landkreises Nordhausen
Autor: nnzLiebe Mitbürgerinnen und Mitbürger in den Städten und Gemeinden des Landkreises,
vielleicht geht es Ihnen wie mir, immer schneller scheint ein Jahr zu vergehen. Die vernetzte Welt überreizt uns mit so vielen Geschehnissen, dass man kaum Muße hat, bei dem einen oder anderen zu verweilen. Und zu oft sind es Negativmeldungen, die uns aus allen Teilen der Welt erreichen. Deshalb möchte ich ganz bewusst an den Anfang meines zur Tradition gewordenen Grußwortes zum Jahreswechsel damit beginnen, was es Erfreuliches, Ermutigendes aus unserer Region gibt.
Zahlreiche Dörfer in unserem Landkreis haben durch das Dorferneuerungsprogramm ihr Erscheinungsbild zum Positiven hin geändert, die Lebenskultur wurde entscheidend verbessert. Auch in den vier Städten verschwinden die unansehnlichen Teile mehr und mehr, dazu trug wesentlich das Städtebauprogramm bei. Vergessen wir nicht, wie unsere Städte und Dörfer 1990 aussahen. Mich beeindruckt immer wieder die Zahl der Menschen, die ehrenamtlich tätig sind. In Vereinen oder anderen Zusammenschlüssen ist man bestrebt, sich um etwas zu kümmern, was einem selbst gut tut, oft aber auch anderen. Das Engagement im Sozialen, im Kulturellen, im Sport, für die Umwelt und Natur, für die Pflege von Traditionen auf vielen Gebieten, für die Züchtung von Tieren und deren Schutz ist in vielen Gemeinden in unserer Region bemerkenswert. An dieser Stelle möchte ich mich bei jung und alt dafür bedanken.
Die Kreismusikschule besuchen Kinder und Jugendliche, die so manchem Bürger angenehme Stunden mit ihrem Können bereitet haben. In der Kreisvolkshochschule bietet das abwechslungsreiche Programm für Personen vieler Altersgruppen die Möglichkeit, sich fortzubilden, sei es für den Beruf, sei es für sich ganz privat. In den Schulen treten immer wieder Schülerinnen und Schüler positiv in der Öffentlichkeit auf, sie treiben Sport, sie veröffentlichen Texte in den Medien, sie spielen Theater, nehmen an den unterschiedlichsten Wettbewerben über unsere Region hinaus erfolgreich teil. Sicherlich sind es noch nicht genug Schülerinnen und Schüler, die Initiative beweisen. Deshalb muss leider immer wieder die Pisa-Studie zitiert werden.
Da das Sporttreiben Körper und Geist fit hält, haben wir im Landkreis wert darauf gelegt, für die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen Sporthallen zu erbauen, in denen die Bedingungen sehr gut sind. Auch kulturelle Veranstaltungen können darin stattfinden. Es begann mit der Wiedigsburghalle in Nordhausen, es folgte die Georgenberghalle in Bleicherode, noch zu vollenden ist die Halle in Heringen.
Dass wir ein Landkreis mit reicher Tradition sind, belegen auch die zahlreichen Veröffentlichungen, die die Region über unsere Grenzen hinaus bekannt machen. Ich bin mir bewusst, vieles, was es an Anerkennenswertem gibt, nicht erwähnt zu haben. Aber seien Sie versichert, dass ich davon durchaus Kenntnis besitze, aber nicht alles aufzählen kann. Leider muss ich einige Wermutstropfen in meiner Bilanz erwähnen, denn sonst würde ich unglaubwürdig sein.
Was bereitet mir Sorgen, was beunruhigt mich, ja, lässt mich manchmal ungehalten oder zornig werden? Besonders die nach wie vor viel zu hohe Arbeitslosigkeit, nicht nur in unserer Region, macht mich unzufriedener denn je, zumal sie alle Berufsgruppen betrifft. Ich sehe darin das Grundübel der wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten in der gesamten Bundesrepublik Deutschland. Bei über vier Millionen Arbeitslosen ist es geradezu zwingende Konsequenz, dass auf Bundesebene die Krankenkassen und besonders die Rentenkassen leer sind und die Steuereinnahmen der Kommunen drastisch gesunken sind.
Während wir auf kommunaler Ebene nur in geringfügigem Maße Möglichkeiten der positiven Einflussnahme haben, sieht dass, was wir von der Bundesregierung an strukturbestimmenden Steuerungsmaßnahmen tagtäglich zur Kenntnis nehmen müssen, nicht sehr konstruktiv aus. Ich bin der festen Überzeugung, dass es nicht ausreicht festzustellen, dass wieder und wieder tausende von Arbeitsplätzen wegbrechen, Wirtschaftsunternehmen der Bundesrepublik Deutschland ihre Produktionen in das Ausland verlagern. Im Gegenzug wird die Bundesanstalt für Arbeit für viel Geld umstrukturiert und mit einem neuen Namen oder neuem Outfit versehen. Das kostet Geld und bringt keinen Arbeitsplatz.
Um der momentan schwachen wirtschaftlichen Situation in unserem Land begegnen zu können, ist es sicher gut, dass sich nunmehr die im Bundestag vertretenen Parteien endlich auf ein Reformpaket eingestimmt haben. Entscheidend für mich ist, wie viel Arbeitsplätze dadurch entstehen und erhalten bleiben. Nur eine drastische Reduzierung der Arbeitslosenquote bringt eine Entlastung in den Kranken- und Rentenkassen und führt zur Senkung der derzeit extrem hohen Sozialausgaben, auch und besonders in den Kommunen.
Das Fazit für mich heißt, dass ich als Landrat und als Kommunalpolitiker alle mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen muss, um beim Bund und im Land die Dinge einzufordern, die zuallererst den Menschen und unserer Region zugute kommen. Dafür erhoffe ich mir, mehr noch, als das bisher der Fall war, die Unterstützung aller Parteien unseres Kreistages. Zugegeben, das alles, was ich hier aufgezeigt habe, klingt so, als würde meine Bilanz vorwiegend von Pessimismus und Missmut getragen werden. Dem ist nicht so, jedoch bin ich der Auffassung, dass man beim Blick in die Zukunft und bei der Definition der perspektivischen Aufgaben die aktuellen Dinge kritisch hinterfragen muss.
Jetzt möchte ich in meiner Bilanz, zusätzlich zu dem von mir eingangs Erwähnten, das Benennen, was wir mit Stolz als gelungen bezeichnen können. Als ein besonders positives Signal für unseren Landkreis verstehe ich die Ansiedlung des neuen Kurbelwellenwerkes "Power-Train" in Nordhausen – hier etabliert sich ein Unternehmen im Hochtechnologiebereich. Gemeinsam mit den Firmen "EATON", dem Forschungs- und Entwicklungsinstitut IMG, um nur einige der über 30 im Automobilzulieferbereich tätigen Firmen im Landkreis Nordhausen zu nennen, etabliert sich bei uns ein Netzwerk, welches einerseits von dem in unserer Region vorhandenen Motorenbauer Know-how und andererseits von den neuen Standorten der Firmen BMW und Porsche in Leipzig, Daimler-Chrysler in Kölleda und Opel in Eisenach profitieren kann. Eine sehr ermutigende Entwicklung.
Wer genau diese Entwicklung beobachtet und wer gleichzeitig dazu die Entwicklung der Arbeitslosenquote in Nordthüringen im Auge hat, der muss um die Schaffung und um die Notwendigkeit eines Industriegebietes in unserer Region nicht mehr herumdiskutieren. Es ist höchste Zeit, einen Schlussstrich unter die "Pro-und-Kontra-Diskussion" hinsichtlich des Industriegebietes zu ziehen. Das, was bislang durch eine interessengesteuerte Öffentlichkeitsarbeit an fachlichem "Porzellan zerschlagen" wurde, schadet unserer Region und hat mit Solidarität zu den arbeitslosen Mitbürgerinnen und Mitbürgern nichts mehr zu tun. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um alsbald Baurecht für das Industriegebiet zu erlangen. Meinen ausdrücklichen Dank möchte ich an dieser Stelle der Planungsgemeinschaft "Industriegebiet Goldene Aue" und der Stadtverwaltung Nordhausen aussprechen. Sie haben sich in respektvoller Weise für die Errichtung des Industriegebietes eingesetzt.
Danken möchte ich aber auch den Wirtschaftsunternehmen im Landkreis Nordhausen. Besonders hervorzuheben sind dabei der "Verband der Wirtschaft e. V.", der nicht nur mit seinem Sachverständigenausschuss eine zielstrebige Unterstützung des Vorhabens in der "Goldenen Aue" befürwortet, sondern, der sich in die Diskussion um Schaffung von Klarheit eingebracht hat. Auch dem "Industriellen Stammtisch e. V." gebührt mein herzlicher Dank. In vielen Veranstaltungen hat dieses Gremium in der Öffentlichkeit ein Meinungsbild geschaffen, welches der offenkundigen Entwicklung der Wirtschaft im Landkreis Nordhausen Rechnung trägt. Nicht zuletzt auch deshalb wünsche ich mir künftig eine gute Zusammenarbeit mit allen Wirtschaftsunternehmen, Verbänden und Kammern, denn, unser aller Wirken muss auf die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landkreises gerichtet sein.
Gleichwohl gibt es noch eine Menge zu tun. Viele Schulstandorte sind noch in einem Uraltzustand, der mit Sicherheit nicht zufrieden stellt. Hier heißt es für die Verwaltung, mit den wenigen Mitteln, die angesichts der Problemvielfalt jährlich zur Verfügung stehen, das Optimalste zu leisten. Dabei rechne ich auch weiterhin auf die finanzielle Unterstützung durch den Freistaat Thüringen. Sorge bereitet mir nach wie vor die Berufsschullandschaft in Nordthüringen. Der derzeitige dezentrale Berufsschulunterricht ist nicht nur unbefriedigend, sondern zum Teil auch unzumutbar. Trotzdem bin ich der Hoffnung, dass wir im Jahr 2004 die Fördermittel bewilligt bekommen, die wir für die Schaffung eines Berufsschulzentrums in Nordhausen an der Morgenröte benötigen. Die Chancen dafür stehen derzeit recht gut. Sollte es uns gelingen, dieses Zentrum im Jahr 2004 auf den Weg zu bringen, haben wir ein großes Problem für unsere Region gelöst. So bleibt mir in diesem Zusammenhang, all denen, die dieses Vorhaben mit unterstützt haben, herzlichen Dank zu sagen.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
das Jahr 2003 war also für mich ein Jahr, geprägt von Erfolgen, aber auch von Stagnation und sogar Misserfolgen. Der Zusammenbruch von Unternehmen, aber auch die zahlreichen Firmeninsolvenzen berühren mich schmerzlich. Aber diejenigen, die kommunalpolitische Verantwortung tragen, dürfen nicht nachlassen in den Bemühungen um die Region.
Gestatten Sie mir noch eine letzte Bemerkung zu wichtigen Terminen des Jahres 2004. Neben der "Landesgartenschau", deren Vorboten überall sichtbar sind, stehen Europa-, Landtags- und Kommunalwahlen an. Wir alle sind aufgerufen, die Mitglieder der neuen Parlamente zu wählen. Als Landrat des Landkreises Nordhausen bitte ich Sie herzlich, sich in das Wahlgeschehen einzubringen. Dabei sollten wir daran denken, dass es gerade etwas mehr als ein Jahrzehnt her ist, dass wir als ehemalige DDR-Bürger wählen gehen mussten. Heute dürfen wir ohne Zwang zur Wahlurne gehen. Deshalb bitte ich Sie, machen Sie von diesem Recht Gebrauch. Nur, wer einem Bewerber im Vertrauen seine Stimme gegeben hat, hat das Recht, dessen Arbeit zu kritisieren oder aber auch (was eher selten ist) sie anzuerkennen. Da gerade in den nächsten Wochen und Monaten die Kandidatenlisten aufgestellt werden, sollten die Mitbürgerinnen und Mitbürger, die mit vielen Dingen nicht einverstanden sind und das auch oft öffentlich kundgetan haben, darüber nachdenken, ob sie sich nicht doch intensiver einbringen und sich möglicherweise selbst zur Wahl als Kandidat dem Votum der Bürgerinnen und Bürger stellen.
Ich darf mich bei allen Menschen, die mir auch 2003 bei der Lösung meiner Aufgaben partnerschaftlich behilflich waren, bedanken. Ich wünsche allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern ein gesegnetes Weihnachtsfest, viel Gesundheit und ein erfolgreiches Jahr 2004.
Ihr Joachim Claus, Landrat des Landkreises Nordhausen


