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Di, 16:05 Uhr
21.08.2012

Historischer Lutherplatz

Im Jahr 1920 malte Hans Meyerkassel (Meyer-Kassel) „Der Lutherplatz“ mit dem imposanten Denkmal des Reformators an einem Markttag. Viele Jahre hing das sehr ansprechende Gemälde...

Der historische Lutherplatz (Foto: H. Kneffel) Der historische Lutherplatz (Foto: H. Kneffel)

...mit den Maßen 2,00 m x 3,00 m im Treppenaufgang des Meyenburgmuseums. Als dieses zum Kunsthaus umgestaltet wurde, verlor es diesen Platz und hängt jetzt im 2. Stock im Neuen Rathaus im Dämmerlicht, bedrängt von einer niedrigen Decke. Da es von der Palette her eine helle luftige Stimmung verbreitet, entdeckt man es, wenn man denn hinschaut, dennoch.

Allerdings ist es von abgestellten Möbeln beengt. Es wäre sehr zu wünschen, dass dieses Gemälde einen angemesseneren Platz bekommt. Das entstehende Gebäude hinter dem Rathaus hat sicher bessere Sichtverhältnisse und eine größere Raumhöhe zu bieten.

Das Gemälde ist rechts unten mit Meyerkassel 1921 signiert. Das Denkmal Martin Luthers ist ein Hingucker und hinsichtlich der Lutherdekade (2008-2017) könnte dieses Ölgemälde in Nordhausen Symbolcharakter einnehmen, es gilt: „Warum in die Ferne schweifen ...“

Ausschnitt Lutherdenkmal (Foto: H. Kneffel) Ausschnitt Lutherdenkmal (Foto: H. Kneffel) Der Betrachter sieht in dem monumentalen Bild die Lutherstatue von hinten auf dem Postament innerhalb des Brunnenbeckens. Seit dem Romantiker Caspar David Friedrich ist diese Ansicht einer Person bewusstes künstlerisches Stilmittel. Zwar gab es Rückenansichten vereinzelt auch schon vorher in der Kunst, aber seit Friedrich ist sie zentrales Thema in der Geschichte der Landschaftsmalerei. Martin Luther ist hier zwar ein bronzenes Standbild, aber seine Darstellung als Rückenansicht lässt Raum, daran zu denken, dass die Stadt Nordhausen, deren Zentrum man sieht, sich früh der Reformation anschloss. Selbstverständlich ist das Rathaus auch abgebildet.

Auf dem Bild herrscht emsiges Treiben, unterschiedliche Menschen beleben die in Pastelltöne getauchte Stadtmitte. Ein sommerlicher frischer Lufthauch schwebt über dem Ganzen. Das, was wir sehen, gibt es seit April 1945 nicht mehr, so dass beim Blick auf das Gemalte Wehmut mitschwingt. Es ist gut zu wissen, dass wir dank der Kunst eines Malers diese Ansicht so stimmungsvoll bewahrt bekamen.
Hans Meyer wurde 1872 in Kassel geboren. Von 1892 an studierte er an der Universität Leipzig, anschließend an der Münchner Akademie der Bildenden Künste. Dort lebte er mehrere Jahre und zog dann wieder in seine Geburtsstadt Kassel, nannte sich Meyer-Kassel, und trug den Professorentitel. Im ersten Weltkrieg war er als Frontmaler eingesetzt, erlitt aber eine Hüftverletzung, die ihn zeitlebens plagen sollte. 1921, ein Jahr nachdem er das Lutherplatzgemälde geschaffen hatte, reiste er mit seiner Frau Maria auf Drängen seines Bruders in die Vereinigten Staaten, blieb vorerst in New York und unterhielt dort einige Jahre ein Malstudio. Mit der Norddeutschen Lloyd-Dampferlinie fuhr er als Expeditionsteilnehmer von Deutschland aus ab 1926 nach Island, Grönland und zur Inselgruppe Spitzbergen.

Die Gemälde von diesen eisreichen Regionen fanden Anerkennung, denn sie waren damals noch eine Rarität. 1932 wurden sie in Brooklyn ausgestellt. 1935 reiste Meyer-Kassel nach Pasadena in Kalifornien, um seine Werke in einer Ausstellung zu zeigen, siedelte dann nach Nevada um und lebte dort in Reno, Carson City und später in Genoa, wo er 1952 starb. Sein Werk umfasst vor allem Porträts, darunter auch solche von prominenten Persönlichkeiten in Deutschland und den USA, Landschaften, gern auch maritime Motive, und Stillleben, insbesondere von Blumen.

Reproduktion des Gemäldes „Der Lutherplatz“ entnommen: „Kleine Kunstführer“, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, 1994
Autor: nnz

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