Fr, 17:45 Uhr
12.12.2003
Woher kommen die Arre’s?
Niedersachswerfen (nnz). Im Südharz und weit ins deutsche Vaterland hinein sind die Niedersachswerfener gut als Arre`s bekannt und oft wird gefragt, wie diese Bezeichnung zustande kam? nnz-Leser Tim Schäfer hat für Sie die Antwort gefunden.
Nun es wird abgeleitet mit chronistischer Sorgfältigkeit vom französichen Arrez oder dem wohl etwas boshaften Spruch, dass ein Sachswerfer in bestem Platt: a Reh da stehe Arreeehhh gerufen haben soll, was offenbar die Zuhörer nachhaltig entzückte. Aber ist gibt noch eine Geschichte in Versform, die weniger bekannt aus der Überlieferung stammt und mit diesen Zeilen soll gerade den Niedersachswerfener Einwohnern, allen echten Arre`s und den Heimatfreunden im Südharz ein weihnachtlicher Gruß entboten werden.
Vor vielen Jahren lebte hier in Niedersachswerfener, der herzensgute Herr Anders, dem die Sachswerfer natuerlich in Wahrheit die Bezeichnung Arre verdanken. Alle Sachswerfer dürfen sich der Ehre bewusst sein, so achtungsvoll bezeichnet zu werden, was sich in aller Welt herumgesprochen hat. Der Autor hat diese Verszeilen recherchiert, die Originalfassung in Volksmundart:
Ein Männlein, das sich Anders schrieb.
Und unserem Orte – nicht zur Zier –
In dauernder Erinnerung blieb.
Bekannt war er als treue Seele,
tat keinem Menschen je ein Leid,
Er lebte ohne Schuld und Fehle,
War frei von Mißgunst, Haß und Neid.
Nur mit der Sprache gings nicht recht,
Er stotterte auch dann und wann,
Besonders Anders sprach er schlecht,
Es hörte sich wie Arrees an.
Doch ach, man ließ den ormen Mann
Niemals in Ruh, wo man ihn sah,
Man neckte, lachte, rief ihn an,
Vernarrte ihn, was viel geschoh.
Und einmal rief ihm Jemand zu,
Um seinen Ärger zu verschärfe:
Du Arree, alter Arree Du
Du bist das Muster von Sachswerfe!
Dies liebelose Spötterwort
Ward oft und immerzu gehört,
Es pflanzt von Mund zu Mund sich fort,
Und hat die Leute ganz betört.
Zum Beispiel ist, wenn zwei sich streiten
Und zanken bis zum Überdruß,
Kein Ziel und Ende zu bereiten
Als durch ein Arree – dann ist Schluß.
Kommt spät einmal der Ehemann,
Von Bier und Korn ein wenig schief,
nach Hause, was passieren kann,
Und hofft, die holde Gattin schliefe.
Da tönt ihm plötzlich voller Groll,
Aus zartem Munde scharf daher:
Du Arree Du, Du bis ja – voll,
Du kennst wohl Deine Uhr nicht moal?
Willst Du einmal im Großstadtrummel
Dir alles Neue gern besehn,
Und siehtst Du plätzlich auf dem Bummel
Bekannte von Sachswerfen gehen.
Und winkst Du dauernd ihnen zu,
So ist vergebens Dein Bemühn,
Doch rufst Du: Arree, eilt im Nu
Ein Jeder lachend zu Dir hin.
Selbst Kindern ist schon recht geläufig,
Dies Schlagwort, denn bei Spiel und Sport
Hört man – vielleicht schon allzu häufig –
Ein Arree hier, ein Arree dort.
Doch nicht im Heimatdorfe nur
holt man das Arree stets hervor,
Nein, auch in weiter fremder Flur,
Tönt spottend Arree uns ins Ohr!
Wenn dann wohl einer aus dem Orte
Am Lebensende angelangt,
Und anklopft an die Himmelspforte,
Und wenn er Einlaß dort verlangt,
Und sagt zu Petrus: Bin Sachswerfer,
Dort, wo‘s den Gips gibt, bin ich her!
Da gehen dem Petrus viele Dörfer
Im alten Kopfe kreuz und quer.
Er sinnt; doch plötzlich lacht er auf:
Ach so, ich glaub ich träume gar,
Jetzt nachgerade komm ich drauf,
Ein Arree bis Du ja, nicht wahr?!
Der Andre nickt. – So sei es drum,
Komm schnell herein, sei mir willkommen!
Geh gerade aus, dann rechts herum,
Die Arrees zählen zu den Frommen!
Tim Schäfer hat die Geschichte in der Werkzeitung des Ammoniakwerk Merseburg gefunden. Sie wurde im April 1926 veröffentlicht. Das Gipswerk Niedersachswerfen gehörte früher zum Ammoniakwerk Merseburg.
Autor: nnzNun es wird abgeleitet mit chronistischer Sorgfältigkeit vom französichen Arrez oder dem wohl etwas boshaften Spruch, dass ein Sachswerfer in bestem Platt: a Reh da stehe Arreeehhh gerufen haben soll, was offenbar die Zuhörer nachhaltig entzückte. Aber ist gibt noch eine Geschichte in Versform, die weniger bekannt aus der Überlieferung stammt und mit diesen Zeilen soll gerade den Niedersachswerfener Einwohnern, allen echten Arre`s und den Heimatfreunden im Südharz ein weihnachtlicher Gruß entboten werden.
Vor vielen Jahren lebte hier in Niedersachswerfener, der herzensgute Herr Anders, dem die Sachswerfer natuerlich in Wahrheit die Bezeichnung Arre verdanken. Alle Sachswerfer dürfen sich der Ehre bewusst sein, so achtungsvoll bezeichnet zu werden, was sich in aller Welt herumgesprochen hat. Der Autor hat diese Verszeilen recherchiert, die Originalfassung in Volksmundart:
Ein Männlein, das sich Anders schrieb.
Und unserem Orte – nicht zur Zier –
In dauernder Erinnerung blieb.
Bekannt war er als treue Seele,
tat keinem Menschen je ein Leid,
Er lebte ohne Schuld und Fehle,
War frei von Mißgunst, Haß und Neid.
Nur mit der Sprache gings nicht recht,
Er stotterte auch dann und wann,
Besonders Anders sprach er schlecht,
Es hörte sich wie Arrees an.
Doch ach, man ließ den ormen Mann
Niemals in Ruh, wo man ihn sah,
Man neckte, lachte, rief ihn an,
Vernarrte ihn, was viel geschoh.
Und einmal rief ihm Jemand zu,
Um seinen Ärger zu verschärfe:
Du Arree, alter Arree Du
Du bist das Muster von Sachswerfe!
Dies liebelose Spötterwort
Ward oft und immerzu gehört,
Es pflanzt von Mund zu Mund sich fort,
Und hat die Leute ganz betört.
Zum Beispiel ist, wenn zwei sich streiten
Und zanken bis zum Überdruß,
Kein Ziel und Ende zu bereiten
Als durch ein Arree – dann ist Schluß.
Kommt spät einmal der Ehemann,
Von Bier und Korn ein wenig schief,
nach Hause, was passieren kann,
Und hofft, die holde Gattin schliefe.
Da tönt ihm plötzlich voller Groll,
Aus zartem Munde scharf daher:
Du Arree Du, Du bis ja – voll,
Du kennst wohl Deine Uhr nicht moal?
Willst Du einmal im Großstadtrummel
Dir alles Neue gern besehn,
Und siehtst Du plätzlich auf dem Bummel
Bekannte von Sachswerfen gehen.
Und winkst Du dauernd ihnen zu,
So ist vergebens Dein Bemühn,
Doch rufst Du: Arree, eilt im Nu
Ein Jeder lachend zu Dir hin.
Selbst Kindern ist schon recht geläufig,
Dies Schlagwort, denn bei Spiel und Sport
Hört man – vielleicht schon allzu häufig –
Ein Arree hier, ein Arree dort.
Doch nicht im Heimatdorfe nur
holt man das Arree stets hervor,
Nein, auch in weiter fremder Flur,
Tönt spottend Arree uns ins Ohr!
Wenn dann wohl einer aus dem Orte
Am Lebensende angelangt,
Und anklopft an die Himmelspforte,
Und wenn er Einlaß dort verlangt,
Und sagt zu Petrus: Bin Sachswerfer,
Dort, wo‘s den Gips gibt, bin ich her!
Da gehen dem Petrus viele Dörfer
Im alten Kopfe kreuz und quer.
Er sinnt; doch plötzlich lacht er auf:
Ach so, ich glaub ich träume gar,
Jetzt nachgerade komm ich drauf,
Ein Arree bis Du ja, nicht wahr?!
Der Andre nickt. – So sei es drum,
Komm schnell herein, sei mir willkommen!
Geh gerade aus, dann rechts herum,
Die Arrees zählen zu den Frommen!
Tim Schäfer hat die Geschichte in der Werkzeitung des Ammoniakwerk Merseburg gefunden. Sie wurde im April 1926 veröffentlicht. Das Gipswerk Niedersachswerfen gehörte früher zum Ammoniakwerk Merseburg.


