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Fr, 20:30 Uhr
20.07.2012

Zeugen der Vergangenheit

In den Vorträgen des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein geht es um Historisches aus der näheren und weiteren Umgebung von Nordhausen. Diesmal wurde die Walkenrieder Landschaft vorgestellt. Die nnz war unter den Zuhörern…

„Die Umgebung von Walkenried war und ist in großen Teilen immer noch im Dreiklang ‚Wälder – Wiesen – Wasser’. Die Walkenrieder Teiche, eingebettet in schöne Laubwälder und umgeben von den Felsen des Gipskarstes machen sie besonders reizvoll, abwechslungsreich und nahezu unverwechselbar. Von den Mönche des Zisterzienser-Klosters Walkenried geplant und von Fachleuten geschaffen, haben die meisten Klosterteiche als technische Meisterleistung des Mittelalters bis heute überlebt und werden mittlerweile wieder regelmäßig gewartet und im Sinne Zisterzienser genutzt“, stellte Michael Reinboth aus Walkenried seinem Vortrags im Nordhäuser Geschichtsverein voran.

Die Walkenrieder Teiche sind nach der Stiftung des Klosters im Jahre 1127 entstanden als man daran ging, die Landschaft um das Kloster nutzbar zu machen. Das Kloster selbst wurde unterhalb des Kupferberges errichtet, weil es dort eine günstige Zuführungsmöglichkeit für Trinkwasser gab und die Wieda als „Abwasserkanal“ zur Verfügung stand. Im Laufe der Jahre vergrößerte das Kloster seinen Besitz und erwarb damit auch weitere Teiche, beispielsweise die Fischteiche von Neuhof und Teiche bei Münchehof.

Nach dem Niedergang des Klosters, der bereits im 15. Jh. einsetzte und sich nach Reformation und Bauernkrieg beschleunigte, bis zur Auflösung bestanden die Teiche weiter und wurden danach von den Nachfolgeeinrichtungen weiterhin bewirtschaftet. Im Zuge des Baus der Eisenbahnstrecke Nordhausen-Northeim 1868/69 erfolgte die Trockenlegung von zwei Teichen. Mit dem Ausbau der Walkenrieder Gipsfabrik wurde der Röseteich verkleinert. 1945 kam es zu einigen Neuanlagen unterhalb des Röseberges. Im Priorteich wurde später das Baden genehmigt und ist bis heute möglich. Von 2004 bis 2010 fanden an den Teichen, die sich jetzt im Besitz der neidersächsischen Forstverwaltung befinden, umfangreiche Sanierungsarbeiten statt.

Im zweiten Teil seiner Ausführungen ging Michael Reinboth auf den Gipskarst des Röseberges bei Walkenried ein. Die Ersterwähnung des Höhenzuges erfolgte 1242 in einer Urkunde des Grafen von Klettenberg. Der Röseberg ist eng mit der Geschichte des Klosters verbunden. „Der Name ‚Röseberg’ stammt vermutlich nach den dort von den Mönchen betriebenen Gips- und Kalkrösen, als sie Mörtel für ihren Klosterbau benötigten“, so der Hobbyhistoriker. Auch Dolomitsteine bzw. „Katzenköpfe“ holten sich die Mönche vom Röseberg.

Noch heute sind am späteren Kutschweg kleinere Steinbrüche zu finden, in denen der geschützte Grünen Nieswurz zu finden ist. Es ist denkbar dass die Pflanze dort ein Relikt alter Arzneigärten der Mönche ist, vermutet Reinboth, der anschließend noch einige Ausführungen zum Gipsabbau am Röseberg ab 1753 machte. Er erläuterte die Geschichte des Betriebes, der 1864 von Albrecht Meier übernommen und erweitert wurde. 1904 übernahm Fritz Rode nach dem Tod vom Meier dessen Unternehmen. Der Abbau kam zum Erliegen als die Höhe des Abraums über den Gipslagern mit damaligen Mitteln nicht mehr zu bewältigen war. Mit zunehmender Mechanisierung des Abbaus wurden die aufgegebenen Abbaustellen wieder aktiviert.
„Die Ausweitung des Gipsabbaus zeichnet sich trotz aller Einwände durch das Fällen störenden Bäume ab. Die Walkenrieder werden sich wohl damit abfinden müssen, einen zweiten Kohnstein vor ihrer Nase zu haben“, beendete Reinhoth seinen lebendigen und kurzweiligen Vortrag.
Autor: rh

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