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Fr, 17:16 Uhr
20.07.2012

Sitzkrücken für Mäusegreifer

Derzeit ist in Medien oft von einer Mäuseplage zu hören und zu lesen. Der Thüringer Bauernverband fordert eine Ausnahmegenehmigung für eine radikale Bekämpfung der Nager auf den betroffenen Flächen mit Giftködern, die breitflächig ausgestreut werden sollten. Der Naturschutzbund lehnt diese Methode strikt ab. Über die Situation im Südharz informierte sich die nnz...


„Wir haben keine Mäuseplage auf unseren Feldern“, sagt Uwe Kühne, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes und Geschäftsführer der Agrargesellschaft Friedrichsthal. Ein Bericht in einer Tageszeitung habe für Irritationen gesorgt. Er habe deshalb schon Anrufe erhalten, ob wir von der Plage betroffen seien. Für die Erfurter Ackerebene mag das stimmen. „Wir haben gegenwärtig keinerlei Anlass für eine Bekämpfung der kleinen Nager“, erklärt Kühne. Nach der Ernte würden die Felder gegrubbert. Später eventuell Sitzkrücken für Bussarde und Turmfalken aufgestellt. Die paar Mäuse werde man den Greifvögeln überlassen.

Bernd Weinelt, der Geschäftsführer des Agrarbetriebes in Großwechsungen, sieht das auch so. „Von einer Mäuseplage könne nicht gesprochen werden“, stellte er fest. Eine Bekämpfung mit Giftködern sei nicht erforderlich. Weinelt plädiert für eine natürliche Reduzierung der Mäuse und will Sitzstangen für Greife anbringen, von denen aus sie ihre Beute besser ausmachen und erlegen können.

Udo Förster, Chef der Agrarproduktion „Zorgeland“ in Windehausen, hat ebenfalls keinen übermäßig starken Besatz an Feldmäusen feststellen können. Die Windehäuser Landwirte seien naturverbunden und würden nur in extremen Situationen zu „Legeflinten“ greifen, mit denen Giftkörner direkt in die Mäuselöcher gebracht werden. Außerdem niste im Ort eine Storchenpaar. Das fresse auch Mäuse und verfüttere sie an die Jungen. Schon deshalb setze man lieber auf Beutegreifer wie Bussard und Falken.

„Wir haben weder vom Landwirtschaftsamt in Bad Frankenhausen noch von der Forstverwaltung Hinweise über eine Mäuseplage im Südharz vorliegen“, meint Martin Taeger von der Unteren Naturschutzverwaltung im Landratsamt. Taeger setzt auf gefiederte Mäusegreifer und lobt die Agrarbetriebe, die ihnen Sitzhilfen anbieten.

Das Ausbringen von „Chlorphacinon“ hält Taeger für bedenklich. Es sei wirbeltiergiftig und führe zur inneren Verblutung. Dennoch habe der Naturschutz in Situationen, wo von einer übermäßig starken Mäuseplage gesprochen werden kann, nichts gegen das Ausbringen hochwirksamer Mittel einzuwenden. Das müsse aber fachgerecht direkt in die Mäuselöcher mit Legeflinten erfolgen. Ein Breitstreuen von Giftködern über die Felder lehnt Taeger aus naturschutzrechtlichen Gründen strikt ab. Vergiftete Körner würden auch Ringeltauben, Sperlingsvögel, Rebhühner, die ohnehin schon sehr selten geworden sind, und andere Tiere fressen. Martin Taeger zeigte sich erfreut über die Entscheidung des Bundesministeriums für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, das die Ausnahmeanträge abgelehnt hat.

Der Bussard ist der natürliche Fein der Mäuse. Stellt man auf den Feldern Sitzhilfen auf, kann er sie leichter ausmachen und erlegen.
Kurt Frank
Autor: nnz

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
21.07.2012, 00:28 Uhr
Toll! Landwirte unterstützen biologische Schädlingsbekämpfung
Der Beitrag stimmt mich positiv: Landwirte und Untere Naturschutzbehörde sind sich, was die Bekämpfung zu großer Feldmaus-Populationen angeht, einig. Die Greife und Störche sollen es richten und nicht die Chemie. Das zeigt zum einen, dass sich die Landwirte mit ihren Feldern und mit ihrer Arbeit nicht losgelöst von der Lebewelt um sich herum betrachten, sondern dass sie die zumindest auf den ersten Blick unabhängig von ihrem Tun preäsenten Beutegreifer mit in ihre Kalkulation einbeziehen. Das ist ein wahrhaft zukunftsweisender Denkansatz. Eine Sitzkrücke für den Bussard ist wohl auch kostengünstiger als Pestizide.

Sicher ist die pure Kostenkalkulation eine Triebkraft für diese positive Einstellung, was wiederum eine der positiven Seiten der Marktwirtschaft präsentiert: Wenn es kostengünstiger ist, die Natur wirken zu lassen, so ist das im Sinne der Agrargesellschaften und zugleich der Ökologie.

Dieses Denken und Handeln wünsche ich mir nun auch auf anderen "Feldern". Mittelfristig wird es sich auch für noch so knallharte Manager nämlich immer mehr rechnen, wenn sie ressourcenschonend produzieren. Denn die Kosten für naturschädigendes Wirtschaften überrollen die Weltwirtschaft in immehr größerer Dimension, wie die weltweit zunehmenden Naturkatastrophen und deren Folgen zeigen. Das aber kann zum ökologischen und wirtschaftlichen Kollaps mit enormen Auswirkungen auch für den sozialen Frieden führen. Akrikanische Bauern z.B., die ihre Regionen infolge des Klimawandels verlassen müssen, verkörpern sozialen, die Gesellschaften destabilisierenden Sprengstoff. Das kann man duchaus aus dieser simpel erscheinenden Einigkeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz ableiten. Wenn sich dieses Denken global durchsetzen ließe, dann wäre der Weg zu einem neuen Klima- und Artenschutzabkommen nicht so beschwerlich, wie mehrfach bei früheren Konferenzen zu beobachten war.

Auf langfristige Effekte angelegtes Denken fällt dem Menschen naturgemüß schwer. Aber es ist, um unserer Existenz Willen, unabdingbar. Hoffentlich begreifen das die Personen an den Schalthebeln der Macht noch rechtzeitig.
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