Mi, 07:38 Uhr
18.07.2012
Offene Tür in Ludwigshall
Das Thüringer Landesbergamt führt gegenwärtig die Verwahrung des Altkalischachtes Ludwigshall in der Nähe von Wolkramshausen durch. Mit dem Tag der offenen Tür wird der interessierten Bevölkerung die Möglichkeit gegeben, sich über die Baustelle und den Stand der Verwahrungsarbeiten zu informieren...
Offene Türen (Foto: Schachtbau)
Der Schacht Ludwigshall liegt etwa 800 m südöstlich des Ortes Wolkramshausen und 1720 m nordwestlich des Altkalischachtes Immenrode. Der Schacht wurde in den Jahren 1905 bis 1907 mit einem Durchmesser von 5,50 m und einer Teufe (bergm. Tiefe) von 680 m geteuft. Das Grubengebäude ist durch zwei Sohlen (Abgänge vom Schacht) an den Schacht angeschlossen. Bis zum Jahre 1911, als der Durchschlag mit der Grube Immenrode erfolgte, betrieb man den Schacht als Einzelanlage. Zwischen beiden Schächten wurde eine Seilbahn errichtet. Die Verarbeitung des Rohsalzes erfolgte am Schacht Ludwigshall.
Eine erste Betriebsunterbrechung ergab sich während des ersten Weltkrieges 1914 bis 1916. Endgültig stellte man die Förderung 1924 ein. Der Schacht wurde als Reserve vorgehalten.
1936 übernahm die Heeresverwaltung den Schacht Ludwigshall sowie den Schacht Immenrode und richtete die Heeresmunitionsanstalt Wolkramshausen ein. Gebhardt & Koenig – Deutsche Schachtbau AG, ein Vorgänger der heutigen SCHACHTBAU NORDHAUSEN GmbH, machte die Schächte und untertägigen Grubenräume wieder fahrbar. 1942 ereignete sich in einer Kammer der 660 m Sohle, ca. 250 m vom Schacht entfernt, eine schwere Explosion von Munition, bei der 145 Arbeiter ihr Leben verloren. Das Munitionslager wurde danach aufgegeben.
In den Jahren 1951 bis 1953 führte der VEB Ausrüstung Nordhausen umfangreiche Erkundungsarbeiten nach Erdöl, Erdgas und Kupferschiefer aus, allerdings erfolglos. Wenig später, ab dem Jahre 1954, baute man das Kaliwerk zurück. Die Gleisanlagen und elektrischen Ausrüstungen wurden nach über Tage verbracht. Anschließend errichtete der VEB Schachtbau Nordhausen unterhalb der Tübbingsäule einen Süßwasserpfropfen zum Schutz des Grubenfeldes vor Süßwasserzutritt.
In den Jahren 1966 bis 1970 demontierte man das Fördergerüst und versah den Schacht mit einer Abdeckplatte. Im April 1978 begann der VEB Schachtbau Nordhausen mit den Arbeiten für den geplanten Untergrundgasspeicher Kirchheiligen II. Der in den Jahren 1954/55 errichtete Pfropfen wurde wieder aufgewältigt, sämtliche Schachteinbauten bis ins Schachttiefste geraubt und der Ausbau saniert. Per Regierungsbeschluss stoppte man die Bauarbeiten 1980 und baute einen neuen Süßwasserpfropfen.
Der 1980 errichtete Pfropfen entspricht nicht dem aktuellen Stand der Technik hinsichtlich eines dauerhaften Verschlusses von Tageszugängen zu Grubengebäuden in Salzgesteinen. Aufgrund der Bauart und der relativ oberflächennahen Position im Schacht ist bei einem möglichen Auspressen von in der Grube vorhandenen Salzlösungen, mit erheblichen Beeinflussungen der oberflächennahen Biosphäre zu rechnen. Die Schachtröhre ist aus diesem Grunde an geeigneter Stelle mit einer neuen dauerhaften Dichtung zu versehen und entsprechend den geltenden Richtlinien und Vorschriften über die komplette Teufe zu verwahren.
Verhinderung eines unkontrollierten Ersaufens (Vollaufen) der Grube durch Deckgebirgswässer und der damit verbundenen Auflösungs- und Destabilisierungsprozesse in der Schachtröhre sowie im angeschlossenen Grubengebäude (Ersaufensszenario), Verhinderung eines schädlichen Austrittes hochmineralisierter Salzlösungen aus dem Grubengebäude aufgrund von Konvergenzwirkungen (Auspressszenario), Schutz der Tagesoberfläche vor schädigenden Einwirkungen als Folge nicht dauerstandsicherer Schachtröhren durch Vollverfüllung des Schachtes, Wiederherstellung der Nutzbarkeit der Schachtnahen Tagesoberfläche im Einwirkungsbereich des Schachtes, Verhindern des Abstürzens von Personen und Gütern in die Schachtröhre.
Anfang Juli 2012 ist im Schacht Ludwigshall der im Jahr 1980 eingebaute Pfropfen zurück gebaut worden. Die Arbeiten finden damit über 175 m tief im Schacht Ludwigshall statt. Eine Befahrung dieser Stelle ist leider im Rahmen des Tag der offenen Tür am 29. Juli von 10 bis 14 Uhr aus Gründen der Sicherheit nicht möglich. Ausgeführt werden die Verwahrarbeiten im Auftrag des Thüringer Landesbergamtes durch eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Schacht Ludwigshall, die aus der SCHACHTBAU NORDHAUSEN GmbH und der Bergsicherung Ilfeld besteht.
Abgeschlossen wird das Projekt mit der vollständigen Verfüllung des Schachtes inklusive einem Dichtungselement im nächsten Jahr.
Autor: nnz
Offene Türen (Foto: Schachtbau)
Der Schacht Ludwigshall liegt etwa 800 m südöstlich des Ortes Wolkramshausen und 1720 m nordwestlich des Altkalischachtes Immenrode. Der Schacht wurde in den Jahren 1905 bis 1907 mit einem Durchmesser von 5,50 m und einer Teufe (bergm. Tiefe) von 680 m geteuft. Das Grubengebäude ist durch zwei Sohlen (Abgänge vom Schacht) an den Schacht angeschlossen. Bis zum Jahre 1911, als der Durchschlag mit der Grube Immenrode erfolgte, betrieb man den Schacht als Einzelanlage. Zwischen beiden Schächten wurde eine Seilbahn errichtet. Die Verarbeitung des Rohsalzes erfolgte am Schacht Ludwigshall.
Eine erste Betriebsunterbrechung ergab sich während des ersten Weltkrieges 1914 bis 1916. Endgültig stellte man die Förderung 1924 ein. Der Schacht wurde als Reserve vorgehalten.
1936 übernahm die Heeresverwaltung den Schacht Ludwigshall sowie den Schacht Immenrode und richtete die Heeresmunitionsanstalt Wolkramshausen ein. Gebhardt & Koenig – Deutsche Schachtbau AG, ein Vorgänger der heutigen SCHACHTBAU NORDHAUSEN GmbH, machte die Schächte und untertägigen Grubenräume wieder fahrbar. 1942 ereignete sich in einer Kammer der 660 m Sohle, ca. 250 m vom Schacht entfernt, eine schwere Explosion von Munition, bei der 145 Arbeiter ihr Leben verloren. Das Munitionslager wurde danach aufgegeben.
In den Jahren 1951 bis 1953 führte der VEB Ausrüstung Nordhausen umfangreiche Erkundungsarbeiten nach Erdöl, Erdgas und Kupferschiefer aus, allerdings erfolglos. Wenig später, ab dem Jahre 1954, baute man das Kaliwerk zurück. Die Gleisanlagen und elektrischen Ausrüstungen wurden nach über Tage verbracht. Anschließend errichtete der VEB Schachtbau Nordhausen unterhalb der Tübbingsäule einen Süßwasserpfropfen zum Schutz des Grubenfeldes vor Süßwasserzutritt.
In den Jahren 1966 bis 1970 demontierte man das Fördergerüst und versah den Schacht mit einer Abdeckplatte. Im April 1978 begann der VEB Schachtbau Nordhausen mit den Arbeiten für den geplanten Untergrundgasspeicher Kirchheiligen II. Der in den Jahren 1954/55 errichtete Pfropfen wurde wieder aufgewältigt, sämtliche Schachteinbauten bis ins Schachttiefste geraubt und der Ausbau saniert. Per Regierungsbeschluss stoppte man die Bauarbeiten 1980 und baute einen neuen Süßwasserpfropfen.
Der 1980 errichtete Pfropfen entspricht nicht dem aktuellen Stand der Technik hinsichtlich eines dauerhaften Verschlusses von Tageszugängen zu Grubengebäuden in Salzgesteinen. Aufgrund der Bauart und der relativ oberflächennahen Position im Schacht ist bei einem möglichen Auspressen von in der Grube vorhandenen Salzlösungen, mit erheblichen Beeinflussungen der oberflächennahen Biosphäre zu rechnen. Die Schachtröhre ist aus diesem Grunde an geeigneter Stelle mit einer neuen dauerhaften Dichtung zu versehen und entsprechend den geltenden Richtlinien und Vorschriften über die komplette Teufe zu verwahren.
Verhinderung eines unkontrollierten Ersaufens (Vollaufen) der Grube durch Deckgebirgswässer und der damit verbundenen Auflösungs- und Destabilisierungsprozesse in der Schachtröhre sowie im angeschlossenen Grubengebäude (Ersaufensszenario), Verhinderung eines schädlichen Austrittes hochmineralisierter Salzlösungen aus dem Grubengebäude aufgrund von Konvergenzwirkungen (Auspressszenario), Schutz der Tagesoberfläche vor schädigenden Einwirkungen als Folge nicht dauerstandsicherer Schachtröhren durch Vollverfüllung des Schachtes, Wiederherstellung der Nutzbarkeit der Schachtnahen Tagesoberfläche im Einwirkungsbereich des Schachtes, Verhindern des Abstürzens von Personen und Gütern in die Schachtröhre.
Anfang Juli 2012 ist im Schacht Ludwigshall der im Jahr 1980 eingebaute Pfropfen zurück gebaut worden. Die Arbeiten finden damit über 175 m tief im Schacht Ludwigshall statt. Eine Befahrung dieser Stelle ist leider im Rahmen des Tag der offenen Tür am 29. Juli von 10 bis 14 Uhr aus Gründen der Sicherheit nicht möglich. Ausgeführt werden die Verwahrarbeiten im Auftrag des Thüringer Landesbergamtes durch eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Schacht Ludwigshall, die aus der SCHACHTBAU NORDHAUSEN GmbH und der Bergsicherung Ilfeld besteht.
Abgeschlossen wird das Projekt mit der vollständigen Verfüllung des Schachtes inklusive einem Dichtungselement im nächsten Jahr.


