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Mo, 07:14 Uhr
09.07.2012

Wer wird unterstützt?

Heute werden die Mitglieder des Finanzausschusses wieder einmal vorwiegend hinter verschlossenen Türen beraten. Dabei soll es nnz-Informationen zufolge um die "freiwilligen Aufgaben" gehen, von denen kaum einer im Stadtrat die exakte Definition kennt...


Blende zurück. Erster Stadtrat nach der Oberbürgermeisterwahl: Sabine Reich, die Geschäftsführerin des Kreisjugendrings, bat die Stadträte innigst, die zweite Staffel der Gelder für die Träger der freien Jugendarbeit freizugeben. Das jedoch klappte so nicht, da eine Haushaltssperre verhängt war und die immer noch gültig ist.

Dieser Umstand macht das Dilemma deutlich. Die Jugendarbeit, eigentlich nicht originäre Aufgabe einer Kommune, sondern die des Landkreises, kann ohne die Zuschüsse nicht auskommen. Genauer gesagt, es können die Kosten die Betreuer-Personals nicht gezahlt werden. Für eine Stadt Nordhausen ist die Finanzierung der Jugendarbeit eigentlich keine Pflichtaufgabe, sondern freiwilliger Natur. Mehr als 400.000 Euro sollten in diesem Jahr für das Träger-Personal gezahlt werden. Fast 60.000 Euro davon zum Beispiel für die Jugendkunstschule.

Da ist es an der Zeit der Nachfrage. Zum Beispiel der, wer denn eigentlich die Angebote dieser Schule in Anspruch nimmt? nnz-Recherchen zufolge ist das Klientel nicht unbedingt im bildungsfernen Publikum zu finden. Ähnlich gelagert wie beim jungen Theater oder diversen anderen künstlerisch agierenden Vereinen. Das sind also die Elternhäuser, die für das Amüsement ihres Nachwuchses nicht unbedingt auf kommunale Unterstützung angewiesen sind.

Oder der Rockhaus e.V.: Der Verein, der Nachwuchsrockmusikern und artverwandten Künstlern für Probenräume schlappe 35.000 Euro im Jahr zur Verfügung stellt. Da muss die Frage gestellt werden, wie viele Musiker profitieren davon? Bezahlt jede Band tatsächlich die monatliche Miete für die Proberäume? Ist diese Miete kostendeckend mit den Ausgaben? Welche anderen Einnahmen werden noch erzielt?

Die entscheidende Frage jedoch wird sein, wie lange können diese freiwilligen Ausgaben noch getätigt werden, angesichts nicht kalkulierter Betriebskosten für die Flohburg oder die Bibliothek? Sind es überhaupt freiwillige Aufgaben, die hier finanziert werden?

Das jedenfalls sollen die Mitglieder des Finanzausschusses, von denen einige wiederum sehr eng mit Trägern der Jugendarbeit verbandelt sind, beraten. Gut, dass da nichts definiert ist, was überhaupt eine freiwillige Aufgabe ist und was nicht. Und trotzdem soll entschieden werden?

Was die Kuriosität des Ganzen noch verschlimmbessert ist die Tatsache, dass das Thüringer Innenministerium Überbrückungshilfen für finanzschwache Kommunen wie Nordhausen sich permanent selbst deklariert, erst zahlt, wenn keine freiwilligen Ausgaben mehr getätigt werden. Irgendjemand muss also per Gesetz wissen, was freiwillig ist und was nicht. Und so geht bei den diversen Vereinen das Warten auf die Zahlung der zweiten Tranche durch die Rolandstadt erst einmal weiter.

Gott sei Dank für die Vereine: der Landkreis Nordhausen soll seinen Verpflichtungen erst einmal nachgekommen sein. Hier jedoch besteht kein Diskussionsbedarf. Für eine Kreisverwaltung ist die Jugendarbeit eine Pflichtaufgabe.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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Kommentare
H.M
09.07.2012, 09:03 Uhr
wer wird unterstützt
...sicher sind diese Ausgaben nicht unbedingt Pflichtausgaben bzw Pflichtaufgaben, aber sicherlich auch sehr wichtige Ausgaben. Jugend ist Zukunft für eine Kommune und sollte auch gefördert werden.

Wenn man die Auflistung der Ausgaben sieht, sieht man auch das breite Spektrum der Jugendförderung. Jugend nicht fördern (in einer Hochschulstadt) ist in meinen Augen der falsche Weg. Vielmehr sollte man sich fragen wo man tatsächlich sparen kann. Der Bund der Steuerzahler zeigt jedes Jahr sinnlose Investitionen auf bei dehnen es um hohe Millionenbeträge geht...
Dora75
09.07.2012, 20:22 Uhr
Kommt das Geld bei der Jugend an
Ist die Frage ob das Geld auch bei der Jugendarbeit ankommt und nicht in den Verwaltungen hängen bleibt. Fahren wir doch mal um 18.00 Uhr durch NDH und dem Landkreis.Und zeigen sie uns die Jugendclubs????
Zum Beispiel das Klubhaus Samstags Disco-.
Ist Disco eine Jugendarbeit.
Hans Dittmar
09.07.2012, 22:29 Uhr
Der Stadtrat muß an freiwilligen Ausgaben stark streichen
vorab @Dora75
Das Jugendklubhaus macht nicht nur Disco! Geh doch mal tagsüber hin, da wird Jugendarbeit geleistet.

Sehr geehrter Herr Greiner,
Sie haben in allen Punkten recht und den Mut dieses Thema knallhart anzusprechen. Hier geht es ans Eingemachte, ähnlich, als würde man den Nordhäusern die Straßenbahn streichen.

Fakt ist, Nordhausen ist eine der kulturell stärksten Städte weit und breit. Fakt ist auch, hätte die Stadt sich die freiwilligen Leistungen nicht aufgebürdet, gebe es zahlreiche Projekte in der Stadt nicht. Aber die Stadträte müssen in den sauren Apfel beißen und sich von einigen Projekten verabschieden.

Man kann den Vereinen nicht allen prozentual Gelder streichen, weil hier Vereine dabei sind, -sozial- arbeiten und aktiv Jugendarbeit betreiben -ein Auffangbecken für die Jugendlichen in der Freizeit sind-.

Hier muss man für die nächsten zwei - drei Jahre nur noch Vereine mit großen Summen unterstützen, die keine Hobbys als Vereinsarbeit ausleben. Hierzu gehören Basteln, Malen, Theater und Musik. Wenn eine Stadt reich ist kann Sie sich solche "Kultur" leisten, wenn die Kassen klamm sind nur das wichtigste.

Es gibt natürlich auch Vereine, bei deren Gründung war von vornherein klar, es geht nur mit 10.000 oder mehr im Jahr. Momentan leben einige Mitarbeiter ganz klar von der Förderung, aber man muss auch darüber nachdenken, wieder zu den ehrenamtlichen Arbeiten zurück zu finden. Viele Vereine arbeiten nur auf Ehrenamt ohne große Summen und freuen sich mal über 300 oder gar 1.000 Euro Zuschuss.

Das sind harte Worte für die Betroffenen, aber die Blase wird bald platzen.
Dora75
10.07.2012, 09:02 Uhr
Fördermittel
Fast die gleichen Summen Bekommen diese Träger nochmals von der Landkreisverwaltung.
Also Bitte Keine Tränen hier. Bei der Verteilung solte Besser hingesehen werden.den Doppel ist ungerecht den anderen Trägern wo keine Elite in den Ausschusch sitzen. Der ehm.Landrat hat mal zu einer Demokration gesagt.Das Geld soll bei der Jugend angkommen,und nicht in irgendwelchen Verwaltungen hängenbleiben.Die def.Jugendarbeit ist Groß.
Tom Landsiedel
10.07.2012, 09:05 Uhr
Augen auf!
Sehr geehrter Herr Dittmar,

was ist denn Ihre Definition von Hobby? Also Musik und Theater zähle ich zu Bildung. Sport könnte Hobby sein, ist aber wichtig, sollte man auch nicht kürzen. Ich will nur aufzeigen wie schwierig es wird, weil es in diesem Bereich Definitionsprobleme gibt. Wenn Gelder nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen sollte man über die genaue Verwendung der Mittel sehen. Manche Vereine schaffen es mit Mitgliedsbeiträgen, Kursgebühren und weiteren Förderungen die Summe der Stadt zu vervielfachen, Arbeitnehmer zu beschäftigen, die zusätzlich noch über Ihren Vertrag hinaus engagiert Ehrenamt leisten. Die keine Beträge für eine Vereinsverwaltung benötigen und einen wertvollen Beitrag im Bereich Jugend, Bildung und Sport leisten.

Eine harte Aufgabe für die Stadträte. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse des Ausschuss. Hart wird es sicherlich für einige.
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