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Mi, 18:42 Uhr
06.06.2012

Methan aus Himmelgarten

Wie wild will die Stadt Nordhausen auf die Nutzung regenerativer Energien setzen. Wasser ist in Nordhausen out, Sonne schon lange in. Jetzt sollen noch der Wind am Thüringer Himmel und der Mais auf den Feldern rund um Nordhausen herum „ausgebeutet“ werden...


Die Felder rund um Nordhausen sind durchaus fruchtbar. Auf ihnen könnte auch Mais angebaut werden. Viel Mais. Das ist gut, vor allem für die Bauern und für diejenigen, die aus dem Mais Gas machen wollen. Zum Beispiel die Nordhäuser Energieversorgung. Die EVN will eine Biogas-Anlage bauen. Eigentlich schon seit mehreren Jahren, doch waren die Erzeuger des Ausgangsstoffes, die Mais-Bauern, nicht gewillt, langfristige Verträge zu unterzeichnen.

Die Energiewende der Bundesregierung hat ein Umdenken im bäuerlichen Bereich eingeleitet, so dass nun die Versorgung mit Rohstoffen gewährleistet ist. Was einst vier Jahre brauchte, dass muss nun sehr schnell gehen, denn die Bauern planen ab den kommenden Wochen die Bestellung der Felder für die nächsten Jahre. Sieben Agrar-Unternehmen aus Thüringen und Sachsen-Anhalt werden als Zulieferer fungieren.

Die Biogasanlage im Bereich Himmelgarten – das steht jetzt schon fest – wird knapp elf Millionen Euro kosten. Rund 8,8 Millionen Euro sind Kredite, die aufgenommen und bedient werden müssen, der Rest ist eingebrachtes Eigenkapital. Deren Endprodukt, das veredelte Gas, soll nicht verstromt oder verheizt werden, sondern als erdgasnahes Medium in bestehende Netze eingespeist werden. Wenn es in Himmelgarten nicht klappt, dann wäre der Bereich des Flugplatzes Bielen die zweite Standortwahl.

Die zu gründende Gesellschaft werde eine 100prozentige Tochter der EVN sein, die wiederum das gesamte Vorhaben europaweit ausschreiben muss. Favorisiert wird jedoch ein Hersteller aus der Region, wobei es sich hierbei um die Schachtbau Nordhausen GmbH handeln könnte, die seit Jahren im Bau von Biogas-Anlagen erfolgreich unterwegs ist.

Ende dieses Jahres soll schon mit dem Bau begonnen werden, im November 2012 könnte dann das erste Gas in die Netze strömen. Es wird ein Anlagen werden, die es in sich hat. Der Fermenter wird ein Fassungsvermögen von 5.000 Kubikmeter haben und 25 Meter hoch sein. Pro Jahr werden 23.000 Tonnen Maissubstrat, 24.000 Tonnen Schlempe und 1.000 Tonnen Zuckerrübenschnitzel eingefahren und die Gärreste wieder abgefahren werden. Wenn es ganz hart kommt, dann rollen im Herbst (drei Wochen lang) täglich um die 55 Fahrzeuge nach Himmelgarten und zurück. Als Produkt wird es jährlich 34 Millionen Kilowattstunden Leistung geben.

Was aber wird mit den Menschen in Himmelgarten? Werden sie mit dieser Verkehrs- und Lärmbelastung zurecht kommen? Werden sie das akzeptieren? Gibt es ein zweites Sundhausen? Das alles sind die Fragen, die in den kommenden Tagen und Wochen beantwortet werden und heute schon die Mitglieder des Hauptausschusses beschäftigten. Wenn die gesamte Vorbereitung nicht den erforderlichen Zeitrahmen einhält, dann muss das Projekt um ein Jahr nach hinten geschoben werden. Die Bürger haben jetzt laut Stefan Nüßle (CDU) zwei Wochen Zeit, sich in die Diskussion einzubringen.

Auch Martin Höfer (FDP) mahnte eine Bürgerbeteiligung in Leimbach dringend an, machte aber auch deutlich, dass es bei dem Vorhaben um ein äußerst lukratives Geschäft des kommunalen Unternehmens handele.

Volker Fütterer (SPD) gab an, dass die Energieversorgung für Nordhausen nicht zusammenbreche, wenn eine solche Anlage nicht gebaut wird. Und außerdem sei da der ethisch-moralische Aspekt, Nahrungsmittel zu vergasen. Dem entgegnete Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD), dass es sich hierbei um eine Mischung mit Schlempe handele, die bei Nordbrand sowieso anfalle.

Und weil es dann noch den Wind als „Energieerzeuger“ gibt, will sich die EVN an der Thüringer Windkraftgesellschaft GmbH beteiligen. Vermutlich sollen sich die Windräder im Thüringer Becken drehen, denn im Landkreis Nordhausen sind die Vorrangflächen endlich. Mit in der GmbH „an Bord“ sind fünf weitere kommunale Versorger sowie EON Thüringer Energie. Als künftiger Gesellschafter müsste die EVN 7.000 Euro als Anteil am Stammkapital „löhnen“, hinzu kommen insgesamt 500.000 Euro, die in das Eigenkapital der Gesellschaft eingebracht werden.

Übrigens die Stadtwerke in Sondershausen haben einen entsprechenden Beschluss ihres Gesellschafters bereits in „Sack und Tüten“. Maximal sollen 40 Millionen Euro in Windpark investiert werden.
Autor: nnz

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Kommentare
TeeEff
06.06.2012, 18:55 Uhr
Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung...
absolut unverantwortlich von den Befürworter!
-Insider-
06.06.2012, 19:26 Uhr
auch
wenn mit schlempe ein abfallprodukt zu strom umgewandelt werden soll, so bin ich doch entschieden dagegen, mais und zuckerrüben zur stromgewinnung zu nutzen, solange in der welt tägl. hunderttausende, gar mio von menschen auf gut deutsch nichts zu fr**sen haben und daran zu grunde gehen! regenerative energien ja! aber nicht zu jedem preis.
Hans Dittmar
06.06.2012, 22:33 Uhr
Wir müssen umdenken!
Ob es nun im Himmelgarten oder in der Nähe des Fluplatzes in Bielen entsteht, es ist eine gute Sache! Ob wir den Mais anbauen oder nicht, verheizen oder nicht, ändert an der Hungersituation in der Welt nichts!

Wir müssen auf kurz oder lang überlegen, wie wir uns in Zukunft die Heiz- und Stromkosten leisten wollen. Täglich steigt der Energiebedarf. Wenn jeder mal in seinen Haushalt schaut, wieviele elektrische Geräte in den letzten 10 Jahren hinzugekommen sind. Heizungen wurden von Kohle auf Gas umgestellt, da müssen wir sehen, dass diese Energiewende durch kommunale Betriebe geschehen und nicht durch Geschäftsleute die ein paar Millionen über haben und mal schnell eine Anlage bauen und dann den Preis bestimmen.

Vermutlich wird Bielen der bessere Standort sein, ganz allein weil die Zufahrt dort besser ist und keine Anwohner stört. Ein Prüf-Verfahren wird es zeigen. Ich finde es eine tolle Sache!
I.H.
07.06.2012, 09:48 Uhr
Teufelskreis
Mit unserer Biostrom/Gas Produktion nehmen wir nicht nur Einfluss auf das Welthungerproblem, wir befeuern es förmlich. Durch den jetzigen Maisanbau fehlen bereits heute die erforderlichen Flächen, die für Deutschland die Selbstversorgungsquote beim Getreide sicherstellten.

Viele Jahrzehnte lang haben wir Millionen von Tonnen Getreide exportiert (bis zu 20% der Gesamternte). Heute fehlen uns bereits 5%, ca. 2 bis 3 Millionen Tonnen pro Jahr für die Selbstversorgung. Unsere jetzige Biostromproduktion hat aktuell dem Weltmarkt ca. 15 Millionen to Getreide p.a. "gekostet". Natürlich treibt das die Preise in die Höhe und führt in Größenordnungen zu Hunger in der Welt. Das sind auch nur die Zahlen für Deutschland. In den anderen Industrienationen sieht das genauso, zum Teil schlimmer aus.

Biostrom hat im Mix sicher seine Berechtigung, ein Allheilmittel oder ein "guter, sauberer Strom" ist er aber nicht. Zu den bereits spürbaren ökologischen Folgen dieser Monokulturen äußere ich mich heute mal lieber nicht, sonst wird das hier ein Buch! Fazit: Mal immer schön langsam mit den Jubelhymnen.
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