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Mo, 18:15 Uhr
04.06.2012

Vor 25 Jahren: 1060 Jahrfeier

Am kommenden Sonntag begeht die Rolandstadt Nordhausen im Rahmen des 44. Rolandsfestes mit einem großen Festumzug ihre 1085-Jahr-Feier. Und die Medien werden ganz sicher wieder darüber berichten. Doch wie sah vor einem Viertel Jahrhundert die Berichterstattung über das Jubiläum aus? nnz-Autor Hans-Georg Backhaus hat in seinem Zeitungsarchiv geblättert...


...und einen Artikel entdeckt, den er damals gemeinsam mit seinem Freund Gerhard Rothe (verstorben) für die Gebietsredaktion Eichsfeld/Nordthüringen des Thüringer Tageblatts verfasst hat und der am 17. Oktober 1987 als Aufmacher erschien. Die Schlagzeile lautete...

Hoch zu Roß „Königin Mathilde“.

Glanzvoller Festumzug zur 1060-Jahr-Feier Nordhausens mit 57 Bildern
240 Mitwirkende allein im historischen Teil – Anerkennung für Organisatoren


Zeitdokument (Foto: privat) Zeitdokument (Foto: privat) Zugegeben, es kommt nicht alle Tage – oder besser: Jahre – vor, dass eine Stadt ein Jubiläum begeht, welches keine „knallrunde“ Jahreszahl als Grund zum Feiern aufweisen kann. Dass die Nordhäuser es trotzdem verstanden haben, im Rahmen ihres traditionellen Rolandsfestes eine sehenswerte 1060-Jahr-Feier auf die Beine zu stellen, ist schon bemerkenswert. Angesichts der Vielfalt der Veranstaltungen, ihres in der Regel hohen Niveaus und der überaus großen Resonanz bei Einheimischen wie Gästen käme selbst der größte Kritiker nicht umhin, dieses zehntätige Spektakel als eine rundum gelungene Sache zu bezeichnen.

Die annähernd 100 Veranstaltungen unterschiedlichster Art, welche im Kreiskulturhaus (heute Jugendclubhaus, Käthe-Kollwitz-Straße – d. Verf.), im Stadttheater, auf Plätzen und Straßen, vor allem aber im beliebten Naherholungszentrum „Gehege“ über die Bühne gingen und an denen insgesamt rund 110 000 Menschen teilnahmen, boten für Alt und Jung so allerlei. Da gab es sehenswerte Programme der Konzert- und Gastspieldirektion mit renommierten Künstlern, so u.a. mit Schlagerstar Zsuza Koncz aus Ungarn, Petra Kusch-Lück und Roland Neudert vom DDR-Fernsehen. Für junge Leute standen eine Unmenge gestalteter Diskotheken, Show-Programme sowie Konzerte beliebter Rockgruppen aus dem In- und Ausland auf dem Programm. Den Filmfans wurde eine Bezirks-Film-Premiere des neuen DEFA-Streifens „Liane“ (DEFA – größtes volkseigenes Filmproduktionsunternehmen der DDR – d. Verf.). Anwesend war sogar eine repräsentative Filmdelegation der Schöpfer dieses Spielfilms.

Doch auf einem richtigen Rolandsfest durfte natürlich die Rolandgruppe nicht fehlen. Der Roland – der Stolz der Nordhäuser und einstmals Symbol einer freien Reichsstadt, die Hexe als Sinnbild des Harzes sowie die beiden Originale „Professor Zwanziger“ und der „Alte Ebersberg“ – sie alle hatten ständig ihre Auftritte. Aber nicht nur auf der Bühne. Roland und seine Getreuen mischten sich oft unters Volk und trieben an den Versorgungsständen ihren Ulk. Mit ihrem derben Humor und kritischen Anmerkungen auf Ungereimtheiten im lokalen Geschehen erhielten sie stets ungeteilten Beifall.

Was aber wäre ein Stadtjubiläum ohne Festumzug? Und den gab es dann am Wochenende. Bei strahlend-blauem Himmel und fast sommerlichen Temperaturen (die Feierlichkeiten fanden damals Mitte Oktober statt) erlebten Zehntausende Nordhäuser und ihre zahlreichen Gäste einen farbenprächtigen Umzug. In 57 Bildern wurde die wechselvolle Geschichte der Stadt - beginnend mit der einstigen Burg Northusen (frühere Schreibweise – d. Verf.) und Entwicklung zur Freien Reichsstadt bis hin zur heutigen zweitgrößten Industriemetropole des Bezirkes Erfurt (Thüringen war in der DDR-Zeit in drei Bezirke – Erfurt, Gera und Suhl - aufgeteilt) – anschaulich dargestellt.

Der Festumzug war in drei Teile untergliedert: Der erste historische Teil, der 16 Bilder umfasste und in dem 240 Bürger mitwirkten, stellte u.a. dar, dass unter der Regentschaft des ersten deutschen Königs Heinrich I. die Burg Northusen 927 erstmals urkundlich erwähnt wird und dass dieser König die Burg seiner Frau Mathilde als Witwensitz schenkt, ferner, dass Königin Mathilde das Kreuzstift gründet, das später in ein Damenstift und 1220 in ein Domherrenstift umgewandelt wird. Weitere Bilder galten solchen Ereignissen wie der Schlacht am Barfüßer Tor 1329, dem Aufstand der Innungen gegen die Patrizier 1375, die Einführung der Reformation 1522, die Eingliederung der Freien Reichsstadt Nordhausen in den Staat Preußen 1802, der französischen Besetzung 1806, der Eröffnung der Eisenbahnlinie Halle – Nordhausen 1866, dem 70jährigen Bestehen des Stadttheaters, der Nacht des Faschismus und dem schweren Neubeginn nach 1945.

Der 2. Teil des Festumzuges stand unter dem Motto „Von der Freien Reichsstadt zur modernen Industriestadt“. In 27 Bildern wurde die große ökonomische Leistungskraft der Stadt Nordhausen vorgestellt. Es wurde daran erinnert, dass die Grundlage für den Reichtum der Südharzstadt die Fruchtbarkeit der Goldenen Aue bildete. Begünstigt durch den Gerstenanbau wurde Nordhausen ab dem 16. Jahrhundert eine Stadt des Bieres. Und seit 1507 wird hier Schnaps gebrannt. Um 1750 war Nordhausen mit ca. 100 Brennereien zur Stadt des „Nordhäuser Korns“ geworden. Heute setzt der VEB Nordhbrand diese Tradition fort. Weitere Bilder machten auf die wichtigsten Betriebe wie IFA-Motorenwerke, Schachtbau, Hydrogeologie, Tabak, Tierzucht, Nobas und Fernmeldewerk und ihre Traditionen aufmerksam. Der 3. Teil, dem Thema „Jugend – Gesellschaft – Lebensfreude“ gewidmet, wurde zu einem großen Teil von den Massenorganisationen wie FDJ (Freie Deutsche Jugend), FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund), VKSK (Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter), GST (Gesellschaft für Sport und Technik), VdgB (Verband der gegenseitigen Bauernhilfe), Feuerwehr und DFD (Demokratischer Frauenbund Deutschlands) gestaltet.


Soweit der Originaltext. Zum besseren Verständnis insbesondere für junge Leser habe ich den damals gebräuchlichen Abkürzungen für die Parteien und Massenorganisationen der DDR die ausführliche Schreibweise sowie weitere Erklärungen (in Klammern) hinzu gefügt. Der Originalartikel wurde ergänzt durch drei Fotos, die Momente aus dem Festumzug zeigen. Die Aufnahmen stammen von dem damals sehr bekannten Nordhäuser Bildfotografen B. Niborn (verstorben).
Hans-Georg Backhaus
Autor: nnz

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