eic kyf msh nnz uhz tv nt
Fr, 12:30 Uhr
25.05.2012

nnz-Betrachtung: Was bleibt!

In etwas mehr als einem Monat geht der Dienst von Landrat Joachim Claus und Oberbürgermeisterin Barbara Rinke zu Ende. Er - 22 Jahre im Amt, sie 16 Jahre. Was haben die beiden kommunalen Spitzenbeamten dieser Region nun hinterlassen...


Die Erfolge werden sicher in den nächsten Tagen und Wochen mehrfach Gegenstand und Inhalt von Rechenschaften sein. Schöne Schulen, eine tolle Landesgartenschau, ein neues Landratsamt, eine Hochschule, viele Neubauten, ein neuer Gondelteich und vieles mehr.

Doch wie sieht es mit der anderen Seite der Medaille aus? Mit den Schulden, mit denen nicht nur Birgit Keller und Dr. Klaus Zeh, sondern wir normale Steuerzahlen zurecht kommen müssen? Die nnz hat sich deshalb in eine Art Kassensturz versucht.

Der Landkreis

Da wird seit x Jahren in diversen Sitzungen vom Abbau des imaginären Soll-Fehl-Betrages geredet. Doch anstelle dieses Monster abzubauen, ist der beständig angestiegen. Verantwortlich dafür der Landrat, die Verwaltung und der Kreistag. Mit dessen Definierung wollen wir uns nicht aufhalten, statt dessen wollen wir lieber in die Kreiskasse schauen. Darin findet sich weder ein Euro, noch ein Cent. Dafür erblickt der aufmerksame Mensch aktuell den Betrag von 12,5 Millionen Euro - Schulden. Das ist der so genannte Kassenkredit. Der wird sich - sagen die Kreisverwalter auf nnz-Nachfrage - bis Dezember auf rund 19 Millionen Euro erhöhen.

Es gibt jedoch noch mehr Schulden. Zu tilgen sind nämlich Darlehen in Höhe von fast 24 Millionen Euro. Hinzu kommen Verbindlichkeiten aus Leasing und ähnlichen Geschäften. Da müssen zum Beispiel für den Neubau des Landratsamtes, der Tiefgarage und der Wiedigsburghalle noch knappe 16 Millionen Euro abgestottert werden.

Die Stadt

Der Blick in die Nordhäuser Stadtkasse, genauer gesagt in das transparente und für alle Stadträte verständliche doppische Zahlenwerk. Hier hat sich das Defizit in diesem Jahr bislang auf mehr als fünf Millionen Euro angehäuft. In dem Minus-Sammelsurium befinden sich 3,2 Millionen Euro weniger an Schlüsselzuweisungen vom Land Thüringen. Das jedoch ist bereits seit Sommerausgang 2011 bekannt. Wie die Nordhäuser Stadtverwaltung mitteilt, plagen sich die Finanzverantwortlichen mit einer 1,4 Millionen Euro “schweren” Kreisumlage herum. Allerdings ist das so korrekt nun auch wieder nicht, denn bekannterweise wird immer mit der Umlagenhöhe des vergangenen Jahres geplant und die lag nach nnz-Informationen bei 900.000 Euro. Also: ein zusätzliches Defizit von “nur” 500.000 Euro. Ob dabei die durch den Kreistag beschlossene Reduzierung der Kreisumlage mit eingerechnet ist, konnte der nnz bislang nicht beantwortet werden.

Was im vergangenen Jahr nicht geplant gewesen sein soll, das sind 900.000 Euro an “allgemein gestiegen Verwaltungskosten zum Beispiel durch Mehrbedarfsanmeldungen der freien Kita-Träger, Rückstellungen für Beamte, Tarifsteigerungen, höhere Kosten für Straßenreinigung.” Hinzu kämen auch Rückzahlungen an Gewerbesteuern.

Im großen Topf der Schulden sind noch 35 Millionen Euro aus Krediten zu finden, ein Kassenkredit wurde nicht in Anspruch genommen. Pro Bürger sind es also 750 Euro an Schulden, die nach der Ära von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke übrigbleiben.

Doch wir wollen nicht nur zurückblicken, sondern auch einen Ausblick wagen. So wollten wir wissen, was künftig auf uns alle an Betreibungskosten für die neue Flohburg, die Kulturbibliothek oder das Kinderhaus Ost zukommt. Antwort der Stadtverwalter: “Das lässt sich derzeit noch nicht beziffern – schwierig wird es insbesondere beim Kinderhaus Ost, da dort noch Verhandlungen mit den zu übernehmenden Kita-Mitarbeitern ins Haus stehen. Fest steht: Weder für Bibliothek noch Flohburg muss zusätzliches Personal eingestellt werden.” Kein Wort zu den anderen Betriebskosten wie Grundsteuern, Energie, Wasser, Abwasser, Entsorgung - also all das, mit was sich der normale Grundstücksbesitzer sonst noch so herumschlagen muss.

Wie eingangs beschrieben: Wir wollten die Bilanz von Joachim Claus und Barbara Rinke nicht auf die Miesen beschränken. Sie gehören aber dazu, werden jedoch vermutlich in den kommenden öffentlichen Veranstaltungen bis hin zum eigentlichen Abschied der beiden in knapp einem Monat nicht zum protokollarischen Teil gehören.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare
Dora75
25.05.2012, 14:46 Uhr
Claus und Rinke
Die Damen und Herren gehen und die nächsten sind schon da. Wollen wir hoffen das sich alles zum Besseren endwickelt.
-Insider-
26.05.2012, 10:31 Uhr
anmerkung
für die redaktion:

um grundsteuern brauch man sich weder bei bibliothek, noch flohburg und auch nicht beim kinderhaus gedanken machen. das sind "öffentliche gebäude" und somit frei von grundsteuern (nehme ich mal an, die entscheidung liegt ja letztlich bei der rathausmonarchie)

trotzdem möchte ich noch dazu sagen, dass ich es persönlich eine frechheit finde, dass man solche gebäude baut ohne zu wissen, was da an folgekosten entstehen. schön, dass man da so professionell mit meinem und dem geld anderer umgeht. ich freue mich auf frischen wind in beiden häusern!
altmeister
26.05.2012, 22:05 Uhr
Was aber tun...
wenn das Kind im Brunnen liegt? Dass das Geld ohne Beachtung der Folgekosten ausgegeben wird, ist leider ein "politisches" Denken. In der Privatwirtschaft muß der Initiator auch die Folgekosten bedenken, sonst kostets den Kopf oder das Vermögen, unsere OB geht aber in Rente!

So stehen ein paar richtig teure "Denkmäler" in der Stadt und keiner weiß, was diese uns kosten werden und, noch dazu, was aus der dann leerstehenden Bibliothek werden soll. Hat jedenfalls bisher noch keiner ein Wort dazu gesagt.
Nachhaltigkeit ist wohl nicht so das Wichtigste gewesen.
Gudrun1974
27.05.2012, 09:40 Uhr
@altmeister: Privatwirtschaft lebt von kommunalen Investitionen
Ach Altmeister: Wovon lebt denn die Privatwirtschaft? Glauben Sie, die Privatwirtschaft freut sich nicht über solche Investitionen? Sehen Sie sich mal das Bauschild an, da sehen Sie, wieviel Gewerke - und damit Arbeitnehmer - von diesen Bauten leben. Die Städte sind meines Wissens die größten öffentlichen Investoren.

Die ewigen Vergleiche mit der Privatwirtschaft hinken sowieso. Die Banken sind ja wohl elementarer Bestandteil der Privatwirtschaft - oder irre ich? Mit welchem Geld wurden sie vorm Untergang bewahrt: Mit genau dem Geld, das heute für Schulen u.ä. fehlt!

Und aus welchen Mitteln wurde die Abwrackprämie gespeist? Ist Daimler heute notleidend? Oder VW?
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)