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Mi, 09:16 Uhr
27.09.2000

Satirezeitschrift beleuchtet die Einheit - "aber andersherum"

Berlin/Nordhausen (nnz). - Was wäre gewesen, wenn die Bundesrepublik der DDR beigetreten wäre? - Dieser nicht ganz ernst gemeinten Frage geht die Satirezeitschrift "Eulenspiegel" passend zum Einheitsjubiläum in einer "Sonderausgabe" der führenden DDR- Tageszeitung "Neues Deutschland" nach. Unter dem Titel "Zehn Jahre deutsche Einheit - aber andersherum!" ist seit heute im Zeitungshandel, für 2,80 Mark West versteht sich.
Erfahren kann man dort unter anderem, was Rita Süssmuth zehn Jahre nach der Wende in den Farben des Sozialismus macht: Sie ist Schichtleiterin im volkseigenen Kombinat Industriebau Halle-Leipzig.
Und "Kollege Gerhard Schröder" schmähte im Umerziehungslager "kurz, aber überzeugend das Renegatentum der deutschen Sozialdemokratie von Lasalle bis Scharping und der frühere Graf Lambsdorff konnte die zehn Gebote der sozialistischen Moral mit sehr schöner Betonung aufsagen." Wirtschaftlich ging es natürlich voran und 1997 konnte verkündet werden: "Der Zloty kommt! Ab 2001 einheitliche Währung vom Atlantik bis zum Pazifik" und Generalsekretär Egon Krenz verkündete: "Unsere Bürger werden schon bald Millionäre sein." Und in Bad Pyrmont wurde 1998 das 5 000. Atomkraftwerk in Betrieb genommen. Die Anlage vom Typ "Kleiner Stromer" versorge nun die ganze Umgebung.
Betrübliche Kunde jedoch aus Königswinter: Der dortige Ortsgeistliche Pfarrer Peter Hintze, der bekannt wurde, als er den Roten Stern anstelle des Kreuzes auf seinem Kirchturm anbrachte, und in Kampfgruppenuniform predigte, wurde aus der "Kirche im Sozialismus" ausgeschlossen, heißt es in der satirischen Betrachtung der Wende "andersherum".
Autor: psg

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