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Do, 06:49 Uhr
22.03.2012

nnz-Forum: Relativiertes Lob

Da kann nnz-Leser Bodo Schwarzberg dem Kreistag mal ein Lob aussprechen. Offenbar habe er erkannt, dass ein Naturpark Südharz ohne Erhaltung seiner historisch gewachsenen Kulturlandschaft nicht denkbar sei. Von daher muss er sein Lob aber auch schon wieder relativieren...


Landschaften pflegen (Foto: B. Schwarzberg) Landschaften pflegen (Foto: B. Schwarzberg)
Dieser unmittelbar oberhalb des Steinbruches Hohe Schleife gelegene Halbtrockenrasen ist das wohl größte verbliebene Relikt einer einst wunderbaren, vielfach offenen Gras-Landschaft am Hagen- bzw. Hockeberg und am Kohnstein. Er sollte schon deswegen unbedingt erhalten werden, was jedoch die Entfernung des infolge fehlender Beweidung angeflogenen Buschwerks einschließt. Dafür benötigen wir aber einen leistungsfähigen Landschaftspflegeverband.

Denn wenn er anders entschieden hätte, wären die Worte des Landrates und jene von Herrn Minister Reinholz zu dessen Einweihung nicht viel mehr als ein Lacher. Es konnte keine andere Entscheidung geben, wenn man die beiden Genannten nicht als Täuscher und Schönwetterredner im Regen stehen lassen und den Landkreis und den Naturpark nicht als Gegensätze herausstellen wollte. Dieses Bekenntnis zum neuen Landschaftspflegeverband steht gleichrangig für ein (alternativloses) Bekenntnis zum Naturpark Südharz.

Der Eintritt des Landkreises in den LPV ist zudem ein kleiner Schritt in Richtung einer stärkeren Verknüpfung des lokalen Handelns mit globalen, oder zumindest überregionalem Denken. Denn wenn sich Herr Renholz wie jüngst zur Vorstellung der neuen Roten Listen alarmiert zeigte, dann kann dies nur ein aktives Handeln im Sinne des Arten- und Landschaftsschutzes in den Regionen nach sich ziehen. Alles andere wäre töricht, ja finanziell gefährlich, zumal auch Thüringen gegenüber der EU in der Pflicht steht, die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie umzusetzen - bei der Gefahr von Strafzahlungen im Falle von Untätigkeit. Allerdings blaube ich kaum daran, dass die Kreistagsmitglieder bei ihrer Entscheidung tatsächlich global gedacht haben.

Eine reich strukturierte Landschaft mit einem hohen Anteil extensiv bewirtschafteter Halbtrockenrasen und Trockenrasen auf Gipsunterlage ist in dieser Ausprägung ein Alleinstellungsmerkmal unsere Region im europäischen Maßstab. Dessen sollten wir uns bei allen Entscheidungen stets bewusst sein.

In diesem Sinne bedeutet der Beitritt des Landkreises zum Landschaftspflegeverbandes indirekt auch ein Bekenntnis gegen die Sehnsucht der Gipsindustrie nach neuen Steinbrüchen oder nach Steinbrucherweiterungen: Eine intakte und artenreiche Kulturlandschaft ist vor Baggern und Sprengladungen schlicht und einfach sicherer. Der Kohnstein-Bruch ist eines von mehreren Verbrechen dieser Art an unserer Landschaft und sollte uns Warnung sowie Verpflichtung sein.

Bleibt zu hoffen, dass sich der Landkreis, unter wessen Führung auch immer, nun auch aktiv in die Landschaftspflege einbringt. Denn zahlende Mitglieder gibt es in den meisten Vereinen genug.
Bodo Schwarzberg, Nordhausen
Autor: nnz

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