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Mi, 11:28 Uhr
21.03.2012

Moralisch am Ende

Gestern beschloss der Nordhäuser Kreistag die Erhöhung der Kreisumlage um rund 1,5 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Das sind zwar 500.000 Euro weniger als geplant, dennoch rumort es an der kommunalpolitischen Basis. Die nnz mit einem Beispiel...


Manfred Handke (Foto: nnz) Manfred Handke (Foto: nnz) Seit 1983 interessiert sich Manfred Handke aus Werther für die kommunale Politik in Werther. Mit einer kurzen Unterbrechung engagiert sich der Mann im Gemeinderat. Konnte vor allem nach der politischen Wende erfahren, was es bedeutet, den Ort, das Gemeinwesen mitzugestalten, konnte kommunale Selbstverwaltung erleben. "Den Haushaltsdiskussionen im Gemeinderat waren Ortsbegehungen und Gespräche mit den Ortsteilbürgermeistern vorausgegangen. Dabei haben wir erkundet, welcher Verein, welche Baumaßnahme das notwendige Geld erhält und haben das demokratisch beschlossen und anschließend gemeinsam verantwortet. Es ging um die Festlegung von Prioritäten aus kommunalpolitischer Sicht", erzählt Handke, der für den "Runden Tisch Werther" in den Gemeinderat gewählt wurde.

Diese Zeiten sind nun vorbei. Es ist einfach keine Diskussion mehr nötig, es sei schlicht und ergreifend kein Geld mehr vorhanden. Ein Blick auf Zahlenkolonnen belegt das akribisch. Die Rechnung geht folgendermaßen: Zieht man von den Schlüsselzuweisungen des Landes an die Einheitsgemeinde Werther die Kreis- und Schulumlage ab, dann bleibt ein Restbetrag übrig. Im Jahr 2000 lag der in der Einheitsgemeinde Werther bei rund 827.000 Euro, in diesem Jahr wird er bei rund 10.000 Euro liegen.

Diese 10.000 Euro sollen für Vereine, Jugendklubs, die Freiwillige Feuerwehr und viele andere freiwillige Aufgaben reichen. Sie müssen reichen. Und so werden die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren weiter auf ihrem "Ello" sitzen, von den einstigen sechs Jugendklubs bleiben zwei übrig und stundenweise geöffnet und so manche Straße in den Ortsteilen der Einheitsgemeinde verdient die Bezeichnung Feldweg nicht mal mehr. Eine Brücke zwischen Klein- und Großwechsungen kann nicht saniert werden, weil die zehn Prozent Eigenanteil durch die Kommune nicht zu stemmen sind.

"Uns Gemeinderäte hat man jeglichen Spiel- und Gestaltungsraum genommen, wir können nur noch beschließen, welche Gebühren und Steuern künftig erhöht werden müssen. Ich sage das ganz klar: Ich lege mein Mandat dann nieder, wenn darüber diskutiert werden muss, welcher von den beiden Kindergärten zuerst geschlossen werden muss. Dann ist für mich Feierabend", sagte Manfred Handke im Gespräch mit der nnz.

So wie er denken momentan viele Frauen und Männer in den Gemeinderäten im Landkreis Nordhausen. Sie haben schlicht und ergreifend die Nase voll. Das Land kürzt die Zuweisungen an die Kommunen, also die deren wichtigste Einnahmequelle und der Landkreis erhöht die Kreisumlage und damit die Ausgabenseite der Kommunen. Eine "tödliche" Spirale.

Deshalb fordert Manfred Handke von der Landkreisverwaltung ein konsequentes Sparsamkeitsdenken und -handeln. Das könne er bisher nicht erkennen. In seiner Einheitsgemeinde seien in der Verwaltung in den zurückliegenden Jahren durch Nichtwiederbesetzung fünf Mitarbeiter eingespart worden. Und wie sieht das in der Kreisverwaltung aus?

Vom Land erwartet er eine ordentliche finanzielle Ausstattung der Kommunen, so wie es das Grundgesetz vorsieht, vor allem muss das Land auch das finanzieren, was es an Aufgaben an die Städte und Gemeinden und die Landkreise abgibt.

Manfred Handke liebt sein Heimatdorf, hier will er als Gemeinderat auch weiterhin mitgestalten. Für ihn bleibt dabei jedoch nur die Frage: Was gibt es überhaupt zu gestalten? Für ihn steht fest: "Moralisch sind wir mit dieser Finanzpolitik am Ende." Nicht nur Werther.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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Kommentare
WR-NDH
21.03.2012, 15:17 Uhr
Vielen Dank Herr Handke,
anhand Ihrer Zahlen wird nun wohl jedem klar, dass die jahrelange Misswirtschaft der Kreisverwaltung, der der Kreistag keinen Einhalt geboten hat, dazu führte, dass die Kommunen so gut wie handlungsunfähig sind. Aber nicht nur die Kommunen sind handlungsunfähig. Auch der Kreis selbst ist ja bekanntermaßen pleite. Und das schon seit Jahren. Eine Zwangsverwaltung ist daher nicht auszuschließen. In der freien Wirtschaft müssten Familienunternehmen Insolvenz anmelden, Konzerne würden die Führungsmannschaft ihres Tochterunternehmens entlassen und strikte Spar- und Umstrukturierungsmaßnahmen durchführen.
Nichts dergleichen in der Kreisverwaltung und im Kreistag. Dort hat man in Kenntnis des Schuldenberges, die für Finanzen zuständige 1. Beigeordnete nicht nur wiedergewählt, man hat ihr auch noch eine Gehaltserhöhung von 350,00 €/Monat genehmigt (insgesamt 79 T€ Jahresgrundgehalt), die sie zwar bei ihrer Wiederwahl ohnehin bekommen müsste, aber man hätte ja jemanden wählen können, der die Aufgaben besser löst und weniger Gehalt verlangt. Ich bezweifle, dass die Kreistagsmitglieder so entschieden hätten, wenn der Kreis „ihr Eigentum“ wäre und sie für die Folgen der Entscheidung geradestehen müssten. Auch eine 2. Beigeordnete braucht man nicht zwingend. In anderen Bundesländern funktioniert das auch ohne. Teilweise fungieren anderswo Beigeordnete auch nebenamtlich.
Ich habe ja auch schon an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass das Millionengrab Mülldeponie nicht entstanden wäre, wenn die durch den Kreistag gestellten Aufsichtsräte fachlich in der Lage gewesen wären die Geschäftsführung zu kontrollieren. Mir scheint, auch das sind nur Alibifunktionen.
Es ist auch schon lange an der Zeit gleichartige Ämter der Stadt und des Kreises zusammenzulegen. Aber man fürchtet wohl Ärger durch die Freisetzung von Mitarbeitern zu bekommen und die Gehälter werden ja durch Erhöhungen der Kreisumlage eingetrieben.

Als die Mitarbeiterinnen des Krankenhauses darauf hinwiesen, dass sie seit Jahren auf einen Teil ihres Gehaltes verzichten, damit das Krankenhaus nicht privatisiert wird, kam mir der Gedanke, dass die mit 100% Westtarif bezahlten Angestellten der Verwaltung das doch auch tun könnten.

Außerdem bin ich fest davon überzeugt, dass eine effizientere Gestaltung der Arbeitsprozesse auch zu einer Reduzierung des Personals führen kann, ohne die Funktionalität der Verwaltung zu beeinträchtigen. Man muss die Leute ja nicht schlagartig entlassen, aber durch ausscheidende Mitarbeiterinnen freiwerdende Stellen müssten ja nicht unbedingt wieder besetzt werden. Man könnte auch die seinerzeitige Fehlentscheidung für das Leasing der Gebäude des Landratsamtes korrigieren und nach Ablauf der Vertragslaufzeit in eigene Gebäude umziehen.

Ich bin der Meinung, dass es viele Möglichkeiten gibt die erforderliche Gesundung der Kreisfinanzen voranzubringen. Man muss es nur wollen.
Suse
21.03.2012, 17:54 Uhr
Nur die Anderen ?
Wie sah es denn in Werther aus? Haben denn die vielen Ortsbürgermeister auf eine Zulage verzichtet? Sie waren ja auch noch fast alle Angestellte der Verwaltung. Waren Sie, Herr Handke, nicht einmal SPD-Kandidat ? Auch in Werther wurde nicht anders gekocht als im Kreistag! Das müssten Sie doch am besten wissen, als erfahrenes, langjähriges, Gemeinderatsmitglied. Nicht mit Steinen werfen, wenn man selbst im Glashaus sitzt!
Mitleser
21.03.2012, 20:11 Uhr
Freiwillig ?
Was mir in diesen Artikel mal wieder auffällt, dass eine Pflichtaufgabe der Gemeinde wieder gleich mit freiwilligen Aufgaben gesetzt wird. Die Aufgabe Feuerwehr ist laut Thüringer Brand- und Katastrophenschutzgesetz eine Pflichtaufgabe der Gemeinde. Es kommt mir so vor, als ob sich manche Gemeinderäte nicht ihrer Pflichtaufgaben bewusst sind!

Zitat: "Diese 10.000 Euro sollen für Vereine, Jugendklubs, die Freiwillige Feuerwehr und viele andere freiwillige Aufgaben reichen."

NUR weil sie Freiwillige Feuerwehr heißt ist sie keine freiwillige Aufgabe der Gemeinde, sondern eine Pflichtaufgabe!

Man sollte froh über jeden sein, der seine Freizeit ehrenamtlich/ freiwillig und unentgeltlich für eine Pflichtaufgabe der Gemeinde opfert.
H.Buntfuß
21.03.2012, 21:18 Uhr
Kaum zu glauben
Diese Selbstbeweihräucherung der Kreistagesmitglieder, warum machen sie das? Haben sie alle Dreck am Stecken?

Es ist mir auch unbegreiflich wie eine für Finanzen zuständige Person so hoch bezahlt wird, obwohl der Kreis pleite ist? In der freien Wirtschaft hätte man solche Leute vor die Tür gesetzt.

Jetzt wird mir auch klar warum solche Leute in die Politik gehen, man muss sich für seinen Mist den man am laufenden Band verzapft, nicht verantworten.

Man kann die Steuergelder nur so verprassen und wird dafür auch noch belobigt. Ich habe so manche Sitzung erlebt und muss sagen, was man da zu sehen und zu hören bekommt, gleicht dem Niveau einer............. Aber besuchen sie doch selber mal eine Sitzung,dann wissen sie was ich meine.
Brockenelfe99
22.03.2012, 08:53 Uhr
Unwissenheit nervt
Es ist immer wieder bemerkenswert wie sich Leute äußern, die von politischen Sachen scheinbar keine Ahnung haben, nech Suse? Ich glaube nicht dass man sich dann darüber ein Urteil bilden sollte. Es gibt so viele ehrenamtliche Mitwirker in der Politik die weder eine Zulage oder ähnliches bekommen und trotzdem was erreichen möchten. Und von Herrn Handke gibt es viel zu wenige, die sich so engagieren und auch noch vertrauenswürdig sind.
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